Was ist normal? Was ist eine Störung?

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  • #239312

    Zum Thema “Normalität” und “Störung” können wir hier gerne auch Informationen aus der Forschung sammeln.

    Vielleicht als Eingangspost, eben habe ich dieses Interview auf Democracy Now! gesehen und fand es sehr gut. Ich stimme zu, was Dr. Maté sagt!

    “Der Mythos des Normalen”: Dr. Gabor Maté über Trauma, Krankheit und Heilung in einer toxischen Kultur

    (…) Die Normalität, aus der wir kamen, war aus meiner Sicht bereits eine toxische Normalität. Wir wollen nicht dorthin zurückkehren, denn ich behaupte in diesem Buch, dass das, was wir in dieser Gesellschaft als normal ansehen, in Wirklichkeit weder natürlich noch gesund ist, und dass es sogar eine Ursache für viele menschliche Pathologien ist, sowohl für psychische als auch physische. Und tatsächlich sind die Pathologien der Menschen, das, was wir als Abnormitäten bezeichnen, ob es sich nun um psychische oder physische Krankheiten handelt, eigentlich normale Reaktionen auf eine abnormale Kultur. (…)

    Quelle: https://www.democracynow.org/2022/9/16/myth_normal_gabor_mate_trauma_mental

    #239315

    Schönes Thema Mowa.

    Ich denke immer im ICD 10 war die Trauerreaktion wenn ein naher Angehöriger verstirbt. Ich glaube 2 Wochen?

    Dann litt man an depression. Jemand der sein Kind verliert. Muss das in 2! Wochen verdaut haben und “normal” funktionieren. Im ICD 11 ist das anders, aber es wird eine Zeit vorgeschrieben?! (6monate lt. Wikipedia)

    Krank oder?

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 6 Monate von Ladybird.
    #239327

    Sorry Mowa. Bin kein Wissenschaftler.

    #239334

    Eine Idee, die von mir stammt, ist, dass die Bezeichnungen “normal” und “Störung”, künstlich sind. Wir sind stufenlos so oder so, wir sind das auch ohne dazugetane Bezeichnungen. Ist die Frage, inwiefern solche Bezeichnungen vielleicht trotzdem Sinn machen oder eben auch nicht.


    Was sind Gedichte anderes
    als eine Operation am offenen Herzen?
    Vor aller Augen
    Und es ist dein eigenes Herz.
    „Eingriff“, Dilek Mayatürk-Yüzel

    #239336

    Zu Dr. Maté, dem ich auch soweit zustimme, ein weiteres Zitat: “Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein”. Das ist von Jiddu Krishnamurti.


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    #239337

    Liebe @Ladybird, danke für Dein Interesse! Mal gucken, wie sich der Thread noch entwickelt :-)

    Ich denke oft, dass der wissenschaftliche Ansatz, Antworten auf Fragen zu finden, auch in alltäglichen Situationen sehr hilfreich sein kann. Was mich betrifft, bilde ich mir auch nicht ein, eine Wissenschaftlerin zu sein, nur weil ich auf dem Papier qualifiziert bin ;-)

    #239343

    Ich denke auch @Manon, wenn wir sichtbar machen könnten, was jemals in der Menschheitsgeschichte schon gedacht und gefühlt wurde, dass wir ein immenses und doch endliches Netzwerk von Informationen hätten. Menschen können ja erstaunlich ähnlich denken und fühlen.

    #239346
    Anonym

      Normal ist das wie sich die Mehrzahl einer Kulturgruppe verhält und welches Verhalten sie gutiert !

      Besonders möchte ich erwähnen, dass der Suzid in der japan. Kultur anders betrachtet wird als z.Bsp. in westl. Kulturgebieten. Auch der Ehrenmord wird in der islam. Kultur anders gehandhabt wie in der westl. Kultur. Hingegen sind die Frauenrechte in der westl. Kultur fest verankert, was in anderen Kulturen noch immer fehlt etc..

      Man kann also Normalität nur in einer ganz bestimmten Kulturgruppe definieren ! Daraus ergibt sich dass es eine globale Normalität nicht gibt !

      #239351

      Es gibt Strukturen bzw. Sachen, welche Überlebensnotwendig sind.

      Beziehungsweise, dass für eine Verfügbarkeit gesorgt wird.

      In meiner Schizophrenie hätte ich ohne diese Strukturen und diese Verfügbarkeit nicht überlebt.

      Von daher finde ich es riskant die Gesellschaft als kränklich und unsere Reaktion als normal darzustellen, und uns so eine Normalität oder Rechtfertigung vorzugaukeln.

      Es kann auch einfach das Leben an sich sein, was eine derartige Reaktion hervorruft.

      Ganz abgesehen von Gesellschaft oder Struktur.

      Einfaches Beispiel: Du liebst jemanden, der dich nicht liebt. Oder dich nicht mehr liebt.

      Da gibt es kein Gesetz und keine Gesellschaftsstruktur für um das zu verhindern.

      Genauso wie der Tod.

      Beides kommt im Leben vor und löst unter Umständen krankmachende Reaktionen aus.

       

      Über Diskussionen über andere Formen des Zusammenlebens bzw. einer modifizierung/Verbesserung von Strukturen bin ich jedoch offen. Auch Aufklärung und Verständnis für Minderheiten in einer Gesellschaft sind wie ich finde wichtig.


      Waypoint reached … Autopilot disabled

      • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 6 Monate von rebus.
      • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 6 Monate von rebus.
      #239357

      Liebe @Mowa, da bin ich mir gar nicht sicher, dass das ein endliches Wissen wäre. Salman Rushdie: “Hyperrealism can create an atmosphere of surrealism because nobody sees the world in such detail.” Es gibt sicher Menschen, die weiter aufgefächert denken, als andere. Ob es unendlich aufgefächert werden kann, weiß ich nicht. Ich würde es aber gar nicht als unmöglich erachten.

      Ist in jeden Fall eine sehr spannende Überlegung auch mit den “Infos” (mal gedacht/ gefühlt …) aus der Menschheitsgeschichte. Vielleicht haben wir in unseren Hirnen tatsächlich einen aus der Evolution gemachten Fundus. Viele meiner Halluzinationen aus den Symptomzeiten wären damit überhaupt erst erklärbar gemacht.


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      „Eingriff“, Dilek Mayatürk-Yüzel

      #239358

      Ich denke, wenn wir etwas denken, dann eher von Unteilbarem aus. Ich bin mir aber nicht sicher.

      Edit: Vielleicht ist das Denken eher in Bits, das Fühlen jedoch unendlich? Auch wenn wir einen evolutionären Fundus an Infos im Hirn hätten, und dieser endlich wäre, könnten wir ihn eventuell unendlich erfühlen? Oder auch erdenken? Wobei wir dann ja etwas hinzufügen würden, woher käme das? Etwas endliches unendlich machen, wie ginge das?


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      • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 6 Monate von manon.
      • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 6 Monate von manon.
      #239361

      In jedem Fall, auch wenn wir ins Unendliche aufgefächert denken könnten, wäre es noch einmal die Frage mit der Weitergabe der Infos an andere Organismen. Ob es das dann auch noch sein könnte … ;)

      EDIT Ich schrieb ja eingangs von einem stufenlos. Das kann a) meine Sicht auf mich selbst sein, b) könnte es aber auch die Sicht einer anderen Person auf mich sein. Wann ist da nun was wirklich stufenlos, unendlich, oder ist es das nie?!


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      • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 6 Monate von manon.
      #239376
      Anonym

        Also für meine Mutter waren alle anderen vor allem ich gstört im Dialekt. Sie hat mir das so oft mitgeteilt im pschokrieg das es für mich heavy war als ich nach meinem Suizid versuch in die geschlosse kam 1988. Nicht schön.

        Dabei war meine Mutter selbst schizophrenie erkrankt nur lief sie ohne Diagnose und daher Hilfe durchs Leben.

        Hatte prekäre Nachteile für uns Kinder.

        Daher bin ich sehr dankbar das ich zumeist krankheitseinsichtigt bin und mir helfen lasse.

        #239388

        ob es sich nun um psychische oder physische Krankheiten handelt, eigentlich normale Reaktionen auf eine abnormale Kultur.

        Das hört sich für mich danach an, dass wir nur eine normale Kultur leben müssten, was immer das sein mag, und es gäbe keine Schizophrenie mehr. Das halte ich für naiv oder gefährlich. In jeder Kultur gibt es Schizophreniekranke. Die Krankheit auf die Gesellschaft zu schieben, entlastet den Kranken scheinbar erst einmal. Er muss dann aber nicht selbst an seiner Krankheit arbeiten, da ja die Gesellschaft schuld ist und er erst gesund wird, wenn es keine „abnormale Kultur“ mehr gibt. Er wird also nie gesund.

        • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 6 Monate von Hanseatic.
        #239394

        Die Welt da draußen würde ich jetzt aber nicht als “gesund” ansehen @Hanseatic. Und sicher ist sie Nährboden für Vieles. Ich vertrete die Auffassung von Vulnerabilität plus Umwelteinflüsse, die zur Psychose führen. Die Umwelteinflüsse sind oftmals eher im eigenen Umfeld denn der ganzen Welt zu suchen, doch die eigenen Umfelder sind von der Welt geprägt, denke ich, und machen dich eben krank, wenn dann, so wie ich’s sehe, eben noch die Vulnerabilität hinzukommt, die, für sich genommen, auch was Gutes sein kann, man ist sensibel, das ist ja was Gutes, nicht?! Erst im Zusammenspiel mit der kranken. Welt. Kommt es zur Psychose als ein Beispiel.

        Leute, die in unserer Welt zu Gewinnern gehören, sind in meinen Augen die an diese Welt angepassten. Und eben nicht gesund dann!


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