Notizen von Mowa

  • Dieses Thema hat 3129 Antworten sowie 60 Teilnehmer und wurde zuletzt vor vor 5 Jahren von Mowa aktualisiert.
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  • #49858

    Guten Morgen @christine,

    Frangen über Fragen… ;-) Ich versuche auf sie einzugehen:

    Hattest du dich inzwischen mit dem Stress-Vulnerabilität-Modell auseinandergesetzt oder dich auf das medikamentöse Entschleunigen beschränkt?

    Allgemein versuche ich schon, auf meinen Stresspegel zu achten. Gestresst war ich seit dem neulichen Rückfall im April noch nicht. Im Moment stehen die Steuererklärung und der Vortrag an, aber die Fristen kommen nacheinander, und das ist ja auch nur vorübergehend und kein Dauerzustand.

    Medikamente nehme ich derzeit keine, seit über 4 Wochen. Psychotische Symptome habe ich auch keine, weder negativ noch positiv. Wie lange ich noch an der Medikamentenpause festhalten will, da bin ich mir nicht so sicher.

    Leider habe ich wieder Neurodermitis-Stellen an den Händen, aber dieses Mal werde ich das Cortison möglichst meiden. Ich bin überzeugt, dass es psychotische Symptome bei mir fördert (Überschießen des Cortisolhaushalts beim Absetzen usw. laut meines Psychiaters, der das bei einigen seiner Patienten wohl auch schon beobachtet hat). Zumindest habe ich Anfang Februar und Anfang April dieses Jahr tatsächlich das so erlebt, nach den beiden Neurodermitisschüben und den zeitnahen Cortison-Behandlungen.

    Was nutzt du inzwischen an Psychotherapie, um den Sortierprozess zu optimieren? Wer unterstützt dich beim Priorisieren und bei der Themenreduktion? Welche Stressoren hast du bislang ausmisten können?

    Hmm, ich bin immer noch bei meinem Therapeuten, was mir hilft, um zu meinen Gedanken ein fachliches Feedback zu bekommen (habe übrigens später heute wieder einen Termin). Genauso mit meinem Psychiater.

    Mein Therapeut hat angestoßen, ob ich nicht eine Erwerbsminderungsrente beantragen möchte. Und mein Psychiater hat mir gesagt, dass einige Patienten im Beschäftigungsverhältnis nach dem Rückfall es so handhaben, dass sie z.B. ein halbes Jahr lang wöchentlich einige Tage Urlaub nehmen.

    Das mit den wöchentlichen Urlaubstagen mache ich jetzt tatsächlich so, dass ich nur 3 Tage die Woche arbeite. Ab Mitte August arbeite ich dann eventuell 4 Tage die Woche, das wird sicher auch helfen. Und die Dienstreisen werde ich auch nur noch alle 2 Wochen antreten, nicht wöchentlich, wie ich es vor dem letzten Rückfall einige Monate lang gemacht hatte.

    Und bald habe ich einen Termin bei der Deutschen Rentenversicherung. Dort werde ich mich zum Thema Rente genauer erkundigen, um eventuell (d.h. wenn die finanziellen Einbußen für uns tragbar sind) nötige Schritte in Richtung Erwerbsminderungsrente einzuleiten.

    Auch meine private Situation bessert sich mit der Zeit. Mein Mann und ich sind sehr unterschiedlich und sind besonders am Anfang unseres Zusammenlebens heftig aneinander geraten. Das ist inzwischen besser geworden, nachdem wir uns nach und nach sozusagen angeglichen haben. Es passieren immer noch Missverständnisse und Verletzungen, aber da arbeiten wir daran. Na ja, wie es eben immer so ist, wenn zwei Menschen zusammenleben. Auch hier hilft mir die Psychotherapie sehr, denn am Anfang, ganz ohne Therapieerfahrung, war ich allein mit dem Problem. Das war eine schwierige Zeit für mich.

    Insgesamt aber ist mein Leben relativ geordnet und ruhig, so dass meine To-Dos überschaubar sind. Überfordert fühle ich mich nicht.

    Ich war etwas erschrocken, dass du jetzt auch noch Betriebsrat geworden bist, statt Urlaub zu planen.

    Ja, wobei meine Betriebsratstätigkeit nicht erst jetzt angefangen hat. Ich bin am alten Standort bei der Betriebsratswahl in 2014 als ordentliches Mitglied eingewählt worden, und bis Ende 2016 war ich im Betriebsrat, bis ich 2017 arbeitsvertraglich zum neuen Standort versetzt wurde.

    Im April 2018 hat die nächste Betriebsratswahl stattghefunden, und damals war ich nach dem Rückfall im Januar / Februar noch in der Klinik. Die Betriebsratstätigkeit war mir so wichtig, dass ich mich unbedingt als Kandidatin aufstellen lassen wollte und noch während des stationären Aufenthalts im März an der Vorstellungsrunde der Kandidaten teilgenommen habe.

    Bei den Wählern muss ich einen labilen Eindruck hinterlassen haben, auf jeden Fall habe ich die wenigsten Stimmen erhalten und wurde so zum letzten Ersatzmitglied. Ja, und inzwischen nehme ich fast jede Woche an der Betriebsratssitzung teil, weil die ordentlichen Mitglieder aus unterschiedlichen Gründen nicht (mehr) verfügbar sind.

    Es ist ein guter Punkt, ob meine Betriebsratstätigkeit mich stresst. Klar ist, dass ich durch diese Tätigkeit weniger Zeit für meine sonstigen Aufgaben habe. Andererseits kann ich meine sonstigen Aufgaben recht flexibel gestalten, und mein Chef war schon immer damit einverstanden, dass ich im Betriebsrat bin. Natürlich braucht man kein Einverständnis vom Vorgesetzten um Betreibsrat zu sein (im Gegenteil), aber da mir persönlich die gute Bezeihung zu meinem Chef wichtiger ist als meine Mitwirkung im Betriebsrat, würde ich nichts gegen seinen Willen unternehmen.

    Der Betriebsrat am neuen Standort tickt anders als der am alten Standort, und um ehrlich zu sein, macht es mir im Moment nicht so viel Spaß. Die stundenlangen Sitzungen strengen mich an, und gleichzeitig habe ich nicht das Gefühl, dass ich etwas Sinnvolles beitragen kann. Ich fühle mich auch nicht wirklich verpflichtet, da ich ja nur das letzte Ersatzmitglied bin. Dennoch werde ich vorerst dort bleiben, solange die Tätigkeit mich nicht überfordert. Nächstes Jahr wird wahrscheinlich sowieso eine vorzeitige Neuwahl stattfinden müssen, weil wir bald personellen Engpass haben werden.

    Wo tankst du das meiste Glück auf? Wofür wirst du heute dankbar sein?

    Im Moment bin ich täglich dankbar, dafür dass meine eigenen mentalen Filter funktionieren, ohne dass mich die Neuroleptika dazu zwingen. Ich gehe meinem Alltag nach, ohne dass ich psychotische Regungen in mir bemerke, und dieses Normale ist für mich an Wert nicht zu übertreffen. Ich bin so froh, dass ich auf der Arbeit bin und normal mit den Mitarbeitern kommunizieren kann.

    Glück hört sich irgendwie übertrieben an, aber wenn ich nachdenke, dann schätze ich mich glücklich für das, was mir geschenkt wird. Eine bestimmte Tankstelle für Glück habe ich nicht, aber der Alltag, das scheinbar Banale, dafür bin ich sehr dankbar.

    LG,
    Mowa

    #49993
    Anonym

      Liebe @Mowa deine Klarheit in allen Bereichen ist sehr schön zu lesen. Danke. LgB

      #49996

      Heute hatte ich ein entlastendes Gespräch mit meinem Therapeuten :good:

      Es ging darum, dass ich Zweifel daran habe, weiterhin ohne Medikamente einen erneuten Rückfall zu riskieren und ob ich das so für mich entscheiden und meinen Mitmenschen (es ging vor allem um meine Arbeit und meine Kollegen & meinen Chef) es zumuten darf.

      Darauf hin sagte er ja, mein Chef sei ein erwachsener Mensch und unterstütze mich mit sehenden Augen. Ich habe eine Behinderung, und warum sollte ich nicht deswegen 3 Monate im Jahr ausfallen? Sicherlich sei es noch schwer für mich das so anzunehmen.

      Dann haben wir noch gesagt, dass ich seit dem aktuellen Rückfall einige Maßnahmen eingeleitet habe um mich zu entlasten (reduzierte Arbeitszeit, weniger Dienstreisen, Erwerbsminderunsrente). Und dass ich dabei bin mich gut zu stabilisieren. Und auch, dass sich die beiden Rückfälle (Jan/Feb 2018 und Apr/Mai 2019) in Dauer und Intensität unterschieden haben, dass ich durch einen besseren Umgang mit mir da Fortschritte gemacht habe usw.

      Mein Therapeut unterstützt mich in meinem erneuten Absetzversuch. Vielleicht reichen diese Maßnahmen zur Stressreduktion aus, um mich auf Dauer ohne Medikamente stabil zu halten. Seine Unterstützung macht mich etwas wieder mutiger.

      Außerdem hat er vorgeschlagen, den angesetzten Termin für meinen Vortrag nach hinten zu verschieben, um mich nicht zu stressen und mir mehr Zeit für die Voebereitung zu gönnen. Er hat mir noch einige Materialien zum Thema mitgegeben, über Früherkennung usw., was für mich auch sehr interessant sein dürfte.

      #49997

      Oh, danke schön @Bernadette :heart:

      #50025
      Anonym

        Ich finde es wichtig, neben Arbeit und Partnerschaft auch Sport im Auge zu behalten.

        #50398
        Anonym
          #50401

          Guten Abend @all,

          hallo liebe @christine, ja das ist wahr mit dem Sport. Oft bewege ich mich zu wenig, bin auch übergewichtig. Das mit dem Glückstagebuch ist auch eine gute Idee. Sich an die schönen Momente des Alltags zu erinnern macht gute Laune. Ich versuche regelmäßig ein Gesundheitstagebuch zu führen, aber da fehlt mir oft genug auch die Disziplin…

          Heute habe ich den ganzen Tag an der Steuererklärung gesessen und bin auch fertig geworden. Das war ein Stress, der vermeidbar gewesen wäre, hätte ich früh genug damit angefangen. Ist aber ok, ich war ja auch in der Klinik usw. Nächstes Jahr wird’s bestimmt besser! Jetzt bin ich leicht ausgelaugt und kann nur noch herumliegen.

          Einen schönen Abend noch,
          Mowa

          #50463
          Anonym

            Liebe Mowa,

            ich war sehr lange nicht hier, habe eben ein bisschen reingelesen. Ich finde es schön, dass du im scheinbar Banalen Glück ausmachen kannst.

            Ich denke, wenn ich wie du jetzt symptomfrei wäre, würde ich nicht mehr zu NL greifen. Sie machen zwar ein dickeres Fell, das heißt, du wirst Stress gegenüber toleranter, aber wenn ich nun gaar nichts habe, würde ich versuchen, mich so zu stabilisieren. Hätte ich jedoch kleine Anzeichen, hätte ich auch ein gutes Gefühl, was zu nehmen, auch um dem Stress, der immer wieder aufkommen wird, etwas entgegenzusetzen.

            Liebe Grüße, Aqua

            #50467

            Guten Morgen,

            danke schön liebe Aqua. Ja, Früherkennung ist entscheidend, denke ich. Ich denke auch, dass auch die präpsychotischen Symptome nicht aus dem Nichts auftreten, sondern dass es da so einen Übergang zur (noch) gesunden Wahrnehmung gibt. Und gerade da kann ich mich sicher noch festigen und aktiv etwas für mich unternehmen.

            LG,
            Mowa

            #50469
            Anonym

              Die Früherkennung von Glück ist eine dankbare Aufgabe. Besonders beim Bewegen lohnt sie sich. Welche Bewegung macht mich wo wann wie glücklich?

              https://youtu.be/sHuqFMSWPMg

              #50656
              Anonym

                .

                #50668

                Guten Morgen @rose,

                danke für Deine guten Wünsche. Ja, für mich hängen Spaß und Erfolgserlebnis zusammen, im Moment hänge ich etwas in der Luft. Für heute habe ich mir daher vorgenommen, mehr Strukturen und kleinere Zielvorgaben in meine täglichen Aufgaben zu bringen.

                Außerdem habe ich letzten Freitag erfahren, dass ein Kollege von mir offenbar in einen burnout-ähnlichen Zustand gefallen war und sich eine Auszeit nehmen musste. Das geht mir sehr nah und betrübt mich.

                Als ich 2017 umgezogen bin und später im Jahr viele Monate ausgefallen war (zuerst wegen Erschöpfung und dann wegen eines psychotischen Rückfalls), hatte er von mir die wichtigsten Aufgaben am alten Standort übernommen. Und das, obwohl er Vollzeit-Doktorand war und noch ist. Es gab seitdem immer wieder Gespräche über eine zusätzliche Entlastung für ihn, aber umgesetzt wurde sie leider nicht.

                Jetzt soll eine Teilzeitkraft am alten Standort eingestellt werden, extra nur für die anfallenden IT-Support-Tätigkeiten dort. Das wird meinen Kollegen sicher dauerhaft entlasten, und hoffentlich geschieht das auch rechtzeitig. Er ist für die kommenden 2 Wochen krankgemeldet. Wenn er danach wieder fit würde, wäre ich sehr froh, denn richtige Burnouts und Erschöpfungszustände lassen sich ja so schnell nicht auskurieren…

                Einen guten Dienstag @all wünscht
                Mowa

                #50866

                Guten Morgen @all,

                auf in den neuen (Arbeits-)Tag! Vormittags habe ich wieder Betriebsratssitzung, nachmittags habe ich keine festen Termine. Morgen und übernorgen dann wieder Urlaub :yahoo:

                Gestern war mein Arbeitstag ok, das Gefühl in der Luft zu hängen war kaum da, und ich konnte relativ gut konzentriert arbeiten. Es hat geholfen, mir umsetzbare, klare Ziele zu setzen.

                Als ich Feierabend hatte, hatte mein Mann unser Abendessen fast fertig zubereitet. Ich musste nur noch die Pasta kochen. Ein Traum! Das hat mir sehr geholfen.

                Jetzt mache ich noch die Küche etwas sauber und gieße die Balkonpflanzen. Dann unter die Dusche und ab zur Arbeit.

                Wünsche uns allen einen guten Mittwoch :bye:
                Mowa

                • Diese Antwort wurde vor 6 Jahren, 6 Monate von Mowa geändert.
                #50869

                danke liebe @mowa, dir auch einen schönen mitwoch :bye:

                #51919

                Guten Abend @all,

                habe 4 schöne freie Tage verbracht. Am Freitag und Samstag habe ich noch spontan über 5 Stunden gearbeitet, nachdem mein Chef mich gefragt hatte, ob ich einen kleinen Teil aus einem japanischen Patent übersetzen kann. Das war anstrengend (über wiederaufladbare Batterien, da habe ich keine Ahnung), hat mir auch Spaß gemacht. Morgen am Montag werde ich daher nur kurz arbeiten, 2 Meetings, nicht mehr.

                LG,
                Mowa

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