Unkraut vergeht nicht

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  • #50505
    Anonym

      Mein Nachbar gegenüber entfernt gerade seine Wildkräuter gründlich. Heute kratzt er. Manchmal nehmen sie hier auch Brenner oder spritzen Gift. Jedes Jahr pflanzen sie neue Blühpflanzen in Töpfe. Es soll alles sauber und ordentlich aussehen. So sind sie hier. Kaum noch Insekten, kaum noch Vögel hier, auch andere kleine Wildtiere kaum noch. Kaum Würmer. Ich mag Ameisen, Fliegen, stechende Insekten, Motten, Mäuse und Ratten auch nicht in der Wohnung. Jahrelang habe ich bei der Wildkräutervernichtung mitgemacht als Ehrenamtlerin. Muss mal gucken gehen, wie die Grünanlage, wo ich tätig war ohne mich aussieht. Wenn es bei wem nicht sauber und ordentlich nach außen hin aussieht, beschweren sie sich.

      Außer, dass ich einen Fliegenfänger habe, sperre ich die drinnen unerwünschten Lebewesen aus. Meine Weberknechtfamilie bevölkert bei uns allerdings alle Räume. Die Zeit zum Spinneweben entfernen oder Tiere aussperren bzw. nach draußen geleiten nehme ich mir.

      Tiere, Pflanzen, Natur – retten oder töten? In den Müll oder würdevoll beerdigen, Verbrennen oder kompostieren?

      Dieses Thema beschäftigt mich seit meiner Kindheit.

      #50541
      Anonym

        Als ich noch mit meinen Eltern und mit Garten gewohnt habe, hatten wir, so lange ich zurückdenken konnte, immer angrenzend oder auf dem eigenen Grundstück irgendwo etwas “verkrautete” wilde Natur. Mit Brennesseln und co. So etwas kann man auch im eigenen Garten anlegen, einfach eine Ecke, wo es nicht zu sehr stört – wachsen lassen wie die Natur es will. Dazu bestimmte Blumen, als “Bienenweide”, und vielleicht noch ein Insektenhotel. Für Vögel ein paar samentragende Pflanzen wachsen lassen, wie Sonnenblumen, oder gleich ein immer gut für die verschiedenen Arten bestücktes Futterhaus aufstellen und Meisenknödel aufhängen.

        Wenn viele es so machen, dann überleben mehr wilde Insekten und Schnecken und Vögel, und wenn die überleben, bleibt die Natur, da wo sie sich entfalten kann, etwas intakter und näher ihrem natürlichen Gleichgewicht.

        Ich finde, so ein Gleichgewicht ist wichtig. Vor allem aber im grossen Maßstab! Wir kommen auf diese Welt, und auf ihr befindet sich etwas recht fein ausbalanciertes. Und wir haben jetzt die Wahl, plündern wir es aus, und dann geht das Gleichgewicht flöten, und künftige Generationen haben den Salat. Oder wir bleiben demütig und bemühen uns, das Gleichgewicht aufrecht zu halten, dann haben die künftigen Generationen die gleichen Freuden daran wie wir.

        Was das Töten von Insekten angeht, sehe ich es zwiespältig. In der Natur selbst, sterben Insekten nun mal “wie die Fliegen”, es gehört zu ihrem Leben und zum Gleichgewicht dazu. Ich vermute auch, anders als bei Säugetieren, ist der Schmerz dieser Insekten nicht allzu gross bei’m Versterben, nicht sengend, sondern wenn es zerquetscht wird vielleicht wie für uns ein spitzer Nadelstich. Säugetiere können wesentlich stärker leiden, etwa so wie wir. Das ist aber nur meine Vermutung.

        Ich versuche trotzdem, wo ich kann, nicht einfach die Tierchen plattzuhauen, sondern fange sie in der Wohnung verirrt mit einem Glas und einer Postkarte ein, und lasse sie dann draussen Frei. Ausser bei Mücken im Schlafzimmer, die wollen mein Blut, und sind deswegen auch dran, wenn ich sie erwische und es nicht anders geht.

        Aber das mit dem Einfangen hat für mich auch etwas mit dem Respekt vor dem Leben zu tun. Ich selbst denke, solch ein Respekt ist eine Grundlage, auf der weitere gute Eigenschaften der Psyche überhaupt erst entstehen können, ich tue das also eher nicht so für die Insekten, sondern auch für mich selbst. Und ich gestehe mir ein, dass das Leben, was ich bin und diese Insekten auch, etwas wunderbares ist, dass ich nie ganz verstehen können werde, und so etwas phantastisches haut man nicht einfach mit der Hand platt, man verehrt es, behandelt es wann immer mal kann wie das kostbarste, zerbrechlichste – zumal es die eigene Lebensgrundlage ist.

        #50544

        Also in ihrem “natürlichen” Zustand hatte die Erde eigentlich gar keinen Sauerstoff, sondern viel mehr Kohlenstoffdioxid und das Anreichern der Atmosphäre mit Sauerstoff führt dann zum ersten Massenaussterben und dann folglich zu der Entstehung der Pflanzen.

         

        https://de.wikipedia.org/wiki/Ordovizisches_Massenaussterben

         

        Man kann nicht sagen, die Natur wäre irgendwann mal im Gleichgewicht. Natur ist immer ein dynamischer Prozess. Wenn man sich einfach einen beliebigen Zeitpunkt rauspickt und dann sagt, so sollte es wieder sein und es sollte sich nicht verändern und “bewahrt” werden, dann hat man nicht begriffen wie das Spiel funktioniert.

        #50546

        ok, da ist mir etwas durcheinander geraten. so wie ich das geschrieben habe, stimmt das nicht. Was stimmt, ist dass das Verhältnis zwischen Sauerstoff und Kohlenstoff sich mit der Zeit in der Erdgeschichte verändert hat und das auch große Veränderungen auf das Leben auf der Erde hatte.

        https://en.wikipedia.org/wiki/Great_Oxidation_Event

        Was nicht stimmt, ist dass es mir dem Ordovizischen Massenaussterben zu tun hatte, sondern das war dann eben eine Kaltzeit.

        #50553
        Anonym

          Ja, du hast Recht, die Erde hat ziemliche Entwicklungen hinter sich. Aber das macht die Frage ja nur noch dringlicher: wo wir ja wissen, wie vergänglich das Gleichgewicht unserer Erde ist, wird es nur umso wichtiger zu versuchen es zu schonen und zu erhalten!

          Rücken wir eben den Menschen in die Mitte des Brennglases. Wir Menschen haben uns in einem Zustand einer bestimmten Beschaffenheit des Planeten entwickelt, und leben auch noch in einer ähnlichen Beschaffenheit. Diese hat ein (vorrübergehendes, relatives, wie du ja anmahnst) Gleichgewicht der Natur und des Klimas. Es ist ein hochkomplexes System, mit vielen Stellschrauben. Aber für mich ist es ein Wunder, wie in den vielen Faktoren des Austausches ein relatives Gleichgewicht herrscht, dass bestimmte Zustände und Beschaffenheiten aufrecht erhält, so dass das Leben in seiner jetzigen Form überhaupt gedeien konnte und es noch tut.

          Ich habe neulichst auf Netflix eine schöne Naturdoku gesehen, die solch einen Zusammenhang ganz wunderbar darglegt hat, wie aus bestimmten Beschaffenheiten des Regenwaldes, in Wechselwirkung mit vielen anderen Faktoren, auch weit weg auf der Erde, über viele Station ein stabiles System entstanden ist, das ein wichtiger Teil zur Aufrechterhaltung der gesamten Stabilität der Erde ist. Am Ende bewirkte ein Faktor wieder das, womit diese Folge der Doku angefangen hatte, und der Kreis hat sich geschlossen.

          Wir Menschen sind in meinen Augen völlig wahnsinnig und abgehoben, dies nicht genügend zu respektieren. Wie ein wilder durchgedrehter Holzsammler, der auf einen Baum kletter und Brennholz will, und dann den Ast absägt, auf dem er hoch oben selbst sitzt, und runterfallen und sterben muss. Einfach weil der Ast so schön dick ist, und er ein grösseres Feuer haben wollte als seine Nachbarn.

          Wir als Menschen täten denke ich sehr gut daran, das relative Gleichgewicht zu versuchen aufrecht zu halten, und zwar um jeden Preis. Denn es schafft die Bedingungen, unter denen Menschen auf natürliche Weise existieren können. Wir haben freilich Technischen Wandel erlebt, der in begrenztem Umfang auch Menschen vor Störungen oder sogar ein Ende dieses Gleichgewichts bewahren kann, aber nicht weltweit.

          Wenn wir es schaffen, auch mit technischen Mitteln, den Zustand des Planeten zu erhalten – könnten noch viele Generationen Menschen auf natürliche Weise auf diesem Planeten leben, im Einklang mit der Natur, von und mit ihr.

          Ich finde, was Austausch und Gleichgewicht in der Natur angeht, dieses übrigends höchst erstaunlich und faszinierend. Das ganze Universum scheint so zu funktionieren – es sind immer Austauschzustände komplexer Systeme, die durch relativ stabile Wechselwirkungen zwischen zwei Polen für lange Zeit fortgesetzt etwas sehr komplexes entstehen lassen können. So wie bei einer Lavalampe, die aber auch mal überhitzen kann, und dann entsteht aus ihr einfach eine andere Lavalampe. Und wenn es dieser zu kalt wird, dann verwandelt sie sich evtl. zurück in eine Lavalampe, die ähnlich der ersten sein kann.

          #50581

          Ich denke, ja, die Menschen sollten ihre Ressourcen optimal und effizientest möglich nutzen, damit sie genügend Fortschritt erzielen können um irgendwann auch andere Planeten wirtschaftlich nutzen zu können und z.b. auf dem Mars oder ähnliches, alle Schwerindustrie verlagern zu können, damit die Erde nur noch ein Wohnplanet ist, bis man eines Tages vielleicht auch den Sprung aus dem Sonnensystem heraus schafft.

          Amazongründer Jeff Bezos hat die Vision ausgerufen, dass die Erde unter Ausnutzung der Ressourcen und Möglichkeiten des Sonnensystems eine Kapazität für 1000 Mrd Menschen hätte. Unter diesen gäbe es dann unglaublich fähige Leute, die dann wiederum noch exponentiell zum Fortschritt der Menschheit beitragen könnten.

          Ich teile diese Vision: Der Mensch als Krone der Schöpfung. Wichtig hierfür ist eben, dass die Ressourcen nicht unnötig verschwendet werden und jeder nach seinen Möglichkeiten beiträgt und möglichst bescheiden lebt.

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