Ehrlichkeit zum Therapeuten

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  • Dieses Thema hat 23 Antworten und 14 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert vor 5 Jahre, 6 Monate von Anonym.
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  • #239

    Soll man dem Therapeuten wirklich alles anvertrauen? Auch die richtig dunkeln Sachen im Kopf? Ist man verpflichtet?

    Was ist wenn der Therapeut sich darauf hin entscheidet höher zu Dosieren und mehr zu sedieren um so ein evtl. Risiko für das Umfeld und die Allgemeinheit zu verringern?

    Ich habe heute mit meiner Therapeutin gesprochen, unter anderem über meine Wut. In meiner Psychose haben mir die “Geister” vermittelt ich sei ein “subducting slob and a viscious shit”. Ein unterwürfiger Faulpelz und ein bößartiger Scheisser. Die “Geister” hatten natürlich Recht, aber wie ich auch über meine dunklen Impulse gelernt habe “You may never act on them” und auch das ist richtig.

    Ein bisschen hatte ich Angst, wegen Zwangseinweisung oder was weiß ich was mir da drohen könnte.

    Was hat das eigtl mit dem “Schatten” zu tun, nach Carl G. Jung? Ist das das? Oder ist das der “call of the void”, dass man genau die Dinge denkt, die man jetzt NICHT machen sollte. Ich bin ein bisschen verunsichert. Dazu habe letzte Nacht geträumt dass ich meinen Vater umgebracht habe. Es war aber irgendwie ein fast “Comic”-hafter traum, die Mordwaffe waren zwei leuchtende Blitz-Symbol Defibrilatoren.

    #246
    Anonym

      Im Krankenhaus hatte ich eine Krise. Aufgrund der hoffnungslosen Lage die Gedanken: Ich muss in meine Heimat fahren und erst mal meinen Stiefvater um die Ecke bringen – sollte ein Leichtes sein, da schwerbehindert -, um an meine Mutter ranzukommen. Die würde ich dann zu Tode foltern – grausam und langsam – und dann selbst die Polizei rufen. Dann käme ich in die Forensik und müsste mich nicht mehr um Lebensunterhalt und Obdach sorgen.
      Die Gedanken haben mich so belastet, dass ich über meinen Schatten springen musste und mich ans Pflegepersonal gewandt habe. “Was würden Sie dazu sagen”, fragte mich meine Lieblingsschwester, “wenn Sie so etwas hören würden?” “Dass ich verrückt bin?” “Nein, so einfach machen Sie es sich nicht” “Hm, dann wüsste ich wohl nix zu sagen….” “Genau” und “Ich gebe Ihnen jetzt eine Aufgabe” Dann habe ich mir aus einem Korb voll Postkarten drei heraussuchen dürfen, die mir etwas sagten. Das hat wirklich geholfen.
      Freilich kam dann auch noch der Chefarzt und so.

      Zum Abschied habe ich ein Krisenbuch mit persönlicher Widmung bekommen:

      Jeder hat mal ‘böse’ Gedanken. Kommt freilich auf den Behandler an, aber ohne Transparenz geht es wohl nicht.

      #341
      Anonym

        nichtraucher,
        du brauchst vor einen therapeuten keine angst haben, denn er darf nichts, nur dir zuhören und mit dir reden, trozdem solltest du dir etwas gedanken machen, es erfordert aber nicht unbedingt eine klinik, kann aber darin enden, wenn du nichts machst.
        rede also mit deinem psychiater, er soll dir mehr oder andere psychoparmaka aufschreiben.
        dein psychiater schickt dich gegen deinen willen auch nicht ins krankenhaus, darf er nicht.

        #373

        @Nichtraucher

        Ich glaube, dafür ist eher ein Seelsorger der richtige Adressat.

        #475
        Anonym

          .

          #490
          Anonym

            Ehrlichkeit gegenüber irgendwelchem medizinischen/therapeutischen Personal halte ich für Dummheit.

            warum hälst du das für dumm, @rose?
            ich finde, gerade wenn man ehrlich zum arzt oder therapeuten ist, dann können sie dir bessere diagnosen geben.
            natürlich gibt es auch ärzte dazwischen, die meinen privat sich äußern zu müssen, wie zum beispiel, wenn sie sagen: “selbst schuld, wenn sie saufen.” oder “sie behandel ich nicht, wenn sie mit dem saufen nicht aufhören.”. hab ich schon alles erlebt, aber solch ärzte besuche ich auch nicht mehr.

            #504
            Anonym

              Unehrlichkeit gegenüber Therapeeuten halte ich für nicht zielführend. Dann braucht man im Grunde nicht hinzugehen. Ich habe früher mit vielem hinterm Berg gehalten, weil ich nicht alles preisgeben wollte. Die Folge war, dass mir nicht effektiv geholfen werden konnte. Natürlich braucht es Zeit, bis man Vertrauen zum Therapeuten hat und sicher wird man immer abwägen, wie weit man geht mit der Offenbarung, aber je ehrlicher, desto effektiver kann der T. einem helfen. Dieser hat normalerweise kein persönliches Interesse am Patienten, sondern ein professionelles, weshalb das Zurückhalten von Informationen letztlich nur einem selbst schadet.

              #518
              Anonym

                Das kann man vorher einfach nicht wissen, wie ein Therapeut (oder einfach nur irgendjemand) reagiert, wenn man zum ersten Mal mit “schwerer Kost” kommt. Insofern kann man davor Angst haben wie vor einem chirurgischen Eingriff, weil man nicht wissen kann, ob der Chirurg auch wirklich etwas taugt oder an dem Tag auch gut ausgeschlafen zur Arbeit erscheint.

                Man kann im Grunde genommen nur froh sein, wenn man dann mal doch einen Psychohelfer findet, der einen nicht gleich aburteilen will, nur weil man nicht immer nur über Minderwertigkeitskomplexe reden möchte, sondern über die eigenen zynischen und destruktiven Gedanken. Mit einem guten Psychohelfer ist es wie mit einem guten Freund: Den gibt es nicht an jeder Ecke. Bei einem Therapeuten oder anderen Helfer, der sich seiner eigenen dunklen Gedanken gar nicht erst bewusst ist und sich insofern auch gar nicht erst mit ihnen auseinadersetzen würde, hätte man geluhst. Der wird einem immer nur verklickern wollen, dass er einem in jeglicher Hinsicht überlegen ist, so auch in moralischer Hinsicht und würde sich einbilden, dass er mit seiner Selbstbeweihräucherung schon genügend therapeutische Hilfe leistet.

                So froh ich auch bin, dass ich in meinem BeWo-Sozialarbeiter endlich jemanden gefunden habe, der mich locker nimmt, so könnte ich mich immer noch über die Stümper aufregen, die in diesem “Business” herumlaufen. Die sind unglaublich friedfertig zu aggressiven Patienten und dann auch noch unnötig aggressiv zu friedfertigen Patienten. Sowas wird dann auch noch als “menschlich” bezeichnet, während sonst Augenhöhe eigentlich konsequent vermieden wird.

                Also lieber Nichtraucher, dass Du mit Deiner Therapeutin über Deine dunklen Seiten sprechen möchtest, ist ein ehrenwertes Ansinnen, dass man eigentlich nur befürworten kann. ABER, ob Du bei einer guten Therapeutin bist, die stabil genug ist, um Dich darin aufzufangen, kann Dir niemand im Voraus sagen.

                #554

                Ich möchte die Praxis immer gerne mit einem guten Gefühl verlassen. Deshalb erzähle ich hauptsächlich erfreuliche Dinge und nur wenige schlimme. Deswegen ist man ja nicht unehrlich. Man kann doch selbst die Ausschnitte aus seinem Leben aussuchen. Bei mir läuft auch viel nicht optimal und ich hab ungesunde Gedanken und viele Alpträume. Aber ich halt mich nicht lange mit meinen ganzen Defiziten auf und versuch mich auf das zu konzentrieren, was ich gut kann – auch beim Psychiater.

                • Diese Antwort wurde geändert vor 5 Jahre, 6 Monate von Yuri.
                #601
                Anonym

                  Das find ich einen guten Ansatz, Yuri! Es ist ja immer so viel da, aus dem man wählen kann. Die ganz schlimmen Gedanken erzähle ich auch nur, wenn ich gerade sehr mutig bin oder ich umschreibe sie weiträumig, wenn es wichtig für mich ist, sie zu äußern.

                  Verpflichtet ist man in dieser Beziehung übrigens zu gar nichts. Wir sind alle erwachsene Menschen, die auch Geheimnisse haben dürfen.

                  #626

                  Die ganz schlimmen Gedanken erzähle ich auch nur, wenn ich gerade sehr mutig bin oder ich umschreibe sie weiträumig, wenn es wichtig für mich ist, sie zu äußern.

                  Ja, Nevermind, man kann eine Geschichte auch etwas entschärfen, indem man sie ein wenig verschlüsselt/verklausuliert, so dass man vielleicht hässliche Details weglässt, der wichtige Kern aber noch übrig bleibt; der Psychiater weiß dann schon, um was es geht. Dann belastet man sich nicht so schwer. Denn wenn man das nochmal 1:1 erzählt, frischt man die schlimmen Erlebnisse wieder auf und das kann einem auch schaden. Aber wenn man das in eine neue sachliche Form gießt, bekommt man auch eine Distanz dazu und kann den Dingen so den Schrecken nehmen und die Angst vielleicht sogar bannen. Die Art der Sprache macht den Unterschied, glaub ich.

                  • Diese Antwort wurde geändert vor 5 Jahre, 6 Monate von Yuri.
                  #628
                  Anonym

                    “…bekommt man auch eine Distanz dazu und kann den Dingen so den Schrecken nehmen und die Angst vielleicht sogar bannen.”

                    Ja, genau so meinte ich es, Yuri. Man hat sich dann schon selber ein Stück weit davon entfernt und trotzdem wissen alle Beteiligten ungefähr, was im Argen liegt.

                    (Und natürlich spielt bei jeder Offenbarung die Angst, gleich wieder ins KH zu müssen, eine Rolle.)

                    #629

                    Also ich bin sehr vorsichtig mit dem, was ich meiner Psychiaterin anvertraue. Die hat ja immerhin die Macht, meine Dosis zu erhöhen oder zu verringern.

                    Zu meiner Psychotherapeutin bin ich etwas offener. Ich teste gerade aus, was und wieviel ich ihr sagen kann und wie sie darauf reagiert. Sie ist sehr jung und ziemlich unerfahren.

                    In den letzten Tagen hatte ich wiederholt psychotische Gedanken, die mich aber nicht weiter beschäftigt haben. Aber ich möchte halt vorsichtig beobachten ob es nicht langsam zu einem Wahnteppich wird auf dem ich mich irgendwanneinmal gedanklich bewege. Das ist etwas, was ich erstmal keinem von beiden erzählen würde, oder wenn dann nur der Psychotherapeutin. Es ist irgendwo ein “Gespür” vor das Übernatürliche oder eine Ahnung. Sie bestimmt weder mein Handeln noch mein Denken und wahrscheinlich ist sie einfach ein Teil meiner Persönlichkeit oder ein Teil der Art und Weise wie ich denke. Es ist ein bisschen wie die “Wahnstimmung” oder die “Wahnahnung” die ich vor meiner letzten Psychose gespürt habe nur viel viel schwächer. Vielleicht ein leichter Anflug, aber noch nicht schlimm oder stark genug, dass man darauf pharmakotherapeutisch reagieren müsste. Jedenfalls möchte ich das nicht.

                    Bei mir ist es allerdings auch so, dass ich mir die Psychose auch irgendwie herbeiwünsche.

                    #658

                    Inwiefern wünschst Du sie Dir herbei?

                    #661

                    DiBaDU

                    Die Psychose war meine beste Zeit. Die einzige Zeit meines Lebens, wo ich mein Leben ohne chemische Beeinflussung gelebt habe. Dazu noch 100% sexuell enthaltsam. Ich hab mich fast göttlich gefühlt. Wenn nicht die Gesellschaft von mir mehr (moralische) Flexibilität gefordert hätte, wenn ich keine Medikamente genommen hätte, wenn ich einfach meine Psychose ohne Rücksicht auf meine Eltern hätte ausleben können, das wäre fantastisch gewesen. Wahrscheinlich wäre ich sozial ganz nach unten abgestiegen, aber ich hätte meinen ganzen Trost in der Religiösität finden können, denke ich. Jetzt, mit den Medikamenten, und ohne permanente psychotische Erinnerung aus meiner Umgebung (Zeichen, Geister, etc..), mich gewissenhaft und heilig zu verhalten schaffe ich das nicht mehr. Die Medikamente haben mir meine Willenskraft geraubt und ich glaube, dass ich diese unfassbare Willenskraft erst wieder in einem psychotischen Zustand wiederfinden könnte.

                    Das Leben das ich gelebt hätte wäre hart aber intensiv gewesen.

                    Jetzt habe ich es bequem, aber ich bin auch weich geworden und habe meine Disziplin verloren, die meinen Selbstwert sehr stark gefördert hat.

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