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Anonymous.
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13/05/2023 at 9:16 #290553
Zum Thema „Zwangspsychiatrie“ und „gewaltfreie Psychiatrie“ kann ich nicht viel schreiben, weil ich nicht genau weiß, was darunter zu verstehen ist. Ich glaube, mein Mann könnte zum Thema wesentlich mehr berichten.
@mowa Gut, dass du nochmal auf das eigentliche Threadthema zurückkommstIch war davon selbst auch nicht betroffen, da ich weder fremd- noch selbstgefährdend war, sondern meine psychischen Probleme sogar recht gut verbergen konnte. Allerdings waren sie für mich so belastend, dass ich freiwillig in eine Tagesklinik gegangen bin und dort dann eben leider zu hohe Doses an Neuroleptika bekommen habe.
Übrigens fällt mir ein, dass ich bei meinem zweiten Rückfall 2019 auf der Station eine Freiwilligkeitserklärung unterschrieben habe. Erst später wurde mir klar, was ich da unterschrieben hatte. Ich weiß nicht, ob ich solche Erklärungen bei meiner Ersterkrankung 2010 und bei meinem ersten Rückfall 2018 unterschrieben habe
Ich bin vorsichtig bei dem, was ich unterschreibe. Allerdings hätten sie dir eigentlich auch erklären sollen, was da drin steht, sonst wirkt es für mich “untergeschoben”.
Das, was ich durch meinen Artikel in Mad in America fordere, ist ein stärkeres, heilendes Miteinander auf Augenhöhe, das es uns ermöglicht, den Einsatz von Psychopharmaka auf ein Minimum zu reduzieren.
Von dem was ich in den Podcasts gehört habe, ging es viel darum Missstände aufzuzeigen (auch vergangene). Die übermäßige Vergabe von Psychopharmaka war auch immer wieder ein Kritikpunkt, den ich als sehr gerechtfertigt sehe. Das ist in Amerika anscheinend noch schlimmer als hier. Es kamen in den Podcasts unterschiedliche Leute mit unterschiedlichen Perspektiven zu Wort, also Patientinnen/Patienten, Behandelnde und ich meine auch Forschende.
Eine Formulierung in einem Podcast ist mir in Erinnerung geblieben. Es wurde in etwa gesagt, dass es mehr Sinn macht, die Psychiatrie von Innen heraus zu verändern, als Steine dagegen zu werfen. Bei letzterem muss ich an die Antipsychiatrie denken und sie war wohl auch gemeint, auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob das (noch) gerechtfertigt ist.
13/05/2023 at 9:38 #290555Viele Menschen in Deutschland leiden an einer psychischen Erkrankung. In die Forschungsgestaltung werden sie aber oft nicht genug mit einbezogen, sagt Psychiater Andreas Heinz. Das soll sich nun ändern.
Forschungszentrum: Psychisch Kranke erhalten MitspracherechtWikipedia: Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) ist ein im Aufbau befindliches Deutsches Zentrum, welches die bestehenden Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) ergänzt, deren übergreifendes Ziel die Optimierung von Forschungsbedingungen ist, um häufige Erkrankungen besser zu verstehen und versorgungsrelevante Forschungsergebnisse schneller in die Praxis zu bringen.[1] Das Zentrum nahm am 1. Mai 2023 mit einer zweitjährigen Startphase seine Arbeit auf.
13/05/2023 at 17:44 #290612Ich bin vorsichtig bei dem, was ich unterschreibe. Allerdings hätten sie dir eigentlich auch erklären sollen, was da drin steht, sonst wirkt es für mich „untergeschoben“.
Naja, das Problem war, dass ich aufgrund der schweren Symptome und der starken Neuroleptika nicht in der Lage war, zu verstehen, was um mich herum geschah. Ich war nicht geschäftsfähig, und trotzdem habe ich diese Dinge unterschrieben
Es wurde in etwa gesagt, dass es mehr Sinn macht, die Psychiatrie von Innen heraus zu verändern, als Steine dagegen zu werfen.
Das ist bestimmt meistens so, wenn wir Transformationen erreichen wollen.
Dazu gehört für mich auch, dass Profis, Patient:innen und Angehörige wissen, dass eine andere Form der Behandlung möglich und erfolgreich sein kann.
Wenn ich öffentlich über meine persönlichen Erfahrungen mit Psychosen und Übermedikation spreche, versuche ich auch bewusst, solche Transformationen zu unterstützen.
14/05/2023 at 10:10 #290666Anonymous
Vermeidung von Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie
Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts führten menschenunwürdigen Behandlungs- und Lebensbedingungen der Erkrankten in den meist ausgelagerten Großanstalten und der damit einhergehenden Isolierung der psychisch Erkrankten von der Gesellschaft und ihrem sozialem Umfeld zu Reformbewegungen (Kumbier et al., 2013, S. 313; Deutscher Bundestag, 2017, S.1ff.). Seitdem haben sich die Behandlungs- und Unterbringungsgegebenheiten stetig verbessert (Bundesärztekammer, 2013, S. 1334). So wurden psychiatrische Abteilungen in Allgemeinkrankenhäusern errichtet, Krankenhausaufenthalte verkürzten sich, ambulante sowie komplementäre Angebote für eine verbesserte Vor- und Nachsorge entstanden und schonendere Behandlungsstrategien gewannen an Bedeutung (Eichenbrenner, 2017, S. 121, 127; Deutscher Bundestag, 1975, S. 16ff.).
Obwohl freiheitsbeschränkende und –entziehende Maßnahmen in die Grundrechte der Betroffenen eingreifen und die Freiheits- und Persönlichkeitsrechte antasten, finden diese in der psychiatrischen Behandlung regelmäßig Anwendung (DIMR, 2018, S. 61). Ca. 10% der stationär behandelten Patienten erfahren Zwangsmaßnahmen wie Fixierungen oder Isolierungen (Henking & Vollmann, 2015, S. 24f.). Aufgrund von selbst- oder fremdgefährdendem Verhalten von Seiten des Patienten ist die Anwendung von Zwang zum Schutze des Personals und des Patienten vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen in eskalierenden Situationen notwendig (Laux & Deister, 2015, S. 611f.).
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