Umdeutung (Reframing) bei Psychosen

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  • Dieses Thema hat 12 Antworten sowie 4 Teilnehmer und wurde zuletzt vor vor 4 Jahre, 11 Monate von Anonym aktualisiert.
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  • #53642
    Anonym

      Hallo Leute,
      dies ist mein erster Beitrag in diesem Forum und ich möchte ihn einer Technik widmen, mit der es mir gelungen ist negative Gedanken, genauer gesagt Erinnerungen an traumatische Erfahrungen, die immer wieder in mein Bewusstsein traten, loszuwerden.
      Hier zunächst zwei Links zum Thema:

      https://de.m.wikipedia.org/wiki/Umdeutung_(Psychologie)

      https://www.traumaheilung.de/reframing-die-verborgene-heldin-der-verborgene-held-in-dir

      Ich sehe diese Erinnerungen als Hinweise auf die Ursachen meiner Psychosen, da es mir gelungen ist Bezüge zwischen meinen Wahninhalten und meiner Entwicklungsgeschichte herzustellen. Ich glaube, dass einem jedes empfundene Leid auf etwas hinweisen will. Jedenfalls kann man sich diese Arbeit an meiner Psyche so vorstellen, dass ich, wann immer sich ein Gedanke aufdrängt, mein Notizbuch öffne und beginne eine negative Erinnerung kurz in eine Positive umzuschreiben und dabei bspw. auch aufzuschreiben, inwieweit mich diese Erfahrung im Leben auch weitergebracht hat. Dabei gehe ich davon aus, dass in allem Schlechten im auch etwas Gutes enthalten ist bzw. dass etwas immer zwei Seiten hat von denen man es sehen kann.

      Die Grundlage all dessen ist zum Einen die Annahme, dass die Gedanken bzw. die Interpretation von Erfahrungen für die empfundenen Gefühle verantwortlich sind/ist. Zum Anderen sehe ich als Ursache meiner Psychosen schwere seelische Verwundungen, die unverarbeitet eben ihren Ausdruck gefunden haben in Wahn und Halluzinationen. Für mich sind meine Psychosen (Ich habe auch die Diagnose paranoide-halluzinatorische Schizophrenie) mein persönlicher Weg diese Verwundungen zu verarbeiten.

      Danke für Eure Aufmerksamkeit! Vielleicht hat ja hier schon jemand ähnliche oder davon abweichende Erfahrungen gemacht oder möchte sonst etwas zu diesem Thema sagen.

      #53869

      Also bei mir hat auch eine Verwundung (Trennung der Freundin) zum Ausbruch der Psychose geführt.

      #53946
      Anonym

        @Nichtraucher

        Wenn du mehr darüber wissen willst könnte das Buch “Das verwundete Selbst” von Ty C. Colbert was für dich sein. Ich fands sehr interessant, auch wenn ich letztlich andere Schlüsse aus seinem Modell gezogen habe.

        #53947

        nein danke, ich hasse Bücher.

        #53949
        Anonym

          Achso, okay

          #54025

          :rose: Danke fürs Teilen @hampel!

          #54042
          Anonym

            Sehr, sehr gern @escargot  :-)

            #54128
            Anonym

              Danke @Hampel , das klingt nach einem interessanten Ansatz, um mit dem Erleben, das in einer Psychose entsteht, zu versuchen auf konstruktive Weise umzugehen. Ich werde mich mal eingehender damit beschäftigen.

              Ging es bei dir nur um reale “Erinnerungen” im Sinne von Traumata, oder auch weiterführend um die klassischen paranoiden Symptome wie Wahn, Denkstörungen etc.? Kannst du noch genaueres zum Verfahren schreiben, vielleicht mit einem kleinen Beispiel (wenn es nicht zu privat ist), damit man genauer sieht worum es geht?

               

              Ich selbst praktiziere eine Art Methode, mit der ich immer wieder mein Erleben aktiv “umdeute”, und dann auch in Pausen versuche, damit irgendwie konstruktiv umzugehen. Ich deute dabei als ersten Schritt gar nicht so sehr das Inhaltliche um, sondern vielmehr die Art, wie ich es wahrnehme. Und ich versuche, mich damit in eine geistig unabhängigere Position zu begeben, von der aus ich das erlebte besser einordnen kann und davon nicht mehr so beeinträchtigt werde.

              Mein Erleben ist so, dass ich mich quasi permanent “Eingebungen” ausgesetzt fühle, etwa paranoide Gedanken, das Beziehen von belanglosen Erlebnissen auf mich selbst, oder das Gefühl, allerlei Menschen geistig zu beobachten, die meist finsteres gegen mich planen, oder ich glaube “Geistwesen” wahrzunehmen, die den ganzen lieben langen Tag nichts besseres zu tun haben als mich zu “unterhalten” (das ist wegen Pausenlosigkeit enorm quälend, auch wenn ich mir dabei oft das Lachen verkneifen muss)…

              Meine Bemühungen so weit gehen in die Richtung, dass ich erst immer wieder auf rationale Weise “umdeute”, und versuche die Gedanken und Vorstellungen zu sehen als das was sie sind – einfach nur Informationen in meinem Kopf, die stimmen können oder eher wahrscheinlich nicht, und die bestimmte Inhalte vermitteln wollen. Dabei muss ich mir zugestehen, dass ich manche Dinge wissen kann, andere nicht, und das ist das entscheidende, das auseinanderzuhalten. Paranoide Wahnvorstellungen zielen nämlich fast immer in unbekanntes hinein, und ergänzen krankhaft Sinn dorthin, wo man nicht weiss was dort ist, das versuche ich mir klarzumachen und die Vorstellungen dabei zu hinterfragen. Das ist eigentlich der schwierigste Schritt – das eigene Denken, ja das glauben, zu hinterfragen um einen festeren Stand in der Realität zu erlangen. Es funktioniert nicht immer perfekt, aber es hält mich zumindest von der Klinik fern…

              Sind diese Gedanken als solche bewusst geworden, dann kann ich auch den Inhalt rationaler untersuchen. Meist unterstützen diese Eingebungen als Elemente eine von etlichen in mir ablaufenden “Geschichten”, und versuchen mich als Akteur einzubinden. Hier mache ich dann ab einem bestimmten Punkt den Schnitt, deute es gezielt um indem ich mir klar mache, dass ich das alles nur (auch wahnhaft) denke bzw gedacht oder geglaubt habe, es also beliebige Gedankenbilder sind, die aber nicht der Wahrheit entsprechen müssen. Weiterführend untersuche ich dann immer mal wieder, zu welcher der “Geschichten” das erlebte gehört, so dass ich es vorerst abhaken kann, und mich wieder den wichtigeren Dingen im Leben widmen.

              Ich plane auch, diese Geschichten genauer zu untersuchen, auf welche Stärken/Schwächen/Begebenheiten aus der Vergangenheit sie in mir abzielen, welche Rolle ich darin spiel(t)e, und wie ich mit solchen Situationen umgehen sollte. Auch die Situation so zu sehen: was hätte ich machen können, anstelle von dem, was ich gemacht habe, was wäre dann besser gelaufen. Das ist dann das zweite Umdeuten, und zwar das, was wahrscheinlich mehr im Sinne ist wie die Technik, um die es im Thema geht – das erste ist nur ein Zwischenschritt, damit ich in der Lage bin, dies alleine zu tun. Verarbeitet wird erst, wenn ich mich genug vom Wahn entfernt habe, dass ich bei der Aufarbeitung nicht mehr daran glauben muss und mich dann wieder verstricke…

              Ich denke, dass man durch solche Aufarbeitung durchaus in die Lage kommen kann, für die einzelnen Geschichten Lösungsansätze zu finden, die man sich klarmachen muss, wenn die Geschichte wieder versucht auf sinnverwandte Weise Einfluss auf einen zu nehmen. Und ich vermute (und das ist schon bei mir mit manchen Geschichten so passiert!), dass angemessenes Verhalten und Positionieren dem Erleben gegenüber dann helfen kann diese Geschichten “aufzulösen”, in der Form, dass sie nicht mehr so fesselnd sind, oder sogar ganz zum Erliegen kommen können um Platz für gesündere Geistesaktivitäten (oder leider auch die anderen “Geschichten”, die dann abzuarbeiten sind) zu machen.

              Ich sehe das mittlerweile auch so – alle quälenden Dinge, denen ich ausgesetzt bin, haben ihre Ursachen in irgendeinem Fehlverhalten oder einer Schwäche meinerseits in der Vergangenheit. Ausnahmslos. Und wenn es noch so klein oder lässlich war, oder einfach nur ein Gedankenspiel, in dem man verwickelt war – die Psychose macht dann den wahnsinns Brummer daraus. Es ist nur logisch, dass die Psychose keinen Grund mehr hat, damit weiterzumachen, wenn die Schwäche behoben ist, in der Art, dass man auf dieselbe Situation anders reagieren würde.

              Ich glaube aber auch, dass um solch eine Aufarbeitung sinnvoll zu machen, der Betroffene in einer bestimmten Verfassung sein muss. Ist er noch zu tief gefangen, oder schafft es nicht, das Wahnerleben rational zu erfassen und sich davon zu distanzieren, dann gibt es leider wahrscheinlich kaum Punkte, an denen man ansetzen könnte. Vielleicht kann hier eine Gesprächstherapie sinnvoll sein, in der ein erfahrener Therapeut den Schilderungen des Betroffenen zuhört (sofern dieser offen damit umgeht), und so die Thematiken erfassen und den Betroffenen zu entsprechendem Verhalten anleiten kann?

              #54205
              Anonym

                Danke für deine umfassende Antwort @hirnsehprogramm! Du hast da einige interessante Dinge geschrieben, werde mir deinen Text später nochmal in Ruhe durchlesen um noch mehr daraus ziehen zu können.

                Zu meinem Eröffnungsbeitrag: Ich hätte rückblickend lieber das Schreiben in die Überschrift genommen, weil das Umdeuten eher ein Teil dessen ist. Ich schreibe nämlich nicht nur traumatische Erlebnisse um, sondern nutze das Schreiben auch, um meine Gedanken zu ordnen und die oftmals verwirrenden Erfahrungen einzuordnen in ein positives und stimmiges Gesamtbild, quasi in eine Geschichte von mir selbst, in der ich zwar auch Fehler gemacht habe, die mich aber immer auch weitergebracht haben im Leben, und sei es “nur” eine neue Erkenntnis. Dazu muss ich sagen, dass ich mich selbst bzw. meine Rolle in den Erinnerungen eher negativ sehe, weshalb es im Grunde lästige und von negativen Gefühlen begleitete Gedanken sind. Ich versuche dann konstruktive und positive Glaubensinhalte zu formulieren, in der Hoffnung, dass diese sich durch die sinnvolle Einbettung in meine Geschichte in mein Unterbewusstsein einschreiben. Manchmal lasse ich aber auch meinen Gefühlen freien Lauf, einfach um sie auszudrücken und nicht lose in meinem Kopf herumschwirren zu lassen.

                Ein Beispiel: Mein Erzeuger hat mich als Kind oft runtergemacht. Mein unausgesprochener Glaube dahinter war, dass er Recht hatte mit seinen herabwürdigenden Worten und Taten, weil ich ihn trotz allem liebte und ich seinen Worten viel Gewicht beigemessen habe. Das erzeugte in mir den negativen und lange anhaltenden Glauben, ich sei ein schlechter Mensch, der es nicht verdiene respektvoll behandelt zu werden und der keine Fehler machen darf, um gut zu sein. Das sehe ich als einen Grund für meine erste Psychose, in der ich mich als omnipotent wahrgenommen hatte, bis es ins Gegenteil umschlug und alles zusammenbrach, als ich einen “Fehler” gemacht hatte. Ich sehe hier einen Zusammenhang zwischen meinen psychotischen Größenideen und meinem kindlichen Empfinden klein, schlecht und schwach zu sein. Nun kommt die Umdeutung ins Spiel. Ich schreibe also, dass mein Erzeuger mit meinem Selbstbehauptungdrang und mit meinem schon damals starken Streben nach Autonomie überfordert gewesen ist und mich deshalb klein und in der Opferrolle halten wollte. So in etwa, will jetzt hier nicht meine Kindheitserfahrungen ausbreiten, sondern nur einen kurzen Einblick gewähren, weil du gefragt hattest.

                #54217
                Anonym

                  Ich glaube auch, dass ein Therapeut hilfreich sein kann, da es aber so viel mehr Hilfesuchende als professionelle Helfer gibt und man dann ja noch eine zu einem passende Person finden muss, möchte ich auch zur Selbsthilfe ermutigen. Deshalb habe ich auch meinen persönlichen Ansatz hier geteilt.

                  Von irgendwo aus dem Netz hatte ich auch eine Liste von Affirmationen/Glaubenssätzen gezogen, die bei Paranoia hilfreich sein können:

                  – Meine Gedanken sind ruhig und gelassen.
                  – Ich kann anderen Menschen vertrauen.
                  – Ich fühle mich in sozialen Situationen wohl.
                  – Ich vertraue mir, vernünftig und realistisch zu sein.
                  – Ich fühle mich sicher und geborgen.
                  – Ich weiß, andere Leute haben ihr eigenes Leben zu leben.
                  – Paranoia verschwindet aus meinem Leben.
                  – Ich habe die volle Kontrolle über meine Gedanken.
                  – Ich glaube an andere Leute.
                  – Ich genieße es, mit anderen Leuten zu interagieren.

                  Wie genau ich versuchen werde mir diese einzuprägen, weiß ich noch nicht. Vielleicht schreibe ich mir einen etwas längeren Text, in dem ich diese Sätze einbaue oder ich hänge sie mir irgendwo an die Wand, so dass ich sie immer wieder lese und sie so vielleicht verinnerliche.

                  #54248
                  Anonym

                    @Hampel Danke für das gute Beispiel.

                    Und diese Merksätze scheinen mir sehr gut gewählt. Was man braucht und festhalten muss, ist das Vertrauen in sich selbst und in den Augenblick und die anderen Menschen, nicht das spekulative, sondern ganz klar nur was wirklich und wichtig und einem vor Augen ist in dem Moment. Wichtig ist vor allem, gelassen zu bleiben, dann bringt einen die Paranoia nicht so schnell in die Hektik und damit in Angst! Dein erster Satz vermittelt das schon gut, weiterführend kann man sich zwischendurch mit bewusst ruhigem Atmen beruhigen, mit dem Körper nicht zappeln, und auch nicht krampfhaft fixieren, sondern ruhig und fliessend “ausschwingen” lassen, wenn man Bewegungsdrang oder Hektik hat etc… Auch den Mut zur Pause finden, wenn man sich mal wieder kurz sammeln muss, und dabei wissen, das andere Leute sich vielleicht wundern, das aber nicht schlimm ist, wenn man kurze Pausen machen muss, dann ist man eben so!

                    Bei Paranoia hilft mir halt sehr, mir erstmal zu sagen: ich weiss ja, was ich gerade mit meinen Augen sehe, und was meine Erfahrung mir eigentlich sagt, was ich sehe. Und das ist wenig und sehr einfach… Und bei konkreten Paranoia Gedanken dann: was ich gerade dazu denken muss passt nicht in’s Bild sondern soll nur Ängste schüren, ist übertrieben, macht für meine Situation um sie zu meistern keinen Nutzen, … Dann ruhig bleiben, und sagen, selbst wenn etwas vorerst bedrohlich wirkt, lasse ich mich einfach da hinein fallen, vertraue auf’s Leben, und dass ich schon irgendwie damit umgehen kann, wenn es doch mal quer kommt. Dass ich stark sein kann, falls es mal Probleme gibt, und selbst wenn nicht, dass es auch dann nicht gleich der Untergang sein würde. Statt Kontrolle über Gedanken auszuüben, lasse ich eher fliessen, versuche das Leben so zu nehmen wie es kommt, und die negativen Gedanken fliessen so genauso fort wie alle anderen auch, beissen sich nicht fest, und ich mich auch nicht mehr an ihnen…

                    Das mit der Paranoia habe ich vor Jahren in der Anfangsphase nach der anfänglichen Behandlung meiner Erkrankung gezielt geübt. Ich bin immer wieder mit Begleitung in ein Cafe, und dann habe ich geübt, nicht auf diese Gedanken reinzufallen, die mir konkret in der Situation allerlei bedrohliches über die anderen Gäste vermitteln wollten. Was kann man dazu sagen – es war anfangs mühsam, aber es hat funktioniert. Nie perfekt, aber so, dass mir die Paranoia jetzt nichts mehr ausmacht. Nur mal so als Anregung, und ich habe es ganz einfach gemacht, ich habe mich einfach in die Situation fallen lassen, ein Bier genossen und mit der Begleitung geredet, und mich gefreut, dass ich mit der Zeit in der Situation und dann auch in anderen immer ruhiger sein konnte. Dann konnte zum Beispiel der “Geheimagent” mit der Zeitung und dem scheelen Blick wieder einfach nur ein älterer Herr sein, über den ich nichts weiter wusste, und der den Eindruck machte, als wäre ihm gemütlich und er interessiert an dem, was er in der Zeitung las, und weiter nichts….

                    Selbstbewusstsein und Vertrauen in das Leben können sehr mächtige Werkzeuge und ein grosser Schutz sein. Auch Schutz vor sich selbst.

                    Das mit der Selbsthilfe leuchtet mir ein. Es gibt für sowas ja nicht wirklich professionelle Angebote. Ausser wenn man es selbst erleben musste, kann man sich eine Psychose glaube ich auch nur schwer vorstellen… Ich muss dabei auch an Betroffenenliteratur denken – fast alle, die irgendwie ihre Psychose überwinden konnten, haben das irgendwie mit Formen von “eigenen Methoden” und selbst erarbeiteten Konzepten getan. Manche Menschen kommen wie von selbst auf hilfreiche Strategien, teils verblüffende – die aber sehr unterschiedlich sein können! Klar kann man sich dabei auch gefährlich verzetteln, aber ich finde das schon bemerkenswert, wie kreativ und unterschiedlich die teils sind, und letztenendes aber effektiv das Selbstbewusstsein transformieren und so die psychotischen Vorstellungen nach und nach in’s Leere laufen lassen und versanden lassen können.

                    Ich muss aber auch sagen, es gibt leider auch Zustände, die sind einfach zu stark für solche Methoden. Dann muss man irgendwie eine andere Lösung finden. Ich lebe z.B. mit bleibenden, belastenden Symptomen. Ich lebe trotzdem gut damit, aber ganz weg geht es bei mir nie. Ich empfinde meine Arbeit an mir und der Wahrnehmung der Symptome aber als grosse Erleichterung, und verliere mich nicht mehr so arg in oberflächlichen Wahngeschichten.

                    Manche Situationen, in die einen das Leben bringen kann, sind auch einfach bedrohlich und dann kommen die Hektik und die Paranoia schnell wieder durch. Deswegen versuche ich auch mein Leben so zu ordnen, das ich möglichst wenig in solchen Situationen sein muss, und meide schwierige Situationen wie die Pest. Das ist ein Zugeständnis, das ich der Erkrankung gegenüber mache, und auch machen muss.

                    #54472
                    Anonym

                      @hirnsehprogramm Es macht mir Hoffnung was du aus der Betroffenenliteratur zu erzählen weißt, nämlich dass es Menschen geschafft haben mit eigenen Methoden ihre Psychosen zu überwinden. Man sollte halt m.E. selbst die Verantwortung für sich und seine Gesundheit übernehmen, auf seinen “inneren Arzt” vertrauen, anstatt darauf zu warten, dass Mediziner oder Psychologen einen da rausholen. “Das (Hilfe-) System” bietet einem bei uns leider hauptsächlich Unterstützung bei der Symptomunterdrückung, alles darüber hinaus muss man sich selbst bzw. im Austausch mit anderen Betroffenen erarbeiten. Danke für deine Beiträge!

                      #54561
                      Anonym

                        @Hampel ja, es gibt schon so einige bemerkenswerte Geschichten. Andere haben wiederum weniger Glück.

                        Man kann sich auch sehr verzetteln mit solchen Konzepten, oder die Schizophrenie weiss sie zumindest bei mir auch manches Mal zu verdrehen. Das ist vielleicht immer ein wenig die Probe, ob das Konzept den ungewünschten Erscheinungen etwas entgegensetzen kann, was sie bewusst macht bzw. ihnen etwas überlegenes entgegensetzt, oder ob es nur weitere Wahnspinnereien erzeugt. Dafür kann man auch durchaus – in selbem Maße, wie man kranken Erscheinungen ausgesetzt ist – erleben, dass mit ähnlicher Energie heilsame Ansätze fortgesetzt werden und Wege zur Erleichterung freisprengen können.

                        So scheinen sich gute Konzepte im Umgang und Denken für viele auch in spirituellen/religiösen Erlebniswelten zu finden. Auch hier gibt es viele unterschiedliche Berichte – manche Menschen verlieren sich dann durchaus in religiösem Wahn, während andere widerum Kraft aus ihrer Spiritualität ziehen können, eine geistig reinigende Praxis durchzuziehen und damit die Psychose zu schwächen oder sogar ganz zum Erliegen zu bringen.

                        Auch körperliche Gesundheit und bewusster Umgang mit dem Körper können meiner Ansicht nach gesunde Anteile in der Psyche fördern, die den unangenehmen Erlebnissen etwas entgegensetzen können. Also Pflege, Sport, Ernährung, all das kann hilfreich sein.

                        Letztendes braucht man aber viel Geduld, und darf nicht zu schnell aufgeben. Ich erlebe es so, dass ein Konzept erst wie zum Schein zu helfen scheint, dann aber eine Phase des Mühsals auf einen zukommt, wo man nicht nachlassen darf und wo sich dann zeigt, ob die Methode taugt oder nicht…

                        Viel Erfolg bei deinen Versuchen! Ich habe keine andere Erkrankung erlebt, die so viel Kreativität (auch negative leider) beinhaltet wie die Psychosen. Genauso kreativ kann man als Betroffener auch sein, zu versuchen trotzdem seine Lage zu meistern.

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