Harte Anteile der Schizophrenie?

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  • #17302

    Die Überschrift bedarf der Erklärung. Ich habe letztes Jahr zwei Bücher von Betroffenen gelesen und lese nun eines von einem Psychiater. Die Betroffenen erzählen die ganze Zeit davon, was sie sich alles zusammengesponnen hatten und was für verrückte Handlungen sie so ausführten. Auch der Psychiater berichtet selbstredend nur von Wahninhalten und geht im übrigen schnell darüber hinweg. In meinen akuten Phasen hatte ich bis auf einen hartnäckigen Liebeswahn kein Wahngebäude, sondern reagierte immer spontan auf irgendwelche Situationen, vor die mich Stimmen und Visionen und natürlich vor allem mein fabulierender Kopf stellten. Natürlich war ich auch am spinnen, ganz klar. Dennoch würde ich unterscheiden zwischen den Stimmen und Visionen, die durchaus konkret waren und von denen ich heute noch nicht glaube, dass sie nur in meinem Kopf entstanden sind und meinen verrückten Versuchen, mit der Situation zurecht zu kommen.
    Gab es bei euch auch Anteile in der Krankheit, von denen ihr behaupten würdet, dass sie nicht von euch stammten oder würdet ihr sagen, dass alles nur Ausgeburten eures Kopfes waren?

    #17307

    @ satorius,

    ich hab bis heute so ein ungutes Gefühl, das mich jemand beobachtet/abhört. Obwohl ich weiss das es quatsch ist. Ist so als wenn man kopfweh ganz ganz leicht ankommen merkt. Kann ich schlecht beschreiben. Aber glaub ich versteh Dich. Leider weiss ich auch nicht was man dagegen tun könnte, da ich schon ganz viel Medis nehme.

    Gruss :bye:


    https://butterflys-pearl-kalina.hpage.com/willkommen.html
    https://hamasi-ben-ihmz-achthamar.hpage.com/willkommen.html

    D / 49Jahre
    Quetiapin 200 +400 , Risperidon 2mg, Doxepin 2x 50mg,
    Ofiril 2x 150mg, Bedarf Lorazepam
    L-Thyroxin

    #17309
    Anonym

      Habe ich ähnlich, wie du es beschreibst, erlebt. Ich hatte massive, kontextbezogene optische Halluzinationen und habe versucht, dem einen Sinn zu geben.
      Inzwischen ist heraus, dass ich nicht an Schizophrenie leide, sondern an Dissoziation.

      #17313
      Anonym

        Meine einzige optische Halluzination war ziemlich krass. Hatte auch religiöse Elemente obwohl ich selbst ungläubig bin. Das lässt mich oft stutzen, ob es nicht doch was übernatürliches gibt

        #17315

        @Hazel Dissociation ist ja ein Symptom, was bei vielen psychischen Erkrankungen auftreten kann, oft auch bei Schizophrenie. Aber gut, wenn es “nur” Dissoziation ist und keine Schizo.


        @Sartorius
        ich habe während einer Psychose auch immer ganz schlimm Liebeswahn. Ich bin so froh, dass das durch die Medikamente weg ist.

        #17331
        Isa

          Ich denke immer, dass die Besucher von einem anderen Planeten kommen und nicht von mir. Meine Wahngebäude beruhten auf dem was sie sagten. Oder sagen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass mein beschränktes Gehirn sowas fabriziert. Das kann nur von außen kommen und wenn mein Psych 10 Mal was anderes sagt.

          #17340
          Anonym

            Wenn ich sämtliche Assoziationen in kurzer Zeit weitergebe, ist mein Gegenüber regelmäßig schnell erschöpft, sodass ich mich meist aufs Zuhören beschränke und meine Gedanken lieber notiere. Ich ergänze sie mit Tag, Uhrzeit und Notizen zu Gleichzeitigem, das mir wesentlich erscheint. Die machen für Dritte in der Regel keinen Sinn, helfen mir aber mich selbst noch besser zu verstehen und meiner Intention zu vertrauen. Die Zeit für diesen Rückzug ist mir heilig. Sonst kann ich den Anderen nicht resonant begleiten. Das Wichtigste beim Bewerten meiner Intention ist mir Bedürfnis und Schuldempfinden deutlich zu trennen um tatsächliche Pflichten von irrationalem Pflichtgefühl abzugrenzen, Prioritäten zu setzen und mich so zu organisieren. Dabei haben Rituale für mich einen hohen Stellenwert. So Buch, Kamillentee, Tagebuch, Meditation und Dehnungsübungen zum Einschlafen. Die meisten Anregungen dazu bekam ich von Pinterest und Bloglovin.

            #17349

            Na ja… die Stimmen empfinde ich als nicht zu mir gehörig, selbst wenn sie sich zusammen mit meiner eigenen Seele (Bewusstsein) in meinem Kopf befinden sollten. Sie sind eigene Identitäten, die alles was ich denke und tue und was sich um mich herum abspielt mitbekommen. Manchmal habe ich den Eindruck, sie wüssten auch Dinge, die ich nicht wissen kann. Ich weiß, dass sie da sind, auch wenn ich sie nicht reden höre. Ich habe keine Angst vor ihnen. Wird das was ich von ihnen höre zu massiv, ist es allerdings nicht mehr auszuhalten.


            Ursprüngliche Medikation:400 mg Amisulprid,12,5 mg HCT,10 mg Ramipril
            Ab 04.03.2024:500 mg Amisulprid,5 mg Olanzapin,12,5 mg HCT,10 mg Ramipril
            Ab 15.03.2024: 600 mg Amisulprid,12,5 mg HCT,10 mg Ramipril,4mg Doxagamma
            Ab 22.04.2024, statt 600 mg Amisulprid, 400 und 150 mg
            Ab 02.05. 6 mg Doxagamma und 25 mg HCT, 550 mg Amisulprid und 10 mg Ramipril
            Ab 12.05. nur noch 500 mg Amisulprid

            #17371
            Anonym

              Ein Meilenstein in meinem Krankheitsprozess war der, als mir klar wurde, dass das, was die Stimmen sagen gar nicht sein kann, und dass sie mich nur ‘verarschen’. Von da an, habe ich die Stimmen als etwas eigenes, abgespaltenes von mir empfunden und habe – egal, was sie mir erzählt haben – nichts mehr geglaubt.

              Die Krönung war, wie sie sich verabschiedet haben und mir mitteilten, dass ich bald keine Stimmen mehr hören werde. Ich dachte nur an Verarschung, aber es wurde danach deutlich besser und die Zeiten ohne Stimmen wurden länger und öfter.

              #17682

              Ich denke jetzt im gesunden Zustand schon auch, dass diese Realität nur eine Scheinwelt ist und mir vorgespielt wird. Ohne die Psychosen wüsste ich das nicht.

              #17724
              Anonym

                Ich sehe mich in meinem psychotischen Erleben etwas scheinbar sich sehr systematisch verhaltendem gegenüber. Ich glaube nicht daran, dass das erlebte seine Ursache in blosser Fehlfunktion oder gar den meiner Persönlichkeit eigenen Kapizitäten hat. Mit dem Erleben meine ich den Einfluss, den es auf mich zu haben scheint, etwa scheint es mich gezielt immer wieder in bestimmte mentale Positionen zu bringen. Und auch die Produktivsymptome wie Stimmen, Bildersehen etc. Was der Sinn des ganzen ist, warum es immerzu so verrückt und leidvoll ist, was es überhaupt ist – bleibt mir ein Mysterium. Aber ich glaube auch, dass das, was ich erlebe, abhängig sein kann von meiner gesamten Lebenssituation, Umfeld, inneren Einstellungen, dem Verhalten dem gegenüber etc. Vielleicht ist es einfach ein Teil der Software unseres Selbst.

                Das macht für mich allerdings auch was Religion oder Medikamente angeht keinen Unterschied. So lange ich diesem ungewollten Erleben ausgesetzt bin, sehe ich mich in der Position, alles sinnvolle zu tun zu versuchen um es aufzulösen oder zu schwächen. Ob man das ganze jetzt “Psychose” nennt – das habe ich einfach mal beschlossen, weil es nur den einzigen selbst wirklich erkennbaren Fakt benennt, die Veränderung des Geistes – oder ob man das sonstwie nennt ist mir mittlerweile mehr oder weniger egal.

                #17844

                Ich kann nur für mich sprechen, aber es gibt schon Merkwürdigkeiten. Wenn ich nicht psychotisch geworden wäre, hätte ich mich wahrscheinlich nie mit grenzwissenschaftlichen Dingen beschäftigt. Ich habe festgestellt, das hinter manchen Dingen doch mehr steckt, als es scheint. Bei meinen Psychosen hatte ich übrigens auch manchmal das Gefühl, das meine Stimmen (die zum Glück nur selten auftreten) mehr wussten als ich selbst. Ich war meistens knapp bei Kasse und einmal meinte eine Stimme, das Geld auf meinem Konto eingegangen wäre. Das hatte ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht erwartet. Auch hatte ich manchmal das Gefühl, die Stimmen hätten Zugang zu Erinnerungen, auf die ich sozusagen als Selbstschutz keinen Zugriff hatte. Aber man sollte keinesfalls auf Stimmen eingehen, das ist meine Erfahrung, andere haben da vielleicht positivere Erfahrungen gemacht.

                • Diese Antwort wurde geändert vor 5 Jahre, 4 Monate von Digger22.
                #17883

                Es ist wirklich am Besten, man ignoriert sie. Sonst werden sie immer aktiver.


                Ursprüngliche Medikation:400 mg Amisulprid,12,5 mg HCT,10 mg Ramipril
                Ab 04.03.2024:500 mg Amisulprid,5 mg Olanzapin,12,5 mg HCT,10 mg Ramipril
                Ab 15.03.2024: 600 mg Amisulprid,12,5 mg HCT,10 mg Ramipril,4mg Doxagamma
                Ab 22.04.2024, statt 600 mg Amisulprid, 400 und 150 mg
                Ab 02.05. 6 mg Doxagamma und 25 mg HCT, 550 mg Amisulprid und 10 mg Ramipril
                Ab 12.05. nur noch 500 mg Amisulprid

                #91657

                Wow , was für eine Erfahrung das sein muss …

                #91662
                Anonym

                  Die Überschrift bedarf der Erklärung. Ich habe letztes Jahr zwei Bücher von Betroffenen gelesen und lese nun eines von einem Psychiater. Die Betroffenen erzählen die ganze Zeit davon, was sie sich alles zusammengesponnen hatten und was für verrückte Handlungen sie so ausführten. Auch der Psychiater berichtet selbstredend nur von Wahninhalten und geht im übrigen schnell darüber hinweg. In meinen akuten Phasen hatte ich bis auf einen hartnäckigen Liebeswahn kein Wahngebäude, sondern reagierte immer spontan auf irgendwelche Situationen, vor die mich Stimmen und Visionen und natürlich vor allem mein fabulierender Kopf stellten. Natürlich war ich auch am spinnen, ganz klar. Dennoch würde ich unterscheiden zwischen den Stimmen und Visionen, die durchaus konkret waren und von denen ich heute noch nicht glaube, dass sie nur in meinem Kopf entstanden sind und meinen verrückten Versuchen, mit der Situation zurecht zu kommen. Gab es bei euch auch Anteile in der Krankheit, von denen ihr behaupten würdet, dass sie nicht von euch stammten oder würdet ihr sagen, dass alles nur Ausgeburten eures Kopfes waren?

                  Da das Leben und das Universum für mich einfach nicht ganz hundert Prozent erforscht und erklärbar sind habe ich schon so eine Art metaphysisches Syndrom hin und wieder, man könnte es auch als Gott beschreiben. Wobei mir der alte Mann mit Rauschebart irgendwie nicht als Gott vorstellbar ist. Ich bin überhaupt etwas spirituell angehaucht manchmal, wobei mir die Philosophen mehr geben können als die Religionen. Manche Erlebnisse scheinen irgendwie verzaubert, wobei das ganze eben auch recht spannend sein kann.

                  Also um die Frage zu beantworten, ja, es gab Erlebnisse die mehr sein könnten als Ausgeburten meines Kopfes. Aber ich kann das trotzdem nicht wirklich felsenfest behaupten, aber es gibt bestimmt mehr als wir wissen.

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