Habt ihr eine Strategie mit Symptomen umzugehen?

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  • Dieses Thema hat 3 Antworten und 4 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert vor 5 Jahre von Anonym.
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  • #43162

    Ich wollte hier einige Gedanken äußern, wie ich bisher mit meinen Symptomen umgehe. Obwohl ich mich auch schon mit grenzwissenschaftlichen Themen beschäftigt habe, bin ich eigentlich ein sehr rationaler Mensch. Ich denke, das es für alles eine Erklärung gibt, auch wenn sie noch so ausgefallen ist. Sowas irrationales wie einen psychotischen Schub hasse ich. Aber mein rationales Denken hat mir in der Vergangenheit schon sehr geholfen, auch eine meiner Schwächen, mein nicht sehr ausgeprägtes Selbstbewustsein, hat mir witzigerweise in der ersten Krise weitergeholfen, da ich mich leicht überzeugen lies, das meine Wahrnehmungen wahnhafter Natur waren. Wenn ich eine stärkere Persönlichkeit gewesen wäre, hätte ich mich wohl nicht so leicht überzeugen lassen. Ich habe oft gelesen, dass so was in einer ersten Krise sehr hinderlich sein kann.

    Ein weiteres Mittel ist der sog. “Test gegen die Realität”, was in der Praxis aber oft schwer durchzuführen ist. Das heißt, man versucht herauszufinden, ob das, was man wahrnimmt, einen Wahrheitsgehalt hat. Ein Beispiel ist, man hört in einem Nebenraum Angehörige über einen sprechen , und wenn man in den Raum geht, sind die betreffenden Personen gar nicht da. Das ist mir z. B. schon passiert. Aber mehr fällt mir jetzt eigentlich auch nicht ein. Ich wäre neugierig, was ihr so für Strategien habt.

    #43165
    Anonym

      Ich schreibe mir einen Zettel mit der Aufschrift Psychose. Dann weiß ich es stimmt nicht. Nur in schweren Fällen geht es nicht. Z.b. Wie im Spital als ich fixiert war obwohl es nie passiert ist. Laut Arzt und Pfleger. Da versuche ich dann nicht panisch zu werden.

      #43179
      Anonym

        Bei mir war es auch so dass ich mich habe leicht leiten lassen. Ich hatte auch immer Zweifel ob das so stimmt. Dachte allerdings im Akuten Zustand dass mir niemand was böses Will.

        Ich hätte nur Angst davor es nicht mitzukriegen wenn’s wieder soweit ist. So eine Erfahrung ist sehr erschütternd wie ich finde. Was ist real was nicht. Wie sehr kann man sich vertrauen.

        Mit den Negativsymtomen versuche ich umzugehen wie die Depressiven auch. Damit hab ich im Grunde mehr zu kämpfen. Schlechte Gedanken. Antriebslosigkeit. Und unwohl sein. Hab in der Klinik ein paar Schlüssel bekommen. Muss sie nur anwenden. Ich weiß wie’s geht. Spazieren, rausgehen, und unter Menschen sein. Denk aber immer ich falle den Leuten zur Last mit meiner Traurigkeit.

        #43523
        Anonym

          Ich glaube, das wichtigste um nicht von der Psychose durch die Gegend geschickt zu werden, ist möglichst gut zu wissen, was mit einem nicht stimmt, und dann immer wieder zu erkennen, wo sie einen auf’s Glatteis führen will. Permanenter Realitätscheck, denn man verliert sich auf einen Moment zum nächsten immer wieder – je öfter man das gecheckt hat, desto fester steht man bzw desto flexibler wird man, sich immer wieder zurück in die Realität fallen zu lassen.

          Ich habe da etwas, das nenne ich die Erkenntnis der “Lücke”. Da gibt es in unserer Wahrnehmung so einen Unterschied, zwischen dem, was wir relativ sicher wissen können, und dem, was da noch hinein gedeutet wird, aber was man eigentlich nicht sicher wissen kann. Viel Wissen, was wir haben, ist so ein Zwischending, und man deutet in die Dinge nun mal viel aus dem Gefühl heraus rein, was auch sinnvoll sein kann. Wenn man mal drüber nachdenkt, so in irgend einer Situation…da ist meist eher wenig, was wir wirklich sicher wissen können, und viel, was drumherum stattfindet im Geiste. Aber was die Psychose macht, ist einfach Löcher oder unsicheres im bekannten Wissen zu finden, und diese “Lücken” mit Truggebildern auskleiden. Dabei wird die Psychose nach und nach auf verschiedenen Wegen, durch Gedanken, oder durch Stimmen, Gebilde im Geiste erzeugen, die an Dingen, die uns bekannt sind, Sinn ergänzen. Meist einen Sinn, der uns quält oder ab einem bestimmten Punkt auf diverse Abwege führen kann. Was ich öfters mache, wenn ich merke mich drückt es weg, ist innehalten, und dann überlegen: ist das, was mir da als Vorstellung im Kopf rumschwirrt, überhaupt von dem, was ich aus meinem direkten Erleben sicher weiss, abzuleiten? Kann ich es wirklich wissen, sollte ich aus dem Gefühl heraus wirklich annehmen, dass es so ist? Denn wenn dem nicht so ist, dann kann ich es ja gar nicht sicher wissen, und sollte die entsprechenden Vorstellungen besser noch einmal ganz genau prüfen, und gegebenenfalls verwerfen. Mir ist aufgefallen, diese Gedanken der Psychose sind oft klebrig wie Sirup und wollen dann unbedingt wieder zurück in’s Bewusstsein, in den Hinterkopf wo ich sie nicht so schnell bemerke, aber breche ich sie oft genug ab, verlieren sie ihren unhinterfragbaren Charakter nach und nach. Das so zu sehen erlöse einen aber nicht, mir jedenfalls hilft es, mich nicht tiefer in Wahngebilden zu verlieren, und keine allzu schrägen Dinge zu tun.

          Das, und einige andere kleine “Tricks” helfen mir. Z.B. nicht gegen einen innen kämpfen, sondern einfach den Flow zulassen und versuchen das Leben an sich so zu leben, wie es am besten ist. Mal als bildliches Beispiel… schüttet die Psychose mir mal Wasser neben das Glas, kämpfe ich nicht gegen die böse Psychosehand, sondern hole einfach einen Lappen, wische auf, giesse mir noch mal richtig Wasser ein, und trinke es, denn ich hatte ja Durst. Wer in der Psychose gegen die Psychose kämpft, hat schon verloren, man muss im Leben um das Leben kämpfen, nicht gegen den Traum im Traum. Und bei mir versucht die Psychose einiges, mich in Innenwelten zu ziehen, und gegen alles bin ich auch nicht gefeit – deswegen muss man auch loslassen, hinter sich lassen, nicht zu viel zurückschauen, aufgeben auch manchmal einfach, und immer und immer wieder kleine Neuanfänge hinlegen.

          Und man sollte wissen, wann und wie man sich Hilfe holen kann, wenn man merkt so geht es nicht weiter…manchmal ist die Psychose einfach stärker als man selbst.

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