Notizen von Mowa

  • Dieses Thema hat 3129 Antworten sowie 60 Teilnehmer und wurde zuletzt vor vor 5 Jahren von Mowa aktualisiert.
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  • #71995

    Heißt es nicht sogar „der Marathon“? Naja, hauptsache du hast es überstanden. Dann viel Spaß beim Bomben ;-)

    #72074

    Hallo Mowa,

    darf ich dich fragen was du denn arbeitest? (will nicht deinen kompletten Blog durchforsten..)

    #72128

    Guten Morgen zusammen,

    Heißt es nicht sogar “der Marathon”?

    Hallo @Dopplereffekt, genau, wenn ich im Online-Duden nachschlage, dann ist „Marathon“ im Sinne von Marathonlauf immer maskulin, und „Marathon“ in meinem Fall maskulin oder (seltener) Neutrum.

    darf ich dich fragen was du denn arbeitest? (

    Hallo @wunder, na klar, kein Problem! Ich bin seit Oktober 2011 (einem guten Jahr nach meiner ersten Psychose) bei meinem Diplomvater als Ingenieurin in einer öffentlich finanzierten Forschungseinrichtung beschäftigt, seit Januar 2013 unbefristet.

    Diesen Job habe ich bekommen, nachdem ich damals im Juni 2011 meinen Diplomvater kontaktiert und ihn gefragt hatte, ob er mir einen Job anbieten könne, da ich eine Psychose hatte. Seitdem bin ich an den Computer-Angelegenheiten in der Abteilung beteiligt und je nach dem, was anfällt, auch mal an wissenschaftlichen Angelegenheiten. Außerdem mache ich auch im Betriebsrat mit.

    Es ist ein Job, der individuell auf mich (meinen gesundheitlichen Zustand und meine Qualifikationen) zugeschnitten ist und ohne meinen Chef nicht möglich wäre. Ich erarbeite mir selbst meine tägliche To-Do-Liste und setze selbst die Prioritäten. Mein Chef hat von mir lange nichts mehr Konkretes verlangt, zuletzt in diesem Sommer, ob ich einige Passagen aus zwei japanischen Patenten sinngemäß übersetzen könnte.

    Letztes Jahr und dieses Jahr hatte ich die beiden Rückfälle, und dadurch bin ich länger ausgefallen, mit Klinikaufenthalt, Wiedereingliederung, usw. Vor den Wiedereingliederungsmaßnahmen hatte ich ein (obligatorisches) Gespräch mit meinem Chef, wie ich bei meiner Genesung unterstützt werden kann. Er war immer wohlwollend, großzügig und flexibel. Ich denke, so einen Job finde ich kein zweites Mal :heart:

    LG,
    Mowa

    #72131

    Du hast wirklich Glück mit Deinem Job, @Mowa.

    Ich aber auch. Mit 5mg Olanzapin war ich 4 Jahre lang nicht wirklich arbeitsfähig.
    Mein Chef hat mich gedeckt.

    #72165

    Ja, da habt ihr wirklich Glück. Mein Chef war da leider nicht so verständnisvoll.

    #72169
    Isa

      Mein Chef in dem Job bevor ich berentet wurde, war auch nicht verständnisvoll. Mir wurde quasi gekündigt, bzw. die Hälfte der Stelle gekürzt und das obwohl ich krankgeschrieben war und auch noch im öffentlichen Dienst. Aber finde ich super, @Mowa und @Dibadu, dass ihr so verständnisvolle Chefs habt. Es gibt sie also doch, die guten.

      #72187

      Wow, das klingt echt nach einem Traumjob!
      Und wissen deine Kollegen und Kolleginnen auch alle Bescheid von deinen Psychosen?

      #72197

      Danke @DiBaDu, @Dopplereffekt, @Isa und wunder, Ihr habt so recht!


      @wunder
      , ja, inzwischen haben die meisten Kollegen mitbekommen, dass ich Psychotikerin bin. Ich war auch meistens offen mit meiner Erkrankung, und persönlich habe ich keine schlechte Erfahrung damit gemacht.

      Ich glaube, dass es meinen Kollegen auch guttut, wenn sie sehen, dass ich auch stabil und normal sein kann. Es gibt viele, die keine Ahnung haben, was Psychose bedeutet und sonst auch keine oder kaum Berührungen mit psychischen Erkrankungen haben.

      Es freut mich sehr, wie normal der Umgang miteinander ist und wie viel Unterstützung ich im Hintergrund von meinem Chef erfahre.

      Wir sind auf dem Nachhauseweg und sitzen im IC. Beide sind wir schon sehr müde. Eigentlich wollten wir erst gegen 19 Uhr den Zug nehmen, aber darauf hatten wir keine Lust mehr. Zum Glück haben wir freie Sitzpltze gefunden.

      Bis später und LG,
      Mowa

      #72309

      Richtig schön, da kann man echt neidisch werden! Tut bestimmt auch der Psyche gut, so offen damit umgehen zu können. Ich verstecke die Krankheit wo es nur geht und habe große Angst vor Vorurteilen und Verurteilungen.

      #72327

      Hallo @wunder,

      das verstehe ich gut, bestimmt würde es mir auch sehr nahegehen, wenn sich jemand offen feindselig mir gegenüber äußern würde. Ich kann ja nicht wissen, welche Äußerungen fallen, wenn ich nicht dabei bin, aber bis jetzt war keine/r der Kollegin/e blöd zu mir oder allgemein zu psychisch Kranken. Nur ein, zwei Male habe ich indirekt erfahren, dass meine Offenheit nicht bei jedem gerne gesehen wird.

      Vor und nach meinen Rückfällen war ich auch psychisch nicht stabil. Besonders, wenn sich eine Psychose bei mir abzeichnete, habe ich in machen Situationen mich bestimmt sehr unpassend verhalten und überreagiert. Wäre ich dann gekündigt worden und hätten meine Kolleg*innen nichts mehr von mir gehört und gesehen, dann wäre es auch verständlich, dass sich bei den Nicht-Psychotikern ihre Vorurteilen und Verurteilungen verfestigen.

      Dadurch aber, dass ich nicht gekündigt wurde und mein Chef mich immer unterstützt hat, haben die Kolleg*innen auch mitbekommen, dass ich mich wieder von Psychosen erhole und meine Erkrankung dann in den Hintergrund rückt. Das hat sicher einen positiven Effekt bei meinen Kolleg*nnen im Umgang mit mir, und natürlich auch umgekehrt; Mein Job hat entscheidend zu meiner Stabilisierung und Genesung beigetragen, das war nach meiner ersten Psychose schon so.

      Daher denke ich, dass es vielen psychisch Kranken wesentlich besser gehen würde, wenn sie einen Job hätten, von dem sie nicht nur leben können, sondern auch als Mitarbeiter*innen wertgeschätzt werden, trotz krankheitsbedingter Einschränkungen. Vielleicht müssten dann nicht so viele Psychopharmaka zum Einsatz kommen wie heute.

      ***
      Apropos, gestern Nachmittag habe ich von meinem Chef erfahren, dass ein früherer Chef G. von mir in London „sich sehr fürsorglich“ nach mir erkundigt hatte. Sie haben sich jetzt wohl auf einer Konferenz gesehen und gesprochen. Das hat mich sehr gefreut :heart:

      G. weiß von meiner Erkrankung, denn 2011, nach meiner ersten Psychose, hatten wir noch eine gemeinsame Veröffentlichung und zuvor habe ich ihm und den anderen Ko-Autoren erklärt, dass ich neulich eine Psychose hatte und nicht mehr zur Veröffentlichung beitragen kann.

      Außerdem ist es so, dass ich 2017 und 2018 versucht hatte, ein Projekt für psychisch Kranke in der Wissenschaft und Forschung zu initiieren. Damals habe ich auch ihn per E-Mail eingeladen, ob er das Projekt nicht unterstützen würde usw., aber leider habe ich von ihm nichts mehr gehört.

      Ja, und so kam es, dass ich seitdem dachte, dass G. nicht mehr von mir belästigt werden möchte usw. und hatte mich damit abgefunden. Daher war meine Freude sehr groß, als ich die Nachricht von meinem Chef gestern empfangen habe. Ich komme heute noch ins Schwärmen, wenn ich an die Zusammenarbeit mit G. und meinen anderen Chefs in London denke… Ein Einzeiler hat mich so unglaublich fröhlich gemacht :yahoo:

      So, ich habe ein Mittagsschläfchen gehalten. Jetzt hänge ich die Wäsche auf, mache etwas Ordnung, gehe duschen, dann ist es auch schon Zeit für die Fahrt zur Veranstaltung mit Martin Sonneborn :yahoo: Soll bis 22 Uhr gehen, vielleicht trinke ich noch eine halbe Tasse Kaffee vorher.

      Schönen Samstag an Alle & LG,
      Mowa

      #72381

      bis jan2016: Dauermedikation mit Aripiprazol 15 mg, dann Reduktion auf 10 mg mit ärztlicher Begleitung

      Hallo @mowa,

      ich habe mir nochmal deine ersten Posts durchgelesen. Wie hast du denn die Reduktion von 15mg auf 10mg Aripiprazol gemacht? Schrittweise oder abrupt? Hattest du dabei Absetzsymptome?

      #72442
      Anonym

        Ein Einzeiler hat mich so unglaublich fröhlich gemacht

        :yahoo: Schön und herzerwärmend.

        Viel Vergnügen am Abend, lgB

        #72536

        Ups, da habe ich gar nicht auf deinen letzten Post geantwortet. Es freut mich natürlich auch, dass dich der Einzeiler glücklich macht ;-)

        Dann viel Spaß mit Martin Sonneborn!

        #72607

        Liebe @Bernadette, lieber @Dopplereffekt, vielen Dank für Eure Zeilen.

        ich habe mir nochmal deine ersten Posts durchgelesen. Wie hast du denn die Reduktion von 15mg auf 10mg Aripiprazol gemacht? Schrittweise oder abrupt? Hattest du dabei Absetzsymptome?

        Soweit ich mich erinnere, habe ich mit meiner damaligen Psychiaterin von 15 auf 10 mg abrupt reduziert.

        Allerdings war sie sehr skeptisch und auf eine weitere Reduktion oder gar Absetzen ist sie nicht eingegangen. Daher bin ich den weiteren Weg ohne Arzt gegangen, bis ich im Januar 2017 umgezogen bin und glücklicherweise meinen jetzigen Psychaiter später getroffen habe.

        Absetzsymptome hatte ich keine bzw. nichts, was mir als solche vorkam. Übrigens habe ich auch nichts gemerkt, als ich ein halbes Jahr später im Juli 2016 abrupt 10 mg abgesetzt habe. Auch nicht, als ich zwei Jahre später im Juli 2018 abrupt 7,5 mg abgesetzt habe.

        Dabei möchte ich noch betonen, dass ich nach und nach mit Psychosen und NLs Erfahrungen gesammelt habe. Nach meiner ersten Psychose hatte ich erstmal knapp 6 Jahre Dauermedikation. Während dieser Zeit war ich zwar stabil (plus natürlich meine Nebenwirkungen Gipskopf + Adipositas), aber im Umgang mit Psychosen und NLs hatte ich nichts dazugelernt.

        Erst als ich bewusst erfahren habe, wie es sich ohne Medikamente anfühlt und wie sich bei mir eine Psychose anbahnt, konnte ich mich besser einschätzen.

        Dieser geordnete Lernprozess per Trial & Error hat mir persönlich ganz klar weitergeholfen. Ich habe eben das Glück, dass mich mein Umfeld unterstützt und ich trotz meiner Experimentierfreudigkeit und der beiden Rückfälle meine Lebensgrundlage erhalten konnte. Ohne dieses Umfeld wäre ich sicher längst arbeitslos, und vielleicht sogar auch obdachlos.

        ***
        Ja, Sonneborn gestern war prima, ich finde seine politische Tätigkeit äußerst sinnvoll, nicht nur unterhaltsam. Es ist gut, dass er weiterhin im Europaparlament sitzt und seine Redezeiten nutzt oder aus seinem Alltag als Parlamentarier berichtet. Sonneborn ist mir sehr sympathisch :heart:

        Heute will ich mich faul fühlen. Einige Weihnachts- und Neujahrskarten könnte ich noch basteln. Gestern habe ich vier Stück geklebt.

        Einen schönen zweiten Advent wünsche ich,
        Mowa

        #72632

        Vielen Dank für deine Antwort und ebenfalls einen schönen zweiten Advent :-)

        Deine Erfahrung, dass du erst mit dem Reduzieren dazulernen konntest, ist in gewisser Übereinstimmung mit dem, was ich gerade lese („Medikamentenreduktion und Genesung von Psychosen“ von Jann E. Schlimme, Thelke Scholz und Renate Seroka). Jedenfalls kommt dabei raus, dass man sich mit der eigenen Psychose kaum auseinandersetzen kann, wenn alles abgeblockt wird durch Neuroleptika. Allerdings empfehlen sie eine langsame Reduktion in 10%-Schritten alle 6 Wochen. Somit ist selbst mein Schritt von 15mg auf 12,5mg Aripiprazol eigentlich schon ein sehr großer. Nach der Methode dauert es leider sehr lange, bis man signifikant reduziert hat.

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