Wann droht ein Rückfall in die Psychose?

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  • #178047

    Hallo Leute,

    dieser Post richtet sich vor allem an die, die schon mehrere Psychose Schübe hinter sich haben. In welchen Abständen passieren diese? Gibt es dafür einen zeitlichen Rahmen oder ist das von Mensch zu Mensch unterschiedlich? Wie merkt man, dass man wieder psychotisch wird und ein Schub kommt? Und was passiert, wenn man die Medikamente absetzt? Habe gehört, dass bei nur einem Schub man 1 Jahr lang Medikamente nimmt, bei 2-3 Schüben dann schon 5 Jahre und bei mehr sein ganzes Leben lang. War das bei euch auch so?

    Ich hatte das Glück, dass mein Höhepunkt der Psychose, schwere Depressionen und akkustische Halluzinationen (keine Stimmen, aber habe meinen Namen in allen Geräuschen gehört, sog. „Filterstörung“), weniger als 3 Monate gedauert hat. Jetzt habe ich noch Restsymptome (Gedankenlautwerden bzw. die Definition der Zwangsgedanken passt besser auf mich zu). Ich nehme seit 8 Monaten Medikamente, also werde ich sie voraussichtlich noch mindestens 4 Monate nehmen müssen. Ich fühle mich schon lange sehr gut, sehr fröhlich und antriebsvoll/motiviert, also keine Negativsymptomatik, vor allem seit meiner Umstellung auf Amisulprid.

    Ich frage mich, ob dieses Gedankenlautwerden/Zwangsgedanken nachdem absetzten noch schlimmer werden können und ich wieder Depressionen kriege, oder ob es sogar eine vollständige Psychose sein wird mit Wahnvorstellungen und Stimmen. Selbst die fast Höchstdosis von Risperidon hat meine Restsymptome nur tausend mal schlimmer gemacht. Je höher die Dosis war, desto mehr wurde es. Und nach einem 2ten Schub muss man ja bekanntlich noch eine höhere Dosis nehmen als zuvor. Das ganze macht mir sehr Angst, da ich hohe Dosen scheinbar überhaupt nicht vertrage.


    10mg Escitalopram vom 01.2021 – 04.2021
    1mg-4mg Risperidon vom 02.2021-06.2021
    300mg Amisulprid seit 06.2021

    #178052

    In den 6 Jahren meiner Psychose war ich jedes Jahr in der Klinik mit Ausnahme 2019 und 2017. Deswegen nehme ich die EKT dankend an und versuche dadurch meine Abwärtsspirale zu unterbinden. Ich hatte auch schon eine postpsychotische Depression, sogar mehrmals fällt mir ein. Viel Glück, dass es nicht wie bei mir eine Chronifizierung gibt!

    #178054

    Hallo @chimander nach kurzer Zeit, wenn ich kein Medikament mehr nehme (Abilify in geringer Dosis), dann bekomme ich wieder einen erneuten Rückfall. Das ist inzwischen schon des Öfteren passiert, deshalb besteht bei mir auch die Gefahr, dass ich das Medikament mein restliches Leben nehmen muss.

    Einen zeitlichen Rahmen dafür kann ich nicht nennen. Entweder ich vergesse es das Medikament zu nehmen oder ich denke, dass ich es nicht mehr brauche. Ein positiver Effekt ist auch die Gewichtsabnahme, die auch nach kurzer Zeit bei mir erfolgt. Ich bekomme von meinen Eltern und meinem Freund ständig gesagt, dass ich zu dick bin.

    Laut Internet nennt man das dann „Absetzpsychose“ und die ersten Symptome sind, dass die Umgebung mir näher oder ferner vorkommt als sonst, nach kurzer Zeit große Ängste (vor allem nachts, wenn ich allein bin) und ganz seltsame Träume. Nach kurzer Zeit will ich dann mein Medikament auch gar nicht mehr nehmen, weil ich denke, in der „Realität“ angekommen zu sein. Das denke ich auch dann noch, wenn das Radio, der Fernseher, andere Personen mit mir „mitdenken“ und auf meine „Gedanken“ durch eine Handlung reagieren, wie z.B. Kopfschütteln (Verneinung meiner Gedanken) oder Nicken (Bestätigung meiner Gedanken). Oder ich verfolge die „Matrixtheorie“ (ich bin alleine, alle anderen sind nur Einbildung) und kann mich nur schwer auf etwas anderes konzentrieren.

    Du hattest erst eine wirkliche Psychose? Wenn du wirklich dein Medikament absetzt, dann mache das bitte nur in Rücksprache mit deinem dafür zuständigen Arzt. Ansonsten kann es passieren, dass du dir den Weg „steiniger“ machst, als er sein müsste.

     

    #178058

    @Metalhead666 das mit dem EKT ist mir neu, klingt aber interessant. Wie oft wird das bei dir so durchgeführt? Wie langanhaltend ist die Wirkung des EKT? Dass du fast jedes Jahr in die Klinik musst tut mir Leid, das muss schrecklich sein. Bei mir ist es zum Glück noch nicht so weit. Wie merkst du denn, dass du psychotisch wirst und wieder ein Aufenthalt in der Klinik bevorsteht?

     


    @Dremwalker
    wie lange kommst du denn ohne Medikamente aus, bis du wieder psychotisch wirst? Das freut mich, dass du wenigstens Gewicht verlieren konntest dadurch, bei mir ist Umgekehrtes der Fall. Von der Absetzpsychose hab ich schon mal gehört, denke aber, dass es einfach nur die erste Psychose ist, die mit den Medikamenten gedämpft wird und beim Weglassen eben mehr zum Vorschein kommt. Kann man deine Symptome als Derealisation bezeichnen? Also quasi eine Ich-Störung?

    Eine „wirkliche“ oder klassische Psychose hatte ich ja nie so wirklich. Keine Wahnvorstellungen, keine Stimmen, keine Derealisation, keine Negativsymptome. Ich war nur für weniger als 1,5 Monate sehr bedrückt und traurig in meiner depressiven Phase. Neben dem Namen in Geräuschen und in Gedanken hören und meinen Zwangsgedanken/Gedankenlautwerden hatte ich aber keine Symptome.


    10mg Escitalopram vom 01.2021 – 04.2021
    1mg-4mg Risperidon vom 02.2021-06.2021
    300mg Amisulprid seit 06.2021

    #178059

    Ich werde auch mit Medikamenten unter psychosozialem Stress psychotisch, also wenn etwas Außergewöhnliches in meinem Umfeld passiert.

    Außerdem kommen meine Stimmen zurück, wenn ich mein Medikament reduziere oder absetze. Mit der Zeit werde ich dann depressiv, fühle mich beobachtet und bekomme paranoide Angstzustände. Das ist dann meine Psychose.

    Andere Medikamente wirken so gut wie garnicht. Ich bekomme dann immer nur massive Nebenwirkungen, die mich dann unter Stress setzen, was dann vermutlich meine Symptome noch mehr pusht.


    @Chimander
    , ich schätze, dass deine Psychose ganz einfach noch ganz zu Beginn abgefangen wurde. Die noch schwachen Symptome, die du beschreibst, sprechen jedenfalls dafür. Es könnte gut sein, dass sie weitermacht, wenn du die Medikamente eine gewisse Zeit abgesetzt hast.


    Medikation:
    NL: 400mg Amisulprid + derzeit 100 mg zur Krisenintervention, Blutdrucksenker: 2x4mg Doxagamma, 2x5mg Ramipril, 12,5 mg HCT

    Grüßle von Molly

    400mg Amisulprid morgens

    Blutdrucksenker: 2x2mg Doxagamma, 2x5mg Ramipril, 12,5 mg HCT als Diuretikum

    #178063
    Leo

    Hallo @chimander
    Das ist von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich wie oft und in welchen Abständen eine Psychose auftritt.
    Man sagt so, dass 1/3 nur eine Psychose im Leben erlebt, das andere Drittel mehrere Episoden und das dritte Drittel dauerhafte und chronische Symptome hat.

    Zu welchem Drittel du gehörst, wird dir vorher niemand sagen können. Bei mir war es so, dass die psychotischen Symptome alle paar Jahre kommen, wenn ich die Medikamente irgendwann abgesetzt habe.

    Ich selbst höre auch trotz Medikamenten und trotz Höchstdosen immer noch Stimmen und habe auch Gedankenlautwerden und ein paar andere Symptome noch hin und wieder. Inzwischen dosiere ich selbstständig runter und meine Symptome sind bisher nicht wirklich schlimmer geworden. Aber das ist auch alles noch recht frisch bei mir, die Symptome können also immer noch schlimmer werden oder neu aufflackern.

    Du wirst es einfach probieren müssen.

    Eine erneute Psychose merkt man zum Beispiel daran, dass vorhandene Symptome sich verschlechtern, man kaum mehr schläft, unruhig ist, Halluzinationen auftreten (sofern für einen selbst erkennbar), sich irgendwie der eigene Rhythmus ändert. Aber letztlich ist auch das wieder eine so individuelle Sache. Das sind nur so Eckpunkte, an denen man sich ein bisschen orientieren kann.

    Meine Empfehlung ist nicht vor 12 Monaten konsequenter Einnahme mit dem runterdosieren zu beginnen. Lass dir Zeit beim Absetzen, dosiere langsam runter. Vor allem die letzten Schritte sollten gedehnt werden und in minimalen Schritten erfolgen.

    #178067

    @chimander ich komme nur ganz kurze Zeit ohne Medikamente aus. Die Symptome beginnen schon nach wenigen Tagen.

    Meine Symptome kann man unter anderem auch als „Derealisation“, also als „Ich-Störung“ bezeichnen.

    Das ist gut, wenn du bis jetzt noch nicht wirklich viel Symptome hattest. Dann scheinst du, glaube ich, eine gute Chance zu haben, wieder einmal medikamentenfrei leben zu können.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Monat von Dre@mwalker.
    #178074

    Wie oft wird das bei dir so durchgeführt?

    Elektrokonvulsionstherapie heißt es. Ich mache eine Serie von 10 Behandlungen.

    Wie langanhaltend ist die Wirkung des EKT?

    Das ist die große Frage die ich mir auch stelle. Erkennt man nur mit Fail and errormethode!

    Dass du fast jedes Jahr in die Klinik musst tut mir Leid, das muss schrecklich sein.

    Ja es ist nerventötend. Ich hasse die Klinik, aber ich sehe es auch als Rückzugspunkt an.

    #178080
    Anonym

    Hallo @chimander wollte dir erst antworten, habe mich dann aber erinnert das ich dir und viele andere auf schon ganz fast die gleichen fragen schon geantwortet haben. Also mit Medis nicht einfach so absetzen sonst Rückfall definitiv. !

    Wie du es merkst auch dazu habe ich schon was geschrieben, u.a. das ich mich mit dem Wald so verbunden fühlte das ich drinnen wohnen wollte oder das ich soviele Leute auch Zeitungen anschrieb und mich getrieben zu immer mehr aktivitäten fühlte ein anderes Mal.

    Kann es sein, das du dir schwer tust a) zu aktzeptieren das du krank bist b) deine Medis nun mal nehmen mußt – vielleicht in einer anderen Stärke – mit Absprache Arzt!.

    LgBernadette

    #178085

    Naja, @Bernadette!

    Seine oder ihre Erstmanifestation liegt ja noch nicht so lange zurück. In seiner oder ihrer Signatur steht, dass er oder sie im Januar 2021 mit den Medikamenten begonnen hat. Deshalb kann man immer noch hoffen, dass es wieder gut wird. :good:


    Medikation:
    NL: 400mg Amisulprid + derzeit 100 mg zur Krisenintervention, Blutdrucksenker: 2x4mg Doxagamma, 2x5mg Ramipril, 12,5 mg HCT

    Grüßle von Molly

    400mg Amisulprid morgens

    Blutdrucksenker: 2x2mg Doxagamma, 2x5mg Ramipril, 12,5 mg HCT als Diuretikum

    #178089

    Bei mir beginnt alles mit Angst, Stress, aggressiv sein. Dann werde ich total aufmerksam, glaube ich muss mich überall durchsetzen etc.. dann Panik und dann akustische Halluzinationen und auf mich beziehen. Mir hilft dann Abilify regelmäßig nehmen und temesta erhöhen.


    Keto bzw. Low Carb, Bodybuilding natural

    #178090

    Cbd macht mich aufnahmefähiger, weniger Stress im Kopf und weniger psychisch labil. Seit ich die 10 Kaugummi nehme am Tag. Vorher nicht.


    Keto bzw. Low Carb, Bodybuilding natural

    #178093

    Ich hatte , wie @chimander auch keine richtige Psychose im wirklichen Sinne… Früher als ich psychisch sehr angeschlagen war, hatte ich starke unruhezustände, angstzustände und Aggressionen. Ich habe dann z.b. andere Leute angebrüllt oder war aufdringlich im verhalten und habe Sachen kaputt geschlagen oder war teilweise Fremdgefährdet… Damals litt ich unter Kontrolle Impulsstörungen und hatte einen Verdacht auf borderline, der sich nicht bestätigt hat…. Das war damals im Jahr 2010. Damals wurde aber keine Schizophrenie bestätigt. bei mir ist es eine lange und sehr komplizierte Geschichte , wie es 2012 zu der Diagnose kam, worüber ich hier nicht so gerne schreiben mag … Ich habe sie komplett meinem psychiatrischen Gutachter erzählt und der kommt auch zum Schluss das meine Diagnose zweifelhaft ist. Ich hatte sehr viele Jahre viele psychische Probleme…Die mittlerweile sehr stark zurückgegangen sind. Ich habe zwar immer noch Probleme mit dem Alltag. Also bin wahrscheinlich nicht fähig im ersten Arbeitsmarkt  unzu arbeiten  und komme ohne Betreuung bisher noch nicht zurecht. Aber im Alltag bin ich mittlerweile recht stabil und unauffällig. Stimmen und wahnvorstellung hatte ich noch nie wirklich außer einmal beim kiffen hatte ich früher wahnvorstellungen die nach paar Tagen weggegangen sind.

    Ich kenne bisher daher kaum Frühwarnzechen bei mir.

    Dennoch als ich einsam und isoliert war in meiner vorigen Wohnung( Dorf weit weg von Stadt und kaum menschlichen Kontakt und ohne Tagestruktur)hatte ich teilweise schon paar Symptome weil ich sehr unter der Situation gelitten habe. Depression, angstgefühle , Hypochonder und Verwahrlosung. Mittlerweile ist das kaum noch der Fall.

     


    seit April 2019 – 1,5 mg risperidon täglich, aber MedikamentenSpiegel weit unter dem therapeutischen berreich. Stabil und kaum Symptome. Neue diagnostik geplant

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Monat von Seran.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Monat von Seran.
    #178096

    Hallo @Chimander

    Leider gibt es keine allgemeingültigen Abschätzungen dafür nach welcher Zeit eine Psychose wieder auftreten kann. Ich habe auch von Leuten gehört die nach dem Absetzen 10 Jahre lang stabil waren, bevor sie wieder eine Psychose hatten und auch von welchen die nach dem Absetzen bis heute noch keine weitere Psychose hatten. Aber es gibt auch welche, die, wenn sie absetzen, auch wenn sie nur eine minimale Dosis genommen haben, nach ein paar Wochen oder Monaten wieder auffällig werden und dann auch wieder in Behandlung gehen müssen/wollen um nicht aus ihrem sozialen Umfeld zu fallen. Manchmal hat man Glück oder man ist in einer privilegierten Situation wo man die Konsequenzen noch ein bisschen abfangen kann, manchmal fällt man aber ganz durch und zerstört sich damit also wieder alles, was man sich aufgebaut hat. Das ist ein großes Risiko.

    Ich selbst habe einen relativ milden Verlauf. Bei meinem ersten Krankenhausaufenthalt (da war die Psychose mit Aufs und Ab schon fast ein Jahr am Laufen, ist aber erst dann aufgefallen, Diagnose: drogeninduzierte Psychose), habe ich Medikamente verweigert und meine Eltern haben die Verantwortung für meine Entlassung übernommen. Ich habe dann ohne große Verzögerungen mein Studium weiterführen können und abgeschlossen (nicht in Regelzeit, aber gleichzeitig mit meinen Kommilitonen). Ein paar optische „Verzerrungen“ hatte ich zwar noch und auch so ein „Scannen“ der Nummernschilder nach Botschaften und solche Sachen, aber irgendwie ist es von selbst „weggegangen“, bzw war dann nicht mehr so bestimmend.

    Ca. 6 Jahre später habe ich eine weitere Psychose bekommen (ohne Drogeneinfluss), diesmal heftiger und stärker, mit optischen Halluzinationen, akustischen Halluzinationen und viel Wahn (Eingebungen, Botschaften, etc.). Ich habe die Psychose fast 2 Jahre „ausgekostet“ (war für mich sehr interessant), dann aber hatte ich Arbeit und Wohnung (Werkswohnung) verloren, bin wieder zuhause eingezogen (mit 30) und habe mich dann dem Willen meiner Eltern gebeugt und mich in Behandlung begeben. Dann war ich 6 Jahre lang unter einem Depot-Neuroleptikum (Xeplion). Erst relativ hoch dosiert, so dass ich eigtl. arbeitsunfähig war aber ab Sommer 2017 auf der Minimaldosis. Im April diesen Jahres (also vor knapp 6 Monaten) hatte ich meine letzte Dosis und seit dem bin ich (nach Empfehlung der Ärztin) Medikamenten frei.

    Ich möchte vielleicht ein paar wichtige Erfahrungen teilen:

    • In den 6 Jahren auf Neuroleptika habe ich eine komplette Promotion, von Anfang bis Ende durchgezogen und jetzt bin ich Dr.rer.nat.; Wichtig war es hier, die möglichst niedrige Dosis zu finden, mit der ich wieder denken konnte, damit ich wieder arbeitsfähig wurde (das war so ab Herbst 2017 Gottseidank der Fall).
    • Die letzte „Stufe“ also die 25mg Xeplion Spritze, wurde gar nicht „ausgeschlichen“, sondern einfach abgesetzt. Da es aber ein Depot-Präparat ist, baut sich der Wirkstoff viel langsamer im Körper ab, als von den Tabletten, und ich habe den Eindruck, dass jetzt nach 6Monaten immer noch ein bisschen Wirkstoff vorhanden ist, wobei ich den nicht mehr direkt spüre, aber ich spüre dafür, dass ich immer weniger „geschützt“ bin.
    • Auch bei der Reduktion von 50mg zu 25mg habe ich noch mehr als ein halbes Jahr später noch „Nachwirkungen“ der Umstellung gespürt, also eine verstärkte Sensitivität gegenüber den eigenen Gefühlen und Impulsen. Um genau zu sein, habe ich vor allem eine übersteigerte Libido gespürt, die sich erst wie gesagt nach mehr als 6 Monaten wieder einigermaßen normalisiert hat.
    • Jetzt im Moment fühle ich die Umstellung relativ stark, diesmal äußert sie sich in einer relativ starken Unruhe, die ich irgendwie zu betäuben und besänftigen versuche, weil sie wirklich sehr unangenehm ist. Anfangs (und auch jetzt) habe ich eine größere Reizbarkeit (eine kürzere Zündschnur), aber bisher habe ich es mir noch mit niemandem wichtigen „verscherzt“. Ich versuche dagegen, mich z.B. mit Sport auszupowern. Was ich auch tun sollte ist es auf Koffein zu verzichten, bzw was ich auch versucht habe, was aber nicht geholfen hat, sondern das Problem nur kurzzeitig etwas entspannt hat aber im großen und Ganzen schlimmer gemacht hat war z.B. Selbstbefriedigung. Ich hoffe dass sich keine neue Psychose anbahnt (Symptome habe ich nämlich keine), sondern dass sich einfach mein Gehirn wieder auf die neuen Bedingungen einstellt und ich dann wieder etwas ausgeglichener werde, wenn auch vielleicht nicht ganz so, wie wenn ich durch die Medikamente gedämpft werde.
    • Wichtig, meine ich ist es festzuhalten: Es gibt viele Situationen, da können Medikamente sehr hilfreich sein und es ist auf keinen Fall so, dass es eine unbedingte „Pflicht“ ist, die Medikamente abzusetzen. Wie gesagt mir haben sie es erlaubt gleichzeitig soweit stabil zu bleiben also auch funktionsfähig zu bleiben um eine ganze Promotion durchzuziehen und das war wirklich nicht leicht. Die Dosierung war hier aber entscheidend.
    • Wenn man sich aber entscheidet trotzdem abzusetzen, gibt es auch Möglichkeiten Vorsorge zu treffen, um im Fall eines Rückfalls evtl. Schäden zu begrenzen (z.B. Jobverlust, Verlust des sozialen Umfelds, Wohnungsverlust, Verlust von finanziellem Vermögen und sozialem Status, Verlust von Leben, Gesundheit und Unversehrtheit und auch Straffälligkeit). Ich bin da gerade dabei, aber man kann z.B. einer Vertrauensperson (z.B. Eltern oder Elternteil) eine Vollmacht ausstellen, damit die eine Einweisung beantragen können, auch gegen den Willen des Betroffenen (in diesem Fall gegen meinen eigenen Willen). Damit könnte z.B. eine 2jährige akute Psychose verhindert werden, und z.B. durch einen 2wöchigen Krankenhausaufenthalt ersetzt werden. Dass dies z.B. einen Jobverlust verhindern kann, ist offensichtlich. Es kommt natürlich auf die Situation an, aber in meiner Situation ist es eine gute Lösung meine ich.
    • Was mir sicherlich auch geholfen hat war Abstinenz von Alkohol, Nikotin und Drogen. Möglichst Abstinenz von Koffein. Möglichst Sexuelle Enthaltsamkeit (um den Antrieb zu erhalten, wenn er durch die Medikamente unterdrückt ist). Tägliche Protokollierung des Gewichts (morgens und abends). Möglichst feste Struktur (Schlafenszeiten, Sonntag=Ruhetag). Sowie Unterstützung durch meine Eltern, Großeltern und Kontakt zu Freunden, als auch religiöse Aktivität. Klar könnte meine Disziplin auch besser sein, ich ringe natürlich damit, aber meiner Meinung nach ist es besser damit zu ringen, als es einfach aufzugeben.
    • Oftmals findet man die richtigen Ansprechpartner auch nicht sofort. Es ist wichtig sich immer auch an den behandelnen Psychiater zu wenden, aber auch den sozialpsychiatrischen Dienst oder auch trialogische Treffen, wo man sich mit Betroffenen, Angehörigen und Behandlern austauschen kann. Ein wichtiger Ratschlag, den ich ganz am Anfang erhalten habe, war es dass man Selbst zum Experten seiner eigenen Krankheit werden muss, weil wenn man sich nur auf die Ärzte verlässt, dann ist man verloren. Aber ich habe in der zweiten Psychose zumindest auch immer versucht möglichst 100% compliant mit den Ärzten zu sein (gehorsam) und damit bin ich auch relativ gut gefahren, auch wenn ich zwischenzeitlich auch mal eine Ärztin gewechselt habe, weil sie einfach richtig schlecht war.

     

    #178108

    Unruhe hat nichts mit Psychose zu tun.


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