Home › Foren › Peer-Support und Selbsthilfe › Notizen von Mowa
- Dieses Thema hat 3108 Antworten sowie 65 Teilnehmer und wurde zuletzt vor vor 5 Jahren, 2 Monaten von
Mowa aktualisiert.
-
AutorBeiträge
-
22/05/2019 um 21:53 Uhr #39363
Guten Abend @all
eine kurze Rückmeldung von mir zum heutigen Tag: Ich bin so sehr müde!!
So ein langer, intensiver Tag kurz nach meiner Entlassung aus der Klinik, zuerst gegen 8:15 Uhr losmarschieren, dann mit dem Auto zum Arbeitsgericht in der benachbarten Stadt, dann zum Museum, und schließlich im Tagungsort ankommen und mich noch 2,5 Stunden lang am Seminar beteiligen. Vorhin um 21 Uhr habe ich mich von meinen Kollegen verabschiedet, die nach dem gemeinsamen Abendessen noch munter am Tisch zusammensaßen.
Im Seminar ging es vorrangig um die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz und um die Norm DIN EN ISO 10075. Das war so spannend, dass meine Müdigkeit am Nachmittag sofort verflog.
Als es darum ging, dass eine Einschätzung der psychischen Belastungen durch ein Analyseteam bewältigt werden soll, habe ich mich zu Wort gemeldet, dass ich mir wünsche, dass zu einem solchen Team (außer der Arbeitgebervertretung, dem Betriebsrat, dem Betriebsarzt und der Schwerbehindertenvertretung) unbedingt eine kleine Gruppe aus sonstigen Mitarbeitern dazugehört, die zur Hälfte aus psychisch Kranken besteht, da sie Experten in eigener Sache sind.
Da habe ich mich vor den anderen Betriebsräten (da sind Teilnehmer aus 4 weiteren Instituten aus unserer Forschungsorganisation) und dem Referenten sozusagen geoutet, dass ich selbst als Betroffene eigene Sichtweisen und Erfahrungen einbringen würde, bei einer solchen Einschätzung und Auswertung psychischer Belastungen.
Und in diesem Zusammenhang habe ich auch erwähnt, dass es meine subjektive und persönliche Überzeugung sei, dass das, was den Mitarbeitern gut tue, letztlich auch dem Arbeitgeber gut tue, da die Produktivität und Kreativität gesteigert würden. Idealerweise wisse der Chef, wie es seinen Mitarbeitern psychisch gehe, usw.
Ja, also das Thema psychische Belastungen / Erkrankungen interessiert mich natürlich sehr, und falls ich ein bisschen zur Entstigmatisierung und Akzeptanz psychischer Erkrankungen in unserer Forschungsorganisation beitragen könnte, wäre ich sehr glücklich.
LG,
Mowa22/05/2019 um 22:17 Uhr #39368Du wagst Dich da weit vor.
Auf einer Seite bewundere ich das.
Aber so schwer es mir fiel, meine Krankheit im Job geheim zu halten, so zufriedener bin ich heute damit.
Allerdings habe ich diese Einstellung erst im fortgeschrittenen Alter gewonnen.hg, DiBa
22/05/2019 um 23:02 Uhr #39370
Anonym
Wie mutig Mowa, schön das du für dich selbst einstehst. Erhol dich von dem langen Tag. Lg,Bernadette
23/05/2019 um 7:59 Uhr #39401
Anonym
Ich war auch geoutet mit sogar meiner genauen Diagnose bei einer großen Zeitung. Das habe ich allerdings kaum selbst gemacht. Mein Chef kannte sich mit der Erkrankung genau aus, eine Exfreundin von ihm hatte es, na und er meinte eines Tages, er wusste es schon immer, ich kann es ruhig zugeben. Was ich dann habe, na und dann haben wir die ganze Redaktion gleich mit aufgeklärt, da war ich aber auch dafür. Die zweite Chefin damals war auch immer mal in der Klinik, ihr machten allerdings Depressionen zu schaffen. Ich denke, wir beide wurden da ganz lieb aufgenommen, aber ich denke, dass dies nicht immer der Fall sein wird – im Gegenteil, denke ich sogar. Als ich dann mein Buch geschrieben hatte und mich sozusagen vor der ganzen Welt geoutet habe, war es allerdings so, dass ich meinte, das sie meinen, das wäre als Zeitung für sie nicht mehr tragbar vor den Lesern, so eine zu beschäftigen. Immerhin zog der Job eine große Verantwortung mit sich. Ich denke, ich wurde nach meinem Buch ungerecht kritisiert. Ich wagte damals einen Versuch des Wiedereinstieges in den Job, na und ein wirklich sehr guter Artikel von mir (er wurde später ohne jede Änderung woanders publiziert) wurde wirklich sehr niedergemacht so dass ich von selbst sagte, das ist für mich keine Basis zu einer weiteren Mitarbeit, ich fühlte mich schikaniert. Ich weiß auch nicht, ich hatte so das Gefühl, dass es so gewesen sein könnte.
Ich hatte da MIT Erkrankung vier Jahre sehr erfolgreich gearbeitet.
23/05/2019 um 8:40 Uhr #39413Guten Morgen @all,
danke @DiBaDu, @Bernadette und @Aqua für Eure Rückmeldungen.
Danke auch Aqua für Deine Geschichte. Ich habe Dein Buch noch nicht gelesen. Wie denkst Du über Dein eigenes Buch, was sagen die Familie und Freunde darüber? Vielleicht bist Du schon auf diese Fragen in Deinem Blog eingegangen, dann könntest Du mich ja dorthin dirigieren. Ansonsten würde ich mich um eine Rückmeldung (gerne in Deinem Blog dann auch) freuen.
So, gleich fängt der zweite Schulungstag an. Das Seminar geht von 9 bis 18 Uhr. Das Thema von heute (Arbeitszeiten) ist wohl nicht mehr so spannend für mich wie gestern (psychische Belastungen). Hoffentlich werde ich dennoch etwas Freude am Austausch, an der Diskussion haben.
LG,
Mowa23/05/2019 um 14:50 Uhr #39440komm gut durch den tag liebe @mowa, kannst du dann abends heim oder bist du weiter weg von zuhause ?
liebe grüße
23/05/2019 um 20:47 Uhr #39522Danke schön liebe @erdbeere. Wir übernachten alle im selben Hotel, und meine Stadt liegt etwa eine Autostunde entfernt. Morgen hören wir gegen 15 Uhr auf und fahren dann wieder zurück. Wir sind insgesamt 21 Betriebsräte von 5 verschiedenen Instituten.
Der zweite Schulungstag ist nun vorüber, und die letzten 2,5 Stunden konnte ich richtig gut aufpassen. Der Trick um durchzuhalten war nicht dauerhaft aufzupassen, sondern immer nur dann, als mich das Thema interessiert hat. Hat prima geklappt :good:
Vorhin habe ich eine E-Mail an meinen Chef geschrieben, dass ich für seine Hilfe dankbar sei und dass ich den “Welpenschutz”, den er mir seit 2011 gewährt hat, nach und nach ablegen möchte. Damit fühle ich mich sauwohl.
Seufz…! Beim Durchlesen der Blogeinträge seit meinem Neurodermitisschub im Januar habe ich das hier gelesen, das hatte ich schon wieder verdrängt
Bald werde ich meinem Chef sowieso noch schreiben, dass ich in der Klinik war, neulich einen Schwerbehindertenausweis bekommen habe und dass ich im Laufe des Jahres doch noch eine Erwerbminderungsrente beantragen möchte, usw.
LG,
Mowa23/05/2019 um 22:35 Uhr #39541
Anonym
Liebe Mowa,
mach dich doch mal schlau, was du deinem Chef sagen musst, was aber vielleicht auch nicht. Oder ist es dein Wille, mit Allem offen umzugehen?
Ah, jetzt kann ich mir die Schulung auch besser vorstellen. Das ist aber wirklich ein ganz schönes Programm, das du da kurz nach dem Schub machst!
Gönn dir zeitnah eine kleine Durschnaufzeit!
Lieben Gruß,
Aqua
24/05/2019 um 18:34 Uhr #39642Seufz…! Beim Durchlesen der Blogeinträge seit meinem Neurodermitisschub im Januar habe ich das hier gelesen, das hatte ich schon wieder verdrängt
Ja, inzwischen habe ich die besagte E-Mail an meinen Chef nochmal gelesen und bin etwas erleichtert. Außer der Wortwahl „Welpenschutz“ stört mich nicht so viel an dieser E-Mail:
Guten Morgen (Chef),
es tut mir leid, dass ich Dir an einem Feiertag schreibe. Hoffentlich verbringst Du schöne Ostertage mit Deiner Familie.
Eben ist mir wieder bewusst geworden, wie sehr Du mir immer geholfen hast. Dafür möchte ich Dir danken. Ich bin noch nicht stabil wie ich sein könnte, aber den „Welpenschutz“ möchte ich nach und nach ablegen, damit ich die Arbeit der Abteilung besser unterstützen kann.
Neulich hatte ich Dir geschrieben, ob mein Arbeitsinhalt geändert werden könnte. Inzwischen denke ich, dass der Arbeitsinhalt für mich keine wichtige Rolle spielen muss. Falls ich Dir durch die bisherigen Tätigkeiten besser unterstützen kann, dann werde ich sie sehr gerne fortführen wollen.
Herzliche Grüße,
(Mowa)
Oder ist es dein Wille, mit Allem offen umzugehen?
Ja genau, besonders meinem Chef will ich nichts vormachen müssen und werde immer mit offenen Karten spielen. Ich bin überzeugt, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit andernfalls nicht wirklich möglich ist. Anders kennt er mich auch nicht bislang. Dafür bin ich sehr dankbar.
-
Diese Antwort wurde vor 6 Jahren, 10 Monaten von
Mowa geändert.
24/05/2019 um 19:18 Uhr #39666So, ich bin gegen 16 Uhr von der Schulung zurückgekehrt. Heute konnte ich mich auch prima konzentrieren und mitarbeiten, das macht mich zufrieden und ein bisschen auch stolz. Nächste Woche schreibe ich aus meinen Notizen ein Protokoll. Zur nächsten Betriebsratssitzung bin ich sowieso schon eingeladen. Dann kann ich mein Protokoll den anderen Betriebsräten vorsetzen, die jetzt nicht auf der Schulung waren.
Nach meiner Entlassung vor einer Woche hat mein Mann mir seinen Laptop geliehen, damit ich darauf Sims 4 spielen kann. Früher hatte ich mal ein Tamagotchi, das ist so etwas Ähnliches nur komplexer. Jedenfalls habe ich inzwischen 2 Babys, als angestellte Malerin. Mein Mann hat sich als Freelancer selbstständig gemacht, damit er sich um die Kinder kümmern kann
Achtung, d.h. also in dieser virtuellen Familienkonstellation, nicht im Real Life. Ja, heute Abend wird wieder etwas gezockt, vielleicht kann ich ein 3. Baby organisieren. Finde ich prima, wie ich meine reproduktiven Wünsche da ausleben kann
.24/05/2019 um 19:29 Uhr #39670
Anonym
zauberei, wenn es wäre, wäre ich gern Da. LG
24/05/2019 um 19:35 Uhr #39676
Anonym
ja, zauberei, vielleicht.. vielleicht ist auch gut, gesehen zu werden dürfen..
Das hast Du realisiert :)
24/05/2019 um 19:44 Uhr #3967824/05/2019 um 19:51 Uhr #39686Danke @Mallory für Deine lyrischen Zeilen :good:
24/05/2019 um 19:53 Uhr #39687 -
Diese Antwort wurde vor 6 Jahren, 10 Monaten von
-
AutorBeiträge
- Sie müssen angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.
One thought on “Notizen von Mowa”
Comments are closed.