Forschung über Forschung?

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  • #197207

    Der Thread „Erfassung psychotischer Frühsymptome mit BCI-Technologie?“ und die erste Beschäftigung mit dem Thema bringt mich auf die Frage: Warum gibt es massenweise Veröffentlichungen und selten sehr gute Forschung? Die psychiatrische Forschung scheint hier keine Ausnahme zu sein.

    Gibt es die Forschung über die Forschung und wenn ja, was ist der heutige Stand des Wissens?

    #197225

    Mag vielleicht auch daran liegen, dass man in der Forschung auch angehalten wird, möglichst viel zu veröffentlichen,  Natürlich kann man trotzdem davon ausgehen, dass auch bei einer großen Menge an Veröffentlichungen eine gewisse Mindestqualität vorausgesetzt wird. Aber der Großteil bringt wohl einfach nur minimal neue Erkenntnisse zutage, oftmals wird vielleicht auch versucht sich gegenseitig zu widerlegen – bei Anhängern verschiedener Grund-Ansätze im gleichen Feld, beispielsweise, herrscht da wahrscheinlich ein ziemlicher Konkurrenzkampf, sich gegenseitig „auszustechen“ usw.

    Letztendlich scheint es aber dennoch so, dass der oben genannte „Veröffentlichungsdruck“ keine negativen Auswirkungen auf den Fortschritt an sich hat.

    Wenn ich die Zusammenfassung dieses Artikels  richtig verstehe, ist das Verhältnis von veröffentlichten Papers zu solchen mit einem „high impact“ (in Ermangelung eines passenden deutschen Wortes) konstant. Was ja letztendlich positiv ist – je „mehr“ geforscht wird, desto mehr „brauchbares“ ist dabei.

    Letztendlich ist es wohl einfach so, dass wirklich große Durchbrüche an und für sich einfach selten sind und noch seltener werden, je weiter der Fortschritt vorangeht. Je mehr man schon weiß, desto weniger gibts neues zu entdecken, oder zumindest desto mehr steigt der Aufwand für Neuentdeckungen, so in der Art.

    #197246

    dieses Artikels

    Interessant, danke @Zoidberg.

    Letztendlich scheint es aber dennoch so, dass der oben genannte „Veröffentlichungsdruck“ keine negativen Auswirkungen auf den Fortschritt an sich hat.

    Das würde mich überraschen. Vielleicht ist die Frage, was Fortschritt überhaupt bedeutet, für mich nicht so offensichtlich. Z.B. sollte ja technologischer Fortschritt auch von moralischem Fortschritt begleitet werden.

    desto mehr steigt der Aufwand für Neuentdeckungen

    Das leuchtet mir ein, z.B. mehr Aufwand in Form von KIs.

    Es gibt eine (hoch-zitierte) Veröffentlichung von 2017, in der der von Dir genannte Artikel auch zitiert wird, die ich angefangen habe zu lesen:

    On doing better science: From thrill of discovery to policy implications
    John Antonakis
    Faculty of Business and Economics
    University of Lausanne

    Der Vorabdruck ist öffentlich zugänglich:
    https://serval.unil.ch/resource/serval:BIB_8EF01CB80A64.P001/REF.pdf

    Abstract, mit DeepL übersetzt:

    In diesem Positionspapier vertrete ich die Auffassung, dass der Hauptzweck der Forschung darin besteht, Phänomene zu entdecken und wahrheitsgemäß darüber zu berichten. Einmal aufgedeckt, können diese Phänomene wichtige Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. Der Nutzen der Forschung hängt davon ab, ob sie einen Beitrag leistet, weil sie originell ist oder zu kumulativen Forschungsanstrengungen beitragen kann, ob sie streng und zuverlässig durchgeführt wird und ob sie in der Lage ist, die Grundlagen- oder angewandte Forschung und später die Politik zu informieren. Allerdings behindern fünf schwerwiegende „Krankheiten“ die Produktion nützlicher Forschung. Zu diesen Krankheiten gehören: Signifikanz, d. h. eine übermäßige Konzentration auf statistisch signifikante Ergebnisse; Neophilie, d. h. eine übermäßige Wertschätzung von Neuem; Theorrhoe, d. h. eine Manie für neue Theorien; Arigorium, d. h. ein Mangel an Strenge in der theoretischen und empirischen Arbeit; und schließlich Disjunktivitis, d. h. eine Neigung, große Mengen redundanter, trivialer und inkohärenter Arbeiten zu produzieren. Ich vermute, dass diese Krankheiten der Wissenschaft immensen Schaden zugefügt und Zweifel an der Rolle der Wissenschaft in der Gesellschaft aufkommen lassen haben. Ich erörtere, was Publikationsorgane tun sollten, um diese Krankheiten auszurotten, um die Durchführung nützlicherer und wirkungsvollerer Forschung anzuregen und um die erforderlichen Anreize zu schaffen, um die Interessen der Forscher besser mit dem Allgemeinwohl in Einklang zu bringen. Abschließend zeige ich auf, wo technische Verbesserungen erforderlich sind, um die Qualität der Forschung zu verbessern, und fordere zu mehr Reflexion, Transparenz und Ehrlichkeit in der Art und Weise auf, wie wir Forschung betreiben.

    Ich habe jetzt nur ein Zenhtel vom Manuskript gelesen und finde es sehr schön.

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