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Mowa aktualisiert.
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27/10/2022 um 8:55 Uhr #245412
Anonym
Wünsche dir einen schönen Tag liebe mowa.
LgDoris
28/10/2022 um 20:05 Uhr #245700wie Du sagst „systemrelevante“ Arbeit ist, die aber niemand machen würde, wenn sie nicht entsprechend entlohnt würde.
Genau, und aus dem Grund sollten andere Jobs mit „Systemrelevanz“ ja auch deutlich mehr gefördert werden.
Danke Doris
Diese Woche war bei mir deutlich entspannter als die Wochen zuvor, das tut mir gut!
Bei der Arbeit bin ich mit dem Betriebsrat, mit den Mikroskopen und mit der Nachbereitung der Mental Health Awareness Week beschäftigt, und zusätzlich bin ich bei der Geflüchtetenhilfe (plötzlich bin ich in den Vereinsvorstand gerückt) und im Inklusionschor.
Das fühlt sich gerade gut an, mit all meinen Projekten, die mir auch liegen. Und jetzt freue ich mich aufs Wochenende.
Liebe Grüße an alle :bye:
28/10/2022 um 20:20 Uhr #245704Guten Abend, liebe @Mowa,
du machst mir mit all deinen Aktivitäten und deinem 1 mg Aripiprazol Mut.
Ich habe mir jetzt vorgenommen, Ende nächster Woche vom Xeplion auf 2 mg Aripiprazol umzusteigen.
Die 25 mg Xeplion alle 28 Tage, die ich habe, sollen äquivalent zu 2, 23 mg Aripiprazol sein und so werde ich den Wechsel nun zu 2 mg Aripiprazol wagen und hoffe, das klappt und dass ich mir dann endlich nicht mehr wie mit chemischer Zwangsjacke vorkomme.
Danke, ich wünsche dir alles Gute und ein schönes Wochenende.
LG Pia
Petition für einen Wandel im psychiatrischen Gesundheitswesen und in der Psychopharmakologie – an die WHO und weitere:
28/10/2022 um 22:56 Uhr #245717
Anonym
andere Jobs mit „Systemrelevanz“
Falls Du damit die Pflege meinst, dann liegt das Problem dort hauptsächlich darin, dass diese Leute aus anderen als finanziellen Motivationen (nicht unbedingt immer nur helfen, sondern oft such weil sie keinen Bock haben die Ansprüche von selbstzahlenden kunden zu erfüllen) arbeiten.
Aus dem Grund machen sie oft unbezahlte Überstunden und bieten damit (von selbst) ihre Arbeitskraft zum Dumpingpreis an (oft wird dann auch die Leistung entsprechend unprofessionell und dem Dumpingniveau angepasst).
Also das Problem mit der Pflege ist eben dass es eigtl etwas Solidarisches ist und damit einfach auch nicht wirklich dafür da ist Geld zu verdienen.
In einem Markt ist es eben so, dass Arbeiten die schwer zu machen (oder zu bekommen) sind eher hoch bezahlt werden und Arbeiten die freiwillig gemacht werden halt wenig bezahlt werden, was halt auch den Sinn hat mehr Leute für die unbequem Arbeiten zu motivieren und weniger Leute in die Arbeiten zu bringen, die die Leute sowieso schon freiwillig machen würden.
Wenn also irgendwo zu wenig bezahlt wird, dann einfach weil der Bedarf dafür zu wenig ist. Klar, kann man meinen, dass man eigtl nie genug Pflegekräft haben könnte aber da sind wir halt wieder in einer Perversion des Sozialsystems, dass der Bedarf halt durch die Sozialabgaben definiert wird, die die Politiker in unserem Auftrag verhandeln und vereinbaren. Somit ist auf der Empfängerseite natürlich ein (unendlicher) Bedarf, aber auf der Seite, die dafür das Geld bereitstellen will/soll, da ist der Bedarf für die Leistungen halt natürlicherweise beschränkt, so wie halt die natürlichen Ressourcen und Möglichkeiten in der Realität immer beschränkt sind. Dazu kommt dass die Leute die in dem Bereich Arbeitsleistung anbieten halt eben dazu tendieren sich selbst auszubeuten und mehr zu liefern als das, wozu sie vertraglich verpflichtet sind (in der Regel in Quantität aber nicht in Qualität).
Dem kommt man aber nicht bei indem man einfach mehr Geld auf das Problem wirft, sondern indem die Leute penibelst auf ihre Arbeitszeiten achten und damit ihre Arbeitskraft aufwerten (=gleiches Geld, aber weniger Arbeitszeit).
Also in anderm Worten: die Probleme in der Pflege sind meiner Meinung nach 100% hausgemacht und nicht lösbar durch höhere Bezahlung.
30/10/2022 um 8:03 Uhr #245877Guten Morgen zusammen :bye:
Ich habe mir jetzt vorgenommen, Ende nächster Woche vom Xeplion auf 2 mg Aripiprazol umzusteigen.
Ich wünsche Dir viel Erfolg, liebe Pia. Wenn ich es richtg mitbekommen habe, überlegst Du Dir auch, eine Traumatherapie anzufangen.
Allgemein glaube ich, dass der Erfolg von Reduktions- und Absetzversuchen entscheidend davon abhängt, wie sehr nichtmedikamentöse Therapien medikamentöse (Neben-)Wirkungen ersetzen können, die bei der Reduktion bzw. beim Absetzen wegfallen.
Psychiatrische Symptome, so auch psychotische Symptome, sind für mich nur die Spitze des Eisbergs, und die wahre Herausforderung liegt darin, die seelischen Wunden, die diese Symptome verursachen, so früh wie möglich zu erkennen und sie möglichst ohne Medikamente und möglichst mit professioneller Begleitung zu heilen. Es geht um die Stärkung der eigenen Resilienz.
Übrigens habe ich die chemische Zwangsjacke auch mit 1 mg Aripiprazol, nur nicht so stark ausgeprägt wie bei 2 mg und höheren Dosen.
Also das Problem mit der Pflege ist eben dass es eigtl etwas Solidarisches ist und damit einfach auch nicht wirklich dafür da ist Geld zu verdienen.
Also in anderm Worten: die Probleme in der Pflege sind meiner Meinung nach 100% hausgemacht und nicht lösbar durch höhere Bezahlung.
Da bin ich anderer Meinung, Nichtraucher. Fragen, die die Arbeitszeit, Vergütung u.a. Arbeitsbedingungen etwa für den Pflegebreich betreffen, werden im Arbeits- und Tarifrecht geregelt und hängen nicht von persönlicher Motivation o.ä. ab.
***
Am Donnerstag habe ich ein Foto vom Nachhaltigkeitsgarten des Institutes gemacht:

Dieses Jahr war das erste für dieses Projekt, und vieles lief nicht optimal, und doch haben wir ein bisschen aus dem Garten ernten können. Ich bin begeistert, was wir trotz der Schwierigkeiten zusammen geschafft haben.
Der Weg ist das Ziel
Heute wünsche ich mir einen ruhigen Sonntag. Den Balkon sollte ich putzen, v.a. die Vogelecke, aber sonst steht kaum etwas an.
Liebe Grüße an alle,
Mowa30/10/2022 um 9:38 Uhr #245898Guten Morgen liebe @Mowa,
ja, das überlege ich mit der Traumatherapie. Allerdings sind die Wartezeiten hier in der Gegend bei 3 Jahren und so lange will ich mit einem Wechsel wirklich nicht warten.
Ich habe ja inzwischen eine andere Lebenssituation und habe ja problemlos von 150 mg Xeplion in Schritten auf 25 mg Xeplion reduziert und bin schon seit über 2 1/2 Jahren bei dieser Dosis und habe seit über 4 1/2 Jahren kein Symptom mehr.
Es ist ja nicht so, als hätte ich mich selbst nicht persönlich auch psychisch weiterentwickelt und aus den Situationen auch ganz praktisch heraus.
Ich verharre ja nich starr in dieser alten Situation, durch die ich psychotische Symptome bekam und für die ich nichts konnte.
Ich hatte mich früher, bevor ich erkrankte, nicht mit psychischen Leiden beschäftigt. Das habe ich aber inzwischen getan und natürlich mit Möglichkeiten zur Genesung.
Darum denke ich, dass ich den Wechsel durchaus riskieren kann. Die Reduktion mit dem Wechsel sind ja auch nur etwa 10 % und ich habe ja leider noch längere Zeit gleichzeitig Paliperidon im Körper, so dass ich denke, dass es, wenn überhaupt, nur eine ganz minimale Reduktion ist und ich werde natürlich auf jede Veränderung achten und mögliche Symptome und könnte ja durchaus höher gehen mit der Dosis. Das wäre mit dem Aripiprazol ja alles viel einfacher zu handhaben, als mit dem Xeplion.
Die chemische Zwangsjacke ist bei mir vom Xeplion so stark geworden, dass ich nicht mehr arbeitsfähig bin und ich will mein Leben leben wie ich es will und möglichst wenig Einschränkungen durch Medikamente und nicht erst ewig auf einen Therapieplatz warten und ich will mich auch nicht nur auf einen Therapeuten verlassen. Mir sind die Ursachen ja klar, warum ich damals psychotische Symptome entwickelte und auch, was ich heute anders machen würde, in der damaligen Situation.
Ich war auch vor meiner Erkrankung immer eine sehr selbstständige Frau und beruflich und privat sehr aktiv und nun bin ich durch das Xeplion körperlich so dermaßen eingeschränkt, was ich nicht weiter hinnehmen will und erhoffe mir durch den Wechsel aus dieser fürchterlichen körperlichen Schwäche und der so schnellen Erschöpfung endlich wieder rauszukommen.
Daraus kann mir nur der Wechsel zu einem anderen Neuroleptikum helfen und kein Therapeut, oder eben absetzen. Ersatzlos absetzen ist mir zu riskant.
Zu deiner Antwort an Nichtraucher stimme ich dir vollkommen zu.
Schön mit eurem Gartenprojekt. Ich bin so ein Gartenfan, mir hat Gartenarbeit immer viel Freude gemacht, auch wenn es oft viel Arbeit war.
Danke, ich wünsche dir auch einen schönen Sonntag.
Liebe Grüße Pia :bye:
Petition für einen Wandel im psychiatrischen Gesundheitswesen und in der Psychopharmakologie – an die WHO und weitere:
30/10/2022 um 9:54 Uhr #245904
Anonym
Fragen, die die Arbeitszeit, Vergütung u.a. Arbeitsbedingungen etwa für den Pflegebreich betreffen, werden im Arbeits- und Tarifrecht geregelt und hängen nicht von persönlicher Motivation o.ä. ab.
Das ist halt einfach schlicht und ergreifend falsch.
31/10/2022 um 1:51 Uhr #246030Liebe @Pia, danke für die Erläuterung, und ich kann sie, glaube ich, gut nachvollziehen, weil es mir ähnlich ging oder bis heute geht.
Die chemische Zwangsjacke ist bei mir vom Xeplion so stark geworden,
Möglicherweise sind die medikamentösen (Neben-)Wirkungen über die Jahre gleich stark geblieben, und wenn es Dir zunehmend besser gegangen ist, dann könnten die (Neben-)Wirkungen als belastender empfunden worden sein.
Das ist halt einfach schlicht und ergreifend falsch
Ich weiß nicht Nichtraucher, von welchen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen Du schreibst, in denen gesetzliche Vorgaben, auch was die Mindestarbeitsbedingungen betrifft, nicht eingehalten werden? Wenn die Betriebe einen Betriebsrat haben, dann ist es die Aufgabe des Betriebsrates, die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zu überwachen.
Dass der Pflegemindestlohn seit September 2022 gestiegen ist und er trotzdem nicht attraktiv genug ist für Pflegerinnen und Pfleger, das ist ein ernstes und bundesweites Problem:
ver.di arbeitet in der Pflegemindestlohnkommission mit, um für die Beschäftigten so viel wie möglich raus zu holen. Die jetzt empfohlenen Steigerungen sind auch nicht gering, aber über einen Mindestlohn sind die Personalprobleme in der Altenpflege nicht zu lösen“, sagte Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand. Weder mache dieses Lohnniveau den Pflegeberuf attraktiv, noch werde dadurch das Abwandern von Pflegefachpersonen ins Krankenhaus gestoppt. „Der Mindestlohn sorgt ausschließlich dafür, eine jahrelang praktizierte Ausbeutung vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern vor allem bei kommerziellen Pflegekonzernen zu verhindern.“
Die Situation für die Pflegebranche hat sich ja im Zuge der Covid-19-Pandemie verschärft. Übrigens ist Prof. Klimke in seinem Vortrag bei der MHAW 2022 auch auf das Problem eingegangen und hat u.a. die Studie der ASH Berlin vom Januar 2022 zitiert:
Die Studie zeigt, dass Pflegende einen sehr hohen Aufwand (bspw. Zeitdruck, Verantwortung) leisten, um eine moderate Belohnung (bspw. Anerkennung, Arbeitsplatzsicherheit, höhere Entlohnung) zu erhalten. Dieses Missverhältnis zwischen Aufwand und Belohnung ist der größte Einflussfaktor auf die Absichten eines Berufsausstiegs sowie eines Arbeitgeberwechsels.
40 Prozent der befragten Pflegenden geben an, mindestens monatlich daran zu denken, den Pflegeberuf zu verlassen. Rund 30 Prozent überlegen monatlich den Arbeitsplatz zu wechseln und rund ein Drittel will die Arbeitszeit reduzieren.
Insofern, keine Ahnung Nichtraucher, worauf Deine Meinungen fußen, dass eine angemessene Entlohnung und allgemein bessere Arbeitsbedingungen in der Pflegebranche das Abwandern der Fachkräfte nicht verhindern könnten
31/10/2022 um 2:19 Uhr #246034
Anonym
Also ich war ja in Berlin in der heimkrankenpflege und da gab es keine Gewerkschaften oder Betriebsrat o.ä. Die haben uns voll ausgebeutet mit niedrigen Lohn.
Das war in den 90ern. Ich hatte da Österreich nicht EU war nur eine Aufenthalt genehmigt mit diesem Job. Durfte nicht wechseln.
Meine 5cent
Dir eine schöne Woche liebe mowa
31/10/2022 um 5:45 Uhr #246039Guten Morgen liebe @Mowa,
danke für deine Antwort.
Du schriebst: „Möglicherweise sind die medikamentösen (Neben-)Wirkungen über die Jahre gleich stark geblieben, und wenn es Dir zunehmend besser gegangen ist, dann könnten die (Neben-)Wirkungen als belastender empfunden worden sein.“
Nein, zu Beginn der Behandlung war ich körperlich noch viel stärker und hatte viel mehr Kraft. Damals, mit den höheren Dosierungen, musste ich dafür aber tagsüber auch noch schlafen. Da hatte ich schlimme Tagesmüdigkeit, die aufhörte, als ich reduzierte.
Vor über 18 Monaten bekam ich Schlaflosigkeit dazu. Seitdem nehme ich abends Baldrian zum Schlafen.
Ich bin jeden Tag bis an die Grenzen meiner Kräfte gegangen und oft darüber. Du kannst mir wirklich glauben, dass ich sehrwohl fähig bin, zu vergleichen, was ich sonst am Tag leisten konnte und wie wenig ich inzwischen noch leisten kann.
Das liegt eindeutig am Xeplion.
Schlimm, dass du dich auch mit den niedrigen Dosen Aripiprazol wie mit chemischer Zwangsjacke fühlst.
Ich weiß sonst auch keine Lösung, außer ersatzlos absetzen, aber dieses Risiko will ich nicht eingehen.
Ich wünsche dir einen schönen Tag.
LG Pia
Petition für einen Wandel im psychiatrischen Gesundheitswesen und in der Psychopharmakologie – an die WHO und weitere:
31/10/2022 um 9:41 Uhr #246065
Anonym
Ich beziehe meine Erfahrung auf meine Arbeit als Pflegehilfskraft in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung in Oberbayern. Klar, Oberbayern ist eine der wohlhabensten Regionen Europas und außerdem ist dort die Religion immer noch relativ stark, was gerade für den Pflegeberuf immer ein Vorteil ist (man hat mir gesagt, je weiter nördlich und östlich man geht, desto schwieriger ist es für die Einrichtungen Personal zu bekommen).
Allerdings habe ich festgestellt, dass mein Einkommen als Hilfskraft (! wohlgemerkt ohne Ausbildung, sondern mit Ausbildung zum Heilerziehungspfleger nebenbei, einzige Vorraussetzung war ein Schulabschluss und 1Jahr Freiwilliges Soziales Jahr), bei 25h/Woche relativ stattlich war und durchaus vergleichbar mit meinem Einkommen als Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Vorraussetzung: Abgeschlossenes naturwissenschaftliches Studium, TV-L E13 50%).
Da ich in einer katholischen Einrichtung gearbeitet habe, galt der Tarifvertrag der Caritas AVR (meine EG: S02). Hier fällt in der Diskussion besonders oft flach, dass in der Pflege einfach gewisse Sozialabgaben nicht gezahlt werden müssen (ich glaube für Stunden außerhalb der normalen Arbeitszeiten, sowie an Feiertagen und Wochenenden). Dazu hatte ich dort dann über die Einrichtung noch eine Werkswohnung und Zugang zur Verpflegung. Also finanziell war die Arbeit auf keinen Fall unattraktiv (auch im Vergleich zu einer wissenschaftlichen Tätigkeit im öffentlichen Dienst, ich würde sagen es ist sogar vergleichbar, nur dass man viel weniger Qualifikation benötigt).
Aus diesem Grund kann ich die Diskussion um „schlecht bezahlte Pflege“ einfach gar nicht nachvollziehen.
Ich weiß nicht Nichtraucher, von welchen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen Du schreibst, in denen gesetzliche Vorgaben, auch was die Mindestarbeitsbedingungen betrifft, nicht eingehalten werden? Wenn die Betriebe einen Betriebsrat haben, dann ist es die Aufgabe des Betriebsrates, die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zu überwachen.
Das kann man häufig hören (und das habe ich auch selbst so erlebt aber eben nicht mitgemacht), dass die Mitarbeiter oft freiwillige Überstunden machen (unbezahlt) und damit zwangsläufig ihren Stundensatz drücken (und damit auch den Marktpreis für die Arbeit), einfach weil sie sich persönlich für die Patienten/Betreuten verantwortlich gefühlt haben (oder auch wegen schlechten Gewissens weil während der eigtl Arbeitszeit viel Zeit für Kaffee- und Raucherpausen verquatscht worden ist).
Dann ist es auch so, dass ich bisher noch KEINE(!) Pflegekraft kennen lernen konnte, die nicht bei der Dokumentation geschlampt (um nicht zu sagen betrogen) hat, also in der täglichen Dokumentation der erbrachten Arbeit, Leistungen angekreuzt hat, die nicht stattgefunden haben. Diese Menschen, haben einfach eine ganz andere Denke und wenn es um „Papierkram“ geht, dann machen sie einfach nicht mit, weil sie der Meinung sind, sie wissen viel besser selbst, was die Patienten/Betreuten brauchen, statt irgendeines QM-Heinis der sich Pflegepläne ausdenkt.
Was die Pflegekräfte aber dann nicht checken, ist dass sie sich damit selbst ins Fleisch schneiden, weil für den QM-Heini, sieht es dann so aus, dass alle Aufgaben erfüllt wurden und um zu verhindern dass die Pflegekräfte unterfordert sind, werden noch mehr Aufgaben in den Pflegeplan reingepackt, weil das bekommt man ja von der Kranken/Rentenkasse bezahlt und die Kranken/Rentenkasse macht vielleicht mal ein Audit, aber die kann einfach auch eine Person, welche schwerstmehrfachbehindert ist und damit gar nicht in der Lage zu kommunizieren auch nicht fragen ob die Leistungen die bezahlt wurden auch erbracht wurden.
Für mich ist das ein absoluter Skandal, aber das Problem lässt sich nicht damit lösen, mehr Geld dort hinzugeben, sondern nur indem man die Pflegekräfte dazu anhält besser zu arbeiten und das meine ich muss einfach mit einer 100% Totalüberwachung stattfinden. Jede Leistung sollte automatisiert dokumentiert werden, ohne den Pflegekräften die Möglichkeit zu geben da dazwischen zu pfuschen.
Und ehrlich gesagt: die Arbeitsbedingungen (und Anforderungen) sind in der Wissenschaft deutlich(!) härter als in der Pflege. Der einzige Vorteil in der Wissenschaft ist, dass man hin und wieder auf Dienstreise fahren kann und dass man i.d.R. Sonntags frei hat, aber was Belastung, Druck, Pensum und Bezahlung angeht, ist man in der Pflege imho besser dran.
31/10/2022 um 9:59 Uhr #246067
Anonym
also in der Pflege hatte ich (nach Abzug der Kosten für die Werkswohnung inklusive Nebenkosten)
Monatlich etwa netto 800€ (wie gesagt, ohne Wohnkosten), bei 25h/Woche und nebenberuflicher schulischer Ausbildung zum HEP,
Während ich dazu im Vergleich netto 1120€ als wissenschaftlicher Mitarbeiter (50%) bekommen habe, wovon ich aber jeden Monat 360€ Miete (inkl Nebenkosten) abzwacken musste, was für meine Lage (Münchner Univiertel) sowieso noch unverschämt günstig war.
das heißt ich kann hier vergleichen: 800€ für 25h mit 760€ (50% bezahlt (also 20h) aber 100% Anwesenheit (also 40h) erwartet)
In beiden(!) Fällen war da bereits eine betriebliche Rentenversicherung mitenthalten.
Also für mich wirkt das nicht wie eine hoffnungslose Unterbezahlung, vor allem, wenn ich dafür nichtmal eine abgeschlossene Ausbildung gebraucht habe.
edit: das war 2012-2014, also schon ein paar Jährchen her, so dass die Absoluten Zahlen mittlerweile bestimmt etwas der Inflation angepasst wurden.
31/10/2022 um 11:01 Uhr #246075
Anonym
Da hattest du Glück @Nichtraucher ich hab so wenig in Berlin bezahlt bekommen das es für das kochen manchmal ende des Monats nicht reicht. ( damals bin ich nicht essen gegangen)
So macht jeder seine eigene Erfahrung.
Sorry mowa für den input.
LgDoris
31/10/2022 um 11:07 Uhr #246078Also unser Pflegedienst füllt alles korrekt aus. Man muss ja unterschreiben und ich prüfe das genau. Ich denke, man kann nicht pauschal urteilen, du hast halt eine andere Erfahrung gemacht @Nichtraucher
Auch von mir sorry liebe @Mowa aber ich kann das von Nichtraucher nicht so stehen lassen. Zum Gehalt kann ich nichts sagen.
31/10/2022 um 16:31 Uhr #246132
Anonym
das es für das kochen manchmal ende des Monats nicht reicht.
Kommt natürlich immer drauf an was man kocht und welche Ausgaben man insgesamt hat, aber dass man Trotz Arbeit, nicht genug Geld fürs Essen hat, halte ich in Deutschland für unmöglich, es sei denn man hat nur einen Mini-Job in dem man so wenig Stunden macht, dass man seine 450€ nicht voll ausschöpft, oder wenn man sich eine Mietwohnung gönnt, die weit über den eigenen Verhältnissen ist.
@Isa, kann sein, dass es bei einem mobilen Pflegedienst so läuft, wenn dazu die Patienten/Klienten entsprechend fit sind und das auch nachkontrollieren können, aber in einem Wohnheim oder einem Krankenhaus läuft es leider anders und da kannst Du auch jede Pflegekraft selbst fragen, wie sie es mit der Doku hält und ob sie alles immer 100% korrekt ausfüllt. -
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