Zu wenig Psychopharmaka oder nicht?

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  • Dieses Thema hat 46 Antworten und 17 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert vor 5 Jahre, 5 Monate von Anonym.
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  • #1756
    Anonym

      das war oft streithema im kns, trotzdem halte ich das thema für wichtig.

      oft nehmen schizophrene zu wenig psychopharmaka oder möglichst keine, ich habe zu oft festgestellt das die meisten doch wieder psychotisch werden, da es doch nur 1/3 der leute schafft die psychopharmaka abzusetzen.
      ich bin dafür das es jeder einmal ausprobiert, einfach um schlau daraus zu werden.

      aber wie ich vorhin angesprochen wurde, handelte es sich um 5mg abilify, die menge ist natürlich zu wenig; denn dann könnte man gleich die abilify abstzen, da sie dann eh keine antipsychotische wirkung haben.

      #1758
      Anonym

        So ein Blödsinn , sorry aber alles hat Nebenwirkungen. Wenn’st ein Pflegefall werden willst nimm alles lol. Ein Medikament reicht in Wirklichkeit und so niedrig dosiert wie möglich. So dass man leben kann.

        #1762

        Das kommt immer auf den Körper drauf an. Ich habe mich mal durchgelesen bei Dr. Aderhold. Jeder Körper ist anders. Ich benötige deutlich mehr als normale Psychotiker. Merke ich jetzt auch beim einschleichen von Fluanxol. Man sollte immer so viel nehmen wie man sich wohl fühlt und nicht nach Diktion nehmen.

        #1766
        Anonym

          nicht alle psychopharmaka haben die selben nebenwirkungen und daher sollte man unbedingt mal über ein wechsel nachdenken.

          #1769
          Anonym

            keine sorge, ich brauche auch so viel wie vom krankenhaus vorgeschrieben, alles darunter ging bei mir schief.

            #1784

            Ich bin schon auch grundsätzlich der Meinung so wenig wie möglich, so niedrig wie möglich. Das heißt ja, dass die Leute so viel bekommen, dass sie noch ausreichend geschützt sind, aber eben nicht mehr als nötig.

            #1786

            soviel wie nötig – so wenig wie möglich

            #1789

            Also ich nehme Abilify seit 6 Monaten in einer Dosis von 5mg und bin nicht psychotisch.Verspannungen hatte ich auch schon vor meiner vor meiner Psychose und war darauf krankgeschrieben.Durch die Gabe Rispadal und anschließend Xeplion 100mg wurde es unerträglich damit.Da ich einen zu hohen Prolagtinspiegel hatte wurde ich auf Abilify umgestellt mit einer Dosis von 10mg.Mein Prolaktinspiegel ist nun in der Norm und die Versteifungen immer noch da.Ob hoch oder niederig.Auch der Rest wie Antrieb ,Negativsmptomatik und Deppressionen.War auch bei hoher Gabe nicht gut.

            #1796
            Anonym

              Gelöscht 0821

              #1802
              Anonym

                Hallo,
                aus meiner ärztlichen Sicht ist in Bezug auf die Verhinderung eines Krankheitsrückfalles wesentlich, dass durchgängig eine geringe Blockadewirkung auf das dopaminerge System im Gehirn durch die Medikamente bewirkt wird.
                In Bezug auf die Auswahl des Medikaments sind es drei Fragen: 1) ist das Antipsychotikum grundsätzlich geeignet, im jeweiligen Einzelfall eine Psychose zu verhindern oder zu behandeln, zweitens welche Dosierung ist zu empfehlen bzw. minimal notwendig, und 3) wie sind die Nebenwirkungen.
                1) kann man im Einzelfall am besten herausfinden, wenn Erfahrungen mit der erfolgreichen Behandlung bei akuten Symptomen vorliegen. Die Grundsatfrage ist Typisches Antipsychotikum (z.B. Haloperidol) der ersten Generation, Atypisches der zweiten Generation oder Clozapin bei Therapieresistenz der beiden anderen. Vor allem unter Berücksichtigung der individuellen Nebenwirkungen.
                2) Damit das Medikament im Gehirn ankommt, muss es erst einmal ins Blut gelangen. Also das geht nur, wenn es auch regelmäßig eingenommen wird oder als Depotspritze. Wenn es durch den Darm aufgenommen wird, kann es bei wenigen Menschen genetisch bedingt auch wieder zurück transportiert werden aus dem Blut in den Darm, weil der Darm merkt dass das ein Fremdstoff ist (sogenannter organic cation transporter, OCT). Oder es gibt Stoffe in der Nahrung, die eine zuverlässige Aufnahme verhindern. Ist aber auch selten ein Problem. Vom Darm geht es dann in die Leber, und da kann ein erster Abbau erfolgen, bevor es im Gehirn ankommt. Vor allem wenn man Zigaretten raucht, oder auch bei bestimmten anderen Medikamenten wird die Leber angeregt, abbauende Cytochrom-Enzyme zu bilden. Dann kann der Abbau doppelt oder dreimal so schnell gehen, und es bleibt nicht viel übrig zum Weitertransport ins Gehirn. Oder das Komedkament hemmt den Abbau, dann steigen die Spiegel auf das dreifache an, z.B. wenn man Clozapin einnimmt und dazu das Antidepressivum Fluvoxamin. Bei der Depotspritze wird die Leber umgangen. Daher ist der Spiegel sicherer aber niedriger und gleichmäßiger im Tagesverlauf weil es langsamer freigesetzt wird.
                Im Gehirn kann auch noch gegen eine Aufnahme Widerstand geleistet werden, weil es die sogenannte Blut-Hirn-Schranke gibt und z.B. das p-Glykoprotein als einen Transporter. Einmal im Gehirn an den Rezeptoren angekommen kann es auch eine gewisse Zeit nach Absetzen dauern, bis das Medikament dort wieder abtransportiert wurde (Dauer von Nebenwirkungen anch Absetzen aber auch Schutz bis zur steigenden Rückfallgefahr).
                Wieviel im Blut ankommt, kann man mit Plasmaspiegeluntersuchung feststellen, nüchtern morgens vor der Einnahme. Wieviel im Gehirn ankommt, kann man nur mit komplizierten Techniken (Positronenemissionstomographie PET) feststellen. MAcht deshalb keiner in der Routine.

                Schlussfolgerung: Erst mal niedrig dosiert anfangen, dann Plasmaspiegel kontrollieren, ob über dem unteren Normbereichsrand. Und nur höher dosieren, wenn trotzdem klinisch nicht ausreichend wirksam.

                3) Unter dieser Dosierung klinisch beobachten, welche Nebenwirkungen auftreten nach mehrwöchiger Einnahme. Möglichst vermeiden sollte man a) Parkinsonoid = Zittern, Steifigkeit, Antriebshemmung sowie Akathisie (Sitzunruhe) udn Spätdyskinesien b) metabolisches Syndrom = Heisshungerattacken, ständiger Hunger, Gewichtszunahme, Zuckerspiegelanstieg, Diabetes mellitus Typ II, c) anticholinerge Nebenwirkungen vor allem im höheren Alter = Mundtrockenheit, Harnverhalt, Verstopfung, Beeinträchtigung der Konzentration, d) deutlicher Anstieg des Hormons Prolaktin (Milchfluss, Osteoporose, Begünstigung gutartiger Tumore). Natürlich ist diese Aufzählung nicht abschließend. Man muss auch Kreislauf, Blutdruck, Müdigkeit etc. und mehr beachten.

                MfG
                Prof. Dr. Klimke

                #1805
                Anonym

                  Gelöscht 0821

                  #1806
                  Anonym

                    Lieber Herr Klimke,

                    Danke für die ausführliche Erklärung bezüglich der Medikamente ich habe mich fast schon wie in einer Vorlesung gefühlt. :)

                    Sehr interessant.
                    Dennoch denke ich dass Sie sich nicht so große Mühe machen müssen dinge zu erklären um Klarheit zu schaffen das ist schade um Ihre wertvolle Zeit.

                    Liebe Grüße
                    Auster

                    #1808

                    danke prof. klimke

                    #1814
                    Anonym

                      Dankeschön für Ihre Erläuterungen, Herr Klimke.
                      Und,bitte gerne weiter schreiben,wenn es Ihre Zeit erlaubt.
                      MfG
                      Pomeranze/Maja

                      Es wird nie mehr so sein wie es einst gewesen ist…

                      #1818
                      Anonym

                        Gelöscht 0821

                      Ansicht von 15 Beiträgen - 1 bis 15 (von insgesamt 47)
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