Psychose als Selbstschutz?

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  • #16234
    Anonym

      Ich habe das Buch „Heilen ohne Medikamente“ von Andreas Winter gelesen und er beschreibt darin Psychosen als intelligenten Selbstschutz. Er schreibt, dass „unsere Psychiatrien wahrscheinlich voller kerngesunder Menschen sind, die nicht krank, sondern hochintelligent, aber zutiefst verängstigt sind, und daher auch keine Medikamente, sondern eine andere Lebenseinstellung brauchen.

      Meiner Erfahrung nach sind es gerade Psychotiker, die gute Chancen hätten, ein höchst erfolgreiches Leben zu leben, würden sie nicht von Beginn an einer brutalen Selbstwertschädigung ausgesetzt. Psychotiker sind allesamt überdurchschnittlich intelligent und daher hervorragend in der Lage, aus Selbstschutz die scheinbar irrationalsten Verhaltensweisen zu entwickeln – und diese auch wieder sein zu lassen, wenn der hierdurch erreichte Schutz nicht mehr gebraucht wird.“
      Er beschreibt dann einen Fall von einem 41jährigen austherapierten Psychotikers, dessen Psychose er innerhalb von drei Terminen heilte. Dieser Mann hörte auch Stimmen, die dann verschwanden.
      sein Fazit zu diesem Mann war, dass er sich zum einen mit dieser Krankheit vor Überforderung schützte, Rücksichtnahme erpressen konnte und zum anderen konnte er sich durch die Aufenthalte in der Psychiatrie vor dem Zugriff der Mutter entziehen.
      „Der Grund für seine Symptome wurde deswegen nicht entdeckt, weil übersehen wurde, dass die Psychose ein Schutzmechanismus ist, der die Entfaltungsfähigkeit der Psyche sichert. Denn alles, was sich der Mensch selbst antut (und sei es unterbewusst), kann er besser steuern als das, was er erleiden muss.“

      Er geht davon aus, dass kranke Menschen für ihre Störungen selbst verantwortlich sind und häufig im innerseelischen Bereich begründet liegen. Findet man den Grund für eine Störung, kann man, seiner Meinung nach auch die Heilung einleiten. Den meisten Menschen fehlt es einfach nur an Information über ihr Störungsbild und sobald die Informationen gegeben sind, tritt automatisch Heilung ein.

      Ich habe mit großem Interessen und in einem Rutsch dieses Buch gelesen und war erstaunt darüber, wie vielen Leuten er schon helfen konnte und wie viele verschiedene Arten von Störungen er mit seiner Methode schon weg„quatschen“ konnte. Denn das ist alles, was er macht. Er ergründet in einem Gespräch die Ursache des Problems und programmiert es um, indem er Informationen darüber gibt und das Problem, dass meistens in der Kindheit oder sogar schon im Mutterleib verortet ist, in die Gegenwart holt und dieses Problem, diesen Stressfaktor, die Schärfe nimmt und ihn entstresst.
      In dem Buch ist auch eine Selbstanleitung zur Ursachenergründung gegeben, aber ich habe eher das Gefühl, dass es ein Coaching braucht und ein richtiges Gespräch mit einem erfahrenen Coach, um eine Störung zu behandeln.
      Naja, aber das ist nur meine Meinung.

      Was sagt ihr zu der These, dass Psychosen intelligenter Selbstschutz sind? Würdet ihr Zustimmen, dass Psychotiker nicht unbedingt Medikamente brauchen, sondern eine neue Lebenseinstellung?

      Gruß L.

      #16237

      Mir kommt es eher so vor als sei eine Psychose das Resultat wenn der gesunde Selbsschutz nicht funktioniert. Ich glaube daher, wenn man lernen kann, sich selbst besser zu schützen, dass man dann auch seine Vulnerabilität, also seine Psychoseneigung senken kann.

      #16239

      Ich sehe das auch eher so wie Nichtraucher.

      #16244

      Ich sehe das auch wie meine 2 Vorgänger. Bei mir war es auffallend so.

      48 Jahre, D
      morgens 200 Quetiapin (NL), 50 Doxepin (AD), 2mg Risperidon (AP), 150 Ofiril (AE),
      200 Mi+So + 175 Thyroxin (Schilddrüsenmed.).
      abends 400 Quetiapin (NL), 50 Doxepin (AD), 150 Ofiril (AE)
      Bedarfsmedi Lorazepam

      https://hamasi-ben-ihmz-achthamar.hpage.com/willkommen.html

      #16247
      Anonym

        Wenn man mit Vulnerabilität argumentiert, müsste man fragen, woher diese V. kommt? Warum ist der Mensch so verletzlich? Welcher Grund steckt dahinter und was kann im schlimmsten Fall passieren? Und was ist das Zweitschlimmste, das passieren kann?
        Und wenn ich mir ein paar Horror Szenarien zurecht gelegt habe, müsste ich darüber nachdenken, ob es sich lohnt, davor Angst zu haben? Denn meistens lohnt es sich eben nicht. Ich habe nur im Laufe meines Lebens erlernt, mir Angst zu machen, die völlig unbegründet ist.

        #16249
        Anonym

          Ich weiß nicht. Wenn ich die Probleme bzw. die sogenannten „Beweggründe“ für die Psychose bei dem als Beispiel angeführten Mann betrachte, ist das sicher nichts, was man in 3 Sitzungen beheben kann. Für mich klingt das eher nach Selbstüberschätzung des Therapeuten, auch wenn es vielen Psychotikern gefallen dürfte, was er sagt. Vielleicht ist was Wahres dran aber Fakt ist doch, dass viele aus einem bis dahin normalen bzw. erfolgreichen Leben durch die Psychose herausgerissen werden und nicht umgekehrt.

          #16251
          Anonym

            Und dann reagiere ich eben mit einer Psychose auf Umstände im Leben, vor denen ich mir Angst mache.

            #16254
            Anonym

              Es ist natürlich verlockend, einfache Antworten auf komplexe Probleme zu bekommen. Aber DAS klingt mir dann doch ZU simpel. Die sog. Vulnerabilität soll im Übrigen angeboren sein. Dieses Konzept widerspricht außerdem der Erklärung, dass Psychosen positiver Selbstschutz sind. Irgendwo hakt da was. :unsure:

              #16255
              Anonym

                Nevermind
                Du wirst nie einfach so durch eine Psychose aus dem normalen Leben gerissen. Es gibt immer einen Auslöser für Psychosen.

                #16257
                Anonym

                  Verstehe ich nicht, Nevermind.

                  #16258
                  Anonym

                    Er berücksichtigt in seiner Methode, dass unterschiedliche Stressanfälligkeiten angeboren sind.

                    #16259

                    Menschen sind unterschiedlich. Der eine ist sensibler, der andere robuster. Demnach ist die Vulnerabilität einfach angeboren.

                    #16263
                    Anonym

                      Also, wenn man durch ausführliche Infos zum Krankheitsbild „einfach geheilt“ werden könnte, gäbe es sehr viele Psychotiker weniger. Dann wird unterstellt, dass man sich mithilfe von Psychosen Anforderungen bzw. Menschen entziehen will und Rücksichtnahme erzwingt. Und dann soll das alles nach 3 Sitzungen weg sein, weil mich jemand über diese meine Strategie informiert hat. Gleichzeitig soll es aber auch auf Vulnerabilität gegründet sein und die kann ich mir ja nun wirklich nicht aussuchen. Also ich komm da nicht ganz mit. Ist das logisch?

                      #16265

                      Ich denke es läuft darauf hinaus, dass wenn man sensibel ist, man eben besser auf sich aufpassen muss und weniger Risiken eingehen kann, als z.B. robustere Leute.

                      Man kann es sich eben nicht aussuchen, und was sich jemand anderes erlauben kann, ohne einen Schaden davon zu tragen kann bei mir das ganze Leben ruinieren.

                      Deswegen brauche ich eben einen sicheren Weg, der emotional nicht so belastend ist, auch wenn man mich dafür für unehrgeizig hält, oder ein Weichei, oder nicht männlich genug oder schwach oder faul oder feige oder was auch immer man sich für herabsetzende Zuschreibungen ausdenken will.

                      Ich glaube halt daran, dass ich mich solch Krisenauslösenden Situationen am besten entziehen kann, wenn ich meine Sexualität und das Leben mit meinen Mitmenschen reguliere und nach den Regeln der Kirche und in Begleitung der Kirche lebe, weil ich mich damit am wenigsten angreifbar mache, und somit schütze ich mich. Gerhosam gegenüber Eltern, Vorgesetzten und kirchlicher Hierarchie, das ist meine Strategie um Ärger aus dem Weg zu gehen und meine Vulnerabilität nicht zu strapazieren. Das bedeutet eben, dass mich mich möglicherweise mit weniger begnügen muss, als für mich drin gewesen wäre (im Leben), aber das gehört eben dazu, wenn man das Risiko vermeiden will.

                      #16267
                      Anonym

                        Er schreibt auch, dass Stressanfälligkeit oder Vulnerabilität angeboren ist, aber ich finde es auch nicht logisch, dass nicht jeder mit einer ähnlichen Sensibilität auch automatisch Psychotiker wird. Manche entwickeln dieses Symptom und manche eben nicht.

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