Probleme beim Lesen

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  • #28865
    Anonym

      Mir fällt derzeit etwas ganz deutlich auf. Es geht um Schwierigkeiten damit, Texte zu lesen oder nachzuvollziehen, und den Inhalt auch zu behalten.

      Das war bei mir nach jedem Schub teilweise stark beeinträchtigt. Nun habe ich seit über einem Jahr eine heftigere Phase mit starken und tiefen Symptomen, und mir fallen die Probleme derzeit immer deutlicher auf.

      Also wie soll man das beschreiben. Es ist einfach, als würde ich in’s leere hinein lesen, und die Worte würden einfach so verschwinden ohne Spuren im Kopf zu hinterlassen. Manchmal ist alles schon mitten im Satz weg. Ich träume dann oft auch dauernd weg, und bin dann parallel in Gedanken versunken, die mich immer und immer wieder vom Text wegziehen, ohne dass ich dagegen halten kann oder mich im Text halten kann. Meine Augen lesen weiter aber nichts kommt bei mir an. Ich muss derzeit oft das Lesen abbrechen, auch wenn ich noch so gerne würde – einfach weil es mir nichts mehr bringt. Mir ist auch aufgefallen, dass ich kaum noch relevante Infos aus den Texten behalten kann. Ich muss mich immer sehr anstrengen, um wenigstens ein bisschen dem groben Rahmen der Geschichte folgen zu können, oder in Sachbüchern wenigstens einen Teil der Infos für mich nutzen zu können.

      Manchmal funktioniert das Lesen auch interessanterweise ganz gut, aber über den Tag verteilt switched es immer hin und her, so dass ich keine längeren Texte mehr gut aufnehmen kann.

      Kennt jemand diese Probleme? Kann man dagegen vielleicht was machen?

      #28869
      Kaa

        Hallo Du,

        meine Konzentrationsfähigkeit war nach einem Schub schon sehr beeinträchtigt.  Das hat sich bei mir auch auf die Fähigkeit lesend zu verstehen ausgewirkt. Insbesondere an längere Texte und Bücher bin ich nicht sehr rangekommen. Überhaupt fiel es mir schwer, etwas Neues zu lernen oder zu begreifen. Das war sehr schwer für mich, weil ich so etwa anderthalb Jahre nach meiner Episode einen tollen sehr anspruchsvollen Job gefunden hatte.

        Das Lesen kurzer Texte klappt jetzt wieder ganz gut. Allerdings habe ich Probleme, mich in Büchern oder auch Filmen zu verlieren. Früher konnte ich Stunden am Stück lesen, heute bin ich froh, wenn es zehn Seiten werden. Aber das kann auch daran liegen, dass durch die Informationsüberflutung die Aufmerksamkeitsspanne eh so gesunken ist. Man bekommt ja alles nur noch in kleinen Häppchen.

        Helfen würde es natürlich, wenn du aus dem Schub rauskommst. Aber naja. Mir hat es geholfen, mich bei der goodreads Lesechallenge anzumelden. So war ich gezwungen, trotz meiner Probleme, ein paar Bücher im Jahr zu lesen. Und nun geht es auch wieder besser.

        #28874

        Ich hab im Schub die komplette Bibel von vorne bis hinten durchgelesen. Das waren ca 1000 Seiten. Überhaupt sind meine Schwierigkeiten, Texte nachvollziehen und begreifen zu können erst mit der Medikation entstanden. Es war als könnte ich überhaupt keine Zusammenhänge mehr erschließen. Ich vergas nach einem Wort bereits, das vorherige Wort und so weiter. Das war ziemlich katastrophal, auch weil ich auch einen anspruchsvollen Job begonnen hatte, bei dem ich mich durch Lesen einarbeiten sollte. Aber ich hatte damals auch Schwierigkeiten Gesagtes nachzuvollziehen. Wahrscheinlich ist das irgendwo normal, wenn man eine akademische Arbeit neu anfängt.

        #28880
        Anonym

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          #28884
          Anonym

            Ich hatte bis vor einigen Jahren auch Probleme mit dem Lesen von Büchern. Bis irgendwann mein damaliger Chef mir mal seine Lesebrille gegeben hat und er meinte zu mir, ich solle die mal versuchen, das wäre wirklich Luxus. Seitdem habe ich mir auch eine Lesebrille gekauft und kaufe mir alle paar Jahre eine neue Brille. Mittlerweile habe ich sogar eine, die genau für den Abstand des Computers ist, damit ich bequem am Bildschirm lesen kann.

            Seitdem habe ich keine Probleme mehr beim Lesen mehr. Nur eines kann ich nicht mehr so wie früher: Ich kann nicht mehr im Bett lesen. Das habe ich früher so gerne gemacht. Aber die Brille ist einfach unbequem, wenn ich im Bett lese. Deshalb setze ich mich jetzt zum Lesen immer an einen Tisch, lege mir das Buch oder den E-Book-Reader zurecht und lese dann dort.

            Seitdem habe ich auch mal ein Projekt “Lesen der ganzen Bibel” gemacht. Ich habe mir dafür extra eine Großdruck-Bibel gekauft und dann habe ich in einem Jahr die ganze Bibel von vorne bis hinten durchgelesen. Das war teilweise richtig anstrengend, weil der Text manchmal echt ermüdend war.

            Ich kaufe mir auch immer wieder gebrauchte Bücher. Die sind ja oft für ganz wenig Geld zu bekommen. Außerdem gehe ich regelmäßig in die Stadtbücherei. Irgendwas Interessantes und Neues gibt es dort immer. Auch finde ich es gut, dort die aktuellen Zeitschriften durch zu blättern.

            Ab und zu kaufe ich mir aber auch mal eine Computerzeitschrift. Im Moment interessiert mich alles über den Raspberry Pi, weil ich mir im letzten Jahr so einen kleinen Minicomputer gekauft habe. Kann man viel so mit Elektronik basteln.

            Meistens lese ich Sachbücher, aber manchmal, da finde ich auch gute andere Literatur. Die suche ich jedoch normalerweise nicht extra.

            Also, meine Bücher gehören zu mir. Meine ganze Wohnung ist voller Bücher, die ich auch immer wieder gerne zur Hand nehme. Einen E-Book-Reader habe ich aber auch, weil man manches auch im Internet herunterladen kann und dann als E-Book lesen. Das mache ich aber nur sehr selten. Mein E-Book-Reader ist von Sony, schon ein älteres Modell, aber für mich völlig ausreichend.

             

             

             

            #28890
            Anonym

              Nein, meine Augen sind nicht das Problem, es ist mehr so Kopfsache, ich verstehe nicht mehr was ich lese dann. Ich träume halt manchmal beständig weg dabei während meiner Augen wie “blind” weiterlesen, oder mir fehlen für’s Verständnis nötige mentale Fähigkeiten vorrübergehend (ist gruselig).

              Ich habe aber zumindest jetzt schon die Erfahrung gemacht, dass trotzdem zu lesen, und mich dabei halt anzustrengen, vielleicht auch eine Lösung ist. Auch als Training. Ich muss halt manche Passagen immer und immer wieder lesen, und permanent bei’m Lesen zurückspringen um die Brücke zu machen. Entspannend ist das leider nicht mehr.

              #28917

              Nein, meine Augen sind nicht das Problem, es ist mehr so Kopfsache, ich verstehe nicht mehr was ich lese dann.

              Das hatte ich auch die ganzen Jahre nach meiner ersten Psychose @Hirnsehprogramm. In den ersten Monaten war das vermutlich wegen der postpsychotischen Symptome plus Arpiprazol, in den Jahren danach vermutlich nur noch wegen des Aripiprazols.

              Ich habe damals vor 8 Jahren, ein halbes Jahr nach der ersten Akuterkrankung, mir “Anna Karenina” aus einer Stadtbibliothek ausgeliehen und eisern darin bis zum Ende gelesen. Inhaltlich verstanden oder behalten habe ich fast gar nichts, daher es hat mir gar keinen Spaß gemacht. Nur waren mir Psychosen damals noch etwas völlig Neues und Unbegreifbares, und ich wollte meinem dumpfen Kopf trotzen und eine Art Schocktherapie verpassen. Hat zwar nicht geholfen, aber zumindest wusste ich dann, dass mir das Lesen Schwierigkeiten bereitet.

              Was in diesen Jahren trotz meines dumpfen Kopfes einigermaßen gut geklappt hat, waren immer so kurze Texte zu lesen und auch zu verstehen. Z.B. als ich auf der Arbeit wissenschaftliche Veröffentlichungen lesen sollte und es dann auch wollte, das sind dann typischerweise 5 bis 10 Seiten Text. Oder auch die Kurzgeschichten von @Hazel, das war sicher vor 5 Jahren oder so, diese habe ich auch mit Interesse gelesen, trotz dieser Dumpfheit in meinem Kopf. Nachrichtenartikel, die mich interessierten, waren auch weniger problematisch usw.

              Ob ich heute besser lesen könnte, das werde ich sicher noch feststellen. Dumpf fühlt sich mein Kopf zwar nicht mehr an, aber seit der ersten Psychose habe ich mir so eine mentale Barriere nach und nach angeeignet, so dass ich Bücher gemieden habe. Diese lässt sich sicher wieder “abtrainieren”, also werde ich mal schauen, irgendwann bei der nächsten Gelegenheit.

              LG,
              Mowa

              #28937

              Wenn ein Buch anspruchsvoll und dicht ist, schaffe ich immer nur 2 oder 4 Seiten am Stück. Anschließend tue ich was anderes, im Haushalt oder so und dann lese ich wieder weiter. So schaffe ich ungefähr 30 Seiten an einem freien Tag.

              Manchmal muss man es sich einteilen, je nachdem wie aufnahmefähig man ist. Wenn man nützliche Tätigkeiten und Literatur mischt, wird es zuweilen ein sehr schöner Tag.

              • Diese Antwort wurde geändert vor 5 Jahre, 1 Monat von Yuri.
              #29051

              Ich habe auch Probleme mich auf den Inhalt zu konzentrieren – vorallem bei Romanen. Der Text läuft dann vor meinen Augen vorbei und ich denke an was anderes. Mein Gedankenfluss ist dann ähnlich wie wenn ich beim Zugfahren aus dem Fenster schau. Es bewegt sich etwas vor meinen Augen, und meine Gedanken fließen.

              Habe deshalb schon jahrelang keinen Roman mehr gelesen. Es ist ermüdent jeden Absatz dreimal lesen zu müssen, wenn man den Inhalt mitbekommen will. Bei Hörspielen geht es mir ähnlich, ich höre nicht richtig zu. Auch von Filmen kann ich die Handlung im Nachhinein nicht zusammenfassen. Ob das eine Konzentrationsschwäche ist? Weiß nicht, bei meiner Arbeit muss ich mich ja auch konzentrieren. Vielleicht kann ich mich auch nicht mehr auf Geschichten einlassen.

              Mit Sachbüchern tu ich mir leichter. Da kann man auch mal Querlesen, oder nur einzelne Kapitel lesen.

              Aber generell lese ich immer weniger und sehr selten.

              #29072

              Das kenne ich auch, war direkt nach der Psychose am schlimmsten. Bekam den Tipp vom Psychiater, Mir Zeitungen mit Bildern die kurzen Texte zu lesen und Bücher zu nehmen wo mir die Themen liegen.

              Also gesagt getan. Zeitung, Horoskope gelesen, ganz langsam. Dann Hörbücher nebenbei und Bücher mit themen die mich packen (Vampire, Werwölfe, Dämonen und so übernatürliches Zeugs) günstig gebraucht gekauft. Jetzt lese ich immer in Etappen, je nach Tagesform 1-30 Seiten. Am besten geht´s mit ganz leiser Entspannungsmusik im Hintergrund. Ohne Musik sind meine Ohren am Geräusche scannen. Auch bin ich nicht mehr so bös mit mir wenns mal nur 1Seite ist. Dann setz ich mich halt an den Pc und hör dort Musik und surf im Netz. :bye:


              https://butterflys-pearl-kalina.hpage.com/willkommen.html
              https://hamasi-ben-ihmz-achthamar.hpage.com/willkommen.html

              D / 49Jahre
              Quetiapin 200 +400 , Risperidon 2mg, Doxepin 2x 50mg,
              Ofiril 2x 150mg, Bedarf Lorazepam

              #30208

              Hi @Hirnsehprogramm

              Ich hab genau das gleiche Problem, hätte es aber wohl nicht mal annähernd so treffend formulieren können wie du.

              Die letzten Wochen/Monate hatte ich wieder enorme Schwierigkeiten damit. Ich habe gelesen ohne zu verstehen, war parallel weiß Gott wo überall hingedriftet, die Worte hatten einfach keine Bedeutung mehr. Mir passiert das oft durch verstärkte Symptome, hin und wieder normalisiert es sich mit dem Abklingen der Symptome wieder von ganz allein.

              Wenn es sich nicht von allein wieder einpendelt fange ich an Gedichte zu lesen, teils nur stückchenweise, bruchstückhaft. Anfangs verstehe ich selbst von einem kurzen Gedicht oft so gut wie nichts, es reicht an einer einzigen Zeile hängen zu bleiben, an wenigen Worten, wiederhole sie und wiederhole sie usw. Lese sie mir auch selbst laut vor. Und wenn ich mich bis zu einer halben Stunde am Tag mit einem einzigen Satz beschäftige bis ich die Bedeutung der einzelnen Worte und die Aussage des Satzes wieder verstehen kann, oft braucht es nur einige solcher zeitaufwendigen Sätze und es wird langsam wieder.

              LG

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