Notizen von Mowa

  • Dieses Thema hat 3129 Antworten sowie 60 Teilnehmer und wurde zuletzt vor vor 5 Jahren von Mowa aktualisiert.
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  • #69728

    Hallo @Dopplereffekt,

    erstmal danke, dass Du mich nach meinen Erfahrungen fragst. So wie ich mitbekommen habe, können keine zwei Psychosen miteinander wirklich verglichen werden, da diese unterschiedliche Ursachen und unterschiedlichen Verlauf haben. Bei Medikation ist es ja auch so, dass Patienten unterschiedlich auf das Präparat und die Dosis reagieren.

    Bei mir war es so, dass meine Psychosen bislang in Schüben aufgetreten sind, die medikamentös unterdrückt wurden. In den Kliniken habe ich wohl immer sehr schnell und sehr gut auf die Medikamente angesprochen. Und als ich reduziert oder abgesetzt habe, hatte ich kaum Absetzsymptome. Daher weiß ich nicht, inwieweit Deine Psychosen mit meinen vergleichbar sind, und ob mein Umgang Dir weiterhelfen kann.

    So wie Du schreibst, wie Deine Strategien bei Symptomen sind, finde ich auch gut. Einerseits kann ich mir sagen: „Mein Gehirn will mich wieder verarschen!“ (die Vorstellung des Gehirns als höchstes Organ finde ich immer noch hilfreich), und andererseits kann ich zur gleichen Zeit bewusst psychotische Gedanken und andere Symptome walten lassen und diese beobachten.

    In Psychoedukation wird uns Patienten ja nahegelegt, wie man eine alltägliche Situation gesund einschätzt. Und es ist ja tatsächlich so, dass die Wahrnehmung und dann die Interpretation des Wahrgenommenen bei akuten Psychotikern ver-rückt sind. Auch in gesunden Phasen die Wahrnehmung und deren Interpretation bewusst zu schulen, halte ich schon für förderlich.

    Vor allem in frühen psychotischen Phasen habe ich die Erfahrunge gemacht, dass die Wahngedanken durchbrochen werden können, indem ich die Situation in Ruhe analysiert und sich vergewissert habe, dass sie keine bedrohliche ist, dass nur der eigene Kopf wieder versucht einen zu täuschen. Wie viel diese Strategie die Medikamente letztlich ergänzen und ersetzen kann, dazu habe ich noch zu wenig Erfahrungen mit Psychosen…

    Abgesehen von solchen ad hoc Maßnahmen gegen Symptomen halte ich auch für sinnvoll, in ruhigen Minuten auch mal über die Ursachen der Psychosen nachzudenken. Wie konnte es wiederholt zu solchen Extremsituationen kommen, hätte es nicht Alternativen gegeben? Wie kann ich anders mit mir umgehen, um mich nicht nochmal dermaßen zu überfordern? Usw.

    LG,
    Mowa

    #69761

    Danke @mowa, für deine hilfreiche Antwort.

    Interessant finde ich, dass du anscheinend auch zwei Strategien anwendest. Das walten lassen und beobachten der Symptome könnte ich nochmal besser ausprobieren, falls nochmal eine Psychose auftritt (ich hoffe das natürlich nicht). Ich bin in der Psychose vor allem sehr hart gegen die eigenen Gedanken angegangen. In meinem Kopf sah aus, wie auf einem Schlachtfeld. Vielleicht war das ein Fehler. Vielleicht verlieren psychotische Gedanken ihre Macht, wenn man sie zulässt und beobachtet.

    Jedenfalls bewirken die Neuroleptika bei mir, dass mir psychotischen Gedanken egal sind und dass ich sie schmerzfrei zulassen kann, ohne dass sie mir schaden. Wenn ich das ohne Neuroleptika hinbekäme, könnte ich mir vorstellen, ohne die Medikamente zu leben.

    Die Extremsituation war für mich ein Umzug. Das werde ich kaum verhindern können. Dazu kamen meine allergischen Beschwerden, wegen derer ich übervorsichtig geworden bin, was beispielsweise Materialien angeht. Gegen die allergischen Beschwerden kann ich nur begrenzt etwas tun. Aber ich kann versuchen an mich zu halten, was die Übervorsichtigkeit angeht. Dann war eben noch der Job recht stressig. Dagegen kann ich auch nicht viel machen, außer eben arbeitslos zu bleiben, was ich nicht will. Auch hier kann ich natürlich versuchen gelassener zu bleiben. Ein ganz wichtiger Punkt war wohl auch meine soziale Isolation. Dagegen versuche ich anzugehen, indem ich bestehende Kontakte pflege und versuche neue aufzubauen. Außerdem bin ich deshalb zurück in meine Heimatregion gezogen. Das wäre so kurz gefasst meine Problematik und wie ich damit umgehe. Ich denke, ein insgesamt relaxterer Umgang und mehr Leute um mich sind der wesentliche Schutz, den ich aufbauen möchte.

    liebe Grüße,
    Dopplereffekt

    PS: Dein Profilbild finde ich wirklich schön, obwohl ich immer noch dein altes Profilbild im Kopf habe.

    #69778

    So, heute Morgen hatte ich einen regulären Psychiater-Termin.

    Folgendes habe ich ihm erzählt:

    • seit etwas über 2 Monaten nehme ich täglich Aripiprazol ein
    • die ersten 10 Tage 5 mg, seitdem halbe 5 mg Tabletten
    • der Tablettenteiler halbiert nicht genau, sondern eher im Verhältnis 2:3
    • die Wirkungen spüre ich, machen mich stabiler und stressresistenter
    • die Arbeit erschöpft mich auch weniger
    • die Japan-Reise, die wir jetzt nachgeholt haben, war auch unproblematisch
    • leider bemerke ich auch die Nebenwirkungen, d.h. Appetitsteigerung und Gips im Kopf

    Dann habe ich meinen Psychiater darum gebeten, mir die Aripiprazol-Lösung zu verschreiben, damit ich die Dosis weiter reduzieren und dabei genau dosieren kann. Meine Hoffnung ist, dass ich weiterhin einen ausreichenden Schutz behalte aber weniger Nebenwirkungen habe. Damit war er einverstanden.

    Später am Nachmittag werde ich in unserer Apotheke die Aripiprazol-Lösung abholen. Ab morgen will ich erstmal nur noch 1 mg Aripiprazol nehmen und sehen, ob ich einen Effekt spüre. Ich würde auf 2 mg hoch dosieren, wenn es mir damit schlechter geht.

    #69779

    Alles Gute @Dopplereffekt. Ich habe seit 2010 bis heute über 9 Jahre gebraucht um meine persönlichen Einsichten zu gewinnen, und der Lernprozess setzt sich ja immer weiter fort.

    Mit der Reduktion, da bin ich mir sicher, dass Du auch Deine persönlichen Erfahrungen sammelst und einen guten Weg für Dich findest :rose:

    #69782

    Danke @mowa!

    Das waren wirklich gute Fragen, die du da gestellt hast. Mir ist nochmal klarer geworden, dass meine Psychose im Wesentlichen aus den vier Faktoren Umzug, Gesundheit, Job und soziale Isolation, sowie dem Umgang damit entstanden ist. Ich hoffe das hält mich auch erstmal vom Grübeln ab, wie ich die Psychose hätte verhindern können und lässt mich mehr vorwärts blicken, wie ich eine weitere Psychose verhindern kann. Ich hatte dank dir mal wieder konstruktive Gedanken dazu :good:

    Schön, dass du so einen verständnisvollen Psychiater hast. Meiner pocht leider sehr auf die Richtlinien. Viel Erfolg bei deiner weiteren Reduktion!

    #70097

    Ja, Anfang September hatte ich nochmal eine Gelegenheit persönlich mit meinem Chef darüber zu sprechen. Leider ist es so, dass er den Kollegen zwar schätzt und die Zusammenarbeit mit ihm immer angenehm war, aber dennoch alleine nicht entscheiden kann.

    Mein Kollege wollte mit seinem Vorgesetzten ein persönliches Gespräch suchen, und möglicherweise ist das die letzte Chance, dass er doch noch bei uns bleiben kann. Er selbst hat sicher keine Probleme, einen neuen Job zu finden, nur wäre es eben sehr schade für uns.

    Eben habe ich erfahren, dass der Vertrag des Kollegen jetzt entfristet wurde. Das macht mich glücklich :yahoo:

    Ich werde ihm später gratulieren, und bei meinem Chef möchte ich mich auch bedanken :good:

    #70099

    ach das ist ja toll @mowa    :good:

    wie bekommt dir denn die reduktion ? kommst du gut zurecht mit der lösung ?

    liebe grüße und alles gute weiterhin

    #70103

    Liebe @erdbeere,

    danke für die Rückmeldung. Ja, die Lösung ist prima, schmeckt nach Hustensaft. Die Reduktion, es ist ja erst mein 2. Tag, davon merke ich nichts. Vielleicht kann ich nach einer Woche oder so mehr dazu schreiben…?

    LG,
    Mowa

    #70104

    Schön, dass du dich so sehr für deinen Kollegen freust :-)

    #70105

    Nicht ganz uneingennützlich, aber ja B-)

    #70114

    ok, dann auf jeden fall alles gute für die reduktion    :-)

    #70319

    Danke schön @erdbeere.

    In Psychoedukation wird uns Patienten ja nahegelegt, wie man eine alltägliche Situation gesund einschätzt.

    Korrektur: Mir ist später eingefallen, dass das ja metakognitives Training ist und keine Psychodedukation.

    Gestern Nachmittag, am 3. Tag der Reduktion, hatte ich abweichendes Empfinden, das vielleicht milde Absetzsymptome waren.

    Das äußerte sich in der gesteigerten Empfindlichkeit gegenüber visuellen und akustischen Reizen. Ich hatte dabei das Gefühl, dass meine Aufmerksamkeit leicht von Reiz zu Reiz springt und diese Reize innerlich mild nachklingen. Außerdem hatte ich wiederholt Kribbeln an der Kopfhaut, das kenne ich von früher und trat zusammen mit deutlicheren Frühwarnsymptomen auf.

    Ich denke, das hat nicht nur mit der Reduktion etwas zu tun, sondern auch mit dem gesteigerten Stress. Ich gewöhne mich erst noch an das ständige Arbeiten / Konzentrieren wieder, nachdem ich wochenlang Urlaub hatte und zuletzt wegen der Erkältung 10 Tage krankgeschrieben war. Jedenfalls fühle ich mich seit gestern Nachmittag wieder entspannter und robuster. Gleich um 6 Uhr nehme ich wieder 1 mg Aripiprazol ein.

    Das Wochenende kommt rechtzeitig :-)

    • Diese Antwort wurde vor 6 Jahren, 2 Monate von Mowa geändert.
    #70342

    Ist das metakognitive Training nicht auch Teil der Psychoeduktion? Ich fand deinen Text jedenfalls sehr hilfreich.

    Pass gut auf dich auf und hab ein schönes Wochenende ;-)

    #70513

    Danke Dopplereffekt. Kann sein, dass es so ist, wie Du schreibst. In der Klinitk waren bei mir die beiden Therapiestunden voneinander getrennt.

    So langsam müssten wir die Weihnachtskarten nach Chile und nach Kuba abschicken, damit sie hoffentlich rechtzeitig ankommen. Wir haben aus Japan 35 Neujahrskarten von Unicef mitgebracht, jeweils mit einer Maus-Illustration, weil das kommende Jahr 2020 nach dem japanischen (bzw. ursprünglich chinesischen) Kalender das Jahr der Maus ist.

    Leider habe ich heute festgestellt, dass die Qualität der Karten nicht so gut ist (dünnes Papier, blasse Farben). Daher habe ich beschlossen, die Weihnachts- und Neujahrskarten dieses Jahr selbstzubasteln. Dazu habe ich das schön dicke Aquarellpapier in der DIN-A4-Größe geviertelt und eine Maus aus japanischem Buntpapier mit der Chigiri-e-Technik draufgeklebt:

    Im Moment brauche ich etwa 30 Minuten pro Karte. Vielleicht kann ich nicht alle 30 Karten selbstbasteln, aber vielleicht so die Hälfte davon.

    Vorhin musste ich wieder mal die Cortison-Salben auf die Hände auftragen. Meine Neurodermitis hat sich wieder mal verschlechtert, und die Entzündungsherde breiten sich an anderen Körperstellen aus, v.a. sind die Beine und das Gesicht betroffen…

    Gestern Abend hatte ich seit Langem wieder einen Stimmungstief und habe viel geschlafen. Ob das auch von der Aripiprazol-Reduktion kommt…? Heute geht es mir gut, und die Stimmung ist auch stabil.

    • Diese Antwort wurde vor 6 Jahren, 2 Monate von Mowa geändert.
    #70517

    Hallo,

    deine Karten sind echt schön :-)

    Vielleicht kommt das Stimmungstief ja von dem Neurodermitisschub. Dann creme dich mal gut ein. Was nimmst du eigentlich als Basispflege? Hast du eigentlich mal cortisonfreie Mittel wie Protopic oder Elidel ausprobiert? Bei mir haben sie leider nicht ausreichend geholfen, aber vielleicht wären sie ja etwas für dich.

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