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Mowa aktualisiert.
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03/01/2021 um 3:52 Uhr #139767
Dein Bild finde ich ganz toll, für mich ist es wie für Molly auch ein Tunnel lg
03/01/2021 um 4:42 Uhr #139769Guten Morgen zusammen,
Wollte nur anmerken, dass das Forum leserfreundlich ist/wird, wenn Form und Inhalt ausgewogen sind.
Das stimmt, und ich kann mir auch gut vorstellen, dass der Stil nicht jedem Forenuser gefällt.
Ich hatte schon geschrieben, dass du da vorsichtig sein solltest. Daher finde ich es gut, dass du den Kritikpunkt jetzt aufnimmst.
Ja, und es ist gar nicht so einfach, den Beitrag so formulieren, dass Missverständnisse ausgeräumt sind. Ich werde schon noch schreiben, dass ich trotz der beiden Rückfälle unterstützt wurde, einfach weil es ein Fakt ist. Nur wenn ich über meine Leistungseinschränkungen schreibe, dann sollte ich klarstellen, dass ich mich mit mir selbst vergleiche und nicht mit meinen Kollegen.
Das Sonnenbild finde ich eindrucksvoll und irgendwie auch krass.
Also so ähnlich, wie Leute mit Nahtoderfahrungen erzählen.
für mich ist es wie für Molly auch ein Tunnel
Danke @Dopplereffekt, @Molly und @Hannah! Ich finde es super, wenn Beobachter etwas Eigenes im Bild sehen. Deswegen frage ich mich, ob ich überhaupt etwas dazu schreiben sollte, was es darstellen soll.
Was mir aufgefallen ist, ich hatte mir zwei Bilder ausgesucht, die entstanden waren, als ich nicht mehr akut war und mit relativ hoher Dosis von Neuroleptika behandelt wurde. Und für mich sind diese NL-Wirkung in diesen Bildern sichtbar. Das merke ich genauso, wenn ich meine früheren Beiträge im KNS-Forum lese.
Im Vergleich zeigen das Sonnenbild und das Baumbild einen Teil von mir, der nach Außen hin normalerweise verborgen bleibt, mit Medis dann sowieso. Und bei diesen Bildern dachte ich auch, als müsste ich sie mehr erklären und rechtfertigen, was sie sollen.
Vielleicht ist das auch eine Art der Selbststigmatisierung
Wünsche allen einen entspannten Sonntag
LG,
Mowa03/01/2021 um 6:36 Uhr #139787
Anonym
Morgen Mowa. Ich mag dein Bild, es lädt zum anfassen ein. Ich würde gern das Relief unter meinen Fingerspitzen spüren und schauen ob es dann auch noch so aufgeregt ist. Ich mag es sehr.
03/01/2021 um 9:54 Uhr #139799Ich finde nicht, dass das letzte Bild etwas ausdrückt, das speziell mit psychischer Krankheit zu assoziieren ist. Es hat aber trotzdem spirituelle Tiefe.
03/01/2021 um 10:15 Uhr #139802Nur wenn ich über meine Leistungseinschränkungen schreibe, dann sollte ich klarstellen, dass ich mich mit mir selbst vergleiche und nicht mit meinen Kollegen.
Das ist wirklich dünnes Eis, auf dem du dich da bewegst. Um dich selbst nicht zu gefährden, solltest du deutlich machen, dass du eben fit für den Job bist. Wenn du dich mit dir selbst vergleichst und schreibst, dass du früher viel mehr konntest, jetzt aber immer noch gut in deinem Job bist, könnten das Kollegen auf gleicher Stufe komisch auffassen. Vielleicht mache ich mir da aber auch zu viele Gedanken.
Zu den Bildern fände auch ich es interessant zu wissen, welche in einer akuten Phase entstanden sind. Das geht den Lesern wahrscheinlich genauso. Etwas Text wäre dazu wäre also ganz schön.
03/01/2021 um 15:38 Uhr #139831Das Bild mit der Sonne gefällt mir sehr gut.Glaub bei mir wäre in der Mitte dunkel und aussen helleres grau, so vom ersten Gefühl her.Finde es drückt aus das es ganz innen bei Dir viele Gute Gefühle gibt.
Wünsch Dir nochmal ein frohes neues Jahr.
Liebe Grüsse :bye:
04/01/2021 um 4:47 Uhr #139882Guten Morgen zusammen,
danke schön @Ladybird, @Molly, @Dopplereffekt und @Blumenduft.
könnten das Kollegen auf gleicher Stufe komisch auffassen.
Es ist mir schon klar, dass ich generell auf die Wortwahl achten sollte. Es ist ja so, dass eine wissenschaftliche Tätigkeit höher bezahlt wird als eine technische. Daher ist es nichts Kontroverses, wenn ich darüber schreibe. Meinen Job und meine sozialen Kontakte gefährden werde ich nicht, glaube ich, da mache ich mir keine Sorgen
Am Samstag haben wir uns Paprika angeschaut, war ziemlich bizarr und stimulierend. Diese Anime soll die Vorlage für Inception gewesen sein, den ich auch nicht kenne.
Gestern haben wir die erste Hälfte von „The Life of Oharu“ (1952) von Kenji Mizoguchi angesehen. Das erste Mal habe ich den Film in einem Londoner Kino gesehen, so vor 15 Jahren, habe mir dann die DVD gekauft und sie irgendwann meiner Schwester geschenkt. Jetzt habe ich entdeckt, dass der Film online verfügbar ist
Gleich skype ich zusammen mit meiner Mutter und meinem Bruder. Meine Schwester hat sich aus der Skype-Gruppe ausgeklinkt. Es gab wohl einen Streit mit Mutter, und als ich versucht habe zu vermitteln, wollte sie sich auch von mir abgrenzen. Es ist nicht immer einfach!
Die erste Arbeitswoche in 2021 fängt für mich etwas erschöpft an. Letzte Woche war ja ein Streit zu Hause, dann der Konflikt in meiner Familie, dann zusätzlich auch meine Blutung. Ich bewege mich auch viel zu wenig, ich will bald wieder meine Gewichtsübungen machen!
Im Laufe der Woche muss ich das Protokoll der letzten Betriebsratssitzung fertig tippen und abgeben. Ansonsten arbeite ich weiter an meinem Beitrag. Eigentlich habe ich schon 3 Tage oder so Überstunden gesammelt, weil ich während der Weihnachtspause auch an diesem Beitrag gearbeitet habe. Daher werde ich auch nicht so streng auf die täglichen 8 Stunden Arbeitszeit achten.
Wünsche allen einen guten Wochenstart
LG,
Mowa04/01/2021 um 4:58 Uhr #139884Super, dass es Oharu Online gibt. Vielleicht schau ich mal rein.
04/01/2021 um 7:23 Uhr #139894Viel Spaß @Molly, falls Du die Muße findest Dir den Film anzuschauen. Die Aufnahmen finde ich sehr schön. Leider gibt es noch keine deutschen Untertitel…
So, vorhin habe ich eine Kurzversion von meinen Gewichtsübungen durchgeführt und bin wie aufgeladen
04/01/2021 um 10:51 Uhr #139907Ich würde mich auch ehrlich gesagt nicht trauen, so einen Artikel zu schreiben, weil ich Angst um die Stelle hätte. Meine Stelle habe ich verloren, nachdem die Leistungseinbußen offensichtlich wurden. Daher kommt wohl meine Vorsicht. Du hast dagegen deine Leistungsfähigkeit trotz Krankheit schon unter Beweis gestellt und daher auch nicht so viel zu befürchten.
Wird dein Artikel eigentlich auch online veröffentlicht? Ich würde ihn gerne ein paar Leuten zeigen.
dir auch einen guten Wochenstart!
04/01/2021 um 20:18 Uhr #139995Hallo @Dopplereffekt,
finde ich nachvollziehbar, dass Du vorsichtig bist. Das Beiheft, in dem mein Beitrag erscheinen wird, wird offiziell nur im Intranet veröffentlicht. Ob ich die pdf-Datei weitergeben kann, müsste ich erst noch erfragen
LG,
Mowa04/01/2021 um 20:35 Uhr #139997Version: 04.01.2021 19:45 Uhr
Inklusion und Stigma am Arbeitsplatz
– Perspektive einer Psychoseerfahrenen –
MowaNiemand ist frei von psychischen Belastungen. Je nach Intensität und Dauer können sie jeden Menschen krank machen – auch am Arbeitsplatz. Um so wichtiger ist eine Führungskultur, die sich positiv und offen der Prävention von psychischen Erkrankungen und der Inklusion von Betroffenen annimmt. Dass dies nur unzureichend passiert und das Stigma scheinbar vorherrscht, zeigt sich auch am Beispiel des Mental Health Collective (MHC), das von Mitarbeitenden selbst initiiert wurde und ehrenamtlich geblieben ist (1).
Im Oktober 2020 hat das MHC die *** mit großem Erfolg veranstaltet, mit mehr als 1100 Teilnahmen an diversen Vorträgen und Seminaren zum Thema psychische Gesundheit. Zweiwöchentlich findet auch die *** statt, die einen offenen Austausch im geschützten Raum auch über psychisch belastende Erfahrungen ermöglicht. Trotz der deutlichen Nachfrage ringt das MHC bis heute um finanzielle und personelle Unterstützung. Eine aktive Mitwirkung der Leitungs- und Führungsebene der *** scheint hier längst überfällig.
Im Folgenden möchte ich mich als Mitarbeiterin der *** und als Betroffene mit einer psychischen Erkrankung zu erkennen geben. Ich hoffe, sowohl Betroffene als auch Nichtbetroffene dazu einladen zu können, eigene Haltungen zu überdenken und selbst zum Abbau von Stigma beizutragen.
Als ich im November 2010 aus meinem ersten Psychiatrieaufenthalt entlassen wurde, kam ich mir wie eine Außerirdische vor. Alles um mich herum war grell, rau und fremd. Ich konnte nicht fassen, was mit mir passiert war. „Paranoide Schizophrenie, Erstmanifestation“ – was bedeutete das? Mitten in der geschäftigen Altstadt von Freiburg im Breisgau, wo ich das Jahr zuvor als Medizinstudentin im Zweitstudium verbrachte, nahm meine kleine Schwester meine Hand und half mir über die Straße.
„Was sind Ihre Visionen für die nächsten 10 Jahre?“, wurde ich einige Monate später gefragt, im Bewerbungsgespräch bei einer NGO, die sich mit Ökologie und Nachhaltigkeit befasste. In diesem Augenblick wusste ich nur, dass ich im letzten Sommer einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte, der Psychose hieß; dass ich ein Medikament einnahm, das Neuroleptikum hieß; dass es mir etwas besser ging und ich nicht mehr nur bettlägerig war; dass mein Kopf sich wie eingegipst anfühlte und meine Gedanken und Gefühle wie verschüttet waren; dass ich Adipositas bekam. Sprachlos und verlegen, verabschiedete ich mich.

Aufgenommen im Oktober 2010Seit diesem Tag kam es schon mal vor, dass ich mir ausmalte, was ich alles noch ohne meine Erkrankung und als Nachwuchswissenschaftlerin hätte erleben können. Und doch habe ich so viel in Fülle erlebt und gelernt, was es bedeuten kann, ein Mensch zu sein. Daher denke ich nicht, etwas verpasst zu haben oder zukünftig zu verpassen. Hätte ich dies vor 10 Jahren beim besagten Bewerbungsgespräch geahnt, hätte ich bestimmt geantwortet: „Mein großer Traum ist, dass immer mehr Menschen mit psychischen Erkrankungen ein so hohes Maß an Inklusion erfahren wie ich selbst“. Mit Inklusion meine ich vor allem meine Arbeit für die Abteilung von Prof. ***, zuerst am *** in *** und dann am *** in ***.
Erst durch die Sicherheit, die mir meine Arbeit gab, konnte ich meinen Genesungsprozess einleiten und diesen aufrechterhalten: Finanziell kann ich für mich selbst sorgen; bin von Menschen umgeben, die mich und meine Arbeit wertschätzen; habe eine Tagesstruktur. Darüber hinaus wurden mir Freiheiten gewährt, und ich konnte meine Arbeit inhaltlich weitgehend selbst gestalten, sei es im IT-Support, in Forschungsprojekten, oder inzwischen auch im Betriebsrat und Gesamtbetriebsrat. Meine beiden Rückfälle im Frühjahr 2018 und 2019, bei denen ich mit akuten Symptomen wie Hypomanie und Wahn teilweise auch auf der Arbeit war, haben nicht dazu geführt, dass ich ausgegrenzt oder gekündigt wurde. Im Gegenteil, ich habe weiterhin Geduld und Unterstützungen erfahren.
Dass es Stigma, Vorurteile und diskriminierendes Verhalten gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen gibt, schließen meine persönlichen Erfahrungen natürlich nicht aus. So geht es mir beispielsweise auch mit Rassismus. Nur weil ich selbst keine offenen Anfeindungen und Diskriminierungen aufgrund meiner Herkunft und der sonstigen Merkmale erlebt habe, bedeutet es nicht, dass es das nicht gibt. Viele Menschen mit psychischen Erkrankungen leben mit schweren Krankheitsverläufen und medikamentösen Nebenwirkungen, haben Schicksalsschläge und existenzielle Krisen durchstanden. Und viele Menschen sehnen sich nach mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, auch an der Arbeitswelt, und doch fristen viele Menschen ein Schattendasein am Rande unserer Gesellschaft.
„Haben Sie schon mal von der UN-Behindertenrechtskonvention gehört? Menschen mit psychischen Erkrankungen haben ein Recht auf Arbeit. Es geht nicht um Mitleid oder Almosen, wenn sie arbeiten wollen“. Das waren die einprägsamen Worte von Prof. Nicolas Rüsch, Psychiater und Stigmaforscher an der Universität in Ulm, die mich ins Staunen versetzten (2). Dieses Selbstbewusstsein und Selbstverständnis wünsche ich mir zuerst für mich selbst, sind doch meine Leistungen erheblich eingeschränkt, im Vergleich zu früher, als ich noch nicht erkrankt war? Wie passt das zusammen mit dem Vorzeigebild der ***, mit ihrer Spitzenleistung und Exzellenzforschung?

Öl auf Karton, 03.03.2018Bis ich selbst erkrankte, hatte ich keine Berührungen mit psychischen Erkrankungen. Mir fehlte das Wissen völlig, wie sehr psychische Erkrankungen gesellschaftlich stigmatisiert werden. Vor einigen Jahren bezeichnete ich mich einmal selbst als „Psycho“ und meinte es wertfrei, und doch wurde ich von einer langjährigen Freundin, die nicht von psychischen Erkrankungen betroffen ist, sofort korrigiert: „Sage bitte so etwas nicht über dich!“. Erst später habe ich verstanden, warum meine Freundin so schockiert war und dass die Bezeichnung „Psycho“ Stereotype von Menschen mit psychischen Erkrankungen implizierte, wie etwa: schwach; faul; gewalttätig; unberechenbar – und einfach nicht normal!
Was normal sein sollte, fiel mir schon immer schwer zu begreifen. Die Frage nach der eigenen Identität: „Was und wie bin ich und warum?“ beschäftigt sicher jeden Menschen. Mal mehr, mal weniger. Ich sehe mich selbst als das normalste Individuum meiner Welt und kann es mir kaum vorstellen, dass meine Mitmenschen über sich selbst anders denken könnten.
In der *** treffen Menschen mit verschiedensten Lebenserfahrungen, Überzeugungen und Fähigkeiten zusammen und arbeiten gemeinsam im Dienste der Wissenschaft, für die Allgemeinheit. Jeder Mensch ist ein einzigartiges Individuum, und wir alle können voneinander lernen, uns gegenseitig bereichern und einander respektieren. Genau darin besteht für mich die Exzellenz. Ich bin stolz, Teil dieser Gemeinschaft zu sein.
Referenzen:
(1) ***
(2) Persönliche Kommunikation. Siehe auch: Nicolas Rüsch, Das Stigma psychischer Erkrankung: Strategien gegen Ausgrenzung und Diskriminierung, Urban & Fischer/Elsevier, München, 1. Aufl. 2021, 332 Seiten.05/01/2021 um 9:28 Uhr #140024
Anonym
Guten Morgen liebe mowa, nun hast du deinen Beitrag fertig gestellt oder? Ich finde ihn vor allem gut verständlich und wünsche dir das er gut aufgenommen wird. LgB :bye:
05/01/2021 um 20:42 Uhr #140092Und doch habe ich so viel in Fülle erlebt und gelernt, was es bedeuten kann, ein Mensch zu sein.
Dieser Satz gefällt mir :good: .
Das Bild von 2010 interpretiere ich so, dass es dir schwer fällt, die Medikamente zu nehmen, so als wären die Tabletten viel zu groß zum herunterschlucken. Ist es so gemeint?
06/01/2021 um 6:29 Uhr #140113Guten Morgen zusammen,
danke schön @Bernadette und @Dopplereffekt.
nun hast du deinen Beitrag fertig gestellt oder?
An den grundsätzlichen Aussagen wird sich nicht mehr viel ändern, denke ich. Ich versuche weiterhin, Akzente besser zu setzen und Missverständnisse zu reduzieren. Meine Kollegin J. hat sich gestern wieder viel Zeit für mich genommen, und wir hatten ein gutes Gespräch
Ist es so gemeint?
Die Klinik hat einen schönen großen Garten, und dort habe ich bei einem Spaziergang die Eichel und den Kieferzapfen eingesammelt und daran gedacht, dieses Foto zu machen.
Ich glaube, dass ich mit diesem Bild meine kindlich-naive Verwunderung über meine Situation ausdrücken wollte, gleichzeitig mir auch einreden wollte, dass meine Situation eine spielerisch-harmlose ist.
So, jetzt kommt wieder eine überarbeitete Version. Wenn die sprachlichen Fehler beseitigt sind, werde ich den Entwurf an meinen Chef weiterleiten, vielleicht auch an Herrn Rüsch nochmal
LG,
Mowa -
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