Ohne Medikamente leben

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  • #164240

    Schönen Abend alle miteinander :bye:

    Ich wollte fragen, ob es hier auch andere gibt, die ein einigermaßen geregeltes Leben ganz ohne Medikamente führen? Ich habe vor etwa einem halben Jahr meinen allererste Psychose bekommen und wurde daraufhin mit 15mg Zyprexa eingestellt. Leider finde ich die Wirkung fürchterlich und habe mich deswegen dazu entschlossen es ganz abzusetzen. Mein Psychiater unterstützt mich bei dem Vorhaben es zu reduzieren und wir sind in den letzten 3 Monaten schon auf eine Dosis von 7,5 mg runter.

    Ich will die Medikamente nicht nur schlecht reden. In meiner akuten Psychose hat es mit den Medis nur anderthalb Wochen gebraucht, bis die Wahnideen und das Gedankenrasen vollständig verpufft sind (hab da auch zusätzlich Haloperidol bekommen). Ansonsten fühle ich mich auf Zyprexa aber wie ein Roboter, dessen Innenleben immer gleichbleibend ist. Immer geht es mir so lala. Nie super gut oder super schlecht und meine ganze Kreativität ist futsch. Außerdem bin ich seitdem starke Raucherin geworden.

    Medikamente wechseln ist keine Option für mich, da ich weder mit einer Bewegungsstörung, Gewichtszunahme oder Sedierung leben will.

    Es heißt doch, dass bei 30%, die Psychose nur eine einmalige Sache wäre. Kann man die Medikamente absetzen und darauf spekulieren, dass man zu den Glücklichen 30% gehört? Und selbst wenn man nicht dazu gehört, hat man dann doch wenigstens phasenweise eine hohe Lebensqualität, bis zur nächsten Psychose eben?

    Gibt es hier andere, die es auch so handhaben?

    Lg

    #164244

    Klar kannst Du erst mal darauf spekulieren, @Soteria95! Bei manchen klappt es. Du musst halt nur damit rechnen, dass sich eine erneute Psychose vielleicht so langsam einschleicht, dass Du es erst bemerkst, wenn du voll drauf bist. Pass auf dich auf!

    Ich habe von 1992 bis 2004 die Medikamente nur in sehr geringer Dosis oder überhaupt nicht genommen, weil ich sonst zu schlapp und müde gewesen wäre, den Haushalt und die Kinder zu versorgen. Ich hatte immer Symptome. Im Nachhinein gesehen war das die Hölle, aber anders hätte es sicher gar nicht funktioniert. Damals gab es noch keine Atypika, die ja nicht so sehr sedieren.

    Heute nehme ich brav mein Medikament und die meiste Zeit habe ich damit ein relativ glückliches Leben.

    Nur hänge ich im Moment auch durch. Selbst die Medikamente garantieren keine Symptomfreiheit.

    Grüßle von Molly

    400mg Amisulprid 1-0-0-0

    Blutdrucksenker: 4mg Doxagamma 1-0-1-0, 5mg Ramipril 1-0-1-0, 25 mg HCT als Diuretikum 1-0-0-0

    #164247

    Huhu :bye:

    es gibt ja die Regel: nach der ersten Psychose soll man die Medikamente für 1 Jahr nehmen, nach der zweiten Psychose für 5 Jahre und nach einer dritten Psychose vielleicht auch das restliche Leben. Von daher würde ich an deiner Stelle auf alle Fälle darauf spekulieren, dass du zu den glücklichen 30% gehören könntest, denn ohne Versuch wirst du es nicht herausfinden!!

    Ich würde bloß sehr dazu raten, nach der 1 Psychose auch wirklich die Medikamente für ein gesamtes Jahr zu nehmen und dann sehr langsam, am besten 10% der Ausgangsdosis alle 4-6 Wochen reduzieren.

    Ich habe nach meiner ersten Psychose sehr schnell die Medikamente abgesetzt und das war ein Fehler! Die psychotische Episode wurde kurz durch die Medikamente gedeckelt und ist wieder ausgebrochen nachdem ich die Medikamente reduziert hatte. Psychiater sagen daher, das war noch ein und die selbe Episode. Ich nehme trotzdem seit 2 Jahren und 3 Monaten Medikamante, aber schleiche seit 1 Jahr mit der 10% Methode aus und es läuft bisher sehr sehr gut und ich denke auch das ich damit durchkommen werde!

     

    Dir wünsch ich ganz viel Erfolg mit deinem Vorhaben :)

    #164251

    Mir hat es geholfen mich mit meinem Wahn und den Inhalten meiner Psychose auseinanderzusetzen.

    In einem Zustand, in welchem ich Distanz dazu habe. Mir Glaubenssätze dazu zurecht zu legen.

    So bin ich nicht überrascht, falls das Konstrukt nach dem Absetzen wieder stärker wird und kann diese dann anwenden.

    Therapie und Gespräche helfen mir dabei.

    Symptome nach einer Reduktion oder dem Absetzen können bei mir knapp 2 Monate andauern, bis diese dann allmählich abklingen. Wenn nach 2-3 Monaten keine Besserung eintritt, würde ich wieder aufdosieren.

    Ich reduziere daher auch nur ungefähr alle 3 Monate um etwa 10%.

    #164256

    @soteria95 , kennst du das adfd Forum (googel mal) ?
    Ich selbst nehme ja keine Medikamente, aber durch das jahrelange Lesen hier im Forum weiß ich, dass das Absetzen gerade im Niedrigdosen-Bereich sehr, sehr schwierig werden kann. Glaube auch das ist ein Aspekt, den die Psychiater oft nicht so auf dem Schirm haben.

    Also grundsätzlich ist Absetzen nach Möglichkeit immer gut, aber je weniger du noch nimmst desto gefährlicher wird die weitere Reduktion. Und auf eine dann eintretende Absetzpsyhose folgt ja dann leider wieder die höhere Medikation.

    Das ist aber wie gesagt nur das was ich gelesen habe, aber nicht selbst erlebt.

    Liebe Grüße
    Freia

    "Liege ich allein im Bett, werde ich ans Fenster treten, in den Himmel blicken und die Gewissheit haben, dass Einsamkeit eine Lüge ist und dass das ganze Universum mir Gesellschaft leistet."

    [aus: Die Schriften von Accra]

    #164297

    Ich würde mit dem Ausschleichen noch etwas langsam tun. Es schrieb ja weiter oben schon jemand, dass man nach der ersten Psychose etwa 1 Jahr die Medis nehmen sollte bis man ausschleicht. Daran würde ich mich ungefähr orientieren.

     

    #164309

    Ich denke, man sollte das Absetzen nicht nur von seinem eigenen Empfinden abhängig machen, sondern immer auch unbedingt von der aktuellen Lebenssituation. Es ist immer ein Risiko und man muss dabei eben auch abwägen, was dabei auf dem Spiel steht.

     

     

     

    • Diese Antwort wurde geändert vor 6 Monate, 3 Wochen von Nichtraucher. Grund: Im öffentlichen Teil möchte ich nicht zuviel über meine private Krankengeschichte preisgeben
    #164315
    Agi

    Hallo, Sorteria, willkommen im Forum. Ich war am Anfang der Erkrankung sehr ungeduldig und wollte unbedingt nach einem Jahr ohne Medikamente leben. Ich habe damals Abilify ausgeschlichen in viel zu großen Schritten, was wieder mich in die Klinik geführt hat. Wichtig ist, dass man die Frühwarnzeichen kennt und zur Not das Medikament erhöht. Mittlerweile bin ich niedrig dosiert und recht stabil. Für mich wäre es momentan zu riskant ganz abzusetzen, da ich einen Rückfall befürchte. Bis jetzt in meinem Forumdasein , kannte ich nur eine Person, die erfolgreich abgesetzt hat. Diese Person ist hier nicht mehr aktiv.

    #164328
    Anonym

    ———————

    #164334
    Anonym
    1. Halte ich für Recht selten , aber die , die das können , können sich glücklich schätzen. Ich glaube jeder von uns wäre froh wenn man auch ohne „kann“

    Zu deiner Frage! Ja es gibt auch berichte, das manche absetzen konnten , die nicht zu den 30 Prozent gehören. Aber ist im Einzelfall auch unterschiedlich.

    Viel Glück für die Reduktion. :good:

     

    Ich bereue es mittlerweile so viel reduziert zu haben , da ich chronisch gestresst bin und mir alles zu viel wird, zumindest phasenweise… Gibt auch viele gute Tage .. Bin am überlegen , ein anderes Medikament zuzunehmen oder erstmal auf pflanzlicher Basis zu probieren oder eventuell oder meine Lebensweise zu ändern , denn auch das passende Umfeld muss vorhanden sein , daher sehe ich mich momentan weit entfernt von einem leben ohne Medis und kann leider nicht mitreden …

    Viele Grüße

    Seran

    #164355

    @soteria95

    Tu es bitte nicht ohne Deinen Psychiater.

    Ich hatte nach einer ersten Psychose in 2,5 Jahren ausgeschlichen. Ich hätte danach eher meinen Lebensstil ändern müssen, das gelang nicht auf Dauer, weitere 2,5 Jahre später (erster Job nach Studium, neue Wohnung in neuer Stadt) habe ich mich wieder überfordert und musste wieder Neuroleptika nehmen. Das ist jetzt aber 25 Jahre her. Zwischenzeitlich war ich immer wieder auf Null. Die längste Phase ohne Neuroleptika hielt 9 Jahre an.

    #164389

    Psychose bzw. die Krankheit Schizophrenie ist nicht mehr so verhängnisvoll, wie sie es einmal war. Mir wurde damals, vor 34 Jahren, als ich es bekommen habe, bei Absetzten der Medikamente  Verdummunng, Forensik und Verschlechterung meines Zustandes mit jedem Rückfall prohezeit. War alles Quatsch. Heute lebe ich zwar mit gewissen Symptomen, aber medikamentenfrei. Das geht durchaus. Versuche also, deinen Weg zu finden und widerspreche auch mal, wenn man dir irgendwas aufzwingen will. Medikamente sollten schon immer freiwillig genommen werden.

    Ein Tipp: z.B. wenn du nicht schlafen kannst , dann ist das schon o.k. irgendwann kommt das wieder. Wenn du imperative oder sonst welche Stimmen hörst oder Halluzinationen oder Träume hast, sei einfach unbeeindruckt. Rede über das, was du erlebst. Das ist nicht in Dir, das kommt von außen und versucht nur in dich reinzukommen. Ernähre dich gesund und treibe Sport.  Wenn alles zu schlimm wird, kannst du immer mal Medikamente nehmen. Es besteht aber meiner Meinung nach kein Grund, das dauernd oder gar für immer zu tun. Versuche, dich nicht nur mit der Krankheit zu beschäftigen, sondern halte die Augen offen für die Vielfalt an Themen und auch Tätigkeiten, die es nun einmal gibt. Wenn es geht, mach eine Ausbildung.

    Und verlier nicht den Humor.


    Der Mensch kann sich Fertigkeiten erwerben und kann ein Tier werden, wo er will. Gott macht die Tiere, der Mensch macht sich selber. (Georg Christoph von Lichtenberg)

    #164391

    Hallo soteria95,

    es überrascht mich, dass Du bereits 6 Monate nach Deiner ersten Psychose so aufgeräumt klingst. Als ich meine erste Psychose in 2010 hatte, habe ich einige Jahre benötigt um zu begreifen, was mit mir passiert war.

    Grundsätzlich denke ich, dass Medikamente möglichst nur eine vorübergehende Stütze sein sollte, wie bei einem Beinbruch, wenn das Bein eingegipst werden muss und ich Krücken brauche um mich fortzubewegen.

    Weil Psychopharmaka individuell wirken und auch die Lebensumstände und die mental-körperliche Fitness der Betroffenen jeweils individuell sind, könntest nur Du selbst mit einem Selbstversuch herausfinden, wie Deine Medikamente bei Dir wirken.

    Im Idealfall geht Dein Psychiater auf Dein Bedürfnis ein und kann Dich bei medikamentösen Eindosierungen / Umstellungen / Absetzversuchen begleiten. Die Verantwortung, wenn keine Besserung bzw. eine Verschlechterung der mental-körperlichen Gesundheit eintritt, liegt ja dann bei Dir selbst.

    Mein Eindruck ist, dass wir selbst als Betroffene viel mehr zu unserem individuellen Genesungsprozess *aktiv* beitragen können. Psychische Erkrankungen sind viel weniger chronisch als sie in Lehrbüchern heute noch dargestellt werden, davon bin ich überzeugt.

    LG,
    Mowa

    #164574

    Ist möglicherweise ein Bild von 1 Person und Text „AUFGEFALLEN MIR IST: NICHT THERAPIERBAR IHR SEID!“

    ein alter Spruch von Psychotikern ist, dass man alles was man an Energie in die Psychose steckt, wieder zurückbekommt

    #166742
    FMS

    Du kannst es probieren. Danach bist du weiser, egal wie es ausgeht.

    Es ist aber meiner Erfahrung nach nicht unbedingt so, dass man eine Psychose erlebt, dann wieder mitten im Leben steht, wieder eine Psychose bekommt und danach wieder da am gesunden Leben anknüpfen kann, wo man aufgehört hat.

    Meine Erfahrung ist, dass mit jeder Psychose irgendwie ein Stück mehr in meinem Hirn kaputt geht. So fühlt es sich zumindest für mich an. Allerdings kann das auch an der Medikation liegen.

    Deswegen: Letztendlich bleibt einem da nur es auszuprobieren. Es ist definitiv so, dass die Medis einem viel Lebensqualität zurückgeben, aber genauso viel Lebensqualität nehmen.

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