Verzicht auf Neuroleptika – machen Ärzte das mit?

Home Foren THERAPIE Verzicht auf Neuroleptika – machen Ärzte das mit?

Ansicht von 15 Beiträgen - 1 bis 15 (von insgesamt 15)
  • Autor
    Beiträge
  • #7553

    Hallo Leute,

    ich bekomme derzeit eine Depot-Spritze alle 4 Wochen (Xeplion) würde aber gerne darauf verzichten weil mir die Langzeitfolgen unheimlich Angst machen. Was ich gerne machen würde ist, nach Rücksprache mit meinem Psychiater die Spritze abzusetzen mich aber weiterhin regelmäßig “behandeln” zu lassen, sprich in regelmäßigen Abständen beim Arzt vorzusprechen. Ich traue mich allerdings nicht dieses Vorhaben gegenüber meinem Arzt anzusprechen weil ich berechtigte Zweifel habe, dass er das mitmachen wollen wird. Was haltet ihr von der Idee? Wie würdet ihr das ansprechen? Seht ihr Aussichten auf Erfolg meines Vorhabens? Bin für jeden Tipp und Hinweis sehr dankbar!

    #7560
    Anonym

      hallo familyonaire,
      wenn du einen guten psychiater hast, wird er nett sein und dich darauf hinweisen das die neuroleptika wichtig sind.
      wenn du noch nicht lange neuroleptika nimmst, dann solltest du auf tabletten umsteigen und ca nach einem jahr versuchen langsam zu reduzieren, natürlich mit absprache deines psychiaters.
      und was noch wichtig wäre, lieber lange leben mit neuroleptika als früh sterben ohne neuroleptika, denn psychosen können sogar tödlich enden.
      gruß ingo

      #7565

      Guten Morgen familyonaire,

      ob und in wie weit Dein jetziger Psychiater Dein Vorhaben unterstützen würde, könntest nur Du herausfinden, indem Du mit ihm offen sprichst. Ich finde, Du kannst ihm ehrlich und direkt von Deinen Ängsten erzählen und schauen, wie er auf Dich eingeht. Zumindest könnte er eine Medi-Umstellung und Dosis-Anpassung vorschlagen.

      Ich selber bin jetzt beim 6. Psychiater seit meiner Ersterkrankung in 2010, und er ist der erste, der mich selbst entscheiden lässt, was und in welcher (vernünftigen) Dosis, bzw. ob ich Medis nehme. Die anderen Psychiater waren offen und betont, wohl aus Prinzip, dagegen, sogar gegen eine vorsichtige Reduzierung (damals hatte ich eine mittlere Dosis 15 mg Aripiprazol genommen).

      Als ich 6 Jahre lang unter Dauermedikation war, haben mir zwei verschiedene Psychiater gesagt, wie froh sie seien, dass ich pflegeleicht sei. Auch die Klinikärzte damals von 2010 haben mir das mehfach gesagt.

      Ich denke, viele Psychiater sind froh, wenn sie “unkomplizierte” Patienten haben, die bei jedem Besuch nicht mehr als 5 oder 10 Minuten brauchen und nach dem typischen “Therapie”-Gespräch: “Wie geht es Ihnen? Gut? Gut. Brauchen Sie ein neues Rezept, wie gehabt? Gut. Auf Wiedersehen!” zufrieden die Praxis verlassen.

      Da ist mein jetziger Psychiater sehr anders, und ich vertraue seinen Meinungen, wenn ich seine ärztliche Sicht auf mich als Psychotikerin wissen will.

      LG,
      Mowa

      #7566

      Zitat ingo:

      lieber lange leben mit neuroleptika als früh sterben ohne neuroleptika

      Na ja, so ein einfaches Entweder-oder ist es ja meistens auch nicht.

      Es könnte ja sein, dass ich morgen zufällig durch einen Verkehrsunfall umkomme. Dass also die Nicht-/Einnahme der Psychopharmaka überhaupt keinen Einfluss auf die Lebensdauer hat, weil – wie so oft im Leben – “irgendetwas dazwischenkommt”. Überhaupt ist für mich Lebensqualität wichtiger als Lebensdauer, aber das bloße Absetzen der Psychopharmaka muss nicht automatisch die Lebensqualität steigern, das ist wohl klar!

      Daher bin ich dafür, das Hier und Jetzt bewusst zu erleben und zu versuchen, das Beste daraus zu machen, ob mit oder ohne Psychopharmaka.

      LG,
      Mowa

      #7627
      Anonym

        hätte ich dazu sagen können, natürlich sollte man neuroleptika nicht zu oft absetzen, denn das bringt eh nichts, aber ein versuch kann nicht schaden.
        ich denke ja immer das ein psychiater auch so denkt, vielleicht ein fehlgedanke.
        gruß ingo

        #7655
        Anonym

          Hattest du eine einmalige Episode oder mehrere Psychosen?
          Bei einer einmaligen Episode würde ich es versuchen und das Neuroleptikum ausschleichen. Wenn du schon mehrere Episoden hattest, wird sich dein Arzt quer stellen und davon abraten, das NL abzusetzen.

          #7690

          Ich war auch in letzter Zeit ein Gegner der Medis, obwohl ich sie bis auf die letzten Jahre immer genommenen habe. Allerdings hatte ich letztes Jahr sowie dieses zwei heftige Rueckfaelle und habe habe mir sogar einen Betreuer eingefangen. Ich würde es nur machen, wenn du gerade wenig Stress hast und mich dann auch genau beobachten. Der Rückfall geht manchmal so schnell, dass man es gar nicht merkt.

          #7692

          Mich würde interessieren, wie lange du die Spritze schon bekommst, und ob und wie lange du schon symptomfrei bist.

          Meine Psychiaterin singt eigentlich schon seit Jahren das gleiche Lied: Nach einer Psychose soll man regelmäßig Medikamente nehmen, mindestens ein, zwei Jahre symptomfrei sein, und erst dann kann man über eine Reduktion nachdenken. Ich vermute mal, dass das mehr oder weniger der Status quo der heutigen Psychiatrie ist, aber es kommt natürlich auf den Arzt im Einzelnen an.

          #7693

          Mir wurde gesagt dass das absetzen der Neuroleptika jedem selbst überlassen ist.
          Also wenn du sie nicht mehr nehmen willst kann dich keiner zwingen, soviel ich weiß.
          Vielleicht kennt sich da jemand besser aus?
          Wie ich es ansprechen würde weiß ich auch nicht.

          #7804

          Guten Morgen zusammen,

          Zitat Samsara:

          Mir wurde gesagt dass das absetzen der Neuroleptika jedem selbst überlassen ist.
          Also wenn du sie nicht mehr nehmen willst kann dich keiner zwingen, soviel ich weiß.
          Vielleicht kennt sich da jemand besser aus?

          Hier habe ich einige Infos dazu gefunden:

          Ärztliche Zwangsbehandlung (Quelle HIER):

          In jedem Fall gilt: Eine Zwangsbehandlung ist ausschließlich im Rahmen eines stationären Aufenthalts in einer Klinik zulässig (nicht im Heim und nicht ambulant!), und diese Zwangsbehandlung muss vom Gericht ausdrücklich genehmigt werden, außerdem muss das Gericht den Betroffenen vorher persönlich anhören.

          Die einzige Ausnahme zu dieser Regel: Bei Gefahr im Verzug, also im akuten Notfall […]

          Behandlungsvertrag – Kündigung durch Arzt/Zahnarzt (Quelle HIER)

          […] Der Arzt/Zahnarzt darf nicht willkürlich eine Behandlung ablehnen, […]. Beispiele für zulässige Kündigungen:

          Meinungsverschiedenheit bezüglich der Medikation (AG Karlsruhe, Urteil v. 25. März 1998 – 9 C 251/97),
          […]

          In einer ambulanten, nicht-akuten Behandlung gibt es demnach also keinen Zwang zur Medikamenteneinnahme. Allerdings kann der Arzt, wenn er zu einer gewissen medikamentösen Therapie rät und der Patient lehnt sie ab, den Behandlungsvertrag kündigen.

          Ich denke, es ist wichtig, das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient zu pflegen, wenn man sich ernsthaft ärztlich behandeln lassen will. Daher würde ich immer nach einem neuen Arzt suchen, wenn ich mich nicht mit meinem Arzt offen und ehrlich austauschen könnte. Ich meine, wenn ich als Patientin eh nicht das mache, was mein Arzt mir vorschlägt, und ich verheimliche meine Non-Compliance ihm gegenüber, wozu gehe ich dann überhaupt noch zu diesem Arzt?

          LG,
          Mowa

          • Diese Antwort wurde geändert vor 5 Jahre, 6 Monate von Mowa.
          #8283

          Es ist wie bei allem:

          Es steht und fällt mit den Leuten!

          Musste auch ein bisschen suchen, bis ich jemanden fand, der mich machen lässt auch wenn er selbst für mich etwas anderes im Kopfe hat und das auch offen anspricht.

          Aber die letzte Entscheidung treffe ich immernoch als Konsument (zumindest solange ich es schaffe mich von der Geschlossenen fern zu halten :)!

          Liebe Grüße
          escargot

          #8520

          Guten Morgen zusammen,

          Zitat Mowa:

          Ich selber bin jetzt beim 6. Psychiater seit meiner Ersterkrankung in 2010

          Daher würde ich immer nach einem neuen Arzt suchen, wenn ich mich nicht mit meinem Arzt offen und ehrlich austauschen könnte.

          Ja, dazu fällt mir noch ein, ich habe nur ein Mal in 2012 aus Gründen der Unzufriedenheit aktiv meinen Psychaiter gewechselt, als ich beim Erstgespräch kein gutes Gefühl hatte. Mein jetziger Psychiater wurde von meiner vorigen Psychiaterin vor meinem Umzug in die neue Stadt empfohlen, und auch von der Uni-Klinik in der neuen Stadt, in der ich zuletzt stationär war.

          Dass er mich dann bei einer Therapie auch ohne Medikamente begleiten würde, wusste ich vorher nicht, also das war ein Glücksfall für mich! Dabei wollten meine Hausärztin und mein Psychotherapeut mich dabei unterstützen, solange nach einem Psychiater zu suchen, bis dieser auch einer nicht-medikamentösen Therapie zustimmt.

          Bei ihm bin ich übrigens seit Oktober 2017 (hab nochmal HIER nachgeschaut).

          LG,
          Mowa

          #37867

          Prinzipiel gibts ein Anrecht darauf Krank zu sein etc. pp.

           

          Nur bei Psychosen/Schizophrenie wird es schwierig, vorallem ältere Ärzte, zu überzeugen das es ohne geht.

          Es gibt den Begriff Eminenzbasierte Medizin, sprich der Alte macht das was er gelernt hat statt Evidenzbasiert.

          Depot-Spritzen finde ich too much und sollte im Notfall verarbreicht werden. Bin mal in der Klinik auf einen gestoßen der 2 Depot-Spritzen bekam und 2 weitere Neuroleptika. Manch ein Arzt begeht doch wissentlich Körperverletzung, gefühlt.

           

          Probiere einen jungen Arzt aus.

           

           

          #37883

          Guten Abend,

          ich habe auch schon versucht meinen Facharzt zu einer Reduktion von meinen jetzigen 15mg Aripiprazol zu überreden. Ich denke es ist für die Ärzte am einfachsten bei einer Dosis zu bleiben, bei der man stabil ist. Ich muss allerdings wohl dazu sagen, dass ich immerhin seit Ende letzten Jahres von 30mg auf 15mg Aripiprazol runter bin.

          Die Nebenwirkungen werden meiner Meinung nach unterschätzt. Ein selbstständiges komplettes Absetzen sollte man aber auch lassen, da man dann eine Rebound-Psychose riskiert :-/ Meine Strategie ist daher vorerst den Psychiater weiter zu nerven, dass er eine Reduktion mitmacht ;-)

          #37884

          Ich wähle einen Mittelweg: Reduktion aber NICHT das vollständige Absetzen, aus der Gier nach noch mehr Lebensqualität.

           

          Ich bekomme 25mg Xeplion und empfinde damit keine wesentlichen Einschränkungen mehr, weder im Denken, noch in der Motorik, noch sexuell.

          Ich denke ich könnte durch ein vollständiges Absetzten zw 10 und 40% mehr Lebensqualität bekommen, aber wichtiger ist mir die finanzielle Sicherheit und das ruhige Gewissen meinem Umfeld und der Gesellschaft keine unnötige Belastung zu sein.

           

          Die leichte Trägheit, welche ich allerdings bereits vor der Psychose hatte, versuche ich durch einigermaßen gesunden Lebenstil (kein Alkohol, keine Zigaretten, keine Drogen, möglichst keinen Kaffee, ausreichend Schlaf, regelmäßige Spaziergänge und Erholungsphasen) und vor Allem sexuelle Enthaltsamkeit (mal mehr, mal weniger erfolgreich) sowie eine Routine im Tagesablauf zu kompensieren. Dazu kommen soziale Kontakte sowie regelmäßige Gottesdienstbesuche, sowie weitestgehende COMPLIANCE im Alltag. Dadurch reduziere ich Stress bei gleichzeitiger Steigerung der Vitalität, ganz ohne Eingriff in die Medikamente.

        Ansicht von 15 Beiträgen - 1 bis 15 (von insgesamt 15)
        • Sei müssen angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.