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Mowa aktualisiert.
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26/04/2021 um 4:44 Uhr #158245
Guten Morgen zusammen,
Ein bisschen habe ich gestern Nachmittag noch am Speckstein gewerkelt. Die Linien sind noch grob und unkontrolliert, und ich werde erst am nächsten Wochenende dazu kommen sie weiterzubearbeiten.

Mein Mann nennt es „Schrumpfkopf“
Und jetzt habe ich etwas Muskelkater in den Oberarmen…
Gestern sind wir am frühen Abend noch am Fluss geradelt, Abendbrot gegessen und eine Runde „It Takes Two“ gespielt. Gegen 21 Uhr bin ich dann schlafen gegangen, bis ca. 3:30 Uhr, aber erholsam war der Schlaf leider nicht so. Vielleicht weil ich auf das heutige Seminar gespannt bin.
Gleich werde ich frühstücken und später mir die Seminarunterlagen anlesen. Ich muss auch die Moderation übernehmen, was ok ist, bekomme ja zum Glück auch Hilfe von den anderen Teilnehmenden.
Wünsche allen einen guten Start in die neue Woche
LG,
Mowa26/04/2021 um 7:20 Uhr #158248
Anonym
Guten Morgen liebe mowa dir auch eine neue gute Woche. LgB :bye:
27/04/2021 um 5:51 Uhr #158314Danke liebe @Bernadette
Gestern war ich doch ungeduldig und habe den Speckstein fertig bearbeitet. In der Zeitung fand ich noch eine passende Henkel-Werbung dazu

Eigentlich wollte ich ja letzte Woche meinen Psychiatertermin verschieben, aber dann habe ich es vergessen und gestern bin ich nicht mehr dazugekommen. Also gehe ich heute doch hin. Ich werde meinem Psychiater berichten, dass ich mich weiter stabilisieren konnte und seit zweieinhalb Wochen wieder 1 mg Aripiprazol nehme und nicht mehr die doppeltde Minimaldosis.
Wünsche allen einen guten Morgen und einen schönen Dienstag
27/04/2021 um 7:01 Uhr #158318
Anonym
Gelöscht 0821
27/04/2021 um 17:33 Uhr #158368Lieben Dank @Jela
Heute war ich beim Psychiater, und ich bin sehr froh, dass ich den Termin doch noch wahrgenommen habe.
Das Gespräch hat mich sehr mitgenommen, und zu Hause war ich mehrere Stunden lang nur k.o. Arbeiten konnte ich nicht so viel, vielleicht insgesamt so 3 Stunden.
Morgen früh werde ich versuchen zusammenzufassen, worum es im Gespräch ging.
Mein Mann bereitet jetzt das Abendessen zu, Sucuk mit Baguette und Gemüse. Ich chille auf der Couch
27/04/2021 um 19:22 Uhr #158379@Mowa ich finde deinen Specksteinkopf auch sehr schön. Fühlt sich bestimmt auch gut an in der Hand, sowie ein Handschmeichler.
In der Klinik habe ich mit Ton gearbeitet und auch Köpfe geformt, aber von Tieren. Da war der Prozess des Formen für mich fast wichtiger als das Fertige Tonstück. Der Ton hat mich geerdet.
Ich kann mir vorstellen, dass das Bearbeiten des Specksteins Dich auch positiv beeinflusst.
27/04/2021 um 20:32 Uhr #15838628/04/2021 um 3:54 Uhr #158396Guten Morgen zusammen,
danke schön Nikami und Molly
Ich kann mir vorstellen, dass das Bearbeiten des Specksteins Dich auch positiv beeinflusst.
Ja, tut es, und ich habe den Prozess des Formens sehr ähnlich erlebt wie Du Nikami.
Gestern hatte ich also ein schönes Gespräch mit meinem Psychiater. Mein letzter Termin bei ihm war erst vor drei Wochen, und seit zweieinhalb Wochen nehme ich wieder nur noch die einfache Minimaldosis 1 mg Aripiprazol. Ich habe ihm erzählt, dass ich den Termin eigentlich verschieben wollte, da es mir damit gut geht, aber dann sei ich nicht mehr dazugekommen. Woraufhin er gemeint hat, ich könne zu ihm kommen, auch wenn es mir gut geht.
Wir haben darüber gesprochen, wie es mir möglich war, mich weiter zu stabilisieren und der Überforderung und der Überempfindlichkeit entgegenzuwirken, indem ich die Sinnesreize (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten) minimiert habe und einen „Lockdown“ der vernetzten Informationen im Kopf und somit meines persönlichen Erlebens veranlasst habe.
Es hat mir auch geholfen, den Übergang zwischen eher gesunder Wahrnehmung und eher psychotischer Wahrnehmung bewusst zu erleben. Für mich spielt der Wahn die zentrale Rolle, die sonstigen psychotischen Symptome wiegen im Vergleich nicht so schwer. Durch gezieltes Hinterfragen meiner Gedanken und Gefühle, wie ich mich selbst und meine Umwelt erlebe, konnte ich die aufkeimende Unruhe im Kopf sich zurückbilden lassen.
Was meine Sicherheit und Stabilität aber entscheidend gestärkt hat, als wäre in mir ein Schalter umgelegt worden, ist dass ich in einem heftigen Streit mit meinem Mann für mich die Grenze klar verbalisiert habe, dass meine eigene Gesundheit das einzig Wichtige in meiner Welt sei und es für mich irrelevant sei, wenn die ganze Welt um mich herum untergehe und Menschen qualvoll ermordet würden.
Dann habe ich meinem Psychiater das schwarz-weiße Foto mit meiner Specksteinskulptur gezeigt, mit dem Hinweis, dass er mich ja immer wieder als „Grenzgängerin“ bezeichne. Er hat genickt und mir gesagt, dass er sie schön finde. Ich habe ihm erklärt, dass ich etwas formen wollte und durch den letzten Klinikaufenthalt Specksteine kannte. Es hat mir sehr gefallen, dreidimensional zu formen und nicht nur zweidimensional wie üblich beim Zeichnen, und dabei meine neue Freiheit auszuleben.
Mein Psychiater hat dann gemeint, ja, auch in wörtlichem Sinne Grenzgängerin, da ich in verschiedenen Kulturen unterwegs sei und dadurch die Welt mehr in drei Dimensionen wahrnehmen könne. Dann hat er die Bilder von Herrn Alexander Gerst erwähnt, wie klein die Erde sei und wie blau, und ich habe hinzugefügt: „Und so wertvoll“. Die meisten Menschen hätten nicht die Privilegien und die Freiheiten wie ich und müssten damit leben. Dann hat er gesagt, die Welt sei ungleich.
Meine Grenze für mich anzuerkennen ist eine Riesenerleichterung und gleichzeitig unglaublich schmerzhaft. Mir war es nie bewusst, wie viel Schuldgefühle ich in mir seit meiner frühen Kindheit mitgeschleppt habe, und endlich kann ich jetzt mit dem neuen Bewusstsein sagen, dass auch ich eine Daseinsberechtigung habe. Ich will doch nur leben. Ich will denken, ich will fühlen, und ich will erfahren, worum es geht.
Es liege nicht an meiner Schwäche, sondern an der Hirnstoffwechselstörung, hat mein Psychiater gesagt. Sinngemäß hat er auch gesagt, dass ich weiterhin gut auf mich aufpassen und immer feiner justieren sollte um gesund zu bleiben. Nicht-pharmakologische und auch pharmakologische Mittel könnten dabei helfen.
Nach diesem Gespräch, das mir sehr geholfen hat, war ich zu Hause nur k.o. Ich konnte mich nicht einfach an den Tisch setzen und weiterarbeiten. Es hat mehr als sechs Stunden gedauert, bis ich mich einigermaßen normal gefühlt habe. Ich habe viel Zeit im Bett verbracht und versucht etwas zu schlafen.
Der Schlaf war ok aber eher flach und nicht so erholsam, von 20:30 Uhr bis 01:30 Uhr. Heute habe ich vormittags und nachmittags jeweils eine virtuelle Sitzung. Zum Glück habe ich am Freitag wieder einen Tag Urlaub. Vielleicht beantrage ich wieder, dass ich die kommenden Freitage immer Urlaub nehmen kann.
Wünsche allen einen schönen Mittwoch
LG,
Mowa28/04/2021 um 5:20 Uhr #158398Guten Morgen liebe @Mowa
Deine Specksteinskulptur ist sensationell schön.
Freue mich das es dir wieder besser geht ,war stille Leserin.
Unglaublich wie du doch auf so geringe Medimengen reagierst
Ich wünsche meiner Tochter das sie sich auch so gut beobachten kann wie du es tust.
Und somit einen akuten Schub verhindert hast.
Weiter so,hast einen tollen Psychiater :bye:
28/04/2021 um 6:17 Uhr #15840528/04/2021 um 7:25 Uhr #158409
Anonym
dass auch ich eine Daseinsberechtigung habe. Ich will doch nur leben.
Das berührt mich sehr, kann ich unterschreiben wenn auch aus ganz anderen Gründen.
Ich fühle mich oft wegen dem frühen Tode meiner Familie als Über-lebende. Habe aber schon als Kind auch das Gefühl gehabt, ich bin zuviel oder so. Meine Mutter hat mir ja oft reingedrückt das sie angeblich fast bei meiner Geburt gestorben wäre. Mein Vater weiß davon nichts das es so gewesen wäre, was nicht heißt das es nicht kritisch hätte sein können.
Ich finde schön wie du mit deinem Psychiater kommunizieren kannst, ich habe zum Glück auch eine tolle.
Hab einen schönen Mittwoch,lgBernadette
28/04/2021 um 10:10 Uhr #158422Das war wohl ein tiefgehendes Gespräch und ich denke, ich kann deine Gedanken und die deines Psychiaters gut nachvollziehen.
Ich habe manchmal Schuldgefühle, weil es mir verhältnismäßig gut geht.
Im Radio habe ich letztens einen Kirchenmenschen gehört, der zum Thema Impfneid und Impfscham gesagt hat, dass wir auch nicht aufhören zu essen, weil andere Menschen hungern. Somit sollte man sich auch impfen lassen, wenn andere erst später dran sind. Mich hat die Essensfrage dann noch mehr berührt als die Impffrage.
28/04/2021 um 22:46 Uhr #158476Hey @Mowa – habs ja schon mal erwähnt wie toll ich es finde dass du du hier soviel von dem was mit deiner persönlichen Psychose-Betroffenheit zu tun hat, teilst.
Danke dafür! ?
Ich bin auch sofort aufmerksam geworden als du berichtest hattest von deiner Aussage beim Streit mit deinem Mann.
Was meine Sicherheit und Stabilität aber entscheidend gestärkt hat, als wäre in mir ein Schalter umgelegt worden, ist dass ich in einem heftigen Streit mit meinem Mann für mich die Grenze klar verbalisiert habe, dass meine eigene Gesundheit das einzig Wichtige in meiner Welt sei und es für mich irrelevant sei, wenn die ganze Welt um mich herum untergehe und Menschen qualvoll ermordet würden.
Finde das ein Statement. :good:
I like cats and coffee…
and maybe 3 people.29/04/2021 um 3:32 Uhr #158480Guten Morgen zusammen,
danke schön @Bernadette, @Dopplereffekt und @Freia
als Über-lebende.
Genau, so ist es bei mir auch, aus anderen Gründen als bei Deiner tragischen Familiengeschichte. Mit meinem Psychiater haben wir auch über die Überlebensschuld gesprochen.
Ich habe manchmal Schuldgefühle, weil es mir verhältnismäßig gut geht.
Genau, ich denke, wir sprechen über ähnliche Schuldgefühle.
Finde das ein Statement
Erleichterung und Schmerz gleichzeitig, diesen Widerspruch gilt es für mich auszuhalten. Ich kann mich nicht andauernd damit konfrontieren
Von der Specksteinskulptur habe ich noch ein Foto gemacht. Titel: „Entgrenzung“.

Ich möchte das Gespräch mit meinem Psychiater in meinem letzten Post und diese Version des Fotos bei
einreichen. Ich muss zuerst noch fragen, ob mein Psychiater damit überhaupt einverstanden wäre. Mein Kollege hat mir bereits geschrieben, dass er den Text übersetzen kann. Meinen Chef werde ich später auch fragen, ob ich ins Profil schreiben kann, wo ich arbeite.
Gestern war etwas anstrengend mit den beiden virtuellen Sitzungen, aber auch ein guter Tag. Etwas fragil habe ich mich noch gefühlt, wahrscheinlich noch ein Nachklang vom Gespräch mit meinem Psychiater.
Heute werde ich wieder im Homeoffice arbeiten. Bestimmt wird der Tag ok. Jedenfalls fühle ich mich heute schon besser als gestern und vorgestern.
Wünsche allen einen guten Donnerstag
LG,
Mowa29/04/2021 um 6:33 Uhr #158483Mir war es nie bewusst, wie viel Schuldgefühle ich in mir seit meiner frühen Kindheit mitgeschleppt habe,
Liebe @Mowa das hast du so gut ausgedrückt, überhaupt finde ich, dass du dich hervorragend ausdrücken kannst. Wenn man bedenkt dass Deutsch nicht deine Muttersprache ist. Es gibt viele Menschen, u.a. ich auch, die nicht so eloquent sind wie du, obwohl Deutsch meine Muttersprache ist. Was ich aber sagen wollte, es geht mir ganz genauso. Ich hab ein Riesenpaket Schuldgefühle aus meiner Kindheit mitgebracht (ich dachte, ich sei Schuld am Tod meines Vaters als ich drei Jahre alt war und hab seither das Recht auf Leben und Wohlbefinden verloren. Das kam in der Psychotherapie heraus.
Ich finde es super, dass du so einen guten Psychiater hast, der sich wohl auch viel Zeit nimmt mit dir zu reden.
Und deine Skulptur ist fantastisch. Ich fand sie schon halbfertig toll.
Wünsche dir einen angenehmen Tag! Ganz liebe Grüße, I.
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One thought on “Notizen von Mowa – Teil 2”
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