Notizen von Mowa

  • Dieses Thema hat 3129 Antworten sowie 60 Teilnehmer und wurde zuletzt vor vor 5 Jahren von Mowa aktualisiert.
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  • #4022

    Hallo liebe Foris,

    hiermit eröffne ich einen eigenen Blog. Rückmeldungen sind willkommen, allerdings kann es passieren, dass ich sehr lange brauche um darauf zu reagieren (aus unterschiedlichen Gründen).

    Kurz über mich:
    Ich werde bald 42 Jahre alt, komme ursprünglich aus Japan, bin verheiratet, habe einen Vollzeitjob in der Forschung als technische Mitarbeiterin.

    Erste akute Psychose im August 2010 (Diagnose: Erstmanifestation F20.0), erster Rückfall im Januar 2018 (Diagnose: F25.0).
    Zuletzt habe ich im Juli 2018 meine Medikamente abgesetzt. Im Moment habe ich alle 2 Monate Termine bei meinem Psychiater und bei meinem Psychotherapeuten. Beide sind über meine (Nicht-)Medikation informiert.

    Seit Juli 2016 läuft mein Selbstexperiment, ob ich mich ohne Medikamente langfristig stabil halten kann?

    Ein verfestigtes Problem bei mir scheint zu sein, dass ich mich selbst nicht zu schützen weiß, wenn ich Konflikte weder lösen noch ausweichen kann. Ich treibe mich dann immer weiter in die Ecke, bekomme zunehmend einen Tunnelblick auf mein Ziel und komme dann aus der subjektiven Ausweglosigkeit nicht mehr heraus, was dann in eine erneute Krise mündet. Danach versuche ich mich an einem Neuanfang, mit alternativen Lösungsansätzen, und doch tendiere ich auf Dauer scheinbar immer wieder zu diesem ungesunden Muster.

    An dieser Stelle nochmals lieben Dank @DiBaDu, dass Du meine Fragen im KNS-Forum neulich sehr sorgfältig beantwortet hattest. Deine Beobachtungen, dass Deine Psychosen sich bei subjektiv als unlösbar erlebten Lebenskrisen entwickelten, die von allgemein hohem Stresslevel begleitet waren, und dass Du Dich im Rückblick dann „persönlichkeitsimmanent Dich in Sackgassen manövriert“ hattest, da sehe ich auch klare Parallelen zu meinen eigenen Entwicklungen.

    Zunächst möchte ich hier die Chronologie meiner Psychosen posten, auch um mir selbst einen Überblick zu geben.

    Sonnige Sonntagsgrüße an alle Mitlesende :bye:

    Mowa

    #4023

    Hi liebe Mowa,

    ich bin gespannt.
    hg, DiBa

    #4033

    Chronologie meiner Psychosen

    *** Vorgeschichte:
    2002 – 2009: Produktive, erfolgreiche Phase (Diplomarbeit, Doktorarbeit mit Stipendium, Postdoc, und zuletzt Zuspruch eines 3-jährigen Forschungsstipendiums als Wissenschaftlerin)

    *** Erste akute Psychose (und Genesung):
    ab 2009: Zunehmende Erschöpfung, beschließe berufliche Neuorientierung
    ab okt2009: Aufnahme Zweitstudium in Humanmedizin, Studium + Studentenjob an der Uni-Klinik + finanzielle Not führen bald zu Erschöpfungszuständen
    ab apr2010: Urlaubssemester wegen Erschöpfung
    22aug2010 – 24aug2010: Rasche Zuspitzung der Krise, Wut über aktuelle politische Themen
    26aug2010: Erstmals Überzeugung, Geheimdienst sei hinter mir her
    28aug2010: Erstmalige stationäre Aufnahme in Psychiatrie (durchgehend offene Station)
    ab 22sep2010: Tagesklinik
    11nov2010: Entlassung aus der Tagesklinik
    30nov2010: Bewerbungsgespräch für eine Praktikantenstelle an einer NGO
    dez2010 – feb2011: Ehrenamtliche Hausaufgabenbetreuung an einer Ganztagsschule
    mai2011 – jun2011: 4-wöchiges Pflegepraktikum in einem Krankenhaus
    jul2011: Zusage von meinem Diplomvater über meine Anstellung als technische Mitarbeiterin
    01okt2011: Aufnahme Vollzeitjob
    bis jan2016: Dauermedikation mit Aripiprazol 15 mg, dann Reduktion auf 10 mg mit ärztlicher Begleitung
    27jul2016: Absetzen von Aripiprazol von 10 mg auf 0 mg, ohne ärztliche Begleitung
    danach bis jul2017: Turbulenzen durch Heirat, Um- und Zusammenzug, Pendeln, zunehmende berufliche Zuständigkeiten, zunehmend wieder am persönlichen Limit

    *** Erster Rückfall (und Genesung):
    ab 07aug2017: Unerwartete berufliche Krise, rasch zugespitzt
    15aug2017: Krankschreibung wegen Erschöpfung
    22aug2017: Aufnahme meiner allerersten Psychotherapie
    27sep2017: Berufliche Wiedereingliederung Nr. 1
    24okt2017: Wiedereingliederungsversuch Nr. 1 scheitert an Turbulenzen am Arbeitsplatz
    27nov2017: Berufliche Wiedereingliederung Nr. 2
    08dez2017: Letze Psychotherapie-Sitzung vor dem Rückfall
    In den folgenden Wochen rasche Zuspitzung der Krise, Wut über aktuelle politische Themen, gesteigerte Foren- und FB-Aktivitäten
    26dez2017: Einleitung (hypo-)manischer Phase nach einem Streit
    11jan2018: Weitere extreme Konfliktsituationen
    15jan2018: Andauernde (hypo-)manische Phase, zunehmend verwirrt und unzugänglich
    19jan2018: Wiedereingliederungsversuch Nr. 2 abgeschlossen
    24jan2018: Bis hierhin noch auf Arbeit irgendwie funktionierend…
    26jan2018: Termin beim Psychotherapeuten Nr. 1 seit dem Rückfall, den ich knallpsychotisch wahrnehme
    02feb2018: Einweisung Akutstation Nr. 1
    20feb2018: Verlegung auf offene Station
    28feb2018: Vorstellungsrunde der Betriebsratskandidaten am Institut, an der ich mild psychotisch(?), jedenfalls unter starken Medikamenten teilnehme
    01mar2018: Termin beim Psychiater Nr. 1 seit dem Rückfall
    02mar2018: Selbstentlassung Nr. 1
    08mar2018: Einweisung Akutstation Nr. 2, bevor berufliche Wiedereingliederung Nr. 3 beginnen kann
    20mar2018: Verlegung auf offene Station
    25mar2018: Zurück auf Akutstation
    27mar2018: Selbstentlassung Nr. 2
    03apr2018: Aufnahme Tagesklinik
    Während der Tagesklinik habe ich ohne Absprache und heimlich das Quetiapin auf 100 mg reduziert, im Ärztebrief steht 550 mg.
    27apr2018: Selbstentlassung Nr. 3
    Medikation: Erste Tage 50 mg Quetiapin um einzuschlafen, danach 0 mg. Aripiprazol während der Tagesklinik 15 mg, dann innerhalb von 3 Wochen auf 7,5 mg reduziert.
    06jul2018: Absetzen von Aripiprazol 7,5 mg auf 0 mg
    14mai2018 – 27jul2018: Berufliche Wiedereingliederung Nr. 4 angefangen & abgeschlossen

    • Diese Antwort wurde vor 7 Jahren, 2 Monate von Mowa geändert.
    #4035
    Anonym

      HAllo,
      ich nehme auch seit vielen Jahren ein Blutdruckmittel und eine Tablette gegen Gicht, was ich nicht gern mache. Was ich nicht verstehe ist warum Sie das Aripiprazol nicht weiter nehmen möchten wenn Sie doch anscheinend 7 Jahre lang darunter stabil und erfolgreich waren?

      MfG
      Prof. Klimke

      #4036
      Anonym

        Ich vermute sie kommt sich damit auch irgendwie „kastriert“ vor. Ihre Wut über politische Themen findet sie ja bestimmt irgendwie gerechtfertigt und dann durch die Medikamente irgendwie ruhig gestellt.

        Ich finde das nachvollziehbar und ich würde es vielleicht auch so machen, aber dazu bin ich zu geldgeil und ich hänge zu sehr an meinem Einkommen (Das ich allerdings so gut wie gar nicht nutze), um so etwas zu riskieren.

        Aber Blutdruckmittel oder auch andere „physische“ Medikamente kann man nicht mit Neuroleptika vergleichen.

        #4037

        Ich gebe Dir Recht, Nichtraucher.

        #4041

        Blutdruckmittel

        können einen auch sehr müde machen.

        #4075

        Hallo Herr Klimke,
         
        vielen Dank für Ihr Interesse, darüber freue ich mich sehr.

        Was ich nicht verstehe ist warum Sie das Aripiprazol nicht weiter nehmen möchten wenn Sie doch anscheinend 7 Jahre lang darunter stabil und erfolgreich waren?

        Es stimmt, dass ich unter Aripiprazol stabil war (übrigens 6 anstatt 7 Jahre lang), im Sinne von „pflegeleicht, rückfallfrei und mich finanziell selbst versorgend“.
         
        Wie Nichtraucher auch schreibt, war ich mit Aripiprazol kaum mehr in der Lage, emotionale Höhen und Tiefen zu empfinden und mich für irgendetwas wirklich zu interessieren. Diese Gleichgültigkeit hat es dann auch verhindert, dass ich unter diesem Zustand litt. Auch empfand ich keine Sättigungsgefühle mehr und war viele Jahre adipös (und das, obwohl es ja heißt, Aripiprazol sei antriebssteigernd und gewichtsneutral…).
         
        Heute würde ich diese Jahre von mir nicht mehr als „erfolgreich“ bezeichnen. Im Gegensatz zu damals nach meiner Ersterkrankung, als ich nur für mich selbst sorgen brauchte, habe ich inzwischen eine Familie gegründet, und mir liegt sehr viel daran, Emotionen und Interesse an meinem Mann und an unserem Zusammenleben nicht wegzumedikamentieren.
         
        Erfolgreicher wäre für mich, wenn ich echte Emotionen empfinden kann und aus meiner eigenen Kraft das aufrechterhalten kann, was mich als Mensch ausmacht. Das ist jetzt mein zweiter Absetzversuch, und ich bin jetzt schon dankbar für jeden Tag, den ich nicht-psychotisch und ohne Medikamente verbringen konnte.
         
        LG, Mowa

        #4080

        Liebe @Mowa Danke für’s Teilen deiner Geschichte! Kann dich sehr gut verstehen mit deinem Anliegen wieder (mehr) du selbst zu sein auch ECHTE Emotionen erleben zu dürfen.

        Möcht ich selbst gern! Bin daher auch am Reduzieren bzw. möglichst absetzen.

        Und NL kann man nun meines Erachtens nach wirklich nicht mit Blutdrucksenkern vergleichen und wenn dann hinkt der Vergleich erheblich.

        Ich find das toll, dass du es wagst liebe @Mowa. Lese gern weiter von dir. Was für Therapie machst du begleitend? Verhaltenstherapie?

        Toitoitoi!
        escargot

        P.S.: Wenn die Seele krank ist braucht diese Heilung und nicht (dauerhaft) Medikamente! Psychotherapie ist der richtige(re) Weg!

        #4103

        Hallo @escargot,

        vielen Dank für Deine freundlichen Zeilen. Ja, inzwischen kann ich jede(n) Mitbetroffene(n) sehr gut verstehen, wenn sie (er) ihre (seine) Psychopharmaka reduzieren oder absetzen möchte. Nicht jede(r) will einen Rückfall riskieren und zieht es vor, mit Medikamenten stabil zu bleiben, was ich auch genauso gut verstehen kann. Die Entscheidung über Medikation kann jede(r) nur individuell für sich selbst entscheiden, und ich bin froh, dass meine Ärzte und mein Therapeut mich auch ohne Medikamente weiterbehandeln wollen…

        Ich mache Verhaltenstherapie seit August 2017. Am Anfang, als ich mit neimandem über das gesamte Spektrum meiner Probleme sprechen konnte, war mir mein Therapeut eine wichtige Stütze. Jetzt, nachdem sich die Lage bei mir seit dem Rückfall wieder entspannt hat, habe ich nicht mehr so viel Redebedürfnis und bin auch nur noch alle 2 Monate einmal bei ihm zwecks Monitoring. Psychotherapie kann hilfreich sein, aber sicher nicht jedermanns Sache. Auch hier vertraue ich immer mehr mir selbst, dass ich also selbst am besten weiß, was ich selbst verändern kann / will / sollte, damit es mir besser geht.

        Alles Gute für Dich & LG,
        Mowa

        #4120

        Es stimmt schon: Die Medikamente können durch ihre Nebenwirkungen eine Beziehung stark belasten. Ich hatte damals auch keine Lust mehr auf irgendwas. Allerdings belasten auch die Symptome der Erkrankung. Ich glaube, da sollte man versuchen, einen guten Mittelweg zu finden. Ohne Medikamente sind manche Betroffene dann nämlich wiederum zu unausgeglichen. So was kann auch Konflikte in der Beziehung provozieren.

        Betablocker können ab einer bestimmten Dosis schon sehr einschränken.

        #4132

        Liebe @mowa,

        ja, das ist wirklich großes Glück, wenn einen die BehandlerInnen in den eigenen Entscheidungen auch unterstützen! Sehe ich ganz genauso!

        Außenstehende haben halt schon nochmal einen anderen Blick und Unbeteiligte nochmal einen anderen als Familienangehörige zum Beispiel. Das kann sehr, sehr hilfreich sein.

        Habe aber auch meine Verhaltenstherapie abgebrochen und war fast ein Jahr in Körperpsychotherapie. Da passte es einfach besser.

        Schön, dass du dich (wieder?) auf dich verlassen kannst! Allein DAS sehe ich als wichtigen Fortschritt auch an. Jeder Einbruch hat zumindest bei mir auch immer das Selbstvertrauen kolossal erstmal erschüttert und alles musste müßig neu aufgebaut werden!

        Schlaf gut!
        Schöne Grüße
        escargot

        #4173
        Isa

          Liebe @Mowa

          Danke für deine Geschichte!

          Ich kann dich sehr gut verstehen, dass du ohne NL, also ohne die einschränkenden Nebenwirkungen leben möchtest. Gefühllos zu sein ist stark belastend, ich kann auch ein Lied davon singen. Allerdings geht es mir mit Abilify besser als dir es ergangen ist.

          Es ist eine Gratwanderung, eine Leben zwischen Psychose, bzw. Symptomen und dem sich lebendig fühlen. Und jeder Tag, den man sich gut und frei fühlt ist ein gelungener Tag.

          Sich selbst beobachten scheint mir das Wichtigste im Kampf gegen die Psychose.

          Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg der Freiheit!
          Liebe Grüße, Isa

          P.S. Ich war auch mal im KNS, weiß nicht, ob du dich vielleicht erinnerst.

          #4253

          Guten Abend zusammen,

          vielen Dank für Eure Rückmeldungen, liebe Molly, escargot & Isa :-)

          Hallo Molly,

          Ich glaube, da sollte man versuchen, einen guten Mittelweg zu finden.

          Stimmt, ich gehe da auch meinen individuellen Weg und suche nach meiner eigenen Mitte.

          Hallo escargot,

          Außenstehende haben halt schon nochmal einen anderen Blick und Unbeteiligte nochmal einen anderen als Familienangehörige zum Beispiel. Das kann sehr, sehr hilfreich sein.

          Ja, z.B. merke ich selber lange nicht, wenn ich anfange mich anders als sonst zu verhalten. Es hilft mir dann sehr, wenn meine engsten Mitmenschen mir sagen, welche Veränderungen sie an mir beobachten.

          Allein DAS sehe ich als wichtigen Fortschritt auch an.

          Ich sehe es auch so, dass Rückschläge nicht immer vermeidbar sind und manchmal sogar notwendig um neue Wege auszuprobieren. Die Zukunft lässt sich nicht voraussagen, und ein Patentrezept für ein gutes/besseres Leben gibt es eben nicht…

          Hallo Isa,
          na klar kenne ich Dich noch aus dem KNS-Forum :-) Ich freue mich, Dich hier zu lesen. Danke für Deine Zeilen, kann ich nur zustimmen.

          Sich selbst beobachten scheint mir das Wichtigste im Kampf gegen die Psychose.

          Mich selbst zu beobachten, das fällt mir schwer! Einerseits im Sinne von „mich selbst erkennen“, und andererseits im Sinne von „in psychosenahen Zuständen mich von meinen Wahrnehmungen und Gedanken distanzieren können“. Bis jetzt habe ich den Eindruck, dass das auch eine Übungssache ist. Nicht alleine kämpfen zu müssen, hilft mir dabei sehr.

          Liebe Grüße an Euch & an Mitlesende :bye:

          Mowa

          #4303

          Guten Morgen allerseits,

          nachdem ich mir neulich durch dieses Forum eine Beschreibung über „krankhaftes Lügen“ auf psychomeda.de durchgelesen habe, habe ich mich noch an einem Persönlichkeitstest beteiligt. Aus Neugierde, da ich keine Ahnung von solchen Tests habe (klingt eher nach Scientology für mich).

          Das Ergebnis ist für mich schon interessant, und ich meine, dass die Beschreibung meiner Person zutreffend ist. Womit ich nicht einverstanden bin, ist die Liste meiner vermeintlichen Stärken und Schwächen, da protestiere ich! Aber ja, habe sie dann so zur Kenntnis genommen, dass die persönlichen Eigenschaften von mir nach der hiesigen gesellschaftlichen Norm so klassifiziert werden können.
          b5t-p1-11nov2018
          b5t-p2-11nov2018

          LG und uns allen noch einen guten Tag!
          Mowa

          Edit: Sorry falls jemand Interesse hat, die Bilder lassen sich durch Herunterladen vergrößern…

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