Notizen von Mowa – Teil 2

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  • Dieses Thema hat 1651 Antworten sowie 56 Teilnehmer und wurde zuletzt vor vor 3 Jahren von Mowa aktualisiert.
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  • #158484

    Vielen Dank liebe @Isa.

    Es ist schön, wenn ich mit Dir und den anderen Mitlesenden ähnliche Schmerzen teilen kann.

    #158511

    dass meine eigene Gesundheit das einzig Wichtige in meiner Welt sei und es für mich irrelevant sei, wenn die ganze Welt um mich herum untergehe und Menschen qualvoll ermordet würden.

    Ich lese deinen Blog echt gern, aber an diesem Satz komme ich irgendwie nicht weiter ohne Unwohlsein. Kannst du das nochmal genauer erläutern, wie du das meinst? Vielleicht verstehe ich dich auch nur falsch!

    #158517

    Hallo wunder,

    danke, dass Du nachfragst.

    Die fragliche Stelle versuche ich so zu umschreiben:

    Falls ich jemals vor die Wahl zwischen der Rettung meiner Umwelt vor deren Untergang und der Rettung meiner eigenen psychischen Gesundheit gestellt werden müsste, dann ist meine klare Absicht, mich selbst zuerst retten zu wollen. Selbst wenn ich mich in der Realität nicht von meiner Umwelt entkoppeln könnte und daher auch untergehen müsste…

    Tatsächlich habe ich mich in meiner Wahnwelt bei meinen akuten Psychosen mehrfach vor eine solche Wahl gestellt gesehen, und ich habe es einfach nicht geschafft, mich zu entscheiden. Ich glaube, dass meine Psychosen teilweise dadurch begünstigt wurden, dass ich diese Grenze in meinem Kopf bis jetzt nicht ziehen konnte und bei psychotischen Krisen das eigene Ich mir immer wieder entglitten war…

    Darf ich Dich fragen wunder, wie Du diese Stelle verstanden hast? Vielleicht sollte ich sie nochmal umformulieren.

    Heute Morgen habe ich gesehen, dass der Artikel zwischen 1500 und 3000 Wörter lang sein muss, damit er bei „Mad in America“ eingereicht werden kann. Meiner hat nach mehrfachen Editierungen jetzt gerade mal 600 deutsche Wörter… Deswegen habe ich an die Redaktion schon eine Anfrage geschickt, wie strikt die Anzahl der Wörter gilt, wenn ich auch das Foto mit einreichen möchte… :scratch:

    LG,
    Mowa

    #158561

    Hallo Mowa,

    danke für deine Umschreibung. Ich glaube ich kann die Stelle jetzt viel besser nachvollziehen und das was du damit ausdrücken möchtest.

    Ich denke ich habe vor allem den Nebensatz „und Menschen qualvoll ermordet würden“ so verstanden, dass du dein eigenes Wohlergehen vor das aller anderen Menschen stellst. Was mich total getriggert hat um ehrlich zu sein.

    Und es ist total interessant, dass es mich das so getriggert hat. Denn wenn ich an meine Erfahrung aus meiner ersten Psychose denke, dann habe ich in der extrem akuten Zeit unendlich gelitten, ich dachte ich würde das Leid der gesamten Welt fühlen und durchleben müssen und anderen beistehen müssen während sie unendlich leiden. Ich dachte währenddessen auch das wir alle immer wieder wiedergeboren werden in dieses Leid und meine „Erkenntnis“ aus dieser Situation noch im akut psychotischen Zustand war, dass ich immer wieder zurück auf diese Erde kommen würde und immer wieder alles Leid der Welt auf mich nehmen würde, um für andere Menschen da zu sein, sie zu unterstützen, damit sie da nicht alleine durch müssen, durch dieses sogenannte Leben.
    Klingt irgendwie pathetisch.. aber das war was ich erlebt habe.

    Und vielleicht spiegelt diese Geschichte ein bisschen meine Einstellung: das wir alle im selben Boot sitzen und da nur gemeinsam einen Weg „raus“ finden aus der gesamten „Misere“. Vielleicht hat es mich deshalb so getriggert.

    Aber durch deine Umschreibung kann ich nachvollziehen, dass für dich wahrscheinlich ganz andere Dinge wichtig sind im Moment für Dich und Dein Leben.

    Was denkst du über meine Gedanken? Kannst du damit etwas anfangen?

    #158562

    Guten Morgen zusammen,

    danke wunder für Deine Rückmeldung :-)

    alles Leid der Welt auf mich nehmen würde, um für andere Menschen da zu sein, sie zu unterstützen, damit sie da nicht alleine durch müssen, durch dieses sogenannte Leben.

    das wir alle im selben Boot sitzen und da nur gemeinsam einen Weg “raus” finden aus der gesamten “Misere”.

    Da kann ich Dir nur zustimmen, so geht es mir auch!

    Ich glaube nicht, dass mein Akt der bewussten Abgrenzung etwas an meiner Überzeugung ändert, dass wir, alle Lebewesen, darin alternativlos sind, auf der begrenzten Erdkugel miteinander auszukommen und gemeinsam zu überleben, selbst wenn wir es nicht wollten.

    Das Leid in der Welt ist ja sehr wohl real und für mich als einen einzelnen Menschen sicher unermesslich, und dem machtlos ausgeliefert zu sein ist das, was ich benennen würde als das Entgleiten des eigenen Ichs bei wahnhaft-akuten Psychosen – und das Verpuffen der eigenen Identität im Sog der Unermesslichkeit.

    Deswegen ist es wie eine leise Kampfansage an mich selbst, mich vom unermesslichen Leid abzugrenzen. Ich muss mein eigenes Ich zuerst aufrechterhalten, um das Leid der Welt auch nur in Bruchteilen in meinem Kopf zulassen zu können. So spüre ich einerseits die Erleichterung, dass ich für mich selbst eine Daseinsberechtigung gesichert habe und andererseits den Schmerz, weil es mir bewusst ist, dass das Leid der Welt unverändert existiert.

    Das ist ein widersprüchlicher Zustand, den ich in meinem Kopf aushalten muss und der in der Praxis nur bedeutsam wird, wenn ich denke, meine eigene Existenz sei bedroht. Solange dem nicht so ist und ich habe genug Ressourcen, aus denen ich schöpfen kann, kann ich mich nach außen wenden und mich mit bedrohten Existenzen auseinandersetzen.

    Übrigens denke ich, dass diese Art von (subjektiv empfundener) existenzieller Bedrohnung soziale Ungleichheiten nährt. Z. B. habe ich während der Pandemie in den Medien mehrfach mitbekommen, wie es für viele Menschen undenkbar und inakzeptabel ist „Hartz-IV-Empfänger“ zu werden. Sicher gibt es auch Menschen, die sich in ihrer Existenz höchst bedroht fühlen, wenn sie in ihrem Haushalt nur noch zwei anstatt drei Sportwagen besitzen können usw. :wacko:

    ***

    Heute ist wieder ein Urlaubstag für mich. Gleich kümmere ich mich um die Balkonpflanzen und die Wildvögel, abgesehen davon steht mir die Zeit frei zur Verfügung.

    Diese Woche habe ich seit Langem wieder Klavier geübt, und das macht mir Riesenspaß! Auch wenn ich nur versuche, die einfachsten Übungen für Anfänger ungekonnt nachzuspielen, ist es sehr schön, dass ich selbst diese Klänge erzeugen kann.

    Mein liebtes Stück auf dem Klavier ist “Spinnerlied” von Albert Ellmenreich. Als ich damals Unterricht hatte und wir Schüler uns jeweils ein Stück für die Aufführug aussuchen sollten, hatte ich mich in dieses Sipnnerlied verliebt und wollte es spielen.

    Das hatte ich geschrieben, als ich nach meinem letzten Rückfall vor 2 Jahren aus der vollstationären Behandlung entlassen werden sollte. Später im Jahr hatte ich mir das Notenblatt dafür besorgt und ausgedruckt. Und jetzt bin ich endlich dazugekommen, nach dem Notenblatt dieses Lieblingsstück von mir zu üben.

    In meinem Kopf war das schon immer eine unüberwindbare Hürde, habe jetzt aber gemerkt, dass ich es mit Übung doch spielen werden kann – wow, das nenne ich mal ein Erlebnis! Es ist so, als würde mein Kindheitstraum verwirklicht, naja, d. h. also fast B-)

    Ansonsten mal schauen, mein Manuskript für „Mad in America“ wollte ich noch überarbeiten. Die Redaktion hat mir zurückgeschrieben, dass ich meinen Beitrag als „Artwork“ einreichen kann, wenn das Bild dominant und der Text kurz ist. Ich möchte ihn doch lieber als „Personal Story“ einreichen, und dann müsste ich die Textlänge noch etwas mehr als verdoppeln.

    Wünsche allen einen guten Freitag. Kommen wir gut ins Wochenende :rose:

    LG,
    Mowa

    #158564

    Wünsche einen schönen Urlaubstag, Mowa!

    #158568

    Was mich total getriggert hat um ehrlich zu sein.

    Das kann ich verstehen und jetzt wundere ich mich sogar, dass es mich überhaupt nicht getriggert hat. Ich habe Mowas Aussage eigentlich gleich als eine Abgrenzung verstanden und nicht als generelle Gleichgültigkeit. Vor einiger Zeit hätte es mich vielleicht auch getriggert. Ich denke, die Abgrenzung ist wichtig und das Gegenstück dazu wäre es, zu viel auf sich selbst zu beziehen, was natürlich problematisch ist. Allerdings ist mir die Formulierung im Wortlaut auch zu krass, als dass ich sie wiederholen oder für mich persönlich annehmen wollte.

    #158620

    Guten Morgen zusammen,

    danke liebe @Molly und auch @Dopplereffekt für Eure Rückmeldungen!

    und jetzt wundere ich mich sogar, dass es mich überhaupt nicht getriggert hat.

    OK ich glaube, ich habe noch nicht richtig begriffen was „triggern“ heißt. Bedeutet es, dass das Lesen des einen Satzes in meinem Beitrag psychotische Symptome in Dir ausgelöst hat @wunder?

    Das ist ein widersprüchlicher Zustand, den ich in meinem Kopf aushalten muss und der in der Praxis nur bedeutsam wird, wenn ich denke, meine eigene Existenz sei bedroht. Solange dem nicht so ist und ich habe genug Ressourcen, aus denen ich schöpfen kann, kann ich mich nach außen wenden und mich mit bedrohten Existenzen auseinandersetzen.

    Übrigens kam der eine radikale Satz zustande, weil ich im besagten heftigen Streit mit meinem Mann meine Existenz bedroht sah.

    Als es nämlich diesen Streit gab, der 3 Tage lang gedauert hat, war ich noch dabei mich vom drohenden psychotischen Rückfall zu erholen. Überhaupt war der Streit also nicht hilfreich für mich und besonders unnötig, aber dann kam obendrauf noch die schreckliche Situation in Myanmar zur Sprache.

    Also sah ich mich vor die Wahl gestellt zwischen dem Aufrechterhalten versus dem Einbüßen meiner psychischen Gesundheit, indem ich weiter auf das Bedürfnis meines Mannes eingehe, indem ich noch mehr mit den Ermordeten in Myanmar mitfühle, indem ich mich selbst nicht zuerst schütze.

    ***

    Die Praxis meines Psychiaters hat mir gestern zurückgeschrieben, dass ich beim nächsten Termin über mein Manuskript sprechen kann. Das ist erst am 19.07. – vielleicht ganz gut so, dass ich mir dafür noch so viel Zeit lassen kann. Immerhin habe ich bis Mitte Juli genug zu tun. Dieses Manuskript soll ruhig in meiner freien Zeit entstehen.

    Gleich skype ich mit meiner Mutter. Ich werde ihr stolz erzählen, dass ich das Spinnerlied übe und es ihr bald in voller Länge vorspielen werde. Ohne Noten konnte ich immer nur den Anfang und das Ende spielen, weil ich damals als 9- oder 10-jähriges Kind nicht heraushören konnte, wie der mittlere Teil zu spielen war… :scratch:

    Wünsche allen einen schönen Tag der Arbeit :rose:

    LG,
    Mowa

    #158630

    Übrigens kam der eine radikale Satz zustande, weil ich im besagten heftigen Streit mit meinem Mann meine Existenz bedroht sah.

    Guten Morgen, @Mowa!

    Kannst Du genauer erklären, inwiefern Du deine Existenz bedroht sahst? Hat Dich dein Mann körperlich bedroht?

    #158632

    Klar @Molly. Nein, nicht körperlich, sondern im Kopf. Wenn meine Grenze längst überschritten ist und bei jedem zusätzlichen Wort, zusätzlicher Geste usw. ich nur noch ausraste(n könnte).

    #158673

    Guten Abend, @Mowa!

    Wenn es so gewesen wäre, hätte ich an deiner Stelle aber auch etwas Ernsthaftes unternommen, aber so geht es ja noch. Könnte es einfach sein, dass Du da überreizt warst? Es gab sicher auch schon Zeiten, wo dir dasselbe Szenario überhaupt nichts ausgemacht hätte.

    #158685

    Es gab sicher auch schon Zeiten, wo dir dasselbe Szenario überhaupt nichts ausgemacht hätte.

    Sicher hat es auch eine Rolle gespielt @Molly, dass ich vorher schon erschöpft war und mich von Reizen zurückgezogen hatte, als sich der Konflikt angebahnt hat und nicht mehr aufzuhalten war.

    Es gibt ein typisches Muster, wenn es einen heftigen Streit zwischen meinem Mann und mir gibt. Es geht immer darum, dass das vernünftig Vertretbare längst überschritten ist und wir trotzdem versuchen die Situation irgendwie unter Kontrolle zu halten.

    Dass die menschliche Existenz nur mit körperlicher Gewalt beroht werden kann, dem ist sicher nicht so. Es gibt psychische Bedrohungen, die für Nichtbeteiligte unsichtbar sind. In der Situation war es mir so, als wäre ich von einem Pitbull gebissen worden und nicht davon losgekommen.

    #158692

    Es ist halt wahrscheinlich schwierig, dass auch dein Mann psychische Probleme hat. Du schreibst nicht viel darüber, aber vielleicht ist es bei ihm problematischer als bei Dir. Das belastet dann natürlich zusätzlich.

    #158738

    dass auch dein Mann psychische Probleme hat.

    Hallo @Molly, ich würde über meinen Mann und mich schreiben, dass wir beide sensibel sind, was im Umgang miteinander zu Problemen führen kann. Die Sensibilität ist ja nicht nur problematisch. Und es ist ja nicht so, dass „psychische Probleme“ uns ständig begleiten würden ;-)

    Der Schlaf fühlte sich letzte Nacht erholsam an, aber zeitweise hatte ich einen Albtraum, in dem mein Ex-Partner im Schlafzimmer auftauchte und mir lauter Vorwürfe machte.

    Heute war ein guter Tag, ich habe viel Zeit für mich gehabt. Habe etwas Klavier geübt, gelesen, dann waren wir spazieren, und ich habe einen neuen Speckstein angefangen zu raspeln:


    Es ist ein flacher Stein, und viel in 3D kann ich leider nicht formen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob die Form so wird, wie ich sie mir vorstelle.

    Hoffentlich kann ich heute ohne Albtraum durchschlafen. Morgen am Montag wird viel los sein. U.a. habe ich einen Therapeutentermin am Mittag.

    #158741

    Hallo @Mowa viel Spaß mit deinem Speckstein und einen guten Schlaf grüße

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