Was ist eigentlich „normal“?

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  • #194502

    Ja, ich arbeite gern von zu Hause aus, @Cellardoor, auch wenn mir ab und zu echte Kontakte fehlen. Generell ist es von Vorteil, weil ich mir so meine Zeit frei einteilen kann und wenn es mir mal nicht so gut geht, einfach aussetze. Ich werde nach Leistung bezahlt, also wenn ich nichts mache, bekomme ich auch nichts. Das ist fair, finde ich. Als Grundlage habe ich ja die EU-Rente.

    #194505

    Die Frage bringt einen zum Nachdenken, normal ist für mich der Gesellschaft anzugehören, aber das ist schwierig, weil Schizophrene oft erwerbsmindert sind und wenig Geld zur Verfügung haben, da man oft schon in jungen Jahren erkrankt. Ich sehe das so, daß Schizophrene nie normal sein werden, weil sie sich mit sich selbst und dem eigenen Leben so sehr auseinandergesetzt haben wie kaum ein normaler und in große Not gekommen sind auch wenn man all die Standards hat wie Job, Familie usw. desweiteren kriegen es immer irgendwelche Leute mit das man soetwas durchgemacht hat, z. b. auf der Arbeit oder im Bekanntenkreis, oder weil jemand einen in der Psychiatrie gesehen hat, z. b. der Pizzabote (als ich drin war haben sich manche Leute pizza bestellt und ich kannte den Pizzaboten). Das geht rum wie ein Lauffeuer. Ich verstehe es das man dazugehören will weil ich auch danach gestrebt habe

    #194512

    Speziell Menschen mit psychischen Problemen scheinen, was die Krankheit betrifft, sehr Mitteilungsbedürftig zu sein.
    Warum? Erzählt man jedem auf der Arbeit irgendwelche privaten Probleme?
    Am Ende geht es doch nur darum , das man den Job gut macht. Macht man den besser, wenn alle Bescheid wissen, das man z.B. sein ganzes Geld verzockt hat und eigentlich total pleite ist?
    Dasselbe mit Psychosen. Man war in der Vergangenheit ein paar mal in der Klinik? Und? Who cares.

    Ich hatte mal eine Kollegin, welche uns im Vorfeld ungefähr so vorgestellt wurde:
    „Ab Montag fängt xxx an, bitte geht behutsam mit ihr um, sie musste schon zwei mal das Projekt wechseln, weil sie jeweils gemobbt wurde“
    Natürlich sieht man eine neue Kollegin nach so einer Ansage erstmal mit anderen Augen und schaut evtl. genauer hin.
    Naja, die Kollegin fing an und hat bei jeder Gelegenheit auf dem Mobbing Thema rumgeritten und sich quasi von Anfang an in die Opferrolle begeben.
    An stressigen Tagen hat dieses Verhalten aber nur noch genervt. Also anstatt einfach die Arbeit zu machen und gut ist, sollte  ständig jeder auf sie Rücksicht nehmen und bei jeder Kleinigkeit, hat sie einem das Mobbing-Thema vorgehalten.
    Am Ende (nach ca 6 Monaten) wurde sie nur noch gemobbt, weil es einfach allen auf den Sack ging.
    Sie hatte quasi darum gebettelt, gemobbt zu werden (sorry, das ich das so sagen muss, war aber so)
    Nach ungefähr einem Jahr hatte sie uns dann in das nächste Projekt verlassen.

    3 verschiedene Arbeitsumgebungen, mit jeweils anderen Kollegen und sie wurde in allen gemobbt?
    Kann ja kein Zufall sein.

    Ich hätte meine vergangenen Jobs wohl gar nicht erst bekommen, wenn ich offen gewesen wäre…ein kleines Dilemma.

    Genau aus oben beschriebenen Gründen, verstehe ich dein „Dilemma“ deswegen auch nicht.

    Wenn ich mich irgendwo bewerbe und angenommen werde, dann sollte dies aufgrund Eignung passieren und nicht wegen Mitleid oder irgendwelchen Quoten.

    #194513

    @planB ja du hast recht, im Nachhinein meine ich daß das Leben nicht normal war, weil eben abweichend von der Norm

    #194514

    Ich habe auf Arbeit auch nichts von meiner Krankheit erzählt. Nach dem Psychiatrieaufenthalt war ich zwar nah dran, aber meine Therapeutin hat mir davon abgeraten, wofür ich ihr dankbar bin. Man muss nur mal was „komisches“ machen, schon heißt es, man ist ja eh der Psycho. So stell ich mir das jedenfalls vor. Jetzt läuft es wieder ganz gut mit dem Arbeiterledigen und ich habe von Kollegen schon positive Rückmeldung bekommen.

    #194515

    Naja, wenn man einmal im Jahr für 6 Wochen in der Klinik verschwindet, muss man aber schon einen Grund angeben, nicht?! Ich denke, es würde ganz hart zur Ent-Stigmatisierung beitragen, wenn „Psychos“ offen mit ihren Diagnosen umgehen würden. Dann würde dieses Geschmäckle des Besonderen nämlich einfach wegfallen, weil es so viele betrifft. So lange wir darüber schweigen und uns dafür schämen, psychisch krank zu sein, wird sich daran nichts ändern.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Wochen, 3 Tage von Angora.
    #194519

    @angora nicht jeder ist ein Vorkämpfer, ich jedenfalls wohl nicht. Ich hätte auch Befürchtungen, auf einen langweiligen Arbeitsplatz abgeschoben zu werden, wo ich „ungefährlich“ wäre. Eigentlich muss man auf Arbeit nichts sagen zu seiner Krankheit. Ich hatte anfangs meine Erstdiagnose Depression angegeben und bei dem Glauben ist es jetzt auch geblieben.

    #194527

    @PlanB Ich glaube nicht, dass deine ehemalige Kollegin quasi ums Mobbing gebettelt hat. Maximal hat sie Angriffsfläche geboten, die wohl von euch genutzt wurde. :negative: Dass sie euch als „Mobbing-Opfer“ vorgestellt wurde, war für sie sicherlich nicht von Vorteil, da stimme ich dir zu.

    Genau aus oben beschriebenen Gründen, verstehe ich dein „Dilemma“ deswegen auch nicht.

    Mein „Dilemma“ ist etwas umfangreicher.
    Mit 19 Jahren erkrankte ich das erste mal und alle 3-5 Jahre erneut. Um EU-Rente zu beziehen, war ich nie lange genug in einem Job, um Ansprüche zu haben, weil immer irgendein Ausflug in die Psychiatrie dazwischen kam. Das färbt dann irgendwann den Lebenslauf, der in der Regel bei jeder Bewerbung relevant ist. Natürlich wäre es da das Einfachste, offen sein zu dürfen, um eventuelle Lücken, Jobwechsel oder gar Berufsbereichswechsel erklären zu können. Und was wird ein Arbeitgeber, der einen potentiellen und qualifizierten Bewerber vor sich hat, tun, wenn er ahnen kann, dass dessen Potential aufgrund von Krankheit nicht voll genutzt werden kann? Ich würde in dieser Rolle dem Bewerber aus wirtschaftlichen Gründen (kranke Arbeitnehmer sind teuer) nicht einstellen! Deswegen hühner ich bei jedem Gespräch mit meinem Pseudo-Lebenslauf rum und muss an einem Lügengerüst festhalten, wenn ich eine Chance bekommen will.

    Speziell Menschen mit psychischen Problemen scheinen, was die Krankheit betrifft, sehr Mitteilungsbedürftig zu sein. Warum?

    Die Antwort hat @Hanna meiner Meinung nach schon geliefert:

    Ich sehe das so, daß Schizophrene nie normal sein werden, weil sie sich mit sich selbst und dem eigenen Leben so sehr auseinandergesetzt haben wie kaum ein normaler

    Jemand, der sich viel mit sich selbst auseinandersetzt, hat wahrscheinlich mehr Mitteilungsbedürfnis, als jemand, der wenig nachdenkt.

    Wie @Angora es offen handhabt, finde ich mutig und in ihrer Situation auch passend.

    Man kann nicht immer ein Held sein - aber man kann immer ein Mensch sein. (Goethe)

    #194530

    Jemand, der sich viel mit sich selbst auseinandersetzt, hat wahrscheinlich mehr Mitteilungsbedürfnis, als jemand, der wenig nachdenkt.

    den Satz würde ich nicht als allgemeingültig unterschreiben ;-)

    #194532

    @Hanseatic Jemand, der sich selbst viel reflektiert, hat wahrscheinlich mehr Gesprächsbedürfnis, als jemand, der das nicht tut.

    Würde das durchgehen? ;-)

    Man kann nicht immer ein Held sein - aber man kann immer ein Mensch sein. (Goethe)

    #194534

    Ich denke auch viel nach. Jedoch habe ich sehr wenig Mitteilungsbedürfnis. Ich brauche immer ein Ziel vor Augen! Dann kann ich mich entfalten.

    #194540

    Ich denke jemand der etwas erlebt hat, was er selbst als nicht normal empfindet, hat das Bedürfnis darüber mit irgendjemanden zu reden.

    Meine Erfahrungen mit der Arbeit sind da so eine Sache.

    Ich habe meine Stationen im Lebenslauf vermerkt (außer Klinik natürlich).

    Da steht dann medizinische Reha (mit einer Zeile, was ich dort gemacht habe und wozu das dienen sollte) und anschließend berufliche Reha. Das ist mein Weg einen möglichst sauberen Lauf hinzukriegen ohne zu verschweigen und doch nicht alles zu erzählen. Die Diagnose brauche ich dabei dann auch nicht erwähnen und der Arbeitgeber kann mich dann gleich bei der Bewerbung aussortieren wenn es für ihn nicht passt.

    Durch mein derzeitiges Praktikum hatte ich die Möglichkeit mich zu beweisen und ich denke ich habe eine gute Performance abgeliefert. Auch für mich war das wichtig um zu gucken wo ich stehe.

    Auf der Arbeit habe ich es irgendwann Kollegen erzählt. Beiläufig und mit Humor unterfüttert, auch nicht unbedingt die Diagnose, sondern mehr so in die Richtung, dass ich Tabletten nehme oder psychische Probleme hatte. Und nicht sofort, sondern erst als man sich etwas kannte und auch so mal über privates geredet hat. Von einigen wurde es abgenickt, andere erwähnen es ab und zu, aber ich bin da nicht der komische Kauz, sondern vielleicht derjenige der manchmal etwas unkonzentriert ist. Es war aber auch nicht immer positiv. Da liegt es dann an mir mit einer guten Arbeitsleistung das Gegenteil zu beweisen. Und ein-, zweimal erwähnen reicht auch finde ich.

    Aufjedenfall würde ich zumindest eine Vertrauensperson auf der Arbeit haben wollen die Bescheid weiß. Zum Beispiel der direkte Vorgesetzte, aber nicht unbedingt den Chef.

    #194548

    Hey @rebus, auf den Druck würde ich gern verzichten, das Gefühl zu haben mich extra beweisen zu müssen auf der Arbeit, man kann im privaten Bereich Akzeptanz suchen, ich hätte für mich da echt schiss, es wissen echt schon genug Leute, da brauch ich es nicht noch anderen unter die Nase zu reiben, Respekt für dich das du es so handhabst, aber deine genaue Diagnose hast du ja nicht mitgeteilt

    #194551

    Habe noch einmal nachgedacht über das Mitteilungsbedürfnis.

    Jemand, der viel nachdenkt, könnte auch eher introvertiert sein und daher weniger mitteilungsbedürftig. Konntest du deswegen meinen Satz nicht als allgemeingültig unterschreiben @Hanseatic ?

    Es sind auch nicht alle mit Psychose-Erfahrung redselig. Es ist wohl immer mit einer Abwägung im beruflichen Kontext verbunden, wieviel man von sich Preis gibt – ob mit oder ohne Psychose.


    @rebus
    Ähnlich steht das auch in meinem Lebenslauf, nur mit beruflicher Reha. Wer akribisch googelt, kommt von selbst darauf, dass meine Psyche einen Knax weg hat.

    Ich habe auf Arbeit auch nichts von meiner Krankheit erzählt. Nach dem Psychiatrieaufenthalt war ich zwar nah dran, aber meine Therapeutin hat mir davon abgeraten, wofür ich ihr dankbar bin.

    Ähnlichen Rat habe ich auch von meinem Coach bekommen und mit ihm meinen „Pseudo-Lebenslauf“ erörtert, wie ich mich am besten verhalte bei einem Vorstellungsgespräch. Doch weicht es von der Wahrheit ab und ist für mich trotzdem relativ schwierig umzusetzen.

    Man kann nicht immer ein Held sein - aber man kann immer ein Mensch sein. (Goethe)

    #194552

    Leute können echt gemein sein, ich bin von Beruf Friseurin in einer Kleinstadt, ich bin EU Rentnerin, es ist nicht einfach, es ist vielleicht anders in einer Großstadt oder in anderen Berufen

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