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Mowa aktualisiert.
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26/01/2025 um 5:02 Uhr #386035
Den gestrigen Samstag habe ich sehr lange schlafend verbracht. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viel Schlaf gebraucht habe. Vor 10 Jahren, als ich noch 15 mg Aripiprazol genommen habe, habe ich die Wochenenden viel mit Schlafen verbracht. Seitdem nicht mehr, aber erinnere mich auch nicht genau.
Gestern beim wöchentlichen Zoomen konnte ich mit meiner Mutter über die Kunsttherapie sprechen. Ich habe ihr gesagt, dass ich mich wundere, dass die Tonfigur, die ich geformt habe, mir wehtut und mich traurig macht. Und dass die Tonfigur nicht dem Bild entspricht, wie ich gerne sein möchte, stark, sicher, fröhlich. Ich verstehe nicht, was passiert ist und wie ich damit umgehen kann.
Es haut mich ziemlich um, mich daran zu erinnern und darüber zu sprechen. Später, als mein Mann aufgestanden ist, konnte ich auch ihm davon erzählen. Am Donnerstag und Freitag habe ich keine Worte dafür gefunden, bis mich die Stationsärztin und die Bezugspsychologin gefragt haben, wie die Woche für mich war.
26/01/2025 um 5:50 Uhr #386037Guten Morgen liebe Mowa,
es ist schön, dass dir die Tagklinik gut tut und ihr eine euch gut verstehende Gemeinschaft seit. Dass du deinen Blog veröffentlichen willst finde ich mutig. Hast du keine Angst davor deine Anonymität zu verlieren? Ich verstehe deine Intention, aber ich würde befürchten, dass ich üble Kommentare bekomme oder gar aufgesucht würde. Ich selbst bin auch schon nicht mehr anonym hier, da durch meine Theateraktivitäten mein Klarname längst bekannt ist. Zum Glück wurde der nicht oft breitgetreten hier.
Wie auch immer, ich wünsche dir alles Gute weiterhin für die Tagesklinik und dass du das Beste für dich dort herausziehen kannst.
26/01/2025 um 7:19 Uhr #386050Liebe @Isa,
danke für Dein freundliches Feedback
Hast du keine Angst davor deine Anonymität zu verlieren?
Naja, ich bin kaum anonym im Forum und auch sonst nicht im Internet. Ich habe eine kleine Internetpräsenz durch meine aktive Zeit in der Forschung und in den letzten Jahren durch mein Engagement in der Mental Health Community.
Also nein, ich habe keine Anonymität, die ich erneut verlieren könnte, und ich habe auch keine Angst davor.
Hätte ich große Bedenken, mich öffentlich zu outen, hätte ich viele meiner Aktivitäten seit meiner Ersterkrankung vor fast 15 Jahren nicht machen können.
Es ist ja auch nicht so, dass ich alleine handele, sondern viel Unterstützung erfahre durch dieses Forum oder durch meinen Vorgesetzten am Arbeitsplatz, durch die Tagesklinik usw.
Stigmatisierung und Diskriminierung wecken eher meinen Kampfgeist, als dass ich mich davor verstecken würde.
Natürlich ist es auch für mich eine persönliche Kosten-Nutzen-Abwägung, aber ja, ich habe nicht vor, mein Engagement so schnell aufzugeben.
Liebe Grüße,
Mowa26/01/2025 um 9:41 Uhr #386074Gestern beim wöchentlichen Zoomen konnte ich mit meiner Mutter über die Kunsttherapie sprechen. Ich habe ihr gesagt, dass ich mich wundere, dass die Tonfigur, die ich geformt habe, mir wehtut und mich traurig macht. Und dass die Tonfigur nicht dem Bild entspricht, wie ich gerne sein möchte, stark, sicher, fröhlich. Ich verstehe nicht, was passiert ist und wie ich damit umgehen kann.
Ich vermute, du siehst dich eigentlich vielleicht noch so, wie du warst, als du jung und gesund warst, Mowa!
Wenn ich selbst nicht in den Spiegel schaue, fühle ich mich auch noch jung, aber ich bin jetzt schon fast im Rentenalter! Das kann einen schocken…
Inzwischen bist du ja auch schon etwas älter. Wenn man so im Leben steht, geschieht es unmerklich, aber man verändert sich! Man wird älter, es gibt körperliche Veränderungen, man leidet unter diversen Zipperlein und auch die Seele erleidet Narben… Midlifecrisis?
27/01/2025 um 4:21 Uhr #386243Ich vermute, du siehst dich eigentlich vielleicht noch so, wie du warst, als du jung und gesund warst, Mowa!
Midlifecrisis?
Was eine Midlifecrisis sein soll, weiß ich nicht, aber ich hatte z.B. nie den (bewussten) Wunsch, die Zeit zurückzudrehen und jugendlich zu sein.
Im Gegenteil, seit ich mit 16 Jahren von zu Hause ausgezogen bin um alleine in Deutschland zu leben, bin ich stolz auf jedes Jahr meines Lebens und auf das, was ich geschaffen habe, und freue mich auf das, was noch vor mir liegt – meistens.
Ich weiß nicht, wie alterstypisch/-gerecht meine aktuelle Krise ist. Spontan würde ich sagen, dass das nach einer Schublade klingt, die nicht zu mir passt @Molly.
Was meine Tonfigur zu Tage gefördert hat, werde ich wohl in den nächsten Einzelstunden therapeutisch verarbeiten können.
Jan 24, 2025
Jan 26, 2025
Chanchan scheint es zu lieben, mit dem kaputten Fußball zu spielen.27/01/2025 um 18:53 Uhr #386314Heute habe ich in der Arbeitstherapie ein paar Drucke mit der Gelplatte ausprobiert:

Am Nachmittag hatten wir u.a. eine Psychotherapiegruppe mit den 10 oder 15 Mitpatienten und 4 Psychologen, und da hatte ich die Möglichkeit, in der Runde über mein Erlebnis mit der Einzelstunde Kunsttherapie zu sprechen. Das hat mir gut getan.
Je mehr ich mit den anderen darüber reden kann, desto mehr kann ich meine Tonfigur als Teil von mir annehmen.
28/01/2025 um 2:23 Uhr #386391Gut, dass du was passendes für dich gefunden hast. Die Tagesklinik.
Wie lange bist du schon dort und wie lange kannst du bleiben?
28/01/2025 um 5:25 Uhr #386397Hallo @Dremwalker,
heute bin ich 2 Wochen in der Tagesklinik. Der Oberarzt hat mir bei der Aufnahme gesagt, dass wir in 6 bis 8 Wochen schauen können, wie es mir geht und ob ich doch ein Antidepressivum nehmen möchte. Daher vermute ich, dass ich noch mindestens 4 Wochen dort bleiben werde.
Wie lange ich maximal bleiben kann, das weiß ich nicht. Vielleicht solange, bis es mir deutlich besser geht oder keine weitere Besserung mehr zu erwarten ist? Unter den Mitpatienten gibt es wohl auch solche, die seit über 3 Monaten in der Tagesklinik sind.
Ja, ich habe das Gefühl, dass die Tagesklinik jetzt genau der richtige Ort für mich ist. Die Therapiestunden sind toll. Nicht nur im Sinne von Spaß und wohltuend, sondern auch mich im Vertrauen zu öffnen, Schwäche und Schmerzen zuzulassen und sie zu zeigen und dabei wahrgenommen und aufgefangen zu werden.
Was ich auch hier erlebe ist dass die Diagnosen und teilweise die Medikation zuerst sichtbar werden und die Menschen dahinter meistens verborgen bleiben. Nur manchmal bekomme ich bruchstückhaft die Geschichten der anderen Mitpatienten mit. Gestern z.B. hat ein Mitpatient in der Psychotherapiegruppe gesagt, dass sich seine Partnerin vor Kurzem das Leben genommen hat.
Liebe Grüße,
Mowa28/01/2025 um 6:30 Uhr #386401Liebe @Mowa, das klingt gut mit der Tagesklinik.
Schönen Tag
28/01/2025 um 7:26 Uhr #386403Danke, liebe @Dremwalker.
Dir und allen anderen auch einen schönen Tag
28/01/2025 um 17:49 Uhr #386489
Heute war der Tag in der Tagesklinik gut, so gut wie immer, nur in der letzten Stunde hatte ich plötzlich depressive Symptome, die etwa zwei Stunden anhielten.
Danach war ich bei einer befreundeten Friseurin zum Haareschneiden und das Gespräch mit ihr hat mir sehr gut getan. Wir haben vereinbart, dass ich ihr helfe, wenn ihre Tochter im Februar mit ihren Freunden einen Kindergeburtstag feiert. Sie nannte es „Kinderfrisurparty“ und die eingeladenen Kinder sollen frisiert werden und Tipps zur Haarpflege bekommen
Auf dem Rückweg war ich noch im Café um die Ecke und habe Kuchen für mich und Quiche für meinen Mann gekauft. Holländer Kirschsahneschnitte, so köstlich!
Jetzt fühle ich mich wieder wohl.
29/01/2025 um 3:37 Uhr #386537Das klingt nach einer interessanten Aufgabe bezüglich der „Kinderfrisurparty‘
29/01/2025 um 4:17 Uhr #386540Danke, @Dremwalker.
Übrigens habe ich mich gestern erkundigt und die Obergrenze für den Aufenthalt in der Tagesklinik liegt bei 100 Tagen, das sind etwas mehr als 3 Monate. Wenn es mir früher besser geht, kann ich auch früher gehen. Bei den Visiten sehen sie, wie es mir geht, wie es weitergeht, wann ich entlassen werde usw.
Montags gibt es eine Gruppenvisite, mittwochs eine Visite mit dem Oberarzt und freitags eine Visite mit der Stationsärztin und der Bezugspsychologin. Dazwischen gibt es wöchentliche Gespräche mit der Psychologin und je nach Bedarf zusätzliche Gespräche mit Behandlern oder Pflegern.
Durch Krankheit oder Urlaub kann es sein, dass es weniger Angebote gibt, aber gestern habe ich gemerkt, dass es nicht an Gesprächsangeboten mangelt, wenn alle da sind.
Ja, gestern Abend hatte ich später wieder depressive Symptome und habe auch nicht so gut geschlafen wie sonst. Zwei- oder dreimal bin ich mit einem Albtraum aufgewacht, immer mit dem gleichen Bild von glitschigen schwarzen Larven, die sich durch mein Kopfkissen fressen, und am Ende hatte ich auch Larven am Fuß.
Ich erinnere mich selten an Träume und noch seltener an Albträume. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so schlecht geschlafen habe.
Gestern habe ich im Gespräch mit den Psychologen auch darüber gesprochen, dass sich mein Selbsterhaltungstrieb oder auch das Gefühl, unter Strom zu stehen, in der Tagesklinik etwas gelockert haben könnte.
Vielleicht fühle ich mich deshalb so, manchmal aufgewühlt und manchmal starr.
29/01/2025 um 15:31 Uhr #38657529/01/2025 um 17:22 Uhr #386594 -
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