wichtigste Schwachpunkte der wichtigsten Weltreligionen und des Atheismus

Home Foren ALLGEMEIN (öffentlich) wichtigste Schwachpunkte der wichtigsten Weltreligionen und des Atheismus

Ansicht von 15 Beiträgen - 1 bis 15 (von insgesamt 20)
  • Autor
    Beiträge
  • #346094

    Liebe Foris

    Ich habe bereits einen separaten Thread zur Religion und Philosophie eröffnet. In diesem neuen Thread möchte ich kurz meine Bedenken und Kritik zu den theoretischen Grundlagen der verschiedenen Weltreligionen und des Atheismus aufführen. Schlussendlich wünsche ich mir eine kleine Diskussion dazu.

    Explizit geht es weniger darum festzuhalten, dass im der Religionen viele Verbrechen ausgeübt wurden. Wir alle wissen, dass gegenwärtig im Namen des islamischen Fundementalismus Terrorakte verübt werden. Früher hatten wir das im Christentum bei den Kreuzzügen. Bei den Zwangsmissionierungen z.B der Indianer (in Kanada spricht man bei der indigenen Bevölkerung von First Nations) wurden bis in die jüngste Zeit von der Kirche schlimme Verbrechen begangen an den First Nations. Während der Konfessionskriege (Reformation) haben Katholiken und Protestanten wegen ihrer Religion mitten in Europa gemordet. In Nordirland ging das Morden bis in die jüngste Zeit wegen der Auseinandersetzung dieser beiden Konfessionen bis in die jüngste Zeit weiter. Der ganze Antisemitismus hatte zumindest in Europa seine Wurzeln im Christentum.

    Aber auch im Name des Atheismus wurden in sozialistischen Ländern der Welt (Stichtwort “Religion ist das Opium des Volkes) schlimmste Verbrechen ausgeübt. In der Sowjetunion von Lenin und Stalin wurden n Geistliche verfolgt und ermordet. Auch in China wurden und werden Tibeter wegen ihrer Religion verfolgt, wobei der atheistische Maoismus auch eine gewisse Rolle spielt. Auch die muslimischen Uiguren werden in China diskriminiert und verfolgt. In Nordkorea werden jegliche Religionsausübung aufs brutalste verfolgt, soweit ich weiss.

    Ich könnte das alles noch weiter ausführen. Dazu bräuchte es aber eine Diskussion. Jetzt aber zum eigentlichen Thema dieses Threades:

    Buddhismus:

    Das das Karma (also alle Taten, Untaten etc.) aus einem Vorleben verantwortlich ist für das Leiden in unserem heutigen Leben, ist für mich nicht akzeptabel. Haben schwer krank Menschen z.B. ihre Krankheit verdient, weil sie in einem Vorleben ethische Fehler begangen haben? Das gleiche gilt für das Schicksal der unschuldigen ärmsten Menschen in der 3. Welt, haben sie dieses Schicksal verdient, weil sie in ihrem Vorleben etwas falsch gemacht haben? Ich und alle Menschen erinnern sich aber an dieses Vorleben nicht. Das Karmaprinzip tritt dann aber ohne Gott praktisch völlig automatisch zur Anwendung. Wenn ein solches Vorleben mit “Sünden” gegeben hätte, wäre die Auseinandersetzung mit diesen Fehlern nicht auch wichtig? Die Buddhisten erklären (vereinfacht gesagt) das menschliche Leiden im Leben mit den Handlungen aus einem Vorleben. Aber sollte man sich bei einer Bestrafung nicht immer auch mit seinen Taten auseinandersetzen? Im Strafrecht ist die Konfrontation und Auseinandersetzung mit seiner Tat absolut wesentlich. Sollte das nicht auch bei einer religiösen Bestrafung gelten?

    Und was ist gemäss gängiger Lehre des Buddhismus z.B. aus den Millionen Nazis nach ihrem Tode geworden? Alle Nazis Regenwürmer und Ameisen? Die leiden aber nur beschränkt, so wie ich die Biologie verstanden habe. Sind sie arme Menschen in Slums in der 3. Welt geworden? Nein, diese Menschen sind z.T sehr glücklich und zufrieden und darauf kommt es an. Ja was ist jetzt aus diesen Nazis geworden? Reinkarniert auf einem fremden Planeten, wo die Hölle ist? Na ja, da sind wir dann bald beim Christentum, Islam und Judentum, bei der Hölle also. Allerdings fehlt im Buddhismus die Auseinandersetzung und Konfrontation mit seinen Taten nach dem Tod. Das ist meiner Meinung nach falsch!

    Christentum:

    Konnte Christus heilen? Indem er gemäss Überlieferung nur einzelne geheilt hat, hat er die anderen “diskriminiert” und in einem gewissen Sinne diskriminiert. Wenn mein Arzt in einer Chemotherapie einen Menschen ganz von Krebs heilt, mich aber nicht, was habe ich davon? Ich gönne es ja dem anderen. Allerdings fühle ich mich hintergangen und frage mich, warum konnte er mich nicht heilen. Mag er mich nicht? Vielleicht liegt es an meiner Schizophrenie, dass er mich nicht geheilt hat.  Na ja, wie auch immer, diese selektiven Heillungsgeschichten sind problematisch. Dann ein Leben von Jesus mit 10 Jungs in einem Alter, wo Beziehungen, sexuelle und auch tiefe 2-er Beziehungen wichtig sind, ist mir etwas suspekt. Was predigt diese Gruppe da? Und Jesus unbefleckt gezeugt, für mich wirkt das seltsam. Ist die Biologie des Menschen nicht gerade etwas Göttliches? Aber der Haupttschwachpunkt ist das Leiden Christi. Im Verlaufe der Menscheitsgeschichte habe hunderte Millionen Menschen schlimmste Qualen durchgemacht. Juden in einem Konzentrationslager haben doch mehr gelitten als die paar Stunden von Christus, genauer gesagt von Freitag bis Sonntag, an einem Kreuze? Auch die Leiden beim Tragen des Kreuzes sind begrenzt. Aber natürlich haben nicht nur die Juden gelitten. Auch die afrikanischen Sklaven in Nordamerika und Lateinamerika über viele Generationen, die ärmsten Menschen in der 3. Weltwelt und im Mittelalter auch in Europa und heute noch (Stichwort Hungersnöte und unheilbare Krankheiten wie AIDS, Cholera, Lepra, Pest). Menschen wurden im Mittelalter überall auf brutalste Art gefoltert (Stichwort Inquisition). Es ist völlig offensichtlich, dass die Leiden Christi nicht einzigartig sind. Dass aber Jesus diese Leiden auf sich genommen hat, um die Sünden von uns Menschen “abzunehmen”, ist für mich ein seltsamer Gedanke. Was bringen die Leiden von Christi am Kreuze einem Pest-, Aids oder Leprakranken? Nichts. Natürlich könnte man in Christus ein Vorbild sehen und so das menschliche Leiden eher akzeptieren. Aber eigentlich sollte man die Leiden im Leben auch ohne Christus akzeptieren und sich damit abfinden. Das Leben ist halt bis zu einem gewissen Grade auch Leiden. Was mich hingegen mehr stört, ist der Gedanke, dass der Tod von Christi irgendeinen Einfluss auf Sünden von Menschen hat? Sollte der Tod von Christus dem Kommandanten von Auschwitz helfen? Der soll gefälligst für seine Taten büssen und zwar im Diesseits bestraft werden und dann auch nach seinem Tod. Es leuchtet mir nicht ein, was Christus da helfen soll. Es gab auch schon Verbrechen vor Christus, auch die sollen dafür büssen. Im Übrigen wurde nicht nur Christus gekreuzigt, im Römischen Reichen wurden auch gewöhnliche Verbrecher gekreuzigt. Das ist nicht besonderes. Auch heute werden unschuldige Menschen gefoltert und zu Tode verurteilt, im Falle der Juden millionenfach Da ist Christus nichts besonderes. Was mir aber vor allem nicht einleuchtet. Was bringt das Leiden von Christus Menschen die ethisch gesehen Fehler im Leben begehen? Das entschuldigt doch nicht ihre Fehler. Leute die mit der Religion besser auskennen werden jetzt vielleicht mit der Erbsünde kommen, die durch Christis Tod aufgehoben wird. Eine Diskussion darüber möchte ich erst entfachen, wenn dies hier im Forum gefordert wird. Auch die Beichte ist sehr fragwürdig. Ein Kriegsverbrecher beichtet und dann sind im die Sünden vergeben, das ist doch Unsinn. Geschehenes Unrecht wiedergutzumachen ist schwierig, aber in manchen Fällen möglich. Das ist der richtige Weg und sicherlich nicht die Beichte.

    Dann diese ganzen Abendmahlgeschichten. Das mit dem Leib und Blutchristi, das umverwandelt wird, das ist doch ein unnötiger Hokuspokus. Auch die Taufe als solches. Das ist doch alles sehr menschlich und das sind einfach Rituale, Sitten, Bräuche, aber nichts Tiefschürfendes. Überhaupt sind all diese Sakramente eher fragwürdig. Dass die Dogmen von einem Papst unfehlbar sind halte ich für falsch. Dass die Kirche sehr viele Reichtümer im Verlaufe der Geschichte angehäuft hat, ist ebenfalls falsch. Allerdings war das schlimmste Versagen im modernen Europa die relativ passive Rolle der Kirche während dem Holocaust. Viele Kirchenträger in Deutschland haben während dem Nationalsozialismus auch mitgemacht und sich schuldig gemacht.

    Islam:

    Das Gebot, Almosen den Armen zu geben ist sicherlich gut. Aber in Dubai, Kuwait und Saudi Arabien gibt es wegen des Öles sehr reiche Menschen, da genügen Almosen in der Moschee nicht, um den Armen in der Welt zu helfen. Ich war 2 Monate in Mali, einem sehr muslimischen Land, das war damals das zweitunterentwickelste Land der Welt. Offenbar sind da die Ölgelder aus Saudiarabien (das Ursprungsland von Mohammed) nicht angekommen. Ein paar Almosen werden da nicht helfen. Offenbar hatte Mohamed eine 9-jährige Ehefrau, das ist ein absolutes no go für mich! Ein solcher Mann ist kein Vorbild für mich. Auch hatte er offenbar mehrere Ehefrauen, das ist nicht ganz unproblematisch. Daraus entsteht viel Eifersucht und Neid. Das ist auch in dieser Hinsicht kein Vorbild für mich. Das Gebet Richtung Mekka. Na ja, ist doch nicht wichtig in welche Richtung, Hauptsache man kommuniziert mit Gott. Und dieses Herunterleiern von Gebeten halte ich auch eher für problematisch. Eine Pilgereise nach Mekka? Na ja im Leben generell, ist Reisen schön und sicherlich löblich. Man erfährt dabei viel von der Welt und sieht viel: Natur, lernt andere Menschen kennen, andere Bräuche und Sitten, Denkmäler, Museen etc. Die ganze Welt ist meiner Meinung nach von Gott und wichtig. Warum soll man sich da auf so einem extremen Massenanlass wie Mekka einlassen? Ist das nicht einfach eine Massenhysterie? Auch dieser Stein von Mekka un (Kabba), na ja ich weiss nicht.

     

    Hinduismus

    Da kommt wieder meine Kritik im Zusammenhang mit diesen Reinkarnationen. Aber vor allem diese ganzen Kasten, die Unberührbaren (Dalits, Kastenlosen) etc. sind nicht akzeptabel. Auch diese ganze Geschichte mit dieser heiligen Kuh (und noch extremer im Jainismus) halte ich für nicht so wichtig. Indien ist heute noch sehr arm. Wäre es nicht wichtiger als Tiere vor dem Tod zu schützen (z.B. die heilige Kuh) etwas mehr zu den Menschen zu schauen? Es gibt in Indien sehr reiche Menschen und sehr reiche Menschen. Das ist für den Hinduismus offenbar kein grosses Problem. Auch sind die Muslime in Indien sehr oft ärmer als die Hindus, was im Prinzip auch eine Folge der Philosophie des Hinduismus ist (Thema der Unberührbaren). Ich werde jetzt hier in diesem Forum nicht viel dazu schreiben. Ich war 2 Mal in Indien und auch in Bangladesh. Der Hinduismus geht zu wenige das Problem der Armut an. Das Karmaprinzip, aber auch die Kastenordnung, Thema der Unberührbaren ist da nicht besonders förderlich.

     

    Judentum:

    Sehr, sehr viele Geschichten in der Thora (altes Testament), ähnlich wie im Hinduismus. Bei den praktizieren Juden sehr vielen Bräuche. Na ja Löckchen (Yamaka), schwarze Kleidung, Pelzhüte, Kopfbedeckung (Kipa) und strenge Essensvorschriften. Zu den Geschichten: Interessant. Aber eben die Erde wurde nicht vor ca. 5’500 Jahren erschaffen. Das wissen wir ja in der Zwischenzeit. Der Brudermord von Kain und Abel: Ja, solche Sachen kommen in der Familie vor, z.B. wegen einem Erbstreit. Allerdings sind die Frauenmorde aus Eifersucht sehr viel häufiger. Im Hinduismus wurden sogar offenbar früher Witwen verbrannt oder zumindest z.T gesellschaftlich geächtet und an den Rand gedrängt. Abraham und Isaak, Gottes Befehl an Abraham seinen Sohn Isaak zu opfern: Meiner Meinung kann die Lehre daraus nur sein, dass man Befehlen von Autoritäten nicht blindlings folgen kann. Im Extremfall sollte man selbst einem Befehl von Gott nicht folgen, wenn man der Meinung ist, dass dies nicht richtig ist. Das gilt auch für religiöse Texte. Man muss dies immer und immer wieder hinterfragen: Sind sie noch zeitgemäss und ortsgemäss? Je nach Kontext kommt man zu einem anderen Schluss als was im Text steht. Zu den 10 Geboten, hat das etwas mit den 10 Fingern zu tun? Sind es 5 Gebote und 5 Verbote? Ich weiss es nicht auswendig. 2 Hände und 5 Finger je an einer Hand. Das oberste Verbot ist doch: Du sollst nicht töten. Das ist zentral. Zurück zu Abraham und Isaak. Wenn mir Gott den Befehlt gibt, meinen Sohn zu töten, dann geht doch das Verbot nicht zu töten klar dem Befehl vor. Wenn in der Nazizeit der Staat für seine Soldaten vorgesehen hat, zu töten, dann geht immer das Verbot nicht zu töten vor. Der Satz Befehl ist Befehl und Gesetz ist Gesetz sollte in solchen Situationen nicht zur Anwendung gelangen. Selbst wenn Gott mir den Befehl geben würde, meinen Sohn zu töten, geht immer das Verbot nicht zu töten vor. Beispiel aus München: die Weisse Rose: Selbstverständlich durfte der Richter von Sophie und Hans Scholl die beiden sehr jungen Menschen nicht zu Tode verurteilen: Gesetz und Politik hin oder her. Das gleiche gilt für den Henker.

    Ein Diskurs zur heutigen Situation in Israel drängt sich im Zusammenhang mit dem Judentum auf: Hier kommt das Prinzip der Verhältnismässigkeit zunächst einmal zur Anwendung: 1000 entführte Geiseln rechtfertigen nicht die Ermordung von bald 32’000 Menschen (viele davon Kinder, Frauen und auch Männer, die keine Soldaten waren). Das steht gar nicht mehr im Verhältnis. Auch hungern oder hungerten viele Palästinenser im Gazastreifen, es gibt Probleme mit der Trinkversorgung und Gesundheitsversorgung und offenbar wurden auch Spitäler angegriffen, unschuldige Helfer aus dem Ausland (bis zu einem gewissen Grad “Helden”) wurden getötet. Diese Morde hat man in Kauf genommen. Es sind keine Fahrlässigkeitsdelikte. Notwehr und Notstand (nach schweizerischer Strafrechtsterminologie)? Na ja mindestens ein Notstand- oder Notwehrexzess. Im Übrigen wiederhole ich mich: 6 Millionen ermordete Juden, davon 1.5. Millionen Kinder und Jugendliche, hunderttausende jüdische Sklaven für Firmen wie BMW, Mercedes, Siemens, Vorgängerfirmen von Bayer, Krupp etc. Berufsverbote für jüdische Richter, Anwälte, Ärzte etc. Zwangsenteignungen von Juden, zerstörte Synagogen, Parkbänke nur für Arier etc. etc. Und welcher überlebender Jude oder auch generell welcher Jude weltweit hat nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland, in Österreich oder weltweit mit einem Messer, einer Pistole, einer Bombe etc. einen oder mehrere Juden getötet? Einzig Eichmann wurde in Israel hingerichtet von Juden. Dabei gab es einen fairen Prozess unter Einhaltung aller internationalen strafrechtlichen Prinzipen und Verfahrensätze, keine unnötige Folter während der Untersuchungshaft und ein Urteil. War das Urteil wirklich so hart? Die Todesstrafe? Hat man es Eichmann vielleicht nicht zu leicht gemacht? Sterben wir nicht alle ohnehin einmal? Ich z.B. habe den tödlichsten Krebs, den es überhaupt  gibt. Das belastet mich nicht. Der zu junge Tod ist für mich akzeptabel. Ich glaube an ein ewiges Leben nach dem Tod.  Wenn man nicht allzu schlimme Sachen im Leben gemacht hat wird es dann (so mein Glaube) nur noch schöner. Das mag ja etwas zusammenhangslos klingen, was ich schreibe, ich wollte damit nur sagen, dass die Tatsache, dass sich die Juden nie im Zusammenhang mit der Shoa rächten, eine gewaltige menschliche Leistung ist. Was heute in Israel bzw. Palästina abläuft ist ein Desaster und auch die Tötungen der Juden ist nicht zu rechtfertigen. Generell ist absolut essentiell: Du sollst nicht töten.

    Atheisten

    ich schreibe dazu noch etwas in einem separaten Beitrag in diesem Thread.

     

     

     

    • Dieses Thema wurde geändert vor 3 Wochen von Amethyst.
    #346098

    Hier nochmals zum Atheismus:

    Was war vor dem Urknall, warum sind wir hier, sind wir Menschen einfach biochemische Labors, was ist nach dem Tod, was ist die Ausdehnung des Weltalles, gibt es Grenzen oder nicht im All, was man sich in beiden Varianten (Grenzen oder eben gerade keine) als Mensch nicht vorstellen kann, gibt es zeitliche Grenzen oder eben nicht, also mit anderen Worten die Frage, ob das Weltall irgendwann einmal verschwinden wird oder ewig weiter bestehen wird, beides unvorstellbar in menschlichen Denkformen. Und v.a. die Frage, ob es schon immer etwas gegeben hat (also vor dem Urknall auch) oder eben nicht, beides in menschlichen Dimensionen unvorstellbar.

    Auch die ganze Entstehung von Leben ist natürlich relativ speziell, von Aminosäuren, über Eizeller, einfache Lebewesen bis zum Menschen. Ich folge da natürlich auch der naturwissenschaftlichen Linie, aber es wäre doch denkbar, dass eine höhere Macht irgendwie diese ganze Entwicklungen „mitsteuert“. Die Natur ist wunderschön, Rosen duften, Schmetterlinge können wunderschön sein, auch ein Alpenpanorama, eine exotische Trauminsel  etc. Ist das alles nur ein Zufall, der auf einen Zufallsurknall zurückzuführen ist?

    Und wie sieht es aus mit Ethik, gerade im Zusammenhang mit dem Tod aus.: Wird ein Hitler, Stalin oder auch Putin einfach gestorben sein und werden nie für Ihre Taten büssen? Umgekehrt werden Menschen, die zu Tode gefoltert wurden, einfach Leid im Leben erfahren haben und danach einfach nie dafür kompensiert werden? Haben Bill Gates und Co. einfach das goldige Los gezogen und der obdachlose wie ein Sklave schuftende Inder in einer indischen Megacity den Scheissegriff gezogen? Was ist mit all den afrikanischen Sklaven in Amerika, haben die auch den Scheissegriff gezogen und die Monarchen, Pharaonen, Kaiser wiederum das goldige Los gezogen?

    Das klingt ungerecht und macht keinen Sinn. Ich glaube da eher an eine transzendente höhere Macht, die nach dem Tod etwas Ordnung und Gerechtigkeit bringen wird. Wie seht ihr das?

    #346099

    Wenn Gott nicht alle heilt, wie es in dem Fall von Jesus war, dann hat das seine Gründe. Es gibt aber auch den Spruch: “Gott würfelt nicht”.

    Man sagt ja auch, dass eine Krankheit immer an der Stelle des Körpers ist , an dem sie am meisten Nutzen hat für den Kranken.

    Es gibt auch irgendwo eine Stelle in der Bibel wo es heißt: “Er heilte alle Kranken”.

     


    alles was man in die Psychose an Energie reinsteckt bekommt man zurück – Alter Spruch von Psychotikern.

    Keep it simple and stupid (Halte es einfach und dumm).

    #346101

    Du hast schon gelesen, was die Hamas für widerwärtige Verbrechen begangen hat? Die müssen zerschlagen werden.

    #346116

    Geht es dir gut @Amethyst? Pass bitte auf auf dich.

    #346127

    Ja, finde ich auch, die Verhältnismäßigkeit im Gazastreifen ist nicht da.

    #346139

    @Kater: Es geht mir sowohl psychisch als auch physisch gut.

    #346144

    @Amethyst Ok, das ist gut. Auf mich wirkte dein langer Text etwas “getrieben”. Ich kenne das auch, sich um vieles Gedanken zu machen und dann muss ich mich wieder einfangen.

    #346147

    @Kater und @Molly: Danke für eure Sorgen. Ich habe heute zum ersten Mal seit meiner Krebsdiagnose beim Roten Kreuz wieder Deutsch unterrichtet. Ich möchte auch vermehrt wieder noch zusätzlich anderen ukrainischen Flüchtlingen Deutsch unterrichten. Und vielleicht dann später einmal auch juristisch und eventuell sogar politisch mich etwas engagieren mit Flüchtlingen. Dennoch mag ich auch die etwas “theoretischeren” Diskussionen. Na ja psychotisch ist das ja noch nicht.

    #346149

    @Amethyst Ja, alles klar. Viel Glück für die Tätigkeiten.

    #346196

    Hallo @Amethyst!

    Glaub, ich hab hier noch nichts geschrieben…

    Da ich keiner Religion richtig glauben kann, bin ich eher Atheist, auch wenn ich meine Stimmen irgendwie als real sehe. Sie gehören für mich in irgend einer, bisher wissenschaftlich nicht erkannten Art und Weise zur Natur…

    Du schreibst, einiges am Atheismus sei ungerecht und ergäbe keinen Sinn! Das kann schon so sein, aber es gibt hinter ihm ja auch keine treibende Kraft als die Natur und die gibt allein dem Erfolgreichen Recht. Mit Sicherheit sogar ist das aus unserer Sicht als eventuell davon Betroffenen ungerecht, aber es ist eben so.

    Der moderne Mensch greift über die Medizin und das moderne Leben in diese natürliche und für uns grausame Auswahl ein und gibt somit auch Individuen, die nicht so gut angepasst sind eine Chance.

    Tiere (auch Menschen) und Pflanzen die an die Umwelt am besten angepasst sind, entwickeln sich mit den Attributen, die diese Anpassung ausmachen weiter, da solche Individuen ihre Gene eher weitergeben können, als unangepasste. Unangepasste Arten als Ganzes verändern so über Jahrtausende ihre Gene, oder sie sterben aus.

    Dass wir die Natur, viele Tiere und Pflanzen und auch bestimmte Menschen als schön empfinden, wurde  uns über die Jahrmillionen epigenetisch eingeimpft. Würden wir schon Jahrmillionen auf dem Mars leben, wären wir an die dortige Umwelt angepasst und würden mit Sicherheit die sehr triste Landschaft und den roten Himmel wunderschön finden.

    Wir müssen immer sehen, dass die Welt nicht für uns gemacht wurde, sondern wir uns an die Welt angepasst haben!

    :gut:


    Ursprüngliche Medikation:400 mg Amisulprid,12,5 mg HCT,10 mg Ramipril
    Ab 04.03.2024:500 mg Amisulprid,5 mg Olanzapin,12,5 mg HCT,10 mg Ramipril
    Ab 15.03.2024: 600 mg Amisulprid,12,5 mg HCT,10 mg Ramipril,4mg Doxagamma
    Ab 22.04.2024, statt 600 mg Amisulprid, 400 und 150 mg
    Ab 02.05. 6 mg Doxagamma und 25 mg HCT, 550 mg Amisulprid und 10 mg Ramipril
    Ab 12.05. nur noch 500 mg Amisulprid

    #346383

    Hallo @Amethyst!

    Ich kenne viele deiner Fragen, oder bzw. Zweifel, zu der Gültigkeit und Integrität der Religionen. Eine Religion ist immer verbunden mit einer Frage, einer Sinnsuche – und gleichzeitig mit einem in der Welt auffindbaren Angebot, das einem durch andere Menschen präsentiert wird, mit der Einladung zu folgen und selbst zu sehen.

    Also…erstmal muss ich das ganze in ein etwas grösseres Bild rücken. Religion ist nicht gleich Religion, und auch innerhalb einzelner Religionen und ihrer Strömungen kann es massive Unterschiede in den Lehren, den Auslegungen der Schriften und Überlieferungen sowie aktuellen Erlebnissen oder -Berichten, und in den daraus gezogenen Schlussfolgerungen geben.

    Erstmal sagst du, diese Fragen, die dich beschäftigen, seien “theoretischer Natur”. Das finde ich jetzt etwas ungeschickt ausgedrück, vor allem wegen der Natur der Fragen bzw. Kritikpunkte, die du an Religionsausübenden und ihren Ansichten und Werken ansetzt. Es sind meiner Meinung nach eher praktische Fragen, um konkretes Verhalten, die praktischen Aspekte der Deutung bzw. geschichtliche Aufarbeitungen – was bei dir anstösst, bezieht sich mehr auf das konkrete Verhalten der Gläubigen, denn auf die eigentliche theoretische Grundlage.

    Dann gibt es noch den wichtigen Aspekt, dass Religion immer auch mit Kultur und damit mit Geschichte verbunden ist. Die Kultur, und die Geschichte, die damit geschrieben wird, ist aber nicht unbedingt der Kern der Religion – Religion ist immer metaphysisch, und beschäftigt sich nich vordergründig mit den Werken der Menschen, sondern mit einer Erklärung für diese und einem Wegweisen in diesen.

    Eine gute Religion, sollte in ihren Grundaussagen meiner Ansicht nach völlig unabhängig von Kultur und Geschichte sein, und auf zeitlose Weise eben diese Dinge erklären, und darüber hinaus auf eine alles umspannende Erklärung hinführen, die von jedem Menschen in jeder Zeit und jeder Kultur angenommen werden kann. Dann erst kommt solch eine Religion meiner Ansicht nach einem guten Versuch nahe, den Sinn des Lebens zu ergründen. Ansonsten wäre sie ja ebenso vergänglich wie die Kultur bzw. die Menschheit ja auch an sich. Das ist die Erkenntnis der Vergänglichkeit der Körperlichkeit des Menschen, aber eben auch die Hoffnung auf die Ungvergänglichkeit und Zeitlosigkeit seines Geistes.

    Diese wiederum ist meist eher verborgen, und erschliesst sich dem Anhänger oft erst nach einiger Ausdauer der Beschäftigung oder nach besonderen Erlebnissen – die bei Religionen immer dazu gehören, auch um die Gründer herum, passierten nach den Überlieferungen oft die aller merkwürdigsten Dinge, die für aussenstehende oft rätselhaft sein können, und für Anhänger manchmal ebenso, und die auch mal falsch gedeutet oder bewertet werden können.

    Also ich schreibe einfach mal was zu ein paar deiner Kritikpunkte an den Religionen, mit denen ich mich schon etwas beschäftigt habe. Ich kenne ich mit dem Buddhismus und dem Christentum mittlerweile ganz gut aus, weiss auch wie vielfältig und manchmal auch kontrovers diese Lehren und die Kulturen drum herum manchmal sein können.

    Erstmal schreibe ich dir einfach mal auf, was ich über den Buddhismus gelernt habe und wie ich deine Fragen dazu sehe, in späteren Posts gehe ich dann gerne noch auf die anderen Religionen ein. Ich selbst bin nicht wirlich (Religionspraktizierender) Buddhist, sondern sehe mich eher als Christ, aber ich kenne die Lehren gut und übe mich auch darin, so wie ich denke dass sie mir helfen können. Das widerspricht sich meiner Ansicht nach nicht, denn der Buddhismus, den ich kenne, kann glaube abstrakt und einfach genug verstanden werden um das unter einen Hut bringen zu können, was auch durchaus ein modernes Phänomen ist.

    Das das Karma (also alle Taten, Untaten etc.) aus einem Vorleben verantwortlich ist für das Leiden in unserem heutigen Leben, ist für mich nicht akzeptabel.

    Also einmal ist die Frage, wie verstehe ich “Karma” eigentlich, bzw. wie verstehe ich, was es mit dem Menschen macht. Im Buddhismus geht es eigentlich nicht so sehr um die Frage, was für ein Verbrechen man begangen hat und wie man dafür blindwütig gestraft werden würde. Ich sehe es mehr so, dass einem eben folgt, was man mal getan hat, dass dies aber auch immer und vor allem unmittelbar prioritär nicht vom Geschehenen, sondern den Absichten der Beteiligten abhängig ist, wie sich das Geschehen zurück auf den Urheber der Taten wenden würde. Ich selbst denke, da ist viel Weisheit drin, das zu kontemplieren, und sich Gedanken über die Aspekte von Wiedergeburten zu machen, aber darum geht es im Buddhismus eigentlich nicht. Es geht auch gar nicht so sehr um Bestrafung und moralische Abrechnung. Es geht im Kern um die Erkenntnis, dass all die Dinge, die uns in der Welt umtreiben, immer weiter treiben und leiden lassen können. Es geht nicht darum, dass da einer getötet hat und deswegen ein Wurm sein muss, bevor er wieder aufsteigen muss. Es ist auch keine Vorstellung eines menschlichen Gerichts, das etwa für einen Mord eine genau definierte Strafe annimmt. Vielmehr ist die Vorstellung, dass eben die schlechten Taten uns als “Karma” anhaften, und dabei unsere Geist fortwährend belasten und uns in immer schlimmere Situationen führen, je mehr wir uns an irgend etwas unheilsamem festkrallen um es nicht verlieren zu müssen.

    Der Buddha selbst hatte ein Leben als Prinz aufgegeben, weil er diese Leid erkannte und nicht aushalten konnte. Er suchte dann über Jahre hinweg bei allen möglichen Meistern eine Möglichkeit, seinen Geist vom Leiden wieder zu befreien, was aber lange Zeit scheiterte, auch mit extremen Methoden wie Todesfasten und der allermächtigsten Meditation. Letztlich schloss er mit allem ab, und beschloss, so lange zu meditieren bis er entweder die Antwort findet, oder stirbt. Er fand aber die Antwort extrem bald, denn als er mit allem abgeschlossen hatte, gabe er auch seinen Ehrgeiz und sein Streben danach, die Erlösung mit Gewalt zu erlangen auf, und begriff, da er bereits alles andere aufgegeben hatte, dass die Begierde nach den heilsamen aber vor allem den unheilsamen Dingen das zerstörerische war, dass ihn so sehr seinen Frieden gekostet und ihn immer weiter im Kreis getrieben hatte – alle Dinge und auch Menschen nur noch so betrachtend, wie sie eigentlich sind, ohne sie zu bewerten oder einer inneren Begierde zu folgen, die mit Zwang oder Drang verbunden wäre. Dies durchschnitt seine letzte innere Fessel, das letzte Karma was ihn noch gebunden hatte, und er war plötzlich allwissend und in der Lage, sein Wissen um seine Erlebnisse immer weiter zu verbreitern und zu verbreiten, woraufhin ihm unzählige gefolgt sind, um ebenfalls diese Ruhe und den Frieden und die tiefe Weisheit und Erkenntnis über die Natur der Dinge zu erlangen, die er seit seiner Erleuchtung wohl ausgestrahlt haben muss.

    Er lehrte also im Grunde, dass man sich “benehmen” muss, innerlich wie äusserlich, um Frieden und Segen zu erlangen und an einen glücklicheren Ort oder die endgültige Befreiung – die man als unerleuchteter aber nicht kennen kann, deswegen wird sie manchmal missverständlich als “Nichts” gelehrt, während das “Nirvana” eigentlich eher die “Entgültige Wahrheit”, die direkt erlebt werden soll, ist! Dafür entwickelte er alle möglichen Systeme der geistigen Schulung, und lehrte allerlei Verhaltensregeln und kulturelle Disziplin. Die Grundlage davon nennt sich “Edler Achtfacher Pfade”, und ist quasi eine Anleitung für eine moralische und geistige Schulung. Diese Schulung unterliefen Mönche, die sich wie ihr Meister allem weltlichen abwenden mussten, während Laien eher die Rolle der Unterstützer für die sonst mittellosen Mönche hatte, und stark von deren Segnungen und Belehrungen für ein günstiges Leben profitieren, in der Hoffnung so in eine günstige Wiedergeburt zu gelangen.

    Später nach Gründung der Religion, spaltete sie sich wie viele andere immer weiter auf, und die Jünger bauten die Lehren auch immer weiter aus, teils in grob unterschiedliche Richtungen. Man sollte hier also den Überbau nicht verallgemeinern, denn vom Geisterglauben mit Hexenkunst hin zu völlig nüchterner Entsagung von allem, was nicht nackte Realtität ist, ist da alles mit dabei, auch wenn das Fundament und die überlieferten Schriften natürlich von allen auf die eine oder andere Weise respektiert werden, wenn auch bei manchen neueren Strömungen teils auch nicht mehr zentral.

    Allerdings fehlt im Buddhismus die Auseinandersetzung und Konfrontation mit seinen Taten nach dem Tod. Das ist meiner Meinung nach falsch!

    Also, der Tod hat eine zentrale Rolle, aber die Buddhisten glauben eben, man muss im Leiden gefangen bleiben solange man es selbst weiter bestärkt, und das einzig richtige ist es auszusteigen, indem man selbst kein Leid mehr zeugt und eben die innere Disziplin dafür entwickelt. Da geht es nicht darum, jemanden zu verurteilen für seine Taten, auch keinen Nazi. Vielmehr wird gelehrt, dass die Menschen verblendet sind und wahnhaft, und nicht Herr ihrer Sinne und ihrer Taten deswegen. Die Unwissenheit nach der Wiedergeburt, obwohl die alten Taten noch als Karma anhaften und für Kummer sorgen können, wird auch als etwas schlechtes angesehen, dem es zu entfliehen gilt.

    Aber letztenendes, auch wenn der Buddhismus oft so verstanden wird, dass es kein selbst, keine Seele, kein Ich gibt, wird ja dennoch etwas wiedergeboren dass eine Tat begangen hat und aus derselben Substanz heraus die Folgen noch erleben muss, auch wenn das 2 ganz verschiedene Menschen sein können, durch die sich das Unglück dann erlebt. Ich persönlich glaube an die Seele, und dass so in uns schon noch dasselbe die Strafe erlebt, die wir selbst begangen haben. Der Buddhismus den ich studiert habe (Theravada) kennt mehrere Orte, an die man nach dem Ableben gelangen kann sollte man sich nicht vorher befreit haben. Es gibt also eine Höllenwelt, eine Tierwelt, Geisterwelten, dann die Menschen, und höhere himmlische Bereiche.

    Ich kenne jetzt die genauen Umstände nicht, aber man kann davon ausgehen, dass deine Kriegsverbrecher und Gewaltherrscher je nach ihren Taten, ihren Motivationen und Absichten und ihrer Vorgeschichte, dann eine Höllenwelt sehen könnten, in der genau das Unglück vorherrscht, dass sie bewusst gezeugt oder verursacht hatten, ohne sich davon abzuwenden und zu suchen, es wieder gut zu machen. Ein anderer aber vielleicht, war durch Umstände und Unwissenheit quasi gezwungen, die Dinge zu tun, und landet nicht ganz so schlimm, oder er war ein Mitläufer, und dann erlebt dieser Mensch vielleicht nicht direkt die Gewalt, sondern nur die Folgen der Verleugnung des Gewissens unter die Gewalt anderer, die es missbrauchen. Dazu gibt es im Buddhismus aber sehr viele verschiedene lehren, und manche Strömungen verbreiten wirklich Ansichten über fürchterliche Strafen, die Wesen in Höllenwelten erleiden müssen. Dabei geht es aber scheinbar eher um Menschen, die wirklich schlimme Vergehen begangen haben, und wie bei jeder Religion kann man davon ausgehen, dass manchmal auch gerne die Dinge sehr dramatisch und drastisch dargestellt werden, wird um die Schüler auch richtig zu motivieren und sie zum Ernst der Sache zu mahnen.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Wochen, 5 Tage von ardentglow.
    #346448

    Hallo noch mal @Amethyst!

    Ich will jetzt noch meine (persönlichen) Gedanken zu deinen Fragestellungen zum Christentum versuchen zu beschreiben:

    Christentum:

    Konnte Christus heilen? Indem er gemäss Überlieferung nur einzelne geheilt hat, hat er die anderen “diskriminiert” und in einem gewissen Sinne diskriminiert. Wenn mein Arzt in einer Chemotherapie einen Menschen ganz von Krebs heilt, mich aber nicht, was habe ich davon? Ich gönne es ja dem anderen. Allerdings fühle ich mich hintergangen und frage mich, warum konnte er mich nicht heilen.

    Also, das ist glaube ich eine wichtige Frage für viele, die Halt im Christlichen Glauben suchen: Da kommt dieser Jesus daher, und es werden allerlei Heilsversprechen rund um ihn herum laut. Viele Menschen preisen seine persönliche Hilfe oder auch nur die Wirkung des Glaubens. Dabei sprechen viele aber leider nicht darüber, was genau dieser Glauben für sie bedeutet, und welche Art Arbeit eigentlich dahinter steckt. So sind glaube ich viele Menschen sehr enttäuscht, wenn sie auf Heilung oder zumindest Erlösung von etwas hoffen, aber ihre Beschäftigung mit der Kirche, Bibel etc. leider fruchtlos bleibt.

    Also erstmal, sollte man denken, warum hat dieser Jesus eigentlich die ganzen Menschen geheilt? Es sind in der Bible ja einige, und viele berichten bis zu den heutigen Tagen davon solchen Segen in Verbindung mit dem Glauben an den Christus empfangen zu haben. Aber welchen Sinn haben solche Heilungen denn, wo dieser Jesus ein paar heilt und viele andere leiden? Dann gibt es viele glaubende, die sterben in Segen und Würde, aber mit schlimmen Krankheiten oder Zerwürfnissen, die nicht gerecht erscheinen – hat er sie etwa verschmäht? Ist er nicht letztenendes selbst einen schlimmen Tod gestorben am Kreuz, statt in Gnaden und Würde, und seine nächsten Anhänger – ebenso? Wie kann da einer Leben retten, aber sein eigenes nicht einmal vor solchen Schmerzen?

    Ich denke das wichtigste, diese Wunder zu verstehen, ist dass man sie nicht als Arbeit oder Werk an sich verstehen sollte. Natürlich hilft es erstmal nur dem einen, wenn der geheilt wird und hunderte andere schauen nur zu. Das sollten sie ja auch, denn es handelt sich bei den einzelnen Heilungen nicht um eine Werk an sich, sondern um Zeichen. Diese Zeichen sollen Signale sein, an die, die es sehen und bezeugen können, um auf eben diese Macht desjenigen hinzuweisen, der diese Zeichen tut. Auf den Sinn dieser Zeichen deuten manche Passagen in der Bibel hin, etwa Johannes 4:48, Johannes 6:1-2, in Johannes 6:14-15 hatten sie sogar noch viel mehr Wirkung, oder in Johannes 20:30-31 wird direkt gesagt, wozu diese Zeichen dienten.

    Jesus wollte damit sagen: passt auf und hört her, ich rede nicht nur, sondern hier geschehen auch Wunder um mich herum. Es ging also nicht darum, die Welt einfach so mit Zauberkraft zu befreien. Das könnte auch Gott einfach so selbst tun per Knopfdruck, und dass er es nicht tut ist auch eines der wichtigsten moralischen Argumente des Atheismus oder anderer Philosophien gegen die Existenz Gottes.

    Darum geht es aber eben nicht, sondern darum, dass wir Menschen unsere Befreiung selbst erwirken sollen. Gott sagt nicht unbedingt, hier ich mache euch alle jetzt einfach so frei…er schickt stattdessen seinen Sohn in die Welt, sein Wort zu verbreiten, dass die Menschen zum Heil führen kann. Dieses müssen die Menschen aber annehmen, damit sie diesen Segen erreichen. Siehe in der Bibel die Stellen Johannes 14:23-24 und Johannes 12:47-48, hier sagt der Meister selbst recht eindeutig, worauf es ankommt und was sein eigener Sinn ist: weder wir noch er verurteilen auch nur irgend jemanden, aber wir alle werden allein durch das Wort Gottes gerichtet, das gewissermassen der Sinn des Lebens ist, das keinen aussenstehenden Richter mehr braucht als die Kraft Gottes, die ihm innewohnt.

    Jesus verspricht damit aber auch, dass wer an ihn glaubt, und seine Worte erfasst und im Glauben bewahrt, nicht gerichtet werden muss – denn wer seinen nächsten liebt, der tut diesem ja auch nichts, wofür er vor Gott gerichtet werden würde. Gleichzeitig versprechen die Texte, dass obwohl man auch als glaubender und gerade dann und deswegen mit heftigen Leiden konfrontiert werden kann, diese zum Segen und Wohl führen würden, dazu, dass eben Gott einem seine Sünden verzeihen kann so dass man selbst auch wieder Frieden finden darf.

    Das Wort dazu, was zum Glauben führen kann, setzte der Christus in die Welt, wir finden es in der Bibel, oder in der Kirche, in jeder lebendigen Tradition, wenn wir ihr folgen. Ich finde, die Bergpredigt ist der gewaltigste Schlüssel, aber auch Dinge wie die Einsicht des einen mit Jesus gekreuzigten Diebes, dass er am Kreuz die Folgen seiner eigenen Taten tragen musste, worauf Jesus ihn als zum ewigen Leben bestimmt erklärte. Diesen Glauben muss man eben dann auch annehmen, das sind ganz konkrete Anforderungen, die Jesus selbst mit seinen Aposteln da in der Bible für uns alle aufstellt. Oft geschehen aber auch Zeichen und Wunder, und so machem suchenden oder glaubenden, der sich von seiner Belanglosigkeit abwandte und ernsthaft den Sinn seines Lebens in Gott zu suchen begann, eröffnete sich eine seltene Gabe der Erlösung von Kranhkheiten und Qualen. Wir wissen dann davon, dass diese Menschen dies berichten und Gott für diese Gnade loben. So setzt der Glaube an den Christus scheinbar bis heute noch Zeichen in die Welt, seinen Worten zu folgen und an ihn zu glauben. Dies sind neben der Gnade aber auch für diejenigen, die solche Zeichen noch suchen und brauchen um in sich zu gehen und diese Worte Gottes auch für sich zu akzeptieren. Manchmal geschieht dies bei Menschen über einen langen mühseligen Leidensweg, manchmal auf einen Schlag – jeder Mensch und jede Lebensgeschichte sind individuell und anders, mit jedem von uns hat Gott einen anderen Plan. Aber in alle passt dieser Christus nun einmal hinein, auch wenn es uns zu Fall und Sünde treibt – das ist das besondere an diesem Glauben, und auch der Grund, warum ich denke dass es wirlich vom Erschaffer unserer Existenz stammt und nicht bloss eine Phantasie oder ein Wunschdenken ist.

    Dass aber Jesus diese Leiden auf sich genommen hat, um die Sünden von uns Menschen “abzunehmen”, ist für mich ein seltsamer Gedanke.

    Das ging mir ebenso, aber mit der Zeit sind mir subtilere Bedeutungen dabei aufgefallen, Erst dachte ich auch, ist ja ekelhaft, die einen werden verdroschen damit die anderen in Segen leben können. An solch einem Glauben könnte ich mich selbst nie beteiligen, das sage ich jetzt auch mal so in vollem Ernst! Aber mit der Zeit ist mir aufgefallen, dass dies eine recht einseitige Deutung der Ereignisse ist, und das beschriebene auch noch ganz andere Aspekte zulassen können. Etwa erschloss sich der Spruch, dass Jesus unsere Leiden getragen hat, für mich plötzlich als im Übertragenen Sinne gemeint: als einzig sündfreier Mensch, von göttlicher Natur erhaben, ging er doch einen ganz normalen Weg in unserer Welt als einer von uns, mit dem mühsamen Körper, Krankheiten und anderen Leiden, Freundschaften und Feindschaften, einer gewaltigen Anstrengung und einem schwierigen Werk, mit Verrat und einem langen Versteckspiel, Höhenflügen und Ernüchterungen und auch Verzweifelung, es war sicher alles dabei sowohl bevor ihn der Geist traf als auch danach!

    Diese Mensche hat als Gott wahrlich unsere Leiden getragen und ist für uns gestorben – indem er als Mensch gelebt hat, und die Last der Feinde Gottes getragen hat um uns allen die Wahrheit und noch grösseren Segen zugänglich zu machen. Zudem begang er aus meiner Sicht diese einzigartige Heldentat, auf Golgatha anstatt seine Jünger auf den Tod über ihn kämpfen zu lassen, das Leben für alle 11 anderen wählte und sich selbst übergab, und damit die ganze Christenheit gerettet hat da seine Jünger durch sein Opfer den Geist erhielten und seinen Segen in die ganze Welt gebracht haben. Und das, obwohl er scheinbar wusste, es würde ihn erwischen – wahrscheinlich wusste er zwar, erlebte aber alles auch als Mensch mit allen Nöten der Entscheidung, und dies war wohl seine schwierigste, eben all dieses Leid dass durch seinen Segen gelindert werden würde, gewissermassen am Kreuz nicht direkt tragen, aber gegen den Satan austragen musste, wie wir wissen: mit Erfolg, denn man erzählt davon heute noch. Aller Segen eben über das Wort Gottes, das er gewissermassen befreite, wo es vorher verborgen war. Dies hat nun in 2000 Jahren niemand mehr umstossen können, auch wenn die Zeit und die Täuschung und Verdrehung und die menschliche Willkür daran von allen Seiten nagen wie sie nur können. Das Wort Gottes sind eben nicht die Verwirrungen und Abgründe, die sich in Missverständnissen wie Kreuzzügen, Sklaverei, Inquisition, Straf- und Erziehungspraktiken eingeschlichen haben. Das Wort Gottes vom Ursprung, wie es der Christus selbst gelehrt hatte war ein anderes, wir finden es in der Bergpredigt, und er fasste es so zusammen, dass man Gott (und damit das Heil an sich über das Böse) von ganzem Herzen und seinen Nächsten (also wer auch immer einem gerade vor der Nase ist…) lieben soll, wie sich selbst. Der Mensch freilich irrt, und so gab es wie in jeder menschlichen Geschichte auch im Christentum nicht nur Segen, sondern auch viel Unrecht und Irrtum. Denn das lehr der Christus auch, dass das Leben eben nicht nur ein Zuckerschlecken ist, sondern eine harte Schule die alles von uns fordert und uns auch immer Leiden als Preis für die gewonnene Weisheit und den Segen Gottes abverlangen wird. Der Unterschied ist ähnlich wie im Buddhismus, dass man entweder sich dem Leiden ergibt, oder sich davon frei macht – der Buddhismus transzendiert die Begierde und den Stolz, das Christentum löst sie über die Praxis der Nächstenliebe auf. Beides kann befreien, aber halbherzig getan, kann es auch zu Enttäuschungen führen.

    Achso, und die vielen Riten und die Kultur und Geschichte drum herum. Ich selbst sehe das so, wie ich schon geschrieben habe, der Kern einer Religion ist ihre ewige Wahrheit die nicht abhängig sein sollte von Kultur, Geschichte und Personen. Freilich gehört aber in unserer Welt so etwas mit zu dieser abstrakten Wahrheit. Ich jedenfalls versuche mich nur an der reinen Lehre zu halten und eben mich nur auf diese Worte Christi zu konzentrieren, denn sie sind es, die befreien, und nicht irgendwelche Ritualhandlungen zum Gedächtnis, die schnell im Geist eine bindende Bedeutung erlangen können, die manchen Menschen auch mehr schadet als nützt. Ich esse den Leib Christi im Geiste nur metaphorisch in Gedenken an die Werke und Worte mit denen sein Körper gewandelt ist, und als sein Blut trinke ich das Andenken seines Leidens, dass nach meinem Glauben eben durch die Ablehnung von Teilen der Welt gegen die Botschaft, die er verbreitete entstand und sich durch sein Unrecht als Segen verkehren konnte für all die, die an die Heilsbotschaft Gottes glauben. Damit sehe ich das wohl aber anders als viele andere Christen, denn ich glaube nicht, dass Gott Jesus bewusst geopfert hat, also ihn zum sterben hierher geschickt hat um einen Preis durch seinen Tod und sein Leid zu bezahlen, als wären die Schmerzen eine Währung, sondern dass das Opfer darin bestand, dieses Leid in Kauf zu nehmen um etwas viel segensreicheres, das nichts mit dem Dulden von sondern der Erlösung von Schmerzen zu tun hat. Ich glaube, dass er dafür so leiden musste, verschafft ihm und dem Rest der Christen quasi ein permanentes “Schmerzensgeld” vom Satan, der Jesus’ Tod verursacht hatte, weswegen der Satan auch immer noch ein Todfeind vieler Christen ist und andersherum.

    #346453

    @Amethyst

    Übrigends, wenn du das Christentum sehr kritisch durch seine angepasste Rolle im Nationalsozialismus siehst…auch da solltest du nicht verallgemeinern. Es gab eine grosse Zahl von Christen, die sich aktiv dagegen gewehrt haben, von unten bis in die oberen Positionen der Kirche. Sowohl gegen die Vereinnahmung der Kirche durch die Nazis oder ihre Philosophien, als auch aktiv gesellschaftlich.

    Das war ein riesen Kampf, das wird nur kaum berichtet. In den KZs gab es neben Juden, Politischen, Homosexuellen, Kriminellen und Verwahrlosten auch ein Sonderabzeichen für “Bibelforscher”, also für Christen die freie Glaubensvorstellungen hatten und sich etwa geweigert haben, den Nazis folge zu leisten, oder die den falschen Menschen helfen oder Informationen verbreiten wollten.

    Ich denke da immer gerne daran, dass der Römerbrief 11 sich in allen Zeiten wiederholen kann, und kann dir nahelegen, dich mal mit Personen wie Dietrich Bonhoeffer und Maximilian Kolbe zu beschäftigen.

    #346483

    @Amethyst ein Werk bzw. Aspekt Christi und seiner Heilungen habe ich noch vergessen. Den beinahe wichtigsten. Also er wollte bzw. sollte Zeichen setzen. Warum hat er nicht einfach mit seiner Macht alles behoben, warum hat er nicht alle Menschen gleich erlöst? Warum hat er nicht deutlichere Zeichen gesetzt, sondern nur für die, die an ihn glauben konnten? Warum hat er “nur” einige Menschen geheilt und verpflegt, anstatt mit seiner Macht wirklich etwas ernstes umzuwenden und etwa die Pharisäer und die Römer alle zu erschlagen?

    Also erstens, Jesus Machtdemonstrationen waren eben Zeichen, und nicht sein Versuch, durch diese Macht alle zu heilen. Er tat es, damit die Menschen, für die Hoffnung war, sehen konnten, hinter ihm steht diese grosse Macht die dazu in der Lage ist. Aber wie er selbst sagte, er konnte nur die gewinnen, die an sein Wort glaubten, die an die Dinge glauben konnten, die er lehrte – für die anderen gab es aus seiner Sicht nur das Zeichen des Propheten Jona wie er in Matthäus 12:38-41 predigte.

    Es gab lediglich ein Schreckenszeichen von ihm für die anderen, ein Drohzeichen Gottes, eben die Ereignisse um seine Kreuzigung herum mit Verfinsterung etc. Er selbst sprach jedoch, anders als beim Propheten Jona, waren diejenigen die so auf Jesus hören sollten nicht so bereitwillig wie diejenigen, denen Jona gepredigt hatte, als Ankündigung, dass selbst seine Drohzeichen nicht Gehör finden würden sondern ignoriert werden würden.

    Aber dies ist eben die Natur Gottes. Viele denken, er wäre der König der Welt, würde wie ein Herrscher die Geschicke der Menschen von oben herab leiten. So glauben die Menschen, sie müssten diesem Herrscher dienen, seine direkten Befehle beachten, und der Sinn von Gottes Wirken sei es, die ihm gehorchende Menschheit wie ein König zu lenken. Ich selbst glaube das nicht, ich glaube nicht, dass Gott so etwas ist. Er ist nicht ein König der Welt, der auf dem höchsten Thron sitzt und unsere Geschicke leitet. Er gibt uns keine Befehle wie ein Befehlshaber, denen wir blind von oben herab gehorchen müssten. Dies tut meiner Ansicht nach nur der Teufel, der die ganze Welt damit in die Irre zu leiten versucht. Der es aber nur dort kann, wo die Menschen ihm auch glauben und seinen Befehlen aus Angst Folge leisten, obwohl er ihnen doch nichts tun kann ausser Drohungen und Befehlen und einigen Schikanen des Schicksals, die unlautere Menschen aus der Bahn werfen können, wenn sie nicht darüber reden und ihnen sonst niemand hilft.

    Gott ist für mich stattdessen der König der Herzen. Er wohnt in jedem Herzen, und ja, er wohnt in den Guten und auch in den Bösen Herzen gleichermassen. Er herrscht nicht von oben herab, stattdessen inspiriert er jeden einzelnen auf seinem Lebensweg, jeder einzelne ist ihm wichtig in seiner speziellen Lebenssituation. Gott ist keiner, der sich über andere stellt, sondern als allerhöchster und nicht in Person auftretende Kraft ist er unser aller Diener, noch mehr als Jesus Christus es für sich unter seinen Jüngern beanspruchte, siehe Lukas 22:24-30. In Gott darf nur derjenige über einen anderen bestimmen, der es aus voller Wohltätigkeit und zu seinem Nutzen und so uneigennützig wie nur möglich tut. Sonst verfehlt derjenige diesen Auftrag, und kommt durch seine Werke nicht der Gnade Gottes näher.

    Natürlich muss Gott auch all diese Leben zusammen bringen, über die er regiert, und dort entscheiden, wo die Interessen mehrerer zusammen kommen. Dies tut er meinem Glauben nach aber wie gesagt nicht wie ein König von oben herab, sondern von unten aus den Herzen der Menschen heraus, indem er ihre Geschicke für jeden persönlich und aus dessen persönlicher Sicht leitet. Und nicht etwa aus einem Plan für die ganze Menschheit von oben herab, wie es ein Befehlshaber von Soldaten tun würde, wo jeder einzelne Soldat nichts dran zu bestimmen hätte. Auch das Gleichnis von der alten Frau und ihrem letzten Scherflein in Lukas 21:1-4 zeigt deutlicher denn je auf diese Wahrheit: Gott interessiert sich nicht dafür, wie viel Macht und Gewalt der Mensch hat, wie viel er erreicht, oder wie erfolgreich er in seinen Strapazen überhaupt ist. Er interessiert sich stattdessen für seine Herzensgüte, für seine innere Grösse – so ist die alte Frau die ihren letzten Groschen gibt in den Augen Gottes viel viel gnädiger gesehen als alle reichen in der Kirche zusammen, die Unmengen an Geld spenden aber doch nicht daran glauben, dass es richtig ist, dass damit gutes getan würde.

    Und die Zeichen zuletzt: warum keine mächtigen Zeichen? Warum erschlägt Gott seine Feinde nicht einfach, warum hat Jesus sich nicht einfach mit Gewalt zum König gemacht? Weil das ein Abweg ist, es ist falsch, mit Gewalt seine Ziele erreichen zu wollen! Es bringt nur immer mehr Unglück und noch mehr Gewalt! Das hat Jesus erkannt, und in seiner wohl schwierigsten Entscheidung sein Leben unter einen “Sieg” oder eine “Rettung” mit Gewalt gestellt, obwohl er noch zuvor seine Jünger gebeten hatte, sich dafür zu bewaffnen (Lukas 22:36, Matthäus 26:52).

    Deswegen wählte Jesus glaube ich auch als Zeichen für sich die Heilungen und die Speisungen – anstatt andere mit Gewalt zu schlagen, demonstrierte er, dass die Macht Gottes eigentlich dazu gedacht ist, Segen und Heil zu bringen, und nicht Kummer und Gewalt. Anstatt sich über andere zu erheben und alle Welt zu schlagen und zu erschrecken (jedenfalls nicht mehr erschrecken, als er dank der Pharisäer und Römer leider am Kreuz tun musste…), kniete er vor ihnen nieder und heilte ihre Wunden und wusch ihre Füsse, denn er war der Sohn des Gottes, der sie alle in diese Welt gebracht und zusammen ihr Leben bestreiten liess – der sich deswegen nicht über sie gestellt empfand, noch sie für ihre Niedrigkeit verachtete. Sondern er hat sich für genau das verantwortlich gefühlt, was er jedem von ihnen gleichermassen mitgegeben hatte, wofür er jeden von ihnen gleichermassen auf eine Stufe gestellt betrachten wollte: er fühlte sich verantwortlich für ihr Leben und die Leiden, die sie darin tragen mussten

    Denn es geht in Gott nicht darum, Sieger über andere oder die Welt zu werden. Es geht darum, Sieger über sich selbst zu werden, über seinen Hass, seine Gier, seinen Stolz, seinen Wahn, seine innere Blindheit, die Unwissenheit und der Unwillen, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen – hin zu dem was wirklich zählt im Leben und einzig glücklich sein zu können: dem Gefühl, sich selbst lieben und verzeihen zu können wie anderen auch, und in Frieden leben zu können, glücklich leben zu können. Dies ist nach meiner Vorstellung die Gnade Gottes und was er eigentlich von uns will und was er für uns im ewigen Leben bereit stellen kann. Wir müssen dafür aber in uns Raum schaffen dafür, und dieses Licht in uns lassen wollen und anderen wie uns selbst verzeihen wollen. Dafür brachte meinem Glauben nach Jesus sein Wort in diese Welt uns aufzubauen und zu trösten, und uns Kraft und Hoffnung zu geben diesen Glauben nicht verlieren zu müssen in dunklen Stundem. Um eben dieser einmaligen Chance gerecht werden zu können: uns selbst zu besiegen, das in uns, was uns von Gott wegbringt aufzugeben und unserer Verantwortung und damit auch dieser Gnade und der Hoffnung nach Frieden entgegensehen zu können.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Wochen, 4 Tage von ardentglow.
Ansicht von 15 Beiträgen - 1 bis 15 (von insgesamt 20)
  • Sei müssen angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.