Was ist eigentlich „normal“?

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  • #194344

    Hallo miteinander :bye:

    In einem anderen Beitrag kam diese Frage gerade auf und es wäre interessant zu erfahren, was ihr so denkt über „Normalität“.
    Ist es, sich von der Masse möglichst wenig zu unterscheiden? Der statistischen „Norm“ möglichst zu entsprechen? Bedeutet es dann automatisch, dass „normale“ Menschen alle gleich sind?
    Was sind eure Meinungen dazu?

    Eine Selbsthilfegruppe, die ich Zeit lang besucht habe, als ich noch in Hamburg wohnte, trug den Namen:

    „Es ist ’normal‘, verschieden zu sein.“

    Bei dem Begriff „normal“ muss ich persönlich sofort an meine Studienzeit zurück denken. Dort gab es Statistik-Module. (Ich habe Psychologie studiert und mein Studium damals abgebrochen aufgrund einer wiederkehrenden Psychose. Mir wurde bewusst, dass ich voll dem Klischee eines Psychologie-Studierendem entsprach, der selbst eine psychiatrische Diagnose trägt und mit dem Studium etwas wett machen will.)

    Jedenfalls gibt es in der Statistik so einige Parameter neben dem „Durchschnittswert“, der im Volksmund gerne als „normal“ angesehen wird. Es gibt aber auch z.B. das „Leverage“ und wenn ich es richtig in Erinnerung habe, ist das ein Wert, der völlig abseits jeglicher, anderer Werte liegt, quasi „außerhalb der Norm“. (Bitte korrigiert mich, wenn ich falsch liegen sollte.)

    Für mich persönlich ist Individualität „normal“ und Diversität empfinde ich als spannend – genauso, wie unterschiedliche Perspektiven zu entdecken.

    Auf einen spannenden Perspektiven-Einblick in diesem Beitrag, freue ich mich sehr! :-)

     

    Man kann nicht immer ein Held sein - aber man kann immer ein Mensch sein. (Goethe)

    #194347

    Ich muss dabei an meine Mutter denken die fast alle Leute, später auch mich, für gestört hielt und sich für normal. Sie war nie beim Arzt,  aber hatte sehr vermutlich eine Schizophrenie da sie je mehr Jahre alle Symptome hatte.

    Lg F

    #194359

    Hallo @Floeckchen , musst beim Leverage an deine Mutter denken? Hoffentlich hat ihre Einstellung dich nicht zu sehr beeinträchtigt.

    Lieben Gruß :heart:

    Man kann nicht immer ein Held sein - aber man kann immer ein Mensch sein. (Goethe)

    #194361

    Hallo @Cellardoor,

    Es gibt aber auch z.B. das „Leverage“ und wenn ich es richtig in Erinnerung habe, ist das ein Wert, der völlig abseits jeglicher, anderer Werte liegt, quasi „außerhalb der Norm“. (Bitte korrigiert mich, wenn ich falsch liegen sollte.)

    Es fällt mir ein, ich habe den Begriff „outlier“ kennengelernt, als ich für ein Forschungsprojekt mit einer Statistikerin zusammengearbeitet habe :-)

    Zum Thema „Normalität“ hatte ich ein paar Sätze in meinem letzten Artikel geschrieben:

    Was normal sein sollte, fiel mir schon immer schwer zu begreifen. Die Frage nach der eigenen Identität: „Was und wie bin ich und warum?“ beschäftigt sicher jeden Menschen. Mal mehr, mal weniger. Ich sehe mich selbst als das normalste Individuum meiner Welt und kann es mir kaum vorstellen, dass meine Mitmenschen über sich selbst anders denken könnten.

    Sind ähnlich gefärbt zu Deinem obigen Text ;-)

    LG,
    Mowa

    #194363

    Normal … würde ich vielleicht beschreiben mit akzeptiert, gewohnt oder verbreitet.

    Wobei in jeder Hinsicht Normal zu sein bestimmt auch wieder außerhalb des Normalen liegt.

    Habe da mal etwas von Hypernormal gelesen.

    Und wer immer außerhalb des Normalen liegt, bekommt bestimmt auch mal gesagt: ,, Ist bei dir ja normal, dass du wieder … “

    Vielleicht so:

    Wenn es ein Bild ist, dann hat es einen Rahmen in dem es sich bewegt. Ihn vielleicht sogar teilweise verlässt. Wenn es den Rahmen jedoch an zu vielen Stellen oder an einer zu weit übersteigt, dann wird es wohl außergewöhnlich.

    Oder auch:

    Nicht normal sein kann positiv oder negativ auffallen. Das ist dann entweder verbreiteter Konsens oder persönlicher Geschmack.

    So ein paar Gedankengänge von mir …

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Wochen, 4 Tage von rebus.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Wochen, 4 Tage von rebus.
    #194368

    Normal ist, was die Masse zur Norm erklärt.

    #194369
    Agi

    Es kommt darauf an, was man mit dem Begriff anfängt, meint man gesund / normal oder normal/Spießig? Bürgerliche Normen haben mich nicht so viel interessiert, auch vor der Erkrankung; dieses Haus, Familie, Heirat, Kinder usw. Finde ich wenig erstrebenswert. Ich habe mich für ein Herzenstudium entschieden mit Auslandssemestern.Viele Reisen habe ich gemacht, interessante Jobs gemacht, geliebt, gelebt. Was das Normal/Gesund betrifft, so finde ich, dass man zu wenig inkludiert wird im Arbeitsleben, da ist das Stigma besonders hoch. Man kann nicht offen über die Erkrankung sprechen in der Öffentlichkeit/ Medien. Gesundung ist auch ein wichtiges Thema, was viel Zeit braucht.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Wochen, 4 Tage von Agi.
    #194372

    „DAS“ normal gibt es meiner Meinung nach nicht.
    Es kommt immer drauf auf an, in welchem Kontext „normal“ betrachtet wird.

    Hier im Forum ist es z.B. normal, das man Neuroleptika nimmt und Psychoserefahren ist.
    Und für Superreiche ist es evtl normal, mit dem Privatjet zu den Filmfestspielen nach Venedig zu fliegen.

    Ich verstehe schon was mit dem Thread gemeint ist, also was ist normal in einer Gesellschaft.
    Also sowas wie:
    Morgens 45 min im Kleinwagen zur Arbeit fahren, verheiratet sein, ein kleines Haus haben, 2 Kinder, sich im Sportverein zu engagieren und sozial allg durch Vereine eingebunden zu sein.

    Aber sind dann arbeitslose Singles ohne Kinder, welche in einer Mietswohnung leben und sich in keinem Verein engagieren, noch normal?

    Moment mal:
    Man könnte fast meinen, das ich hier Dorf vs Stadt beschreibe.
    Beides ist normal btw ;-)

    #194380

    Guten Abend :bye:

    Wow, da ist man ein bisschen weg vom Rechner, kommt wieder und hat so viel zu lesen. Danke euch, für euren Input!

    Ich fange mal chronologisch rückwärts an, zu kommentieren.

    Ich verstehe schon was mit dem Thread gemeint ist, also was ist normal in einer Gesellschaft.


    @PlanB
    So meinte ich es eigentlich nicht. ;-)   Meinte schon „normal“ im Weitesten Sinne – je nach dem mit was man das assoziert. Aber auch, welche Tätigkeiten von der Gesellschaft als „normal“ angesehen werden, kann eine Assoziation sein.

    „DAS“ normal gibt es meiner Meinung nach nicht. Es kommt immer drauf auf an, in welchem Kontext „normal“ betrachtet wird.

    Bin da ganz bei dir!

    Man kann nicht immer ein Held sein - aber man kann immer ein Mensch sein. (Goethe)

    #194381

    Was das Normal/Gesund betrifft, so finde ich, dass man zu wenig inkludiert wird im Arbeitsleben, da ist das Stigma besonders hoch. Man kann nicht offen über die Erkrankung sprechen in der Öffentlichkeit/ Medien.


    @Agi
    Das finde ich leider auch. Die meisten Menschen, denen ich meine Diagnose anvertraut habe, dachten anfangs an eine „gespaltene Persönlichkeit“, was ich selbst weniger so empfinde. Beim Arbeitgeber habe ich meine Erkrankung nie erwähnt gehabt. Zu groß ist die Gefahr vor Vorurteilen und negativen Konsequenzen. Hast du die Erfahrung auch gemacht? Also scheint für unseren Personenkreis bei Offenheit über die Schizophrenie eine Stigmatisierung normal zu sein.

    Man kann nicht immer ein Held sein - aber man kann immer ein Mensch sein. (Goethe)

    #194383

    Normal ist, was die Masse zur Norm erklärt.


    @Angora
    Kurz und bündig :good:

    Sind wir als Psychose-Erfahrenen dieser Erklärung nach normal? Krankheiten sind ja etwas Gängiges, was passieren kann. Wenn man eine Psychose als Krankheitsepisode sieht, muss das ja auch irgendwie „normal“ sein. Wie sieht, bezogen auf unsere Personengruppe, eine „normale Psychose“ aus?

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Wochen, 4 Tage von Cellardoor.

    Man kann nicht immer ein Held sein - aber man kann immer ein Mensch sein. (Goethe)

    #194385

    hm normal……schwierig. Denke, unterschiedlich ist normal….aber in der Wirtschaft eingebunden. Sehe uns eher nicht normal, aber danach strebend. Wobei ich für mich eigentlich entschieden habe, das man mich so akzeptieren musss wie ich bin, natürlich mit Kompromissen. :bye:

    morgens 200 Quetiapin (NL), 50 Doxepin (AD), 2mg Risperidon (AP), 150 Ofiril (AE), 175 Thyroxin (Schilddrüsenmed.).
    abends 400 Quetiapin (NL), 50 Doxepin (AD), 150 Ofiril (AE),die Pille
    Bedarfsmedi Lorazepam

    #194386

    Ich glaube, eine „normale Psychose“ gibt es nicht bzw. sind wir als Psychotiker im Sinne MEINER Definition eben NICHT normal. Ich habe in meinem Leben ganz oft Feedback in diesem Sinne bekommen – ich wurde schon als Kind als andersartig und von der Norm abweichend wahrgenommen und das wurde mir auch immer wieder so gesagt. Ob das nun etwas mit der Erkrankung zu tun hat? Ich bin erst recht spät diagnostiziert worden, also eher nein. Insofern gibt es vielleicht etwas wie eine Grund-Andersartigkeit, die in eine Psychose münden kann??

    #194389

    Ich meine, im Wort „normal“ steckt die Norm ja schon drin. Und insofern ist ein Psychotiker laut Definition UNNORMAL, weil eben 1% der Bevölkerung nicht die Norm ist. Logisch.

    #194390

    Nicht normal sein kann positiv oder negativ auffallen. Das ist dann entweder verbreiteter Konsens oder persönlicher Geschmack.

    Danke @rebus ! Das ist meiner Meinung nach eine Quintessenz, die viele dazu streben lässt, eben möglichst „normal“ zu sein. Nur muss man um „nicht normal sein“ zu definieren, erst einmal „normal sein“ definieren.

    Dazu fallen mir meine Nachbarn ein: Sie machen kein Geheimnis daraus, Satanisten zu sein. Der gesellschaftlichen Norm entspricht das wohl nicht und fällt in einem katholischem Bundesland wohl eher negativ auf. Für sie selbst ist das vielleicht „normal“.

    So meinte es wohl auch @mowa mit ihrem Satz aus ihrem Artikel:

    Ich sehe mich selbst als das normalste Individuum meiner Welt und kann es mir kaum vorstellen, dass meine Mitmenschen über sich selbst anders denken könnten.

    Danke @mowa für deinen Beitrag! :rose:   Ich glaube tatsächlich, dass ich den „Outlier“ gemeint habe und nicht das „Leverage“. Das ist alles schon so lange her, als ich das lernen musste und nur als gefährliches Halbwissen in meinem Gedächtnis.

    Man kann nicht immer ein Held sein - aber man kann immer ein Mensch sein. (Goethe)

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