Notizen von Mowa – Teil 2

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  • Dieses Thema hat 1651 Antworten sowie 56 Teilnehmer und wurde zuletzt vor vor 3 Jahren von Mowa aktualisiert.
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  • #210641

    Sprich, wir müssen so früh wie möglich erkennen, dass wir Wahrnehmungs- und Verarbeitungsveränderungen haben und unsere Verhalten bewusst und aktiv so anpassen, dass diese Veränderungen ohne zusätzliche Medikamente sich zurückbilden.

    Meine Meinung dazu: Die Medikamente können einen Nutzen haben, aber der sollte sorgfältig gegen die zu befürchtenden schädlichen Auswirkungen abgewogen werden. Der Beipackzettel, der die Nebenwirkungen auflistet, wird nicht ohne Grund mitgeliefert und sollte auch mal gelesen werden. Dann kommt es noch auf die Dosierung an. Eine Überdosierung sollte vermieden werden und erst recht eine Dosis, die mehrfach über dem Benötigten liegt. Die nichtmedikamentösen Strategien sollten eigentlich selbstverständlich auch gefördert werden!

    An welcher Betroffenenbewegung bist du denn jetzt genau beteiligt?

    Dir und deinem Mann ein gutes Wochenende :bye:

    #210770

    Insgesamt fand ich die Vormittagsveranstaltung informativ und spannend. Vermisst habe ich die Perspektive der Künstler*innen selbst, denn es wurde über ihre Werke vorgetragen aber nicht mit ihnen (d.h. stellvertretend mit heute lebenden Künstler*innen) gesprochen. Stattdessen war die ärztlich-therapeutische Perspektive dominierend, so habe ich es zumindest empfunden.


    Paul Goesch (1885 – 1940) „Drei Schweine“, 1919. Copyright: Universitätsklinikum Heidelberg, Sammlung Prinzhorn


    Josef Forster (1878 – 1949) „Mann ohne Schwerkraft“, vor 1920. Copyright: Universitätsklinikum Heidelberg, Sammlung Prinzhorn

    #210898

    Danke Dopplereffekt.

    Die nichtmedikamentösen Strategien sollten eigentlich selbstverständlich auch gefördert werden!

    Der springende Punkt für mich ist, dass es nicht nur von den Medikamenten oder vom Glück abhängt, ob und wie viel Symptome wir bekommen, sondern dass es möglich ist, mit aktivem Training (= nichtmedikamentöse Strategien) Symptome unter Kontrolle zu bringen.

    Der entscheidende Moment ist, wenn wir anfangen Frühsymptome früh zu erkennen. Was für mich dabei sehr gut funktioniert ist der „redundante mentale Filter“, den ich im Forum schon einige Male beschrieben habe:

    ich weiß nicht, wie „Metakognition“ in Detail definiert ist, aber wenn wir „Kognition“ mit „Informationsverarbeitung“ übersetzen, dann bedeutet sie ja erstmal „Informationsverarbeitung über der Informationsverarbeitung“.

    Was ich vermute, was Metakognition ist und mir jedenfalls sehr gut hilft um dauerhaft seelisch stabil zu bleiben: Ich mache mir meine momentanen Vorgänge im Kopf (Gedanken, Gefühle) und den Kontext, in dem diese Vorgänge stattgefunden haben, bewusst. Dadurch grenze ich die Vorgänge und den Kontext für mich innerlich ein, das gibt mir Sicherheit, und ich kann das Bewusstgewordene loslassen.

    Z.B. wenn ich zu Hause am Arbeitstisch plötzlich einen lauten Knall höre und fühle dann für einen kurzen Augenblick Angst, dann halte ich diese Vorgänge kurz inne und fasse gedanklich zusammen, was passiert ist: Der Knall kam plötzlich, offenbar war die Quelle die benachbarte Baustelle. Es ist OK, dass ich kurz ängstlich wurde und es jetzt nicht mehr bin, denn es geht keine weitere Gefahr von der Baustelle aus.

    So eine Metakognitions(?)übung kann sehr schnell in einem Augenblick abgeschlossen sein. Ich übe das schon seit einigen Jahren, und inzwischen passiert das meistens fast unbewusst. Dadurch habe ich mir so etwas wie einen „redundanten mentalen Filter“ installiert, zusätzlich zum „Hauptfilter“, den jeder Mensch hat und der bei mir störanfällig sein kann.

    Meine Erfahrung ist auch, dass ich zuerst zwei Rückfälle benötigte um zu wissen, wie sich bei mir die Psychosen anbahnen und was in meinem Kopf vorgeht, bis ich „knallsychotisch“ werde und mich schließlich mit Medikamenten wieder beruhige.

    Daher auch meine Forderung, bei Reduktions- und Absetzversuchen ärztlich begleitet zu werden, bei Bedarf auch stationär.

    Zum Glück war mein Mann, der selbst ganz alleine und ohne Ärzte und Therapeuten sich von den Neuroleptika befreit hat, zu Hause für mich da. Wir leben seit 5,5 Jahren zusammen, und bis ich mir alleine über meine (Früh-) Symptome bewusst machen konnte, hat er mich in den ersten 3, 4 Jahren(!) immer wieder darauf hingewiesen, als ich mich anders verhalten habe als sonst (hyperaktiv, hypomanisch etc.)

    Für meinen Mann, der bald im 13. Jahr medikamentenfrei lebt, war das alte KNS-Forum nicht immer einfach. Kaum ein Forenuser hat ihn ernst genommen, als er immer wieder versuchte, seinen persönlichen Weg der Medikamentenfreiheit zu beschreiben. Bis er sich aus dem Forum verabschiedet hat und auch nicht am neuen Forum teilnimmt, zumindest bis heute.

    Ich erinnere mich, im alten KNS-Forum wurde der User Maggi gemobbt, sicher aus unterschiedlichen Gründen aber u.a. deswegen, weil er behauptete mit 5 mg Aripiprazol zurechtzukommen. Inzwischen ist es wesentlich akzeptierter und nicht so strittig, dass 5 mg Aripiprazol sehr wohl ausreichen können.

    Auch in der S3-Leitlinie Schizophrenie von 2019 wurde erstmalig die „niedrigst mögliche Dosierung“ in Kapitel 5.5 erwähnt, genauso wie „Lebensqualität“ in Kapitel 5.13.

    Und es gibt immer mehr Menschen, die öffentlich ihr Interesse daran zeigen, Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen abzubauen, und das nicht nur aus dem Kreise der Betroffenen.

    In der diesjährigen Sensibilisierungswoche für psychische Gesundheit (Mental Health Awareness Week, MHAW), die ich mitorganisiere, werden wir eine öffentliche Podiumsdiskussion veranstalten, die genau den Stigmaabbau zum Thema hat. So wie es im Moment aussieht, wird meine Forschungsorganisation an der öffentlichen Podiumsdiskussion sich beteiligen.

    Und für mich ist das ein Riesenfortschritt im Vergleich zu den beiden Vorjahren! Es ist insgesamt so, dass ich beobachten kann, dass es immer mehr Unterstützer*innen dafür gibt, um psychische Gesundheitsprobleme öffentlich anzusprechen und über den Umgang damit in konstruktiven Dialog zu treten.

    Für mich sind alle Betroffenen, die die Verbesserung ihres Betroffenendaseins anstreben, der Betroffenenbewegung zugehörig, auch wenn sie noch kaum untereinander organisiert sind. Und ich sehe mich da mittendrin, Dopplereffekt :-)

    Für mich ist dieses Forum ein Ort der Dokumentation und des Austauschs mit Mitbetroffenen. Ich teile gerne meine Informationen öffentlich, um auch zu zeigen, dass das Betroffenendasein nicht nur Ausgrenzung und Stummschaltung bedeutet.

    #210900

    Liebe @Mowa

    Was du beschreibst wie du mit deinen Frühsymptomen umgehst,genau die Vorgehensweise habe ich in der Psychotherapie gelernt.

    Mich immer wieder Rückversicherung.. falls ich wieder mal schräge Gedankengänge hatte.

    Du hast das sehr schön beschrieben,danke

     

    #210905

    Ich mache mir meine momentanen Vorgänge im Kopf (Gedanken, Gefühle) und den Kontext, in dem diese Vorgänge stattgefunden haben, bewusst. Dadurch grenze ich die Vorgänge und den Kontext für mich innerlich ein, das gibt mir Sicherheit, und ich kann das Bewusstgewordene loslassen.

    Ja, so mache ich es im Prinzip auch. Es kommt darauf an, was der Gedanke mit mir macht, wie ich mich dadurch fühle und noch etwas, wo er herkommen könnte. Die Frage ist auch, wie schlecht ich mich dabei fühle oder wie bedrohlich er wirkt. Manchmal ist es besser, es einfach zu ignorieren, manchmal mache ich lieber eine Pause oder einen Ruhetag (oder mehr) oder nehme etwas Bedarfsmedikation. Natürlich gibt es noch mehr Handlungsmöglichkeiten. Wichtig ist für mich, dass ich Handlungsmöglichkeiten und Strategien habe und den Gedanken eben nicht hilflos ausgeliefert bin. Ich habe schon überlegt, ob ich für mich für die Fragen Skalen von 1-10 o.ä. einführen sollte, damit ich schneller weiß, was zu tun ist, andererseits ist eh immer viel Fingerspitzengefühl dabei. Hilfreich finde ich auch die „gelbe Karte“ (https://clinical-neuropsychology.de/mkt_psychose_manual_deutsch/?file=files/medien/nextcloud-files/ALL_MCT_Psychosis/rote_gelbe_Karte.pdf&cid=3003 ). Ich finde die sollte am besten jeder dabei haben (also auch „Nichtbetroffene“).

    Der Grund für manche Gedanken, die mir Probleme machen ist eigentlich auch, dass ich mir Sorgen um Dinge mache. Also, zum Beispiel will ich, dass anderen und mir nichts Schlimmes passiert. Somit ist der Hintergrund eigentlich ganz normal, nur dass ich es eben gedanklich übertreibe und dabei irrelevante Dinge berücksichtige.

    Und dann gibt es natürlich auch noch ganz viele gute Gedanken. Dessen will ich mir auch bewusst sein :-) .

    Nach deiner Definition bin ich ja auch schon Teil der Betroffenenbewegung :yahoo: .

    #211021

    Dankeschön Oceana und Dopplereffekt :-)

    Der springende Punkt für mich ist, dass es nicht nur von den Medikamenten oder vom Glück abhängt, ob und wie viel Symptome wir bekommen, sondern dass es möglich ist, mit aktivem Training (= nichtmedikamentöse Strategien) Symptome unter Kontrolle zu bringen.

    Genau, das „aktive Training“, das ich meine, ist kein Hexenwerk, und es gibt dieses bestimmt in verschiedenen Ausprägungen.

    Nur, auch wenn Psychoedukation und Metakognitives Training zur stationären Therapie gehören, werden sie viel zu wenig von den Patienten außerhalb ihres stationären Aufenthaltes praktiziert, finde ich.

    Wenn Psychoedukation und Metakognitives Training im Rahmen einer postklinischen Psychotherapie oder psychiatrischen Behandlung solange geübt werden könnten, bis die Patienten es ohne Hilfe selbstständig praktizieren können, könnte das für die Wirksamkeit von nichtmedikamentösen Therapien einen großen Unterschied machen.

    Dabei sollten die Patienten nicht mit Psychopharmaka überdosiert bleiben, wie es üblich ist, denn dadurch geht der Antrieb und die Lernbereitschaft verloren.

    Es wäre zuerst notwendig, dass Psychaiter darauf sensibilisiert werden, dass ihre Patienten nicht immer die antipsychotische Dosierung benötigen um stabil zu bleiben. Im Gegenteil, diese Dosierung kann den Patienten schaden, indem sie die natürliche Lebendigkeit und die natürliche geistige Aktivität vernichtet.

    Natürlich wird es nicht so sein, dass dieses „aktive Training“ bei jedem Psychosepatienten gleichermaßen gut hilft. Wenn Psychosen z.B. durch traumatische Erfahrungen/Erinnerungen ausgelöst werden, dann hilft es sicher nicht, „nur“ die Psychosen zu behandeln, die dann „nur“ die Spitze des Eisbergs wären.

    #211022

    Nach deiner Definition bin ich ja auch schon Teil der Betroffenenbewegung :yahoo: .

    Na klar, das sehe ich ganz genau so @Dopplereffekt :good:

    #211131

    Nur, auch wenn Psychoedukation und Metakognitives Training zur stationären Therapie gehören, werden sie viel zu wenig von den Patienten außerhalb ihres stationären Aufenthaltes praktiziert, finde ich.

    Genau, insgesamt finde ich die nichtmedikamentösen Therapien, die ich in der Klinik erhalten habe, alle hilfreich. Und allesamt werden sie zu wenig von Psychosepatienten außerhalb der Klinik praktiziert, meiner Beobachtung nach. Manche Patienten schaffen ja nur noch ihre Medikamente zu nehmen.

    Die meisten Psychiater fragen ihre Patienten sicher immer nach den Rezepten für Medikamente, und sicher kaum, wie gut sie die nichtmedikamentösen Therapien, die sie noch in der Klinik erhalten haben, zu Hause umsetzen können. Diese Psychiater fragen sich sicher auch kaum, ob ihre Patienten zu viel Medikamente nehmen und gerade *das* das Problem sein könnte, dass ihre Patienten kaum Antrieb haben, um nichtmedikamentöse Therapien umzusetzen.

    Ich finde, es wird zu schnell und zu oft von den allermeisten Psychiatern behauptet, anders ginge es gar nicht, denn es ist die Negativsymptomatik der Schizophrenie, und Schizophrenie ist biologisch bedingt. Ich kenne solche Aussagen von meinen bisherigen Psychiatern, und mein Mann hat es auch so gesagt bekommen, bis er sich davon selbst losgelöst hat.

    Es kann sein, dass es heutzutage wesentlich mehr Arzt-Patient-Augenhöhe gibt als noch vor 20 Jahren. Und doch sehe ich da noch sehr viel Luft nach oben. Es wäre wünschenswert, dass viel mehr Psychiater ihren Patienten aufmerksamer zuhören und ihre Behandlung immer wieder hinterfragen.

    #211132

    Genau ,da stimme ich mit dir überein.

    Die Nachsorge besteht aus Ergotherapie,ist zwar notwendig,aber es gibt keine Aufklärung über Frühwarnsymptome und der Umgang damit,vlt. Auch mit wirklich interessierten Angehörigen

    Aber viele Pat.  Sind auch durch die Medis

    Nicht in der Lage die Krankheit überhaupt anzunehmen.

    Ein Teufelskreis…
    <p style=“text-align: right;“></p>

    #211134


    Gestern, als der Tag wieder frühlingshaft warm wurde, habe ich wieder Wildbienen am Insektenhotel beobachtet.

    In den letzten 2 Wochen, als es teilweise frostig war, habe ich keine fliegenden Insekten beobachtet, so dass ich dachte, dass die Wildbienen durch die Kälte vielleicht gestorben sind. Lange leben sie nicht, 1 bis 2 Monate laut der Infos im Internet.

    Und ich glaube, es sind dieselben Gehörnten Mauerbienen, die immer noch an ihren Nestern bauen. Jedenfalls ist inzwischen das 3. Bambusröhrchen verschlossen, was ich erst heute bemerkt habe.

    Oben im Bild ist eine andere Art Wildbiene zu sehen, und ich habe gestern eine Weile gerätselt, welche Art das sein könnte. Die Biene ist insgesamt kräftig behaart, hat ausgeprägte Hörner und der Hinterleib ist dunkel gefärbt bzw. schwarz. Die Beine sind auch schwarz und nicht stark behaart.

    Jetzt tippe ich auf ein Waldpelzbiene-Männchen aber sicher bin ich mir nicht:

    #211135

    Danke @Oceana und guten Morgen bzw. gute Nacht, je nachdem :-)

    Edit:

    Ein Teufelskreis…

    Das sehe ich auch so :good:

    • Diese Antwort wurde vor 3 Jahren, 10 Monate von Mowa geändert.
    #211139

    Mein Schwager hat auch ein Insektenhotel

    Ich sitze dort oft auf dem Balkon und beobachte die Bienen und Hummeln.

    Muss auch mal darauf achten ob die Waldpelzbiene auch dabei ist.

    Ich mache demnächst auch mal ein Foto

    #211140

    Ich mache demnächst auch mal ein Foto

    Klingt gut @Oceana, das würde mich freuen!

    Gestern habe ich auch die kostenlose App BienABest auf meinem Handy installiert:
    https://www.bienabest.de/bienabest

    Laut der App gibt es fast 600 Wildbienenarten in Deutschland, und die App selbst erfasst bislang die 100 häufigsten Arten. Leider ist die Waldpelzbiene nicht darunter.

    #211168

    Oben im Bild ist eine andere Art Wildbiene zu sehen,

    Wir haben hier vor allem die Wildbienen mit dem orangen Hinterleib und eben die winzig Kleinen, die im Lehmboden so kleine Häufchen mit Löchern in der Mitte machen. Von den größeren musste ich gestern erst wieder eine von der Innenseite meines Küchenfensters nach draußen befördern.

    #211459

    Gerne teile ich Euch hier schon mit, dass die Suche nach möglichen MHAW-Beiträgen wirklich gut vorangeht B-)

    Neben Prof. Klimke – vielen herzlichen Dank @web450 – haben wir bereits erste Zusagen bekommen, u.a. von

    Prof. Nicolas Rüsch

    Prof. Josef Bäuml

    PD Dr. Thomas Röske

    Prof. Thomas Feltes

    Da kann ich wirklich nur begeistert sein!

    Die Mental Health Awareness Week (MHAW) 2022 wird bestimmt wieder eine sehr schöne Veranstaltung, die wir als eine Destigmatisierungskampagne verstehen: #BreakTheStigma :good:

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