Führerscheinumtausch könnte wegen Neuroleptika zum Führerscheinentzug führen

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  • Dieses Thema hat 46 Antworten und 11 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert vor 8 Monate von Pia.
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  • #304263
    Pia

      In dem folgenden Artikel wurde einem Mann beim Führerscheinumtausch der Führerschein entzogen, weil er Diabetiker ist. Er musste durch teure Gutachten, die er aus eigener Tasche bezahlen musste, nachweisen, dass er fahrtauglich ist, um seinen Führerschein zu bekommen.

      Im Artikel steht auch, dass einem das auch passieren kann, wenn man Neuroleptika einnimmt oder z.B. an Herzrhytmusstörungen leidet und auch bei anderen Erkrankungen, die im Artikel genannt sind, wäre das möglich.

      Artikel EFAHRER.com, 11.08.2023, von Carina Dietze:

      https://efahrer.chip.de/news/63-jaehriger-soll-fuehrerschein-verlieren-ursache-ist-eine-volkskrankheit_1014495

      #304268

      Ich hatte öfter Probleme mit dem Führerschein und musste schon etliche Gutachten über mich ergehen lassen. Das ist wirklich unangenehm und kostet viel Geld.

      #304269
      Pia

        Ich finde das unfassbar, @Horbel, gerade wenn einem die behandelnden Ärzt:innen selbst kein Fahrverbot nahelegen oder erteilen, sondern einen für fahrtauglich halten.

        Was machen dann Betroffene, die sich die teuren Gutachten nicht leisten können? Dann ist wirklich der Führerschein weg.

        #304274

        Was machen dann Betroffene, die sich die teuren Gutachten nicht leisten können? Dann ist wirklich der Führerschein weg.

        Ich war vor 2 Jahren auf einer geschlossenen Station für chronische Schizophreniepatienten. Von denen hatten ganz wenige den Führerschein, habe ich mitbekommen.

        #304285

        Ich habe als junger Jurist als Gerichtsschreiber an der Entscheidung von Zwangseinweisungen  und deren Aufhebung in psychiatrischen Kliniken teilgenommen, nicht in Deutschland (in der Schweiz). Ich war damals noch gesund (also noch keine Schizophreniediagnose). Da war der Entzug des Führerausweises in den Verhandlungen noch relativ oft ein Thema. Es gab da z.T. haarsträubende Verkehrsübertretungen begangen in der akuten Phase durch die Betroffenen. Ich finde es sehr wichtig, dass im Zweifelsfall der Führerausweis entzogen wird. Lieber einmal zu viel als ein Verkehrsunfall, der im Extremfall tödlich enden kann. Schizophrenie ist eine völlig unberechenbare Krankheit, so kann auch Jahrzehnte ohne akute positive Symptome es plötzlich von einer Minute auf die andere zu einem Rückfall kommen und als schizophrener Autofahrer wäre man dann eine Allgemeingefahr.

        Sodann gibt es kein Menschrecht auf Autofahren. Im Übrigen ist es ohnehin besser mit unseren ganzen ökologischen Problemen das Autofahren zu begrenzen. Ich weiss, dass ich mich mit meinen Aussagen bei vielen  nicht beliebt mache, das Recht auf Autofahren ist aber ein Jammern auf hohem Niveau und im Zweifelsfalle geht die Sicherheit der Allgemeinheit vor!

        • Diese Antwort wurde geändert vor 8 Monate, 1 Woche von Amethyst.
        #304286
        Pia

          Das stelle ich mir auch schwierig vor, wenn jemand chronisch Symptome hat, dass den Führerschein (wieder) zu bekommen, @Horbel.

          #304288
          Pia
            #304291
            Pia

              Ich zum Beispiel, Amethyst, bin nie mit psychotischen Symptomen gefahren, bei mir gab es bisher null Gespräch oder gar von der Führerscheinstelle was, dass ich nicht fahren dürfte.

              Klar, während der Klinikaufenthalte durfte ich nicht fahren. Ach doch, damals wollten bei einem Klinikaufenthalt mal Nichtbetroffene mit mir zu einem Karnevalsumzug fahren. Ich habe zugesagt, um aus dem Wahnsinn Klinik raus zu kommen und bekam Urlaub dafür, obwohl ich keine Lust auf Karneval hatte.

              Ich habe damals die mich behandelnde Ärztin, die ganz ganz übel war und mich sogar gefoltert hatte, gefragt, ob ich das Auto fahren dürfe, falls der Fahrer Alkohol trinken würde.

              Sie hat mir sofort ihr Einverständnis dazu gegeben, was mich bei der üblen Person wirklich sehr gewundert hat.

              Ich nehme seit über fünf Jahren regelmäßig mein NL und habe nie auch nur ein Symptom.

              Das geht aber vielen Betroffenen so, dass sie keine Symptome haben und durchaus fahrfähig sind.

              Ich bin in meinem ganzen Leben z.B. auch noch nie mit auch nur einem Tropfen Alkohol gefahren und habe schon seit über 40 Jahren meinen Führerschein. Drogen habe ich nie konsumiert.

              Außerdem habe ich noch nie einen Unfall verursacht.

              Ich befürchte, dass die Führerscheinstelle vielleicht dann, wenn ich meinen Führerschein umtauschen muss, einfach nach Diagnose und Medikamenten urteilt und mir möglicherweise aufgrund dessen einfach den Führerschein entzieht, obwohl ich durchaus fahrtauglich bin.

              Ich verstehe aber natürlich auch zum Teil deine Argumentation, Amethyst. Ich denke, es liegt immer, mit oder ohne Diagnose eben auch an Eigenverantwortlichkeit. Bei Gericht hast du wohl unverhältnismäßig viele solcher Fälle gehabt.

              Es gibt eben auch leider Leute, die sich stockbetrunken oder voller Drogen in ein Fahrzeug setzen und fahren, auch wenn sie keine Diagnose haben. Denen kann man aber eben auch nicht bevor sie erwischt werden, den Führerschein entziehen. Dann dürfte ja niemand mehr einen Führerschein haben, wenn alle unter Generalverdacht stehen würden.

              Gerade bei Gericht hast du dann sicher eben genau die Fälle mitbekommen, die sich fahrlässig verhalten haben. Das trifft aber dann dennoch eben auf die Meisten nicht zu.

              PS: Sorry, Amethyst, hatte gerade nicht dran gedacht, dass du nicht mehr mit @ angeschrieben werden möchtest.

               

              • Diese Antwort wurde geändert vor 8 Monate, 1 Woche von Pia.
              #304295

              @Pia Kein Problem! Ich bin mit dem meisten, was Du geschrieben hast auch einverstanden.  Allerdings ist es schon so, dass Verkehrsdelikte (z.B. Geisterfahrer) und Schizophrenie ein Thema sind, dass unterschätzt wird.

              #304296
              Pia

                Ich glaube eher, dass das Thema überbewertet wird, Amethyst. Das Thema Alkohol und oder Drogen und Fahren halte ich da für viel gewichtiger und viel mehr Verkehrsteilnehmer:innen z.B. mit Alkohol fahren, als man so glaubt.

                Was ich wirklich unfassbar und nicht fair finde ist, dass, wie ich dem Eingangsartikel entnommen habe, Menschen mit Diagnosen, ohne dass sie ein Verkehrsdelikt begangen haben, die Führerscheinstelle diesen Menschen einfach den Führerschein entziehen kann. Das dürfte meiner Ansicht nach rechtlich nicht möglich sein, ist es aber leider ganz offenbar.

                #304303

                @ Pia: ich kann nur von meinen beruflichen Erfahrungen als Jurist sprechen, natürlich in absoluten Zahlen ist Alk und Drogen viel häufiger die Ursache von Unfällen. Allerdings konsumieren auch viel mehr Menschen Alk und Drogen als es Schizophrene gibt. Der Anteil der Schizophrenen, der Auto gefahren ist während der akuten Phase, und dabei in eine Strassenverkehrsdelinquenz verwickelt wurde ist hoch. Die Betroffenen reden nicht gerne davon. Und das Problem ist, dass akute Phasen völlig unvorhersehbar sind und von einer Minute auf die andere kommen können.

                 

                • Diese Antwort wurde geändert vor 8 Monate, 1 Woche von Amethyst.
                #304306
                Pia

                  Das muss aber auch wenn eine psychotische Phase beginnt nicht so sein, wie du es schilderst, Amethyst, dass die Person es nicht erkennt.

                  Man könnte dann zum Beispiel rechts ranfahren und sich abholen lassen, wenn Symptome während der Fahrt auftauchen.

                  Vielleicht sind es eher Erstbetroffene, Amethyst, die ja vorher garnicht wissen können, dass sie möglicherweise während einer Fahrt psychotische Symptome bekommen könnten und dann mit der ganzen Situation nicht zurechtkommen.

                  Um das zu vermeiden, müsstest du wieder allen Menschen den Führerschein abnehmen, weil eben, auch wenn nur etwa 1% der Menschen von Schizophrenie betroffen sind, dennoch theoretisch jeder Mensch eine Psychose bekommen könnte.

                  Und nicht zu vergessen, Amethyst, ob mit oder ohne Diagnose und auch völlig ohne irgendwelche Substanzen konsumiert zu haben, kann es leider eben auch jedem Menschen passieren, einen Unfall zu verursachen oder darin verwickelt zu werden.

                  Es macht also überhaupt keinen Sinn, allen Menschen, die eine Diagose haben oder bestimmte Medikamente konsumieren, auf Generalverdacht den Führerschein zu entziehen.

                  Außerdem werden ja auch eben viele Menschen z.B. durch Medikamente erst überhaupt wieder fahrtauglich.

                  Ich denke, es ist immer jeder Einzelfall zu betrachten, sorgfältig abzuwägen, eben auch von den Ärzt:innen, Gutachter:innen und Gerichten und nicht pauschal zu urteilen.

                  #304314

                  Um das zu vermeiden, müsstest du wieder allen Menschen den Führerschein abnehmen, weil eben, auch wenn nur etwa 1% der Menschen von Schizophrenie betroffen sind, dennoch theoretisch jeder Mensch eine Psychose bekommen könnte.

                  Es kann auch jeder augenscheinlich noch so gesunde Mensch während einer Fahrt einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erleiden, so gesehen dürfte niemand überhaupt ein Fahrzeug führen. Ist natürlich klar, dass das Quatsch ist. Daher ist dieses Argument eher, naja…

                  Ich denke, es ist immer jeder Einzelfall zu betrachten, sorgfältig abzuwägen, eben auch von den Ärzt:innen, Gutachter:innen und Gerichten

                  Das stimmt allerdings. Und meines Wissens wird das in der Regel auch so gemacht. Ich glaube nicht, dass es der Regelfall ist, dass jemandem allein aufgrund irgendeiner Diagnose oder Medikation der Führerschein entzogen wird, sondern da muss im Vorfeld mit Sicherheit ein begründeter Verdacht bestehen, dass die Fahrtauglichkeit des Betroffenen in Frage steht. Und da gibts natürlich einen gewissen Ermessensspielraum.

                  Aus Deinem Link @ Pia:

                  Wer angibt, wegen Diabetes spezielle Medikamente wie Neuroleptika einzunehmen, wird von der Führerscheinstelle zur amtsärztlichen Untersuchung aufgefordert.

                  Ich seh da keine Pauschalisierung, sondern halte das eigentlich für legitim und sinnvoll.

                  #304316
                  Pia

                    Mal ganz ehrlich, @ Amethyst, darf ich dich fragen, ob du deinen Führerschein noch hast? Nach deiner Argumentation aus der Sicht deiner Berufserfahrung bei Gericht, hast du dann nach deiner Diagnose deinen Führerschein freiwillig vorsorglich abgegeben?

                    Natürlich musst du mir darauf nicht antworten.

                    #304318

                    ich habe nicht alles gelesen. hier auf dem dorf fahren die leute wie die besengten. ich als schizophreniebetroffene fahre demgegenüber umsichtig. das sind nicht nur junge prolls hier, die zwar auch, aber auch die ganz normale dorfbevölkerung knallt hier weit über den geschwindigkeitsbegrenzungen über die fahrbahnen mit ihren für sie und uns viel zu gefährlichen autos. auszerdem stellen sie, wenn sie warten müssen, immer einfahrten zu. normalodeppen eben.


                    Was sind Gedichte anderes
                    als eine Operation am offenen Herzen?
                    Vor aller Augen
                    Und es ist dein eigenes Herz.
                    „Eingriff“, Dilek Mayatürk-Yüzel

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