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Mowa aktualisiert.
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27/12/2020 um 16:12 Uhr #138973
Anonym
@mowa, kann machmal deine Beiträge nicht lesen. Hoffe dir geht’s gut.
27/12/2020 um 19:33 Uhr #138989an die man als Privatperson kommt, wirklich schon so gut?
Hallo Dopplereffekt, ja finde ich schon. Bei meinem Text habe ich auch nur so an 10 Stellen oder so nachkorrigeren müssen. Ich werde aber einen Kollegen von mir, der gebürtig Engländer ist, darum bitten dass er diese Übersetzung überprüft. Es wäre mir wichtig, dass der Beitrag in möglichst gutes Englisch übersetzt wird. Ansonten Danke für Deine Rückmeldung!
Hallo Nichtraucher, insgesamt waren meine Psychosen wie aus dem Bilderbuch meine ich, bzw. „klassisch“, wie die Kliniksärzte mir auch mal sagten.
Ich hatte ja bis jetzt 3 Psychosen. Die erste in 2010, dann im Februar 2018 und zuletzt im April 2019. Sie waren im Detail teilweise sehr unterschiedlich.
Bei der ersten ging eine lange Erschöpfungsphase voraus, und irgendwann war ich plötzlich überzeugt, verfolgt und beobachtet zu werden. Ich hatte optische, haptische und gustatorische Halluzinationen. Vielleicht auch akustische, aber da bin ich mir nicht sicher, ob ich die Tierlaute tatsächlich gehört oder sie mir eingebildet habe. In meinem Wahn ging es im Kern darum, dass die Welt in Wahrheit von Wissenschaftlern mit übernatürlichen Fähigkeiten regiert wird usw.
Bei der zweiten Psychose ging auch eine Erschöpfungsphase voraus, aber nicht so lange wie bei der ersten. Danach kam die Hypomanie und der Wahn hinzu. Halluzinationen hatte ich nicht mehr, wohl aber verrückte Wahrnehmungsverzerrungen. Z.B. als ich mit geschlossenen Augen Musik gehört habe, habe ich bewegte Bilder gesehen, wie beim Daumenkino.
Bei der dritten Psychose, da glaube ich, dass ich eine Cortisonpsychose hatte. Ich hatte seit einigen Monaten Neurodermitisschub, der auch mit Cortisontabletten behandelt werden musste. Anschließend an die Stoßtherapie bin ich psychotisch geworden. Hier hatte ich u.a. den Wahn, dass mein Mann mit einer fremden Person Kind gezeugt hat usw., das war auch hart für meinen Mann. Ich habe die Wohnung halb verwüstet usw.
Bei den beiden Rückfällen hatte ich ja noch versucht, mit 0 mg Aripiprazol zurechtzukommen. Damals habe ich schon gemerkt, dass ich empfindlich auf Stress reagierte und Antriebsschwankungen hatte. Bei anhaltendem Stress habe ich auch Frühwarnsymptome bekommen, die meistens vorübergehend waren. Seitdem ich 1 mg Aripiprazol nehme, habe ich nur noch sehr leichte Antriebsschwankungen und keine Frühwarnsymptome mehr.
Danke Ladybird, mir geht es prima. Hoffe, Dir geht es auch gut
Inzwischen hat die Koordinatorin des MHC mir die Rückmeldung gegeben, dass ihr mein Beitrag sehr gefällt
Jetzt habe ich noch eine ganze Woche Urlaub. Mal überlegen, was ich tun will.
Wünsche allen noch eine gute Nacht
LG,
Mowa27/12/2020 um 19:38 Uhr #138990Dir auch eine gute Nacht, liebe Mowa!
28/12/2020 um 8:22 Uhr #139026
Anonym
Guten Morgen wünsche dir einen schönen Urlaub. Danke das du von deinen Psychosen berichtet hast. LgB
28/12/2020 um 10:22 Uhr #139028
Anonym
Danke!
28/12/2020 um 14:53 Uhr #139057Hallo zusammen,
danke schön @Molly und @Bernadette, und gern geschehen @Nichtraucher
Gerade habe ich Müdigkeitsattacken irgendwie. Gleich um 15 Uhr treffe ich mich mit einigen MHC-Mitgliedern, und wir machen eine virtuelle Kaffeepause
Ich glaube, gestern habe ich eine Blaumeise an unserer Futtersäule beobachtet. Es ist extrem selten geworden, dass wir Blaumeisen beobachten können. Heute waren einige Halsbandsittiche da. In unserer Nachbarschaft werden Wildvögel gut gefüttert.
Wünsche allen noch einen angenehmen Nachmittag
LG,
Mowa28/12/2020 um 20:20 Uhr #139108Ich werde aber einen Kollegen von mir, der gebürtig Engländer ist, darum bitten dass er diese Übersetzung überprüft.
Besser geht es ja kaum :good: Aber erstaunlich wie sich Sprachsoftware weiterentwickelt
Ich fand auch deine Berichte über deine Psychosen sehr interessant, vor allem, dass sie sich so stark voneinander unterschieden haben. Gerade das ist für mich eher eine schlechte Neuigkeit, da meine Versuche Triggern aus dem Weg zu gehen sehr weitreichend sind. Andererseits sollte es mir vielleicht zu Denken geben, wie sinnvoll das ist.
Ich habe mich nochmal mit jemandem über Rechte unterhalten und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass einem ein Recht wenig nutzt, wenn man es nicht durchsetzen kann. Hat Prof. Rüsch denn gesagt, wie oder wo man das Recht auf Arbeit durchsetzen kann? Ich hoffe, ich nerve mit der Frage nicht zu sehr, aber es beschäftigt mich doch immer noch, da es ja auch für mich selbst eine hohe Relevanz haben könnte.
Schön, wie du dich am Beobachten der Wildvögel erfreuen kannst.
liebe Grüße :bye:
29/12/2020 um 5:41 Uhr #139159Guten Morgen zusammen,
Hat Prof. Rüsch denn gesagt, wie oder wo man das Recht auf Arbeit durchsetzen kann?
Hallo Dopplereffekt, ich kann Dir das Buch von Prof. Rüsch nur empfehlen:
Nicolas Rüsch, Das Stigma psychischer Erkrankung:
Strategien gegen Ausgrenzung und Diskriminierung, Urban & Fischer/Elsevier, München, 1. Aufl.
2021, 332 Seiten.Im Kapitel 7.5.2 über die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) schreibt er auszugsweise Folgendes:
(…)
Grundlegend für die UN-BRK sind der Begriff der Würde, das Prinzip der Nichtdiskriminierung und das Prinzip der Selbstbestimmung. All dies steht Menschen mit Behinderung als unveräußerliches Recht zu. Wenn Betroffene aufgrund ihrer Behinderung ihre Rechte nicht wahrnehmen können, sollen ihre Rechte nicht durch einen Vertreter ausgeübt werden, sondern sie sollen bei ihrer Entscheidungsfindung unterstützt werden (Art. 12 Abs. 3).
(…)
Die Implikationen der UN-BRK für Menschen mit psychischen Erkrankungen sind vielfältig. Neben den erwähnten Grundlagen finden sich spezifische Regelungen. Artikel 25 formuliert das Recht auf das „erreichbare Höchstmaß an Gesundheit ohne Diskriminierung aufgrund von Behinderung“. Das schließt Rehabilitation (s. auch Art. 26), Frühintervention und gemeindenahe Versorgung ein (zu existierenden Defiziten in diesen Bereichen › Kap. 7.3.1 und › Kap. 7.3.3). Artikel 27 behandelt das „gleiche Recht von Menschen mit Behinderungen auf Arbeit“, incl. „Unterstützung bei der Arbeitsuche, beim Erhalt und der Beibehaltung eines Arbeitsplatzes“ (Art. 27 [e]). Das liest sich wie eine Kurzbeschreibung Unterstützter Beschäftigung (Supported Employment); diese psychosoziale Intervention ist im deutschsprachigen Raum allerdings bisher kaum umgesetzt (› Kap. 7.1.2). Alles in allem hat die UN-BRK großes Potenzial, die Lage besonders von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen zu verbessern. Doch die Umsetzung ist auch in westlichen Ländern unvollständig. Es ist zu hoffen, dass bestehende Defizite, die Menschen mit psychischen Erkrankungen betreffen, nach und nach behoben werden.
(…)
Artikel 33 verpflichtet die Vertragsstaaten, die Umsetzung und Einhaltung der UN-BRK zu überprüfen. Menschen mit psychischen Erkrankungen sind in die Erstellung dieser Berichte einzubeziehen (Art. 4 Abs. 3). Zu diesem Zweck gibt es in Deutschland eine Monitoring-Stelle am Deutschen Institut für Menschenrechte in Berlin (institut-fuer-menschenrechte.de). Das Institut erarbeitet regelmäßig Berichte, die auch den Vereinten Nationen vorgelegt werden. Auf Basis dieser und weiterer Berichte veröffentlichte die WHO 2018 eine Übersicht der Lage von Menschen mit geistigen oder psychischen Behinderungen in Europa, die in Institutionen leben (u. a. in Wohn- oder Pflegeheimen [676]). Diese Gruppe ist aufgrund der Schwere der Behinderung und der oft entlegenen Lage der Einrichtungen besonders von Einschränkungen ihrer Rechte bedroht. Untersucht wurde daher die Einhaltung von Menschenrechten, wie sie in der UN-BRK festgelegt sind, in Einrichtungen aus 31 europäischen Ländern. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus. In vielen Fällen wurden Grundrechte wie Rechts- und Handlungsfähigkeit, Selbstbestimmung, Würde, Freiheit, Sicherheit, Schutz vor Misshandlung und Gewalt verletzt. Sexueller Missbrauch wurde berichtet. Sehr oft fehlten Angebote für sinnvolle Beschäftigung und Aktivitäten. Es gab selten Beschwerdemöglichkeiten. Meist fehlte jeder Plan zur Verbesserung von Recovery und sozialer Teilhabe, ebenso zu Wohnmöglichkeiten außerhalb der Einrichtung: Die Mehrzahl der Bewohner würde die Institution gerne verlassen, doch kann nirgendwo hin [676].
Für mich persönlich bedeutete es, dass ich bei meiner Arbeit geistig mehr „Bodenhaftung“ bekomme und mich gegen mein eigenes Gefühl wehren kann, auf der Arbeit „nur geduldet“ zu werden.
Wünsche allen einen schönen Tag
LG,
Mowa29/12/2020 um 5:51 Uhr #139162
Anonym
Danke für deine lieben Weihnachtsgrüße Mowa, ich hoffe du hattest auch ein schönes Fest.
Bewundernswert wie produktiv du bist!
29/12/2020 um 5:57 Uhr #139163Guten Morgen und danke schön liebe @Hana
29/12/2020 um 13:02 Uhr #139193Die ersten beiden Absätze lesen sich sehr schön. Leider gibt es auch die ernüchternde Realität des dritten Absatzes, die mir persönlich Angst macht. Da gibt es Menschen die aufgrund ihrer Einschränkungen anderen Menschen ausgeliefert werden und kaum Chancen haben, sich dagegen zu wehren. Ich hoffe nur, selbst nicht in so eine Lage zu kommen. Das beste Mittel dagegen wäre es wohl tatsächlich eben einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden. Ich denke, dass arbeitenden Menschen doch deutlich mehr zugetraut wird.
dir auch einen schönen Tag :bye:
29/12/2020 um 14:39 Uhr #139201PS: Ich wollte noch sagen, dass es natürlich gut ist, wenn man weiß, auf welche Rechte man sich berufen kann. Leider kann ich mir die Nummern dazu nicht merken, aber UN-Behindertenrechtskonvention ist schonmal ein gutes Stichwort.
29/12/2020 um 16:33 Uhr #139215Lasse mal einen lieben Gruss da.
Dir einen gesunden Rutsch ins neue Jahr. :bye:
29/12/2020 um 16:39 Uhr #139219Danke schön @Dopplereffekt und @Blumenduft für Eure Posts
31/12/2020 um 10:35 Uhr #139451Ich sehe gerade ganz viele Mowa-Einträge in den Blogs und schreibe zur Abwechslung etwas in deinen Blog. Schön, wie du dich um alle kümmerst :good: . Dir auch ganz liebe Grüße :bye: .
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One thought on “Notizen von Mowa”
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