Beschäftigungstherapie gegen chronische Symptome

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  • #71878
    Anonym

      Ich möchte das Thema „Beschäftigungstherapie“ bzw. Ergotherapie mal aufkommen lassen. Also nicht nur geführt als offizielle Therapie, sondern auch durchaus in Eigenregie! Ich glaube, dieses Thema wird stark unterschätzt.

      Hier sind ja sicher einige unter uns, die wie ich auch chronische Positivsymptome haben trotz Medikamenten. Oder Mitleser, oder betreuende Angehörige von solchen Menschen. Also trotz Behandlung passieren noch Dinge wie Stimmenhören und Gedankenlautwerden, man ist im Kopf immerzu in allerlei schrägen Geschichten unterwegs, hat ablenkende Wahrnehmungsveränderungen, etc…

       

      Mir ist jedenfalls aufgefallen, dass mein Zustand sich deutlich bessern kann, wenn ich mich richtig und aktiv beschäftige. Fernsehkucken oder im Netz abhängen zählen für mich nicht so sehr dazu. Das kann zwar auch helfen und ablenken, aber nicht so stark! Am besten sind finde ich aktive Tätigkeiten, bei denen ich mich irgendwie vertiefen kann, und aufmerksam sein muss. Basteln, Malen, Musizieren, Kunsthandwerk – solche Dinge halt. Es muss einen Zustand erzeugen, wie man ihn vielleicht noch aus der Kindheit kennt. Wie wenn man als Kind in ein Spiel richtig vertieft war, und alles andere ringsum vergessen konnte. Ein bisschen so kann man auch als Erwachsener noch werden – und auch mit Psychose.

      Auch gut sind körperliche Arbeiten, z.B. Gartenarbeit. Wichtig ist glaube ich, dass man dabei immer mal auf etwas aufpassen muss. Sport ist auch gut, aber z.B. Fussball ist viel besser als reines Körpertraining. Weil man bei’m Fussball auf den Ball und andere immer aufpassen muss. Aber bei’m Training (Pumpen…) macht man ja immer das gleiche wie automatisch, muss nicht so sehr aufpassen, dann klebt bei mir der Kopf wieder mehr an der Psychose. Das Training wirkt bestimmt auch gut und kann heilsam sein, aber nicht so gut, wie Sachen wo man immer aufmerksam bleiben muss.

      Aber die richtige Beschäftigung hat finde ich viele gute Wirkungen. Konkret gegen die Symptome merke ich was bestimmtes. Also die Symptome gehen zwar nicht einfach weg (das kann aber durchaus auch irgendwann passieren!). Sondern mit der Zeit werden sie irgendwie so „nebenläufig“. Dann bin ich zwar noch drin, aber sie laufen nur noch so neben her, und halten mich nicht mehr so stark im Griff. Dann bin ich immer mehr und mehr in der Tätigkeit, die ich gerade mache, und nicht mehr so doll in der Psychose unterwegs. Diese „Nebenläufigkeit“ kann das Gehirn anscheinend auch systematisch lernen, und bei mir passiert sie auch immer wieder im Alltag spontan. So dass ich Sachen machen kann, mich die Psychose aber nicht mehr dabei so ablenkt oder hindert, sondern kurz Platz macht, oder nur noch nebenher plätschert, während ich aktiv bin. Ich glaube, die gesunde Beschäftigung ist ein Weg dahin!

      Ich habe festgestellt, dass die Wirkung zwar etwas Durchhaltevermögen braucht. Und Überwindung, was zu machen statt sich einfach nur auszuruhen. Und man muss sich Anfangs immer wieder beschäftigen, bis man vielleicht den Unterschied deutlich merkt. Also nicht gleich aufgeben, wenn es anfangs nicht so gut funktioniert. Vielleicht müsst ihr dann einfach erstmal eine Weile dabei bleiben, bis sich eine Wirkung zeigt.

      Also los! Ich bin mal gespannt, ob und was für Erfahrungen ihr mit solchen Beschäftigungen habt. Vielleicht mögen manche von euch ja hier über eure Beschäftigungen und die Auswirkungen schreiben! Ich selbst finde, ich will mit Psychose immerzu nur noch Ruhe, aber die kriegt man ja nicht – beschäftige ich mich aber richtig, dann ist das fast so erholsam wie ausruhen, und bringt mir überhaupt erst die heiss ersehnten Pausen von meiner Psychose!

      Ausser der heilsamen Wirkung hat es ja noch andere Vorteile. Kreatives – da kann man viel draus schöpfen, auch verarbeiten, auch die Psychosen verarbeiten. Und anderen was zeigen: vielleicht hilft ja gerade das Bild, was eine Sache aus der Psychose zeigt, Angehörigen besser die Situation zu verstehen, wie so eine Psychose sein kann. Oder man malt etwas, was gar nichts mit der Psychose zu tun hat, sondern mit dem Wunsch nach Freiheit z.B., und dann setzt es vielleicht eine starkes Gegengewicht gegen das peinsame der Psychosen. Gerade bei kreativen Beschäftigungen, haben Menschen mit Psychosen finde ich oft sehr gute und besondere Inspirationen! Und körperliches wie Gartenarbeit kann gut für die Gesundheit sein, Abnehmen helfen, man kriegt Sonnenlicht ab usw…

      Richtig schön fände ich es, wenn diese Diskussion den einen oder anderen Betroffenen wieder dazu bringt, sich selbst zu überwinden und sich systematisch auf so ein Hobby zu stürzen. Und nicht mehr nur abzuhängen und gar nichts gutes mehr zu machen, sondern etwas schönes kreatives, produktives. Vielleicht das lange nicht mehr gepflegte Hobby? Man beginnt damit einen Weg, der vielleicht am Anfang noch etwas schwierig und anstrengend sein kann. Aber bleibt man dabei, hat man die Chance gutes daraus zu ernten, was einem selbst immer mehr Spass macht, und immer heilsamer ist. Und mit manchen Hobbies kann man auch anderen Freuden machen, die Bilder zeigen z.B. die man gemalt hat, und darüber reden. Also los!

      #71942
      Anonym

        War heute Nordic Walking und habe meine Fitness dvd bekommen.

        #71943

        „Am besten sind finde ich aktive Tätigkeiten, bei denen ich mich irgendwie vertiefen kann, und aufmerksam sein muss. Basteln, Malen, Musizieren, Kunsthandwerk – solche Dinge halt. Es muss einen Zustand erzeugen, wie man ihn vielleicht noch aus der Kindheit kennt. Wie wenn man als Kind in ein Spiel richtig vertieft war, und alles andere ringsum vergessen konnte. Ein bisschen so kann man auch als Erwachsener noch werden – und auch mit Psychose.“

        Genau danach sehne ich mich sehr und ich hätte soviele Pläne was mein Hobby betrifft… aber ich kann irgendwie nicht, ich prokrastiniere ohne Ende, bin erst unruhig, dann schnell erschöpft und fühle mich die ganze Zeit total unter Druck.

        Aber bei’m Training (Pumpen…) macht man ja immer das gleiche wie automatisch, muss nicht so sehr aufpassen, dann klebt bei mir der Kopf wieder mehr an der Psychose. Das Training wirkt bestimmt auch gut und kann heilsam sein, aber nicht so gut, wie Sachen wo man immer aufmerksam bleiben muss.

        „Genau das funktioniert bei mir  dafür ganz prima: Bewegung, an frischer Luft und mit gewisser Monotonie – das ist für mich ein Skill!“

        .

        • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Jahre, 2 Monate von Freia.

        Liebe Grüße
        Freia

        "Liege ich allein im Bett, werde ich ans Fenster treten, in den Himmel blicken und die Gewissheit haben, dass Einsamkeit eine Lüge ist und dass das ganze Universum mir Gesellschaft leistet."

        [aus: Die Schriften von Accra]

        #71965
        FMS

          Ich habe Ergo auch eigentlich immer ganz gerne gemacht. Aber was mir bis jetzt am meisten half, war eigentlich die Musiktherapie. Da konnte ich mal wirklich alles andere vergessen, z.B. die Stimmen.

          #71979
          Anonym

            Ich liebe monotone Fitnessübungen.

            #71987
            Anonym

              Monotone Übungen können natürlich auch gut sein. Ich spüre die auch wie eine Art Meditation – die Gedanken können dabei fliessend werden, „nebenläufig“ wie ich es genannt habe, dann dringen sie nicht mehr so stark in die Psyche ein. Ich selbst mache auch Gehmeditation um in diesen Zustand zu gelangen. Man kann auch etwas entrückt werden davon, das finde ich selbst gut, aber manche anderen nicht so, dann ist man wenn man noch welche hat vielleicht auch unangenehm mit seinen Symptomen konfrontiert. Deswegen habe ich Übungen empfohlen, wo man die ganze Zeit auf lockere Art aufpassen muss. Dann fliessen nämlich die Gedanken nicht nur, sondern werden auch immer wieder durch das Aufpassen unterbrochen, und man gerät nicht so leicht in einen entrückten Zustand, der sich komisch oder unwohl anfühlen könnte.


              @Freia
              na dann krieg dich auf, und geh an eines deiner Hobbies. Ich habe mir heute auch erstmal Anspitzer gekauft für meine Buntstifte, damit ich mich nicht immer nur am PC beschäftige.

              Man muss irgendwie anfangen. Man denkt dran, und dann dass man gerne würde, dann nimm dir vor immer wieder dran zu denken. Jedes Mal wo du dran denkst, wird der Impuls ein bisschen stärker, bis du in einer Situation dran denken kannst, wo du was in die Tat umsetzen kannst, z.B. die Sachen dafür vorbereiten oder so. Dann bereite dein Hobby vor, dass du bei einem Energieschub gleich rangehen kannst. Dann bist du nicht mehr weit weg, immer wieder ransetzen, wirst sehen mit jedem Mal wird es etwas leichter und macht mehr Spass!

              @Candykills , na dann, such dir ein Instrument, was du gerne magst und wo du Spass dran hast, und fang an zu üben! Lernen kann man gut über Anleitungen im Internet, oder Kurse z.B. Volkshochschule, da hat man dann gleich Begegnungen mit Menschen! Aber man kann Musik auch gut alleine bisschen üben. Ich z.B. kann kaum singen, habe fast nie in meinem Leben…würde gerne irgendwann was mit meiner Stimme machen. Naja, erstmal die Buntstifte!

              #71989
              Anonym

                Gemüse kochen ist auch sehr entspannend. Mit den vielen Gerüchen und Gewürzen. Oder die Vorfreude auf den morgigen extremen Trainingstag. Ein Ausnahmetag. Vorher ausnahmsweise echte Nudeln. Trotz Diabetes. Morgen gebe ich Vollgas beim Training.

                #72220

                Basteln macht mir Spaß.

                Ich habe Püppchen, Weihnachtsschmuck, ein Windlicht gebastelt.

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