Notizen von Mowa – Teil 3

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  • #305690
    Pia

      Guten Morgen liebe @Mowa,

      wie süß, die kleinen Shibas! Die Mutter ist auch schön! :heart: Gestern, als ich mit dem Fahrrad unterwegs war, habe ich auch noch einen schönen großen Shiba gesehen und gleich an dich gedacht.

      Ich drücke natürlich die Daumen, dass ihr so ein Shiba-Mädchen bekommt und euer Vermieter der Hundehaltung zustimmt. :gut:

      Das wäre toll, wenn sich dein neuer Schlafrhytmus einpendelt.

      Gut, dass du im Moment beruflich weniger Stress hast. Ich finde es auch super, dass du beruflich an dem Thema psychische Gesundheit arbeiten kannst.

      Glückwunsch, dass auch dein neues Kunstwerk bei MIA veröffentlicht wurde! :gut:

      Ich wünsche dir einen schönen Tag.

      Liebe Grüße Pia :ciao:

      #305778

      Guten Morgen zusammen,

      und danke schön @Isa, @Dopplereffekt und @Pia für Eure Zeilen :-)

      Mein Mann hat zu seiner Aussage, die ich in meiner letzten Zeichnung zitiert habe, Folgendes geschrieben:

      Zur Frage, warum „keine Identität“ wie auf dem Bild, kann ich schreiben, dass sich diese Aussage aus dem Gespräch über meine Kindheit als Halbwaise mit Migrationshintergrund väterlicherseits ergab und so gemeint war, dass unter diesen Umständen das Bilden einer Identität gefühlt schwierig oder erstmal nur teilweise möglich ist. Das, weil ich eben nicht wissen kann, wie mein Leben und Erwachsenwerden hätte sein können, wenn mein Vater leben würde, ich dadurch mehr Zugang auch zum Land seiner Herkunft und den vielen Bekannten und Künstlern auch aus Chile und Lateinamerika hier in Berlin hätte haben können. Natürlich war bei solchen Aussagen nicht geplant, dass meine Liebste davon ein künstlerisches Bild macht. Aber das Gespräch war eben auch bildlich, gerade was die Scherben betrifft. Und so versuche ich erst zu verstehen, wie solche Familienlücken über die Kontinente sich heute und morgen noch auswirken werden. Denn ich glaube ja, dass ich mit solchen Problemen bei Weitem nicht alleine bin. Wie viele Menschen kommen unter welchen Umständen auf die Welt und werden vertrieben… was bleibt dann davon übrig… usw.

      Die Schizophrenie, die bei meinem Mann bereits im Alter von 18 Jahren diagnostiziert wird, „sprengt“ dann die Biographie wieder. Die Fragmentierung der Identität kann sowohl als Ursache als auch als Folge der Schizophrenie gesehen werden. Das Wiederzusammenfügen des Ichs ist ein lebenslanger Heilungsprozess, der nicht alleine gelingen kann und viel Zeit und Liebe braucht, von sich selbst und von den Mitmenschen.

      Liebe Grüße,
      Mowa

      #305779

      Im Übrigen hatte ich in der deutschen Version meines Mad in America-Artikels geschrieben:

      Resilienter zu werden bedeutet für mich, dass ich die Fragmente meiner Identität, die mir im Laufe meines Lebens abhandengekommen sind, sorgfältig und aufmerksam zu einem intakteren Ich zusammenfüge und dadurch immer besser mich selbst spüre. Was bin ich und warum? Wo ist mein Platz in dieser Welt? Ich blicke zurück auf die vergangenen Zeiten, bis sie sich wieder lebendig und warm anfühlen. Vielleicht nur für den Augenblick, vielleicht immer wieder, möglicherweise auch mein ganzes Leben lang. Ich glaube, dass es heilend und auch lebensnotwendig ist, in diesem Moment des Lebens sich selbst zu spüren und zusammenzuhalten.

      Somit habe ich in meiner letzten Zeichnung auch mich selbst gesehen.

      #305780

      Ich finde Identität Auch nicht greifbar und nicht nur an alter, geschlecht und Herkunft fassbar. Gerade nach meinen psychedelischen Erfahrungen in den Psychosen merke ich immer wieder, dass wir kein starres selbst sind, sondern so stark mit den Umgebungseinflüssen Wechselwirken; sodass wir schnell ins selbst vergessen können und unsere Persönlichkeit/Identität zersplittert. Es sind doch viele Rollen die man spielt/einnimmt und in der Psychose hat man plötzlich eine große Hauptrolle. Vielleicht sind Psychosen auch der klägliche Versuch unseres Gehirns zu implizieren, dass man nicht unbedeutend in der Welt ist. Daher ist es wichtig an einem gesunden Selbstbildnis zu arbeiten.

      #305829

      Danke für die Erklärung @mowa ! Irgendwie scheint mir Identität auch gerade ein Trendwort zu sein, was für mich aber nicht bedeutet, dass man sich darüber keine Gedanken machen sollte und deine Erklärung finde ich sehr interessant. Das ist etwas, das ich über deinen Mann überhaupt nicht wusste und ich finde es wertvoll, dass er es geteilt hat.

      Vielleicht sind Psychosen auch der klägliche Versuch unseres Gehirns zu implizieren, dass man nicht unbedeutend in der Welt ist.

      Bedeutung und Wichtigkeit von Gedanken sind bei mir manchmal übertrieben groß. Ob das ein Kampf gegen die eigene Unbedeutsamkeit ist, müsste ich noch überlegen. Ich sehe in darin zumindest einen Hilferuf und Warnzeichen, dass gerade etwas nicht gut läuft. Die Interpretation davon ist aber recht offen und Fehlinterpretationen, sowie Trugschlüsse können leicht unterlaufen. Dann hilft etwas Ruhepause, „den Fehler“ zu finden…

      Daher ist es wichtig an einem gesunden Selbstbildnis zu arbeiten.

      Was meinst du damit? Eine Suche nach der eigenen Identität oder die Perspektive auf dich selbst?

      #305876

      Danke Lilly und Dopplereffekt :ciao:

      Vielleicht sind Psychosen auch der klägliche Versuch unseres Gehirns zu implizieren, dass man nicht unbedeutend in der Welt ist.

      Für mich steht es außer Frage, dass ich das wichtigste Wesen in meiner Welt bin. Das sehe ich auch bei jedem anderen Menschen genauso: Jeder Mensch ist das wichtigste Wesen in seiner Welt.

      Diese Erkenntnis habe ich seit meiner ersten Psychose in 2010 wiedergewonnen und gefestigt. Vor und während meiner ersten Psychose war sie möglicherweise abhandengekommen. Insofern meine ich zu verstehen, was Du schreibst, Lilly.

      Für mich ist die Psychose eher eine Reaktion des Gehirns, um der Fragmentierung des Ichs entgegenzuwirken.

      Gestern haben wir unseren Posterdruck bekommen, auf dem Bild ist das Feuerwerksfest von Nagaoka, Japan, abgebildet. Der Name des Malers ist Kiyoshi Yamashita. In Shinjuku findet derzeit eine Ausstellung seiner Werke statt, und ich habe meine Mutter gebeten, sie zu besuchen.

      Jetzt haben wir zusätzlich zum Bild von

      Frida Kahlo

      und zum Foto einer Bronzeskulptur von

      Dorothea Buck

      auch das Bild von Kiyoshi Yamashita im Wohnzimmer hängen B-)

      #305884

      Identität ist aber auch das, was du machst. Wenn du Gitarre spielst, dann bist du eben Musiker. Schwierig wird es aus meiner Sicht, wenn du aus der Arbeitswelt raus bist. Wer bist du dann?

      #305888

      Schwierig wird es aus meiner Sicht, wenn du aus der Arbeitswelt raus bist. Wer bist du dann?

      Ich finde es nicht sinnvoll, sich ausschließlich über die Arbeit zu definieren bzw. identifizieren. Dann ist nämlich der Frust bei Jobverlust bzw. die Angst vor Jobverlust groß.

      #305926

      @Dopplereffekt, Männer definieren sich über ihren Beruf.

      • Diese Antwort wurde vor 2 Jahren, 7 Monaten von Kater geändert.
      #305940

      Wer bist du dann?

      Es gibt Lebensumstände, die Menschen überhaupt erst krank werden lassen. Erkrankte Menschen sind in ihrer Gesundheit und damit auch in ihrer Leistungsfähigkeit als Arbeitskräfte beeinträchtigt.

      Mangelndes Verständnis und fehlende Inklusion führen bei vielen Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu sozialer und wirtschaftlicher Exklusion.

      Diese Exklusion kann der seelischen Heilung nicht förderlich sein, im Gegenteil. Exklusion kann bei vielen Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen die Isolation und Nichtzugehörigkeit verstärken.

      Daher denke ich @Kater, es ist die Exklusion, die problematisch ist.

      #305956

      Ja das stimmt wohl @Mowa, du stehst im Grunde vor der Türe und kommst nicht mehr hinein.

      #305959

      Männer definieren sich über ihren Beruf.

      Diese Sichtweise finde ich sehr eindimensional.

      #305973

      Vielleicht ist es so, dass es noch heute geschlechtsspezifische gesellschaftliche Erwartungen gibt, etwa „Männer ernähren die Familien“, „Frauen bekommen Kinder“ usw.

      Mein Mann und ich haben das Glück, dass unsere Familien und andere Menschen in dieser Hinsicht keinen Druck auf uns ausüben.

      #305976
      Anonym

        also ich finde, @kater, dass, wenn sich schon jemensch über den beruf definieren sollte, das frauen gleichermaszen tun sollten. ich finde aber eigentlich, dass das niemensch sollte, sich über den beruf definieren, das wäre doch sehr arm.

        #305978

        Vielleicht ist es so, dass es noch heute geschlechtsspezifische gesellschaftliche Erwartungen gibt, etwa „Männer ernähren die Familien“, „Frauen bekommen Kinder“ usw.

        Auch in dem Fall finde ich die Aussage, dass jemand nur etwas Wert ist, wenn er arbeitet oder nur eine Identität hat, wenn er arbeitet falsch. Es gibt so vieles, das einen Menschen ausmacht und Arbeit ist nur ein Teil davon. Ich finde Arbeit sehr wichtig, aber es ist eben nicht alles.

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