Netzwerk für Psychische Gesundheit (TK)

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  • #160373

    Hallo zusammen,

    nach meinem 2. akutpsychotischen Rückfall in 2019 habe ich von meiner Krankenkasse (Techniker Krankenkasse, TK) ein Angebot für die Teilnahme am sogenannten „Netzwerk für psychische Gesundheit“ bekommen. Seitdem hatte ich ca. alle 6 Wochen Gespräch mit dem/der zugeteilten Betreuer/in. Mein erster Betreuer war ein Sozialarbeiter, und seit mehreren Monaten werde ich von einer Sozialpädagogin betreut.

    Der Zweck dieses Netzwerks war eine Alternative zur stationären Behandlung zu schaffen und Hometreatment zu fördern, letzlich um eine Kostensenkung seitens der Krankenkasse zu erreichen.

    Nun habe ich erfahren, dass es im Gespräch steht, dieses Angebot zum Ende des Jahres aufzukündigen. Für neue Betroffene gibt es dieses Angebot längst nicht mehr, und das laufende Angebot soll beendet werden. Ich muss sagen, dass die geplante Kündigung sehr zu bedauern ist. An mir selbst merke ich, dass nicht-medikamentöse Maßnahmen sehr wohl greifen und entscheidend zu meinem positiven Genesungsprozess beigetragen haben.

    Genauso wie der Vertrag zur Besonderen Versorgung der TK mit meinem Psychotherapeuten, der jetzt zum Ende Juni gekündigt wird. Langfristiges psychotherapeutisches Monitoring wäre für mich hilfreich gewesen. Die Regelversorgung der TK für Psychotherapien sieht diese Möglichkeit einfach nicht vor :unsure:

    Die Behandlungskosten gesenkt habe ich auch erheblich, die teuren Medikamente und Psychiatrieaufenthalte wurden durch die Gespräche von Mensch zu Mensch ersetzt. Sehr kostengünstig! Besser kann es doch nicht gehen, nicht nur für mich als Betroffene, sondern auch für die TK und die Beitragszahler.

    Nach diesen ganzen sehr kurzsichtigen! Kostensekungsmaßnahmen der TK bleibt mir „nur noch“ mein Psychiater aus meinem persönlichen Versorgungsnetzwerk der Profis übrig. Zu meinem großen Glück ist mein Psychiater sehr hilfreich, aber welche/r Betroffene/r hat schon ein solches Glück?

    Für die Mehrheit der Psychiater, so wie ich sie persönlich erlebt habe, geht es doch nur um die Ausstellung der Medikamentenrezepte, und zwar möglichst immer die gleichen Rezepte. Da bräuchte ich doch keinen Menschen als Psychiater, ein Automat täte es sicher auch :unsure:

    Auf jeden Fall brauchen wir eine stärkere Lobby für uns selbst als Betroffene und nicht nur für die Pharmakonzerne, die immer nur ihren Profit maximieren wollen. Patientenwohl vor Profite, dafür setze ich mich ein.

    LG,
    Mowa

    #160392

    Hallo mowa.

    Ich erlebe eine freundliche soziale Einbindung als sehr hilfreich und zielführend auf dem Weg zur Genesung.

    Es gab hier vor Corona Beschäftigungsangebote (vom Ehrenamt bishin zu organisierten Kursen) und soziale Treffpunkte mit Angeboten wie Frühstücken, Kaffee trinken oder Spielen. Das alles eingebunden in einer gemischten Wohnform. Organisiert und getragen wurde das von sozialen oder halb öffentlichen Trägern.

    Mit dieser Art der Unterstützung hatte ich an meine Krankenkasse gar keine weiteren Ansprüche. Außer vielleicht umfangreicheres Informationsmaterial über meine Erkrankung.

    Allerdings ist das in dieser Form wohl auch nicht überall zu finden. Da bleibt die Frage, ob in diesen Fällen die Krankenkasse mit Angeboten einspringen sollte oder der Betroffene sein Lebensumfeld entsprechend anpasst.

    Ein weiterer Kritikpunkt wäre vielleicht auch, dass solche zentralen Adressen einer Stigmatisierung dienen können. Wobei ich sagen muss, dass unser Quartier hier im Viertel zwar beobachtet, aber nicht verschrien wird.

    Ich persönlich sehe die Krankenkassen eher als Verwalter und Finanzierer von Hilfeleistungen und nicht als Dienstleistungserbringer.

    #160450

    Hallo rebus,

    erstmal Danke für Deine Rückmeldung. Es ist gut, dass Du Dich gut versorgt fühlst ohne zusätzliche Angebote Deiner Krankenkasse.

    Ich persönlich sehe die Krankenkassen eher als Verwalter und Finanzierer von Hilfeleistungen und nicht als Dienstleistungserbringer.

    Was ich nicht verstehe, was verstehen wir unter Hilfeleistungen und was unter Dienstleistungen?

    Für mich ist auch die Frage, was die Rolle einer (gesetzlichen) Krankenkasse ist. Wenn ich die Wiki-Artikel überfliege, dann

    Die Krankenkassen als Körperschaften des öffentlichen Rechts und als Teil des Gesundheits- und Sozialversicherungssystems in Deutschland sind zu unterscheiden von den Krankenversicherungen als privatwirtschaftliche Unternehmen.(…)

    Das Gesundheitssystem[1] bzw. Gesundheitswesen[2] umfasst alle Personen, Organisationen, Einrichtungen, Regelungen und Prozesse, deren Aufgabe die Förderung und Erhaltung der Gesundheit sowie deren Sicherung durch Prävention und Behandlung von Krankheiten und Verletzungen ist. (…)

    Die Sozialversicherung ist ein Versicherungssystem, bei dem die versicherten Risiken (etwa Krankheit, Mutterschaft, Pflegebedürftigkeit, Arbeitsunfall, Berufskrankheit, Arbeitslosigkeit, Erwerbsminderung, Alter und Tod) gemeinsam von allen Versicherten getragen werden. (…)

    Das, was ich in meinem Eingangspost thematisiert habe, waren die beiden Angebote der TK (1) das „Netzwerk für psychische Gesundheit“ und (2) die „Besondere Versorgung“. In meinem Fall war es so, dass diese Angebote mir ermöglicht hatten, etwa alle 6 Wochen mit meinem Verhaltenstherapeuten bzw. meiner betreuenden Sozialpädagogin Gespräche zu führen.

    Und beide Angebote werden bald wegfallen. Dadurch kann ich wie oben beschrieben „nur noch“ mit meinem Psychiater solche regelmäßige Gespräche führen.

    Das Ziel der TK war, die Behandlungskosten insgesamt zu senken. Sicher auch ihrer grundsätzlichen Aufgabe nachzukommen, die Gesundheit der Betroffenen zu fördern, zu erhalten und durch Prävention und Behandlung zu sichern.

    Ich kann mich nur wiederholen, dass die Kürzung dieser (Hilfe-, Dienst-, oder was auch immer) Leistungen der TK kurzsichtig ist. Was die Behandlungskosten wirklich senken, weil es den Betroffenen wirklich hilft, sind nicht-medikamentöse Maßnahmen der Rehabilitation und der Inklusion, wodurch die individuellen, sozialen Netzwerke gestärkt würden (auch aber nicht nur mit Betroffenen).

    Psychopharmaka und Klinikaufenthalte können unsere Gesundheit nur unterstützen. Es kann doch nicht sein, dass wir unser Leben nach der Medikamenteneinnahme ausrichten. Aber solange wir keine Alternativen haben und solange der Besuch des Psychiaters die vorrangige Präventions- und Behandlungsmaßnahme bleibt, wobei viele Betroffene nur ihre Medikamentenrezepte abholen, können wir auch nicht ernsthaft über die Maßnahmen zur Inklusion und Rehabilitation sprechen :unsure:

    LG,
    Mowa

    #160484

    Ich glaube aber, diverse Therapien, wie zB. Soziotherapie, die genau das zum Ziel hat was Du ansprichst, liebe @Mowa, werden auch weiterhin von allen Krankenkassen übernommen.

    Beim sozialpsychiatrischen Dienst kann man bei Bedarf regelmäßige Gespräche mit Sozialpädagogen bekommen. Auch dieser ist nicht an eine einzelne Krankenkasse gebunden.

    Grüßle von Molly

    400mg Amisulprid 1-0-0-0

    Blutdrucksenker: 4mg Doxagamma 1-0-1-0, 5mg Ramipril 1-0-1-0, 25 mg HCT als Diuretikum 1-0-0-0

    #160561

    diverse Therapien, wie zB. Soziotherapie, die genau das zum Ziel hat was Du ansprichst, liebe Mowa, werden auch weiterhin von allen Krankenkassen übernommen.

    Das sehe ich nicht so.

    Z.B. bei Soziotherapie kann ich mich fragen, worum es da geht:

    Sie sollen in die Lage versetzt werden, medizinische Behandlungen selbstständig zu nutzen und auch zu akzeptieren.

    Für mich lesen sich diese Zeilen so, dass Betroffene, die nicht in der Lage sind Psychopharmaka wie vom Arzt verordnet einzunehmen und mehrfach in die Klinik eingewiesen werden („psychisch schwer und chronisch krank“), dazu gebracht werden sollen sich zu bessern, indem sie der ärztlichen Verordnung folgen und Psychopharmaka kontinuierlich einnehmen.

    Es kann doch nicht sein, dass eine Behandlung, die Schizophreniebetroffene medikamentös und innerlich neutralisieren, nachhaltig sein soll. Ursachenforschung und Fehleranalyse, die zur stetigen Verbesserung der Behandlungskonzepte im Sinne der Betroffenen führen, halte ich für kritisch. Es ist ja auch die Frage, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen. Ich fordere mehr Maßnahmen zur Rehabilitation und zur Inklusion und nicht die Kultur der Ausrangierung der Menschen mit (psychischen) Beeinträchtigungen, die ich aus meinem Blickwinkel alltäglich beobachte.

    Und wenn so viele Betroffene ihre Medikamente immer wieder absetzen, woran liegt das? Klar ist es schnell abgetan, wenn man uns Betroffenen Krankheitsuneinsichtigkeit, Unvernunft oder was auch immer vorwirft.

    Persönlich lautet meine Antwort ganz klar, dass ich möglichst viel am Leben teilhaben will und nicht dauerhaft wie innerlich tot sein will, die diese Psychopharmaka mit mir anstellen. Die minimalen effektiven Dosen, die laut der in den aktuellen Leitlinien zitierten Studien antipsychotisch wirken sollen, sind immer noch viel zu hoch für mich.

    Ich habe die ersten 6 Jahre nach der Ersterkrankung fast durchgängig 15 mg Aripiprazol eingenommen. Die einzigen Ausnahmen waren einmal als ich über 2 Wochen lang auf 20 mg erhöht habe, und in den letzten Monaten habe ich 10 mg eingenommen. Wenn ich mich nach den offiziellen Leitlinien vorbildhaft verhalte, genau wie in diesen 6 Jahren, dann wäre ich immer noch zufrieden mit meinem innerlich neutralisierten Zustand. Mag sein, dass das von der Ärzteschaft und der Gesellschaft erwünscht ist, aber ich wehre mich so vehement dagegen, wie es mir nur möglich ist.

    Was den sozialpsychiatrischen Dienst betrifft, habe ich nur eine einzige Erfahrung. 2016 habe ich mit meinem Mann (wir waren noch nicht verheiratet) ein Erstgespräch bei einem SPDi in meinem letzten Wohnort wahrgenommen. Wir haben unsere Situation geschildert und uns erkundigt, welche Unterstüzungsmöglichkeiten es für uns gibt. Lange sind wir da nicht geblieben, nachdem der Mitarbeiter uns mitgeteilt hat, dass es für uns keine Angebote gibt, weil es uns zu gut geht. Es hat keine Rolle gespielt, dass mein Mann in der Gesellschaft weder rehabilitiert noch inkludiert ist :unsure:

    Ich schreibe ja auch nicht, dass der SPDi generell nicht hilfreich wäre. Und doch gibt es offenbar noch viel zu wenige hilfreiche Maßnahmen zur Rehabilitation und zur Inklusion für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Meiner Meinung nach reicht es ganz und gar nicht aus, uns Betroffene im „Psychiatriekarussell“ festzuhalten, um die Wortwahl von Frau Wirtz zu zitieren, wenn ich das woanders im Forum richtig mitbekommen habe :unsure:

    #160655

     

    Ich bin nicht sicher, ob Du recht hast, liebe @Mowa.

    Ich profitiere auch von dem Netzwerk psychische Gesundheit der TK.

    Die drei Jahre Betreuung, die nach einem stationären Aufenthalt angeboten werden, laufen demnächst aus. Ich kann noch ein halbes Jahr verlängern.

    Die Sozialarbeiterin, welche mich betreut, gibt an, dass die poststationäre Betreuung weiterhin von der TK angeboten wird, allerdings längstens 3 Jahre ohne Verlängerbarkeit.

    Insofern gebe ich Dir recht, als ich auch sehr von diesem Angebot profitiert habe.

    lg, DiBa

    #160665

    Ich bin nicht sicher, ob Du recht hast,

    Hallo @DiBaDu, bin mir nicht sicher, worauf Du Dich hier beziehst.

    Ich nehme an, auf diese Aussage:

    Nun habe ich erfahren, dass es im Gespräch steht, dieses Angebot zum Ende des Jahres aufzukündigen. Für neue Betroffene gibt es dieses Angebot längst nicht mehr, und das laufende Angebot soll beendet werden.

    Ich würde mich freuen, wenn die TK weitere Jahre das Angebot „Netzwerk für psychische Gesundheit“ aufrechterhalten würde. Es kann sein, dass Deine Region von dieser eventuellen Leistungskürzung nicht betroffen ist.

    So, wie ich meine Betreuerin verstanden habe, gibt es dieses Angebot in meiner Stadt seit sieben Jahren. Und nicht alle Krankenkassen haben dieses Angebot. Insofern kann ich auch die TK loben, dass sie überhaupt ein solches Angebot befristet zur Verfügung gestellt haben.

    Dennoch bleibe ich bei meiner grundsätzlichen Forderung, dass hilfreiche Angebote nicht gekürzt werden sollten, sondern aufrechterhalten und ausgebaut. Ich wünsche mir, dass nicht nur einige wenige Krankenkassen dieses Angebot in den Leistungskatalog aufnehmen (und einige Jahre später wieder aus dem Leistungskatalog herausnehmen), sondern dass solche hilfreiche Angebote in die Regelversorgung bei allen gesetzlichen Krankenkassen übergehen.

    #160946

    Liebe @Mowa.

    Ich gebe Dir recht, dass das Programm eine feine Sache ist und weitergeführt werden sollte, nicht nur von der TK.

    #160947

    Danke @DiBaDu :good:

    #172514

    Ich war auch in dem Programm der TK und habe die (ausschleichende!) Entwicklung über die vier Jahre (zweimal verlängert) verfolgt! Echt schade! So ein Programm ist doch viel hilfreicher als ein Klinikaufenthalt und immer wieder neue und weitere Medikamente!

    Eigentlich würde ich selbst gern so arbeiten wollen und mich engagieren!

    Liebe Grüße

    escargot

    #172520

    Weiß jemand ob es so ein Programm auch von der AOK gibt?

    #172543

    Vor Jahren hatte ich mal eine Vertreterin der AOK Rheinland/ Hamburg in der Wohnung.

    Diese gab an, dass obige Versicherung es im Programm hätte ….

    Ob das heute noch so ist? Am besten erkundigst Du Dich, liebe @wachsmalbloeckchen.

    lg, DiBa

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