Religiöse gefärbte Psychose

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  • #1933
    Anonym

      Hallo ihr Lieben,

      Meine Psychose war religiös gefärbt. Kennt das noch jemand ?
      Liebe Grüße
      Auster

      #2003

      Ja ich

      #2058

      Sowieso

      #2168
      Anonym

        Würdet ihr mir genauer erzählen was da vorgefallen ist?

        #2173

        Ich war insgesamt wahrscheinlich so knapp 2 Jahre lang psychotisch. In diesen Zeiten (es waren 2 Psychosen) habe ich 2 mal eine Stimme gehört (sie kam als Antwort auf ein Gebet und klang wie Donnergrollen). Dazu hatte ich auch 2 visuelle Halluzinationen.

        Es begann damit, dass ich in Singapur mit der Fülle der dortigen Religionen konfrontiert war (Buddhismus, Hinduismus, Christentum und Islam). Dann kam es zu einem Gespräch in dem mir vorgeschlagen wurde zum Islam zu konvertieren um eine Frau heiraten zu können. Daraufhin bekräftigte ich meinen christlichen Glauben und meine ganze Psychose wurde „religiös gefärbt“. Ich dachte ich bekäme Botschaften durch Geister (den heiligen Geist?) und ich dachte auch, dass diese mich dazu drängen würden meinen Glauben zu verlassen. Ich sollte meine Seele opfern um die Menschheit zu erlösen, bzw den Islam und das Christentum zu vereinen. Ich dachte, wenn ich streng nach den Regeln von allen Religionen gleichzeitig lebe, dass dann irgendwas besonderes mit mir passiert. War natürlich alles Wahn. Die „Geister“ haben mir auch vorgeschlagen ein Prophet zu werden um dann die religiösen Gesetze für alle auszuweiten, indem ich meine Seele und mein Leben dafür opfere. Es war alles ziemlich verquer und durcheinander. Letztendlich habe ich aber erst aus dem Wahn gefunden, als ich meine eigenen Fantasien, Gedanken und Eingebungen ablegte und mich an der katholischen Lehre orientierte, im Bewusstsein, dass mein eigenes Denken fehlerhaft und verwundbar ist und ich ihm nicht trauen konnte, sondern ich mich hier auf die Kirche stützen musste, der einzigen Institution, der ich im Kampf mit dieser Geisterwelt vertrauen konnte.

        #2449

        In den ersten 2 Psychosen hatte ich Erlöserfantasien. Ich meinte, dass ich nach und nach Fähigkeiten bekomme, Wunder zu vollbringen usw. Dazu müsste ich alle möglichen Rätsel aus Zahlen und Buchstaben lösen.

        #2956
        Anonym

          Ein paar religiöse Bezüge hatten meine Psychosen auch, als Bestandteil eines bunten, luftigen Fantasy-Gefühls und weniger als Bestandteil eines Bibelgefühls von tonnenschwerer Erde und sich abplagenden Menschen einer Agrar-Gesellschaft.

          #2984

          Ich bin der Meinung, dass Psychosen vor allem auch durch das Hören von Stimmen oder das Sehen von gewissen Dingen, dazu beigetragen haben dass sich Religionen überhaupt erst entwickelt haben. Man kann eine Stimme zB. aus Umweltgeräuschen heraus hören. Es ist schon sehr grandios, wenn man in der Natur eine Stimme aus Donnergrollen oder dem Wind hört. Durch so etwas kann mit Sicherheit ein Glaube an höhere Wesen entstehen.


          Ursprüngliche Dosierung, mit der es mit Jahrelang gut ging:
          NL: 1-0-0-0, 400 mg Amisulprid
          Blutdrucksenker: 1-0-1-0, 5mg Ramipril

          Dann:
          NL: 1-0-0-0, 300 mg Amisulprid
          NL: 1-0-0-0, 10 mg Abilify
          Blutdruck: 1-0-1-0, 5 mg Ramipril

          Dann:
          NL: 1-0-0,5-0 , Amisulprid 400 mg = 600 mg tgl.
          Blutdruck: 1-0-1-0 , Ramipril 5 mg = 10 mg tgl.

          Ab 25.05.2023:
          NL: 1-0-0,5-0, Amisulprid = 600 mg
          NL: 0-0-1-0, 5 mg Olanzapin
          Blutdrucksenker: 1-0-1-0, 5 mg Ramipril

          #3347
          Anonym

            Bei mir hatte es auch religiöse Elemente, obwohl ich eigentlich nicht an übernatürliches Glaube.
            Ich war mit meiner Familie letztes Jahr Allerheiligen in Münster, da wurde die Lambertikirche orange beleuchtet und ist dann in blau übergegangen.
            Ein paar Wochen später war ich mit meiner Mutter im Garten, das orangene licht eines Straßemwagen ist auch in blau übergegangen und es sind große klatschende Hände entstanden. Ich dachte, dass die anderen- Vorallem mein Schwarm- das für mich organisiert hätten und ich heilig gesprochen werde. Ich dachte, dass ich eine große Rolle im Weltgeschehen spiele :scratch:

            #3914
            Anonym

              Ich habe grade eine monatelange Psychose mit starken religiösen (aber dabei meist mich schlimm folternden), und auch generell spirituellen bzw. magischen Thematiken hinter mir. Ich hatte vor der Psychose das Vorhaben mich mit der Bibel (und damit auch dem Christentum) auseinanderzusetzen. Diese Auseinandersetzung mit in die Psychose zu nehmen war offensichtlich ein schlimmer Fehler. Ich kann jedem, der auch nur irgendwie empfänglich für sowas ist, nur empfehlen, mit der Bibel und ähnlichen Schriften vorsichtig zu sein, und das nur mit vollständig klarem Kopf und der Anleitung vertrauenswürdiger Personen zu machen. Und nur dann, wenn man denkt, dass Vertrauen und Glauben gute Dinge sind zu denen man fähig ist. Ich bin das nicht, darum hat es mir denke ich eine wirklich übelst schwere Zeit verschafft.

              Ich hatte durchaus eine Art natürlichen Glauben an eine höhere Kraft, die Ursache von all dem was wir erleben ist. Aber in der Psychose verkehrte sich alles in eine Art wahnsinniges total verkommenes Disneyland, mit mir als Kunstfigur die hin und hergebeutelt wird und sich nicht wehren kann dazwischen, inklusive Visionen von innerem Tod, Selbstopfern, geistiger Verstümmelung und Wahnvorstellungen von Schuld an Tod und Leid von Menschen und Geistern. Was ich erleben musste wünsche ich nicht mal meinem schlimmsten Feind, selbst für den wäre es mir zu grausam! Es hatte tatsächlich teils einfach nur hochgradig sadistischen Charakter, ich möchte auch nicht weiter darüber schreiben hier. Momentan klingt es zum Glück scheinbar endlich ab. Evtl. weil ich das Buch nun eine Weile schön weggelegt und nicht mehr angerührt habe. Und beschlossen habe, es bis ich alt bin liegen zu lassen…damit ich dann auf meine alten Tage vielleicht noch mal so richtig schön schlecht träumen kann…vielleicht wird mich das auch letztenendes abhalten…

              Ein bisschen was gutes hat es mir dann aber doch gebracht. Erstmal hat es mich endlich dazu gebracht, Halluzinationen, Eingebungen etc. generell als Störfaktoren zu sehen, die mit wenigen kontrollierbaren Ausnahmen eigentlich nicht da sein sollten. Und diese konsequent zu versuchen auszublenden und wegzusehen, auch wenn sie manchmal angenehm sind oder verlockend wirken.

              Ausserdem hat es mir die buddhistische Praxis näher gebracht, die ich derzeit versuche als spirituelles Element in mein Leben zu integrieren. Ich sehe das durchaus als grossen Gewinn, mir war die Spiritualität eigentlich seit Ausbruch der Krankheit abhanden gekommen. Nun habe ich wieder grosse Freude daran, mit Methoden aus dem buddhistischen Umfeld zu versuchen meinen Geist zu trainieren und zu kultivieren. Ich glaube auch durchaus daran, dass mir diese Philosophie und die Methoden dazu helfen konnten, mich aktiv nach und nach von den schlimmeren Visionen befreien zu können. So wie Vertrauen und Glauben im Christentum wichtig zu sein scheinen, hat der Buddhismus aber sicher auch seine Nachteile, etwa ist die Meditationspraxis und der Wunsch, sich selbst zu erkennen und radikal zu verändern sicher nicht jedermann’s Ding. Mich in der Psychose damit zu beschäftigen hatte sicher auch seine Schattenseiten…aber…irgendwie jedenfalls bei mir persönlich nicht ganz so pechschwarze wie das mit der Bibel.

              Ich denke, ich werde Jahre brauchen, mich von all dem zu versuchen zu erholen. Nicht zuletzt haben all die düsteren Visionen meinen Glauben an das letzte Fitzelchen Gutartigkeit im Menschen bzw in der Grundlage unser aller Existenz massiv untergraben. Wahn ist zerstörerisch, ich hatte immerzu das Gefühl, gezwungen zu sein wie blind an Dinge zu glauben, an die ich eigentlich nicht glauben wollte, tötet Schritt für Schritt die Seele ab. Zumal wenn die Inhalte solch hoher Natur sind wie bei religiös beeinflussten Psychosen. Man hat es nicht mehr nur mit den Nachbarn oder dem Geheimdienst zu tun, sondern mit den Kräften, die diese und die ganze Welt gemacht haben. Prost Mahlzeit!

              #3948

              Du hast Recht damit, dass die Bibel, ohne Anleitung und Interpretation gelesen, ohne Einbettung in die Tradition der Kirche, auch zerstörerische Kraft entfalten kann.

              Was mir aber dabei selbst sehr geholfen hat war ein Besuch in einem Kloster auf Zeit Angebot. Zu sehen wie die stark in ihrer Tradition verwurzelten Benediktiner leben und arbeiten war für mich in der Psychose die Rettung. Diese Menschen leben vor, was es heißt, der Bibel gemäß zu leben. Sie sind ein Maßstab, ohne den man, für sich allein gelassen, an der Verantwortung verzweifeln würde.

              • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Jahre, 6 Monate von Nichtraucher.
              #5919
              Anonym

                Die Bibel kam mir in der Psychose in entrücktem Zustand gelesen vor, als ginge es darin ausschliesslich um göttliche Strafen und Flüche. Manche Dinge scheinen auch „Belohnungen“, aber denkt man näher drüber nach, sind darin auch nur Verlockungen, die einem wenn man gierig danach ist das Verderben bringen werden. Ich mag dieses Buch nicht, es ist gewaltig, gewalttätig, und nichts schönes erbauliches für mich.

                Ich hatte sie gelesen, um vielleicht Hoffnung für mein Schicksal haben zu können – es hat diese Hoffnung zerstört. Und mir meinen damals beständigen starken Wahn locker umgedreht: statt dem normalen Verfolgungswahn fürchtete ich nun, von Schwarzmagiern oder bösen Gotteskindern getötet oder versklavt zu werden. Die Vorstellung jemandem ausgeliefert zu sein ist das schlimmste für mich, und genau diesen Albtraum nährt meine Psychose permanent.

                Ich sah leblose Bilder von Jesus im Bewusstsein, so als wollten sie mich dazu einladen, mich selbst zu verstellen um um Gnade zu winseln. Zudem hatte so in etwa jede biblische Figur, über die ich in diesem Buch gelesen habe, die Folge dass ich glauben musste ich wäre auch so etwas und dazu verdammt mich selbst opfern zu müssen ob ich will oder nicht. Ich höre immer noch täglich bösartige Stimmen, die mir in wechselnden Rollen sage, ich müsse gehorchen oder sterben. Ich weiss nicht, ob dies an der Bibel lag, aber ich fürchte es war nicht wirklich zu meinem Vorteil, sie zu lesen.

                Der Buddhismus hingegen gibt mir derzeit viel Kraft und Hoffnung, dass es doch noch möglich sein könnte, diese geistigen Fesseln, die mich so sehr quälen, irgendwie loszuwerden. Eine geistige Fessel, die ich mir selbst eingebrockt habe vor vielen viele Jahren durch eine eher schändliche Tat, die ich aber nicht in bösem Willen oder um irgendentwas zu schaden tat, sondern weil ich verleitet wurde und unwissend war. Dies hat mich dann vielleicht in einen schlimmen Strudel gezogen, der mir immer weiter geschadet hat. Soviel zu göttlicher Gerechtigkeit. Aber der Buddhismus ist für mich eine Hoffnung, für die ich mich wahrscheinlich sehr anstrengen werden muss, und die ich vielleicht nie verwirklichen kann. Aber meine einzige, in den ich Vertrauen setzen kann, da er unabhängig von anderen Menschen und Wesen (Ausser Buddha) ist, denen ich leider nie gelernt habe vertrauen zu können.

                Irgendwas sagt mir, das ist kompatibel, so wie die Bibel für manche Flüche auch Zeitdauern angibt. Vielleicht ist der Buddhistische Weg ja ein Weg von Gott für mich, der mich zum Ende dieser Krankheit bzw. drakonischen Strafe geleiten kann?

                Persönlich glaube ich, dass sowohl der wahre Inhalt der Bibel als auch Buddha’s Wissen um die Natur des menschlichen Geistes, Mohammed’s Eingebungen und vieles vieles mehr alles heiliges Wissen ist, aus derselben Quelle, und das streiten darum vergebene liebesmüh und nur ein weiteres Siegel, das Menschen davon abhält sich gemeinsam der Wahrheit nähern zu können.

                Wünscht mir Glück mit meinen Stimmen. Es ist die schlimmste Erfahrung in meinem Leben, sie tötet mich langsam innerlich ab. Das hält man kaum aus, täglich mit dem Tode und schlimmerem bedroht zu werden und auch noch daran glauben zu müssen.

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