Was ist eigentlich „normal“?

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  • #195012

    Wobei mir nicht klar ist woher das Geld kommen soll. Zahle ich 1000€ mehr Steuern, damit ich das als Grundeinkommen wieder zurück bekomme?

    #195015

    Es gibt z.B. diese Rechnung @Hanseatic
    2019 hat Deutschland laut einem Modell insgesamt wohl so um die 980 Milliarden für Sozial Transferfeistungen ausgegeben (Sozialhilfe, Hartz4, Wohngeld, Grundsicherung ..)
    (mir pers kommt diese Zahl ein wenig hoch vor)

    980 Milliarden€ : 80 Millionen Deutsche = 12000€ im Jahr

    Also das Modell von Thomas Staubhaar geht davon aus, das dieses Geld sowieso ausgegeben wird.
    Das Feintuning erfolgt dann wohl durch angepasste Steuersätze, bei denen dann aber die gut verdienenden trotzdem noch mehr des 1000€ Kuchens behalten können.

    Er geht z.B. davon aus, das jemand der 4000€ Brutto verdient, ungefähr 50%Steuern zahlen müsste, es bleiben also 2000€ übrig.
    Die 1000€ Bürgergeld kommen oden drauf= 3000€ Netto.

    #195018

    @PlanB der Bundeshaushalt 2021 betrug etwa 500 Milliarden €. Da sind doch die Sozialleistungen mit drin?! Da kann was nicht stimmen.

    #195020

    Da kann was nicht stimmen.

    Keine Ahnung, scheint aber wohl so zu sein:
    https://www.bmas.de/DE/Service/Presse/Meldungen/2021/bundeskabinett-verabschiedet-sozialbericht-2021.html

    ah, Fehler gefunden:

    dokumentiert die Bundesregierung Umfang und Bedeutung der sozialstaatlichen Leistungen zum Ende der aktuellen Legislaturperiode.

    Also das ganze durch 4 :)
    Bin mir aber selber gerade nicht sicher :-)

    #195031

    Bedingungloses Grundeinkommen lohnt sich also finanziell nur für Leute, die es gar nicht brauchen.

    Es kann sehr unterschiedlich sein, was mit bedingungslosem Grundeinkommen gemeint wird und wie es finanziert werden soll.

    Ich finde z.B. Prechts Progonse spannend, dass es die traditionelle Lohnarbeit, wie wir sie heute kennen, dann nicht mehr geben wird.

    Das bedingungslose Grundeinkommen, das im obigen Youtube-Beitrag mit Precht genannt wird, ist ein anderes als das, was Du @PlanB beschrieben hast.

    Siehe z.B. https://youtu.be/MOkOblzbXLc?t=1146

    Precht schlägt vor, zuerst eine Finanztransaktionssteuer von etwa 0,3% zu etablieren, um zu schauen, wie viel Geld das für den deutschen Staat tatsächlich bringt. Und uns zu überlegen, was für eine Entlassungswelle in den nächsten 10, 20 Jahren zu erwarten ist. Danach würde er ggfs. das bedingungslose Grundeinkommen einführen, der bei dieser Höhe der Finanztransaktionssteuer wohl bei etwa 1500 Euro monatlich beträgt, im besten Fall.

    Eine weitere Idee von ihm war auch eine Luxussteuer, die Luxusgüter mehr besteuert und dadurch diese noch teurer macht, wodurch für manche reiche Menschen die Luxusgüter noch begehrlicher werden müssten. Eine Win-Win-Situation also B-)
    https://www.youtube.com/watch?v=8xMuTKuCAhk&t=1889s

    #195032

    Guten Morgen, ich habe vor mehreren Jahren (es war 2012) vom Jobcenter aus an einer Maßnahme teilnehmen müssen, bei der das bedingungslose Grundeinkommen das Hauptthema war, es hieß das man sich in dem Fall, auch selbst um die Krankenversicherung kümmern muss und diese von dem Grundeinkommen bezahlt werden muss. Die Maßnahme dauerte 3 Monate. Also das ganze ist 10  Jahre her, daher weiß ich nicht ob das noch aktuell ist grüße Hanna

    #195128

    Wie @Hanna ja schon richtig bemerkt hat, würde bedingunsloses Grundeinkommen in welcher Form auch immer, das Ende jeglicher Sozialleistungen bedeuten.

    Wenn Leute nicht mit  Geld umgehen können, dann würden diese Menschen trotz doppeltem Hartz4 oder was auch immer, nach 3 Wochen trotzdem kein Geld mehr haben. Die kaufen sich dann einfach nur mehr Schei…
    Klar, man darf nicht pauschalisieren. Ich bin mir aber sicher, das es nicht wenige geben wird, die ihr Leben mit dem bedingungslosem Grundeinkommen, genau deswegen komplett gegen die Wand fahren werden.
    Ganz einfach, weil sie dann selber verantwortlich wären.

    In diesen ganzen Pilotprojekten werden ja immer nur gebildete erwähnt, welche durch das Einkommen die Freiheit gewonnen hätten, um ihre Kreativität auszuleben und die Selbstständigkeit zu planen. blablabla
    Sorry, aber genau die, entsprechen nicht wirklich der Masse.

    Das bedinglunslose Grundeinkommen wird immer so als Wundermittel gegen Armut und die Spaltung der Gesellschaft dargestellt.
    In bin der Meinung, das dies nur für einen Teil zutrifft, den anderen würde es noch schlechter gehen als jetzt.

    #195131

    Ich sehe das auch so, dass manche nicht mit Geld umgehen können und die sind dann die Verlierer – auch noch selbstverschuldet.

    #195154

    Soweit ich in den wenigen Youtube-Videos mit Precht verstanden habe, ist die Annahme, dass die technischen Fortschritte durch Digitalisierung und die Dringlichkeit der Nachhaltigkeit in den kommenden Jahrzehnten dazu führen werden, dass es große gesellschaftliche Umwälzungen geben wird, u.a. in der Arbeitswelt.

    Wenn es also große Entlassungswellen gäbe und ein großer Teil der Bevölkerung keinen bezahlten Jobs mehr nachgehen könnte, wie können wir dann die Existenzen dieser Menschen so absichern, dass es nicht zur gewaltbereiten Destabilisierung der gesamten Gesellschaft, d.h. des Staates kommt?

    Wenn das Bedingungslose Grundeinkommen nach Precht eingeführt werden kann (weil es durch die Besteuerung der Finanzspekulationen finanziert werden kann), dann wären die Voraussetzungen für die finanzielle Not und die Stigmatisierung der Arbeitslosigkeit, wie sie heute vorhanden sind, erstmal nicht mehr gegeben. Gleichzeitig hinterfragt Precht die Besteuerung der Arbeit usw.

    Dass es heute viele Menschen gibt, die nicht selbstverantwortlich mit Geld umgehen können und mit dem Geld, das sie haben, nicht auskommen, das ist ja ein weiterer Aspekt. Zuerst kann ich mich fragen, wie viele Menschen von diesem Geldproblem betroffen sind und worin die Ursachen dafür liegen, ob das Problem z.B. durch gezielte Hilfe zur Selbsthilfe aufgefangen werden kann usw.

    Und wenn die Gesellschaft sich für das Bedingungslose Grundeinkommen nach Precht tatsächlich öffnen würde, dann wäre ja auch die Frage, inwiefern die Menschen, die heute das Geldproblem haben, unter den geänderten Umständen weiterhin das Geldproblem haben würden usw.

    Ich wäre jedenfalls sehr froh, wenn das Bedingungslose Grundeinkommen nach Precht dazu führen würde, dass es keine Jobcenters oder andere staatliche Strukturen mehr geben muss, die Menschen für ihre Leistungsschwäche oft genug sanktionieren und schikanieren bzw. sie mit den oft nicht zielführenden Maßnahmen dazu zwingen, ihre Lebenszeit totzuschlagen :unsure:

    #195202

    Es geht ja auch darum, dass Menschen einer Tätigkeit, einer Beschäftigung mit Sinn, noch besser, einer mit Interesse nachgehen. Ich persönlich hätte wenig Lust einfach ausreichend Geld zu bekommen und nichts damit anfangen zu können. Ich würde verwahrlosen ohne Beschäftigung, ohne etwas wo ich mich einbringen kann.

    Das sieht man an Menschen, welche nicht mit Geld umgehen können, welche viel Geld haben, aber „nichts können“ oder an solchen welche entweder einen schlechten Start hatten oder den Punkt der Eigenverantwortung nicht gefunden haben. Die Schicksalsschläge eventuell auch nicht bewältigen konnten.

    Es ist auch meiner Meinung nach utopisch zu glauben, dass das jemals zu 100% anders laufen könnte. Es wird immer einen gewissen Anteil geben, der nicht aufzufangen sein wird. Damit sollte man sich abfinden.

    Wie sich die Arbeitswelt durch Digitalisierung, Robotik, der Herausforderung des Klimawandels, globalen Konkurrenzkampf und Zukunftstechnologien bzw. -entwicklungen verändern wird, ist für mich Kaffeesatzleserei. Für mich steht fest: Es wird sich ändern und es wird weiterhin Arbeit geben. Auf Veränderungen sollte dann nur klug genug reagiert werden. Da jedoch vorgreifende Aussagen oder Maßnahmen zu treffen, scheint mir nicht der richtige Weg zu sein.

    #195266

    Hallo @rebus,

    ich habe Deinen obigen Post aufmerksam gelesen, und ich bin mir nicht sicher, ob sich Deine Bedenken gegen meine Aussagen und Zitate richten. Ich sehe da keine Gegesätze.

    In einer durchdigitalisierten Arbeitswelt, die deutlich weniger menschlichen Einsatz benötigt als heute, wäre die Frage natürlich existenziell, was wir stattdessen mit unserer Zeit und unserer Energie anfangen.

    Ich persönlich würde mir wünschen, dass wir dann deutlich mehr Freiheit als heute hätten uns selbst zu entscheiden, welchen Tätigkeiten wir nachgehen wollen (weil wir es können). Dass der Staat Strukturen schafft, um die Eigeninitiativen dann auch zu fördern.

    Da jedoch vorgreifende Aussagen oder Maßnahmen zu treffen, scheint mir nicht der richtige Weg zu sein.

    Eine reine Kaffeesatzleserei ist es ja nicht, denn der Prozess der Digitalisierung hat längst angefangen. So wie Precht einen historischen Rückblick gibt, auch in der Politik sind die Erwägungen nicht neu, ob z.B. eine solche Finanztransaktionssteuer eingeführt werden kann/soll/muss.

    LG,
    Mowa

    #195285

    Die bisher noch unabsehbar hohen Coronakosten, werden den Staat und somit auch die Steuerzahler bis in einige Generationen hinein massiv belasten! Ob da wirklich so viel für Wohltaten, dem Einzelnen gegenüber, übrig bleibt? :scratch:

    Grüßle von Molly

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    #195300

    Ich finde, wenn man z.B. sinnloserweise gern spazierengeht oder fernsehschaut, ist man normal. Auf allen Erdteilen bar jeder Kultur, Ethnie, Religion etc. tun das die Menschen. Insofern ist es recht einfach, dazuzugehören.

    #195301

    Nach dieser Definition bin ich sehr normal.

    #195332

    Hallo @rebus, ich habe Deinen obigen Post aufmerksam gelesen, und ich bin mir nicht sicher, ob sich Deine Bedenken gegen meine Aussagen und Zitate richten. Ich sehe da keine Gegesätze.

    Hallo mowa,

    es sind lediglich meine Gedanken zu dem Themenzweig, welche mir beim durchlesen der Kommentare gekommen sind und welche ich mitteilen wollte. Ein explizites dafür oder dagegen hatte ich nicht als Motivation.

    In einer durchdigitalisierten Arbeitswelt, die deutlich weniger menschlichen Einsatz benötigt als heute, wäre die Frage natürlich existenziell, was wir stattdessen mit unserer Zeit und unserer Energie anfangen. Ich persönlich würde mir wünschen, dass wir dann deutlich mehr Freiheit als heute hätten uns selbst zu entscheiden, welchen Tätigkeiten wir nachgehen wollen (weil wir es können). Dass der Staat Strukturen schafft, um die Eigeninitiativen dann auch zu fördern.

    In gewisser Weise sehe ich das schon heute. Nur der monetäre Aspekt ist häufig ausgeklammert. Von etwas heute leben zu können entsteht auch durch Nachfrage und ist eine Art Entlohnung oder Anerkennung.
    Ich persönlich suche Freiheit und Selbstverwirklichung in meiner Freizeit.

    Arbeit ist für mich so etwas wie PME für die Seele ;-)

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