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07/09/2022 um 18:58 Uhr als Antwort auf: Neuroleptika – Wie können sie die Recovery fördern? #235378
Ich glaube nicht, dass Offener Dialog oder Soteria nur bei der ersten Psychose hilfreich sein können.
Ich persönlich glaube, dass es immer auf die jeweiligen Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke jeder einzelnen Person ankommt und die individuelle(n) Problematik(en) und Lebenssituation und das Umfeld und was einen so beschäftigt, ob man psychotische Symptome bekommt oder nicht.
Und eben auch, was die Betroffenen bevorzugen, was sie meinen, was ihnen helfen könnte oder hilft. Medikation, Gespräche oder beides oder Ablenkung, Beschäftigung oder alles oder Ruhe, gibt so viele Möglichkeiten….Konflikte lösen etc.
Wichtig ist wahrscheinlich, denke ich, dass jeder für sich und evtl. mit Hilfe von Therapie oder Offener Dialog zum Beispiel den Auslösern der psychotischen Symptome auf die Spur kommt. Dementsprechend ergeben sich dann weitere Schritte.
Ich persönlich habe noch nie eine Therapie gemacht, höre und lese aber doch von vielen anderen Menschen, dass ihnen Therapie durchaus hilft und zwar nicht nur bei oder nach der ersten psychotischen Episode.
Wir erleben doch dauernd was Neues. Können gute Erfahrungen sein oder nicht, kommt drauf an, was überwiegt und wie man das einordnet und sich selbst verhält.
Wir sind eben durch unsere jeweiligen individuellen Lebenserfahrungen völlig anders „gestrickt“.
Unsere Gehirne haben alle andere Verknüpfungen aufgrund unserer verschiedenen Lebenserfahrungen, was wir so abgespeichert haben.
Ich glaube, dass durch Auslöser und die psychotische Erfahrung andere Verknüpfungen im Gehirn entstehen und wir die wie bei einem verwirrten Wollknäul wieder entwirren müssen und „richtig“ einordnen.
Neuroleptika können dabei durchaus hilfreich sein, denke ich und ob man die reduzieren oder gar absetzen möchte oder kann, da hilft wohl nur Abwägung, ob man das riskieren will und wie stabil man ist.
Erfahrungsexperten raten ja, wenn dann, risikominimierend ganz langsam zu reduzieren, damit das Gehirn sich dran gewöhnen kann und man dadurch auch bei erneuten Symptomen oder Entzugserscheinungen dann schnell reagieren kann.
Ich zum Beispiel habe Xeplion von 150 mg in einem ganzen Jahr schrittweise auf 25 mg reduziert und es ist zum Glück gut gegangen. Ich habe nur alle drei Monate auf die nächst mögliche kleinere Dosis reduziert, bin also immer drei Monate auf einer Dosis geblieben.
Ob ich jemals wieder ohne Neuroleptikum auskomme, kann ich nicht wissen.
Ich hab zwar seit über vier Jahren keine Symptome, aber ganz abzusetzen trau ich mich zumindest zurzeit nicht.
Ich habe zum Beispiel das Buch „Neben der Spur“ von Christiane Wirtz vor etwa zwei Jahren gelesen, ein empfehlenswertes Buch.
Die hatte wirklich mehrere heftige Psychosen und von den Erlebnissen berichtet sie in dem Buch.
Sie hatte sich sehr gut wieder berappelt und war genesen und hat dann ziemlich viel und erfolgreich über Jahre wieder gearbeitet. Sie sprach aber immer davon, dass sie das Neuroleptikum doch einschränken würde und sie es doch gern nochmal ohne versuchen würde.
Seit etwa Anfang diesen Jahres, ich hab das nicht so verfolgt, fehlt aber ihre Homepage und auch sonst gibt es nur noch ältere Spuren von ihr im Internet.
Ich fürchte, dass sie einen Rückfall hat und das schon länger.
Ich hoffe für sie, dass sie schnell wieder genesen wird und dass es ihr gut geht.
Das hält mich natürlich auch davon ab, abzusetzen.
Mein Psychiater sagte schon, nachdem ich den 3. Monat die 25 mg symptomfrei hinter mir hatte, nu könne ich ganz absetzen. Das ist 2 1/4 Jahr her.
Ich will das Xeplion aber nicht favorisieren. Antipsychotische Wirkung ist bei mir sehr gut, aber zuviel üble Nebenwirkungen bei mir persönlich.
Inzwischen hab ich aber von so vielen Menschen mit Rückfällen gehört und gelesen, dass ich lieber bei dem Medikament geblieben bin.
Ich will niemandem den Mut nehmen, es vielleicht mal zu versuchen zu reduzieren und eventuell abzusetzen. Das Risiko kann nur jeder für sich selbst und gegebenenfalls für sein Umfeld oder mit Umfeld überdenken und es tun oder nicht.
Ich will aber auch niemanden animieren abzusetzen.
Ich würde das aber immer in Absprache mit dem Psychiater machen.
Ich denke schon, dass Neuroleptika zur Recovery beitragen können, aber hätte ich damals die Wahl gehabt und überhaupt von Offener Dialog gewusst und die Möglichkeit gehabt, hätte ich die Wahl Offener Dialog für mich getroffen und es ausprobiert, möglichst ohne Neuroleptikum.
Und @Mowa: Neuroleptika können ja auch leider körperliche Erkrankungen und Behinderungen zur Folge haben.
Sorry, nun ist es ein langer Text geworden.
06/09/2022 um 20:05 Uhr als Antwort auf: Offener Dialog, eine alternative Methode aus Finnland zur Heilung von Psychosen #235235@Ludwig: Ich habe mich ja auch während ich in der Psychiatrie war, dort mit Mitpatienten unterhalten und die sich mit mir, auch zusammen Spazieren gegangen oder Kaffee trinken sind wir oder in die Stadt gefahren und haben uns unterhalten.
Es gab da nur ganz, ganz wenige, die schlecht ansprechbar waren. Konkret erinnere ich mich da nur an einen einzigen Mann.
06/09/2022 um 19:42 Uhr als Antwort auf: Offener Dialog, eine alternative Methode aus Finnland zur Heilung von Psychosen #235231Wie soll mit einem einen „Dialog“ anfangen, der komplett in der eigenen Welt unterwegs ist und jeden Bezug zur Realität verloren hat? Meist Enden solche Versuche ja mit „Ich habs gewusst, du bist Teils des Systems, du gehörst auch zur CIA und überwachst mich“ z.B. Unzählige Beispiele hier im Forum bestätigen das, ab einem bestimmten Punkt erreicht man mit Gesprächen und guten Worten gar nix mehr. Erst muss man den Bezug zur Realität wieder haben (da können NL unterstützen) und dann kann man mit Therapie anfangen.
Ich, PlanB, war jederzeit ansprechbar und konnte jederzeit, auch während ich psychotische Symptome hatte, Dialoge führen und auch über andere Ansichten oder Meinungen nachdenken und diese auch zulassen.
Mir hätte so ein Offener Dialog ganz sicher schnell aus den psychotischen Gedanken geholfen. Ich war in meinem ganzen Leben nie so, dass das nicht mehr gegangen wäre.
Du hast auch offenbar weder den Film angesehen noch den Wikipedia-Artikel zu Offener Dialog gelesen.
Erfolg von Open Dialog kurzer Auszug aus dem Artikel, Wirksamkeit:
Nur 29% der Open Dialog Patienten hatten einen oder mehrere Rückfälle, 82% hatten keine psychotischen Symptome mehr und der Beschäftigtenstatus (Studium, Arbeit, Aktive Jobsuche) lag bei 86%…
06/09/2022 um 13:07 Uhr als Antwort auf: Offener Dialog, eine alternative Methode aus Finnland zur Heilung von Psychosen #23518706/09/2022 um 12:58 Uhr als Antwort auf: Offener Dialog, eine alternative Methode aus Finnland zur Heilung von Psychosen #235184Reden kann doch fast jeder Mensch, oder? Ich selber bin eher introvertiert, aber reden könnte ich, wenn ich einen Therapeuten des Vertrauens hätte.
Ja, Kater, das geht mir auch so.
06/09/2022 um 12:41 Uhr als Antwort auf: Offener Dialog, eine alternative Methode aus Finnland zur Heilung von Psychosen #235182Ja, fällt mir gerade ein, @Metalhead666, so Gruppengespräche, das war keine Therapie, die gab es da auch. Ich hab da überhaupt nichts gesagt. Die mit mir in der Gruppe waren, die redeten fast nur Unsinn und was sie sich alles dort in der Klinik geleistet hatten an Unfug. Daran hatte ich echt keinen Bedarf, mich an den Gesprächen zu beteiligen.
06/09/2022 um 12:21 Uhr als Antwort auf: Offener Dialog, eine alternative Methode aus Finnland zur Heilung von Psychosen #235175Es bleibt dem Betroffenen beim Offenen Dialog überlassen, @Metalhead666, wen er da mit einbeziehen will. Da werden eben nicht einfach alle einbezogen.
06/09/2022 um 12:15 Uhr als Antwort auf: Offener Dialog, eine alternative Methode aus Finnland zur Heilung von Psychosen #235171Hier in dieser Region, wo ich lebe, ist ein einziger großer Träger mit etlichen Psychiatrien für diese Region mit über 8,3 Millionen Menschen zuständig.
Auf den Stationen für Menschen mit Psychosesensivität gibt es keine Gespräche, keine Gesprächstherapiemöglichkeiten, nur die Behandlung mit Psychopharmaka, zumindest war es bis 2018 so, ob sich diesbezüglich was geändert hat, weiß ich nicht.
Auf den geschlossenen Stationen gibt es zudem Ergotherapie.
Auf den offenen Stationen gibt’s noch zusätzlich Sport, Metakognitives Training, wo nur Spiele wie UNO gespielt werden, man kann freiwillig die Küche zu bestimmten Zeiten aufräumen und reinigen und es gibt Musiktherapie.
Außerdem gibt es Psychoedukation, wo ausschließlich die Theorie vorgestellt wird, dass ein Ungleichgewicht des Neurotransmitters Dopamin die Störung ausgelöst haben soll und entsprechend mit Neuroleptika behandelt werden müsse.
Auf Nebenwirkungen wurde auch in den Visiten mit keinem Wort eingegangen.
Ich hatte heftige Herzprobleme. Es wurden bei zwei Aufenthalten von mir dort jeweils drei EKG gemacht. Während dieser Aufenthalte wurde ich von der Oberärztin behandelt.
Kein Wort zu mir jeweils in der ganzen Zeit zu den Ergebnissen der EKG.
Bei einem Aufenthalt schrieb sie in den Entlassungsbericht Herzinfarkt, beim nächsten mal Hinterwandinfarkt.
Sie hätte mich da einfach krepieren lassen.
Ich hatte ohne Neuroleptika nie Herzprobleme.
Zum Glück stellte sich beide male beim Kardiologen heraus, zu dem ich nach Entlassung ging, dass ich doch keinen Herzinfarkt hatte.
Ich persönlich fand die Behandlungen dort sehr menschenunwürdig.
Ich persönlich war zu keinem Zeitpunkt aggressiv oder gar gefährlich, in meinem ganzen Leben nie.
Trotzdem wird da mit einem umgegangen, als wäre man ein potentieller Schwerverbrecher.
Die Lebensumstände, durch die es zu psychotischen Symptomen kam oder mögliche Auslöser, interessiert da vom Personal niemanden.
Ich kam traumatisiert in die Klinik und noch traumatisierter wieder raus.
Das einzig Gute an den Aufenthalten dort waren nette Mitpatient/innen.
06/09/2022 um 10:13 Uhr als Antwort auf: Offener Dialog, eine alternative Methode aus Finnland zur Heilung von Psychosen #235149Ich habe nichts dergleichen gepostet, was jemanden dazu bringen sollte, einfach Neuroleptika abzusetzen und zwar nirgends. Ich will niemanden davon abbringen, Neuroleptika zu nehmen. Ich denke, dass sowas jeder für sich selbst entscheiden können sollte, ob man Psychopharmaka nehmen will oder nicht.
Und was ich mit deiner Therapeutin meinte ist, dass du doch auch auf Gespräche setzt.
Ich fände es wichtig, dass Betroffenen Menschen eben auch sofort Gespräche angeboten werden, auch Therapien.
Ex-In finde ich auch sehr wichtig, Hilfen durch Erfahrungsexperten.
Neuroleptika sind eben keine Allheilmittel und es ist ja bekannt, dass jeder Mensch anders auf Neuroleptika reagiert. Was bei dem einen gut funktioniert, heißt nicht, dass das bei einer anderen Person auch so ist.
Wenn für dich Aripripazol gut funktioniert, ich sag doch nichts dagegen.
Es gibt ja Auslöser für Psychosen und die sind wohl bei jedem Betroffenen individuell.
Darum finde ich es sehr wichtig, dass mit Betroffenen kompetente Gespräche geführt werden und nicht nur „Neuroleptika rein“.
Nur das Projekt in GB, steht in dem anghängten Link bei Wikipedia.
Auch in Großbritannien wurde Offener Dialog nicht aufgegeben, @Ludwig.
06/09/2022 um 8:31 Uhr als Antwort auf: Offener Dialog, eine alternative Methode aus Finnland zur Heilung von Psychosen #235143Ich habe keinen „sehr“ „starken“ Widerwillen gegen Neuroleptika.
Wer die Nebenwirkungen aushalten muss, wünscht sich selbstverständlich bessere Alternativen.
Auch wenn du es immer wieder schreibst, ist Aripripazol keine Alternative für mich. Ich habe dir gestern schon ausführlich in einem anderen Thread dazu geantwortet.
Jede/r sollte sich Beipackzettel sorgfältig durchlesen und abwägen, gerade bei Psychopharmaka.
Warum gehst du denn ständig zu deiner Therapeutin zur Gesprächstherapie und propagierst gleichzeitig, dass Aripripazol so super wäre?
Ich habe in diesem Thread lediglich eine mögliche alternative Methode vorgestellt.
Ich finde es wünschenswert, dass die Methode Offener Dialog für jede/n Betroffenen als Option möglich wird, nein, eigentlich, dass das der Standard wird.
Eine humane, menschenwürdige Behandlung durch Gespräche wie beim Offenen Dialog.
Es werden bei der Methode Neuroleptika ja nicht ausgeschlossen. Nach sorgfältiger Abwägung aller Beteiligten, inklusive den Betroffenen, können kurzfristig Neuroleptika eingesetzt werden.
Die Methode ist ja offenbar sehr erfolgreich und das schon in mehreren Ländern, inklusive Deutschland.
05/09/2022 um 21:59 Uhr als Antwort auf: Neuroleptika – Wie können sie die Recovery fördern? #235105Wo hast du denn das gelesen, dass das Projekt Offener Dialog aufgegeben wurde, @Ludwig? Ich kann dazu nichts finden.
05/09/2022 um 21:06 Uhr als Antwort auf: Neuroleptika – Wie können sie die Recovery fördern? #235099Ich würde, falls ich nochmals psychotische Symptome bekommen würde, gern die Methode „Offener Dialog“ zur Heilung von Psychosen ausprobieren, falls das auch an meinem Wohnort möglich ist. Die kommt ohne Neuroleptika aus, nur in einigen wenigen Fällen kommen dabei kurzfristig NL zum Einsatz.
Hab dazu was in dem Unterforum Therapie gepostet, auch ein Video dazu.
Das kommt meiner Vorstellung von Recovery näher.
05/09/2022 um 20:52 Uhr als Antwort auf: Offener Dialog, eine alternative Methode aus Finnland zur Heilung von Psychosen #23509705/09/2022 um 20:48 Uhr als Antwort auf: Offener Dialog, eine alternative Methode aus Finnland zur Heilung von Psychosen #235095 -
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