Umstellung auf Reagila wegen Negativsymptomen

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  • #91875

    Hallo liebe Forenmitglieder,

    ich hatte letztes Jahr im September meine erste Psychose, die sich dann eigentlich auch schnell wieder legte nachdem ich in der Psychatrie war.

    Leider habe ich seit einigen Monaten massiv mit Negativsymptomen zu kämpfen. Habe keinen Antrieb, keine Energie mehr und empfinde kaum noch Freude am Leben. Ich weiß nicht so recht weiter und bin in meiner Verzweiflung wieder zurück in die Tagesklinik, die ich eigentlich schon hinter mir hatte.

    Aktuell überlegt man dort meine Medikation auf Reagila (Cariprazine) umzustellen. Momentan nehme ich 7,5 mg Abilify (Aripiprazole) und 20 mg Escitalopram. Meine Ärztin meinte, dass das Reagila potentiell die Negativsymptome verbessern könnte.

    Wie ist eure Erfahrung mit Reagila, lohnt es sich die Umstellung zu versuchen? Und wie geht ihr allgemein mit euren Negativsymptomen um, was hat euch geholfen?

    Ich wäre über jeden Hinweis oder Erfahrung dankbar. Ich wünsche mir einfach nur wieder aufzuwachen und ein bisschen was schönes am Leben zu finden, aber stattdessen ist da nur diese Leere und Freudlosigkeit.

     

    Viele Grüße,

    Nick

    #91882

    Hey Nick , kann ich erstmal fragen , wie alt du bist ? Bin zurzeit auch auf Reagila

    #91883

    Guten Morgen @NickNolte,

    Erfahrung mit Cariprazin / Reagila habe ich nicht, wollte nur berichten, dass ich nach meiner ersten Psychose etwa ein Jahr benötigt habe, bis es mir besser ging. Es könnte ja sein, dass es auch bei Dir noch etwas dauert…

    Medikamentenumstellung und Dosisanpassung können helfen, wenn Du keinen Antrieb und keine Gefühle hast. Bald nach einer Psychose mag es sein, dass das Negativsymptome sind, aber meiner Meinung nach wäre es auch wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass gerade Neuroleptika solche Nebenwirkungen verursachen können.

    An Deiner Stelle würde ich noch ein halbes Jahr oder ein Jahr bei der jetzigen Medikamenteneinstellung bleiben und beobachten, ob eine Besserung eintrifft. Ich denke, dass Medikamentenumstellung und Dosisanpassung dann viel mehr bringen als jetzt zu diesem noch relativ frühen Zeitpunkt, meiner Erfarung nach.

    LG,
    Mowa

    #91952

    Hallo @Lebenohnemedis

    ich bin 34 Jahre alt. Wie sind denn deine Erfahrungen mit Reagila? Waren bei dir auch Negativsymptome Grund für eine Umstellung?

    #91956

    Hallo @Mowa,

    danke für deine Antwort. Ja, das kann natürlich auch sein, dass es mit den Neuroleptika zusammenhängt. Machmal würde ich diese auch am liebsten ganz weglassen und schauen was passiert. Immerhin hatte ich auch erst eine Psychose und die kam erst spät im Leben.

    Was hattest du denn für Beschwerden bis es dir wieder besser ging? Ging das auch in Richtung Negativsymptomatik und hat es sich dann einfach von selbst gebessert?

    Meine Ärztin meint eben, entweder es ist eine postschizophrene Depression oder Negativsymptome – wofür wohl spricht, dass das Escitalopram bisher nicht wirklich wirkt. Ist zumindest ihre Einschätzung.

    Ich habe einfach etwas Angst, jetzt wieder auf ein neues Medikament umzustellen, was dann am Ende womöglich auch keine wirkliche Besserung mit sich bringt, aber dafür wieder neue Nebenwirkungen hat.

    LG Nick

    #91969

    Hallo Nick,

    Was hattest du denn für Beschwerden bis es dir wieder besser ging? Ging das auch in Richtung Negativsymptomatik und hat es sich dann einfach von selbst gebessert?

    Nach meiner ersten Psychose in 2010 war ich die erste Zeit sehr ausgeprägt antriebslos und erschöpft, habe viel Zeit im Bett verbracht. Meine Mutter reiste mit einem Touristenvisum aus Japan ein und pflegte mich quasi 3 Monate lang.

    In den Monaten danach habe ich in einem geschützten Umfeld alleine gelebt, und allmählich habe ich angefangen mich zu beschäftigen: Zuerst war ich wöchentlich im Nachbardorf und habe in einer Schule Hausaufgabennachhilfe erteilt, das ging 2 oder 3 Monate lang, glaube ich. Danach hatte ich ein Vorstellugnsgespräch bei einer Öko-NGO, aber ich war noch sehr abwesend und aus dem Job wurde nichts. Dann habe ich 4 Wochen lang ein Pflegepraktikum in einem Krankenhaus absolviert, das war etwa ein halbes Jahr nach der Entlassung aus der Tagesklinik damals.

    Sicherliche haben mir diese Beschäftigungen auch dabei geholfen, dass es mir schrittweise besser ging.

    Anschließend hat mir mein früherer Chef (mein Diplomvater) einen Job angeboten, das war in 2011, und diesen führe ich bis heute aus. In diesen Jahren habe ich durchgängig 15 mg Aripiprazol genommen, und wenn auch mein Zustand sich gebessert hatte, blieben die “Negativsymptome” wie Antriebslosigkeit, Desinteresse und Affektverflachung zurück. Außerdem hatte ich dauerhaft das Gefühl, mein Kopf sei eingegipst, hatte also auch kognitive Einschränkungen. Seit der ersten Einnahme der Neuroleptika habe ich auch schnell und viel zugenommen und wurde adipös. Ich war zwar in der Lage, in Vollzeit zu arbeiten, aber an manchen Wochenenden war ich einfach nur bettlägerig.

    Eine wesentliche Besserung erlebe ich erst seit 2016, seitdem ich versuche ohne bzw. mit minimaler Dosis Neuroleptika zu leben. Leider hatte ich auch im Feburar 2018 und im April 2019 jeweils einen Rückfall, und momentan bin ich bei 1 mg Aripiprazol täglich eingestellt. Damit bin ich stabil geblieben, und die Nebenwirkungen sind akzeptabel. Ich habe keine Garantie, dass diese sehr niedrige Dosis mich ausreichend vor weiteren Rückfällen schützt, aber dieses Risiko gehe ich ein, denn den Zustand unter Dauermedikation mit 15 mg Aripiprazol will ich nicht mehr erleben. Es waren sicher nicht nur das Absetzen der Neuroleptika oder die Dosisreduzierung, die mir geholfen haben, sondern auch meine neue Partnerschaft, kombiniert mit neuen Anregungen im Beruf.

    Sorry bin gerade etwas unkonzentriert, hoffe, ich habe einigermaßen Zusammenhängendes geschrieben :scratch:

    LG,
    Mowa

    #92095

    Hallo @Mowa,

    danke für die ausführliche Antwort. Das ist auf jeden Fall sehr zusammenhängend aufgeschrieben. Da hast du ja auch schon einiges erlebt.

    Ich habe meine Arbeit leider vor meiner Psychose gekündigt, was wohl auch schon mit Frühsymptomen der Erkrankung zusammenhing. Rückblinkend war das keine gute Entscheidung, aber es lässt sich jetzt auch nicht mehr ändern.

    In vielem von dem was du schreibst, erkenne ich mich selbst wieder. Liege momentan auch viel im Bett, da ich keine Energie habe und auch wenig Freude an irgendwelchen Aktivitäten. Zugenommen habe ich auch enorm als ich noch Olanzapin bekommen habe, das hat sich bei mir mit dem Aripiprazol zumindest etwas gebessert.

    Auf jeden Fall interessant, dass du so einen klaren Zusammenhang zwischen der Reduzierung der Neuroleptika und der Besserung deiner Symptome erkennen konntest. Ich werde das auf jeden Fall nochmal gegenüber meiner Ärztin ansprechen. Allerdings bezweifle ich, dass sie einer weiteren Reduzierung der 7,5 mg Aripiprazol aktuell zustimmen wird. Mal schauen :scratch:

    LG Nick

    #92096

    Kann sonst noch jemand was zu Reagila sagen? Wäre sehr dankbar über alle Hinweise.

    #92114

    Allerdings bezweifle ich, dass sie einer weiteren Reduzierung der 7,5 mg Aripiprazol aktuell zustimmen wird. Mal schauen

    Danke für die Rückmeldung Nick. Ja, 7,5 mg ist wohl im niedrigeren Bereich. Finde ich gut, dass Deine Ärztin nicht eine höhere Dosis verordnet. Von einer Erhaltungsdosis von 5 mg bei Aripiprazol habe ich im Forum einige Male schon gelesen. Allerdings waren bei 5 mg die Nebenwirkungen bei mir noch spürbar, jetzt bei 1 mg spüre ich kaum welche (das könnte halt auch bedeuten, dass der schützende Effekt nicht ausreichend ist, mal schauen).

    #92115

    Kann sonst noch jemand was zu Reagila sagen?

    Mir ist davon schwindelig geworden und ich musste es deshalb absetzen.

    #92122

    Ich hatte wie auch unter Aripiprazol eine recht unangenehme Unruhe, dass ich es gleich wieder abgesetzt habe.

    #92158

    Hi NickNolte

    hier findest du ein paar Berichte zu Reagila: https://schizophrenie-online.com/forums/Thema/cariprazin-reagila/

    Ich kann dazu sagen, dass ich wirklich Probleme mit meinem Schlaf bekommen habe durch Reagila. Das ist wohl so die Hauptnebenwirkung und mich hat es volle Kanne erwischt damit, hab richtig mies geschlafen und dazu noch tagsüber eine innere Unruhe gehabt.

    Ich habe auch eine ausgeprägte Negativsympotamik, bin richtig freudlos, sprachverarmt, antrieblos usw. damit hat mir das Reagila nicht wirklich geholfen.
    Ich würde schon behaupten, dass es bisher das Medikament mit den wenigsten Nebenwirkungen für mich war – aber richtig zufrieden bin ich damit nicht und gegen die Negativsymptome hat es auch nicht geholfen.
    Nehme im Moment noch 25mg Amisulprid zusätzlich damit ich schlafen kann und nicht die innere Unruhe habe. Dosiere das Reagila aber auch grade herunter, bin im Moment auf 1,2mg und hoffe dass der Schlaf dadurch besser wird!

    Wenn du noch Fragen hast, frag gern!

    #92262

    Hallo @wunder,

    danke für deine Antwort. Das hört sich ja nicht wirklich gut an.

    Wie lange nimmst du denn schon Reagila? Ich hatte gelesen, dass sich die Unruhe nach einigen Wochen bessern soll. Schlaflosigkeit ist natürlich ein großer Mist, da habe ich auch keine Lust drauf.

    Und wie lange hast du schon diese Negativsymptomatik? Ich frage mich, wie lange es denn dauert, bis das von selbst wieder besser wird. Aber ist natürlich sehr enttäuschend, dass Reagila nicht wirklich dagegen geholfen hat. Man liest ja durchaus positives wenn man im Internet danach sucht, aber vermutlich bewirkt es dann auch keine Wunder.

    Hast du denn einen anderen Weg gefunden, mit deinen Negativsymptomen umzugehen oder hilft am Ende nur aushalten und abwarten?

    Danke und LG,

    Nick

    #92348

    Hi @NickNolte

    ich nehme das Reagila jetzt seit bald 6 Monaten. Ich kann dazu nichts sagen – ob die Unruhe/Schlaflosigkeit tatsächlich besser wird mit der Zeit – ich habe nur 2 Monate das Reagila als Monotherapie genommen und in den zwei Monaten ist es nicht besser geworden, erst als ich zusätzlich 50mg Amisulprid genommen habe is die Schlaflosigkeit und Unruhe dann weg gewesen.

    Ich hatte erst meine erste Psychose, dann Negativsymptomatik, Medikamente ausgeschlichen und dann nach 4 Monaten die zweite Psychose, die ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her, also 1 Jahr und 4 Monate sitze ich die schon aus.

    Ich habe noch keinen Weg gefunden mit den Negativsymptomen umzugehen. Ich versuche einfach jeden Tag mein Bestes, auch wenn das im Moment halt nicht gerade viel ist im Vergleich zu dem, wie es vorher mal war.
    Ich hab mir einen Job gesucht, gehe fast jeden Tag spazieren und mindestens einmal die Woche in den Wald, pflege sehr stark meine freundschaftlichen Beziehungen, schreibe Tagebuch und ein Dankbarkeitstagebuch, gehe ab und zu schwimmen und zum Yoga. Ich hoffe sehr, dass mir das auf lange Sicht irgendwann helfen wird. Wie siehts bei dir aus? Was sind deine Strategien?

    Liebe Grüße

    wunder

     

    #92376
    AvatarFMS

    Ich hatte auch nach meiner letzten Psychose seeeeeeeeeehr lange starke Negativsymptome mit Antriebslosigkeit, starker Spracharmut, Depressionen und der ganzen Kiste, die noch dazu gehört.

    Vielleicht war’s Zufall, aber ich hab dann nach 2-3 Jahren Negativsymptomen mit CBD-Öl 10% von Medihemp angefangen und nahm das einige Wochen bzw. so 2-3 Monate mehrmals am Tag 5 Tropfen. Wahrscheinlich ist es wirklich nur Zufall, aber in dieser Zeit hat sich meine Negativsymptomatik wesentlich verbessert und inzwischen habe ich kaum mehr damit zu tun.

    Ich will dich nicht entmutigen, aber Negativsymptomatik kann wirklich lange anhalten. :-(

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 months, 3 weeks von AvatarFMS.
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