Würdet ihr einem Schizophrenen das eigene Kind anvertrauen?

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Dieses Thema enthält 10 Antworten und 8 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Avatar Freud vor 5 Monate, 2 Wochen.

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  • #42298

    Ich bin etwas im Zwiespalt. Es ist ja eine harte Diagnose die viel mit Stigmatisierung und Angst verbunden ist. Ich habe mal diese Frage meiner Freundin gestellt. Sie meinte dass sie das nicht tun würde, mir allerdings würde und hat sie ihr Kind anvertraut. Ich selbst hätte bei anderen Schizophrenen auch so meine Vorbehalte. Obwohl ich selbst daran leide. Und die Statistik zeigt auch ein miserables Bild was das angeht. Bin mir jetzt unsicher ob ich überhaupt im sozialen Arbeiten kann. Wenn das „rauskommt“ bin ich immer der Sündenbock. Ich bin in meinem alten Beruf nach dem ich lange Krank war offen damit umgegangen und war dann aber nur noch eine halbe Portion. Meine fachliche Meinung war nicht mehr geschätzt und es wurde in Frage gestellt,  ob ich in anderen Lebensbereichen auch so schlecht Arbeit leisten würde.  Weil ich die Akten nicht gut genug geführt hatte. Hab dafür auch eine Abmahnung bekommen. Naja jetzt ist es so dass ich mir das nicht mehr zutraue. Und mich ständig hinterfrage ob ich gut genug bin. Fehler verzeihe ich mir nicht und ich knausere ja lang mit mir. Und die Verantwortung für einen Job im sozialen Bereich ist groß und ich weiß nicht ob ich das noch kann. Viel zu groß ist die Angst einen Fehler zu machen. Ich traue es mir im Moment nicht zu. Weil ich nicht diskriminiert werden will.

    #42299

    Eigentlich ein trauriges Bild was ich da gemalt habe. Aber so ist die knallharte Realität.

    Wenn man in der Psychiatrie war dann muss mal schon hartbesaitet sein. Will man am Leben teilhaben. Ich komm mir gerade nur so halb vor. Was kann man als Schizophrener noch so schaffen?

    #42300

    Ich würde gern sagen, schizophren na und? Aber die Diagnose macht mir selbst ne Heiden Angst. Wer bin ich noch mit dieser Krankheit?

    #42301

    Guten Morgen @ladybird,

    es stimmt, wenn ich mich frage, würde ich als eine Außenstehende mir selbst das eigene Kind anvertrauen, dann spüre ich auch diesen Zwiespalt.

    Klar, wenn ich nicht in einer psychotischen Phase bin (d.h. auch nicht prä- oder postpsychotisch), würde ich es bedenkenlos tun. Aber wie könnte diese Außenstehende mich so gut kennen, wie ich mich selbst? Jedenfalls würde ich mich nicht als Babysitterin anbieten, falls die Außenstehende mich nicht gut kennt.

    Abgesehen von psychotischen Phasen und der Diagnose stellt sich diese Frage ja auch generell bei Nichtbetroffenen. Ich würde das eigene Kind nicht anvertrauen, wenn ich die Person, die sich um das Kind kümmern soll, nicht gut kenne und ihr vertraue.

    Wenn das Vertrauen da ist, ist die Diagnose nicht wichtig, finde ich.

    Und die Statistik zeigt auch ein miserables Bild was das angeht.

    Was meinst Du mit “was das angeht”, und welche Statistik meinst Du?

    LG,
    Mowa

    #42303

    Es ist mit der Krankheit eben so, dass es auch irgendwo ein Spektrum gibt, was den Schweregrad angeht, daher, so denke ich, kann man das pauschal nicht so einfach sagen. Es gibt ja durchaus Betroffene, die können gut für ihre eigenen Kinder sorgen. Sojemandem kann man wahrscheinlich eher auch ein fremdes Kind anvertrauen. Dann gibt es aber auch Betroffene, die dazu eben nicht in der Lage sind.

    Mit Kindern hat man immer ein Risiko, erst recht, wenn man sie an jemanden Fremdes gibt. Und da ist auch die Krankheit, z.b. eine plötzlich auftretende, oder gut versteckte Psychotische Episode, eben ein zusätzlicher Risikofaktor. Ich selbst war zwar immer brav, selbst wenn ich voll akut war, jedoch würde ich mir in diesem Zustand sicherlich kein Kind anvertrauen. Dabei habe ich in akutem Zustand sogar in einem Kindergarten gearbeitet als Bundesfreiwilligendienstleistender, und meine ehemaligen Vorgesetzten waren sehr zufrieden mit mir und haben mich auch noch im Anschluss zu einem Osterfest und einem Sommerfest eingeladen, ich muss meine Sache anscheinend gut gemacht haben. Aber klar, als BufDi hat man auch keine Verantwortung sondern muss nur ausführen, was man gesagt bekommt. Das habe ich damals auch in dem Zustand gut hinbekommen. Wenn ich aber auf mich alleine gestellt wäre, hätte ich nicht gewusst, was zu tun wäre, denke ich.

    Damals war ich aber nicht medikamentös behandelt, das muss man dazu sagen. Jetzt, mit den Medikamenten könnte mir evtl die emotionale Schwingungsfähigkeit fehlen, aber ehrlich gesagt, hatte ich sie auch schon damals nicht besonders.

     

    Und zu guter letzt will ich eigentlich sagen: gut, dass ich auf niemandes Kinder aufpassen muss. Ich habe dafür echt kein Talent. Ich albere nicht gerne rum und Kinder interessieren mich auch nicht so. Die stinken und machen alles dreckig. Ich umgebe mich lieber mit Computern, da weiß ich, was ich habe.

    #42304

    Es gibt da so eine Statistik bezüglich Schizophrener und dem anvertrauen von Kindern. Ich glaube nur 20 % würden das tun. Ich suche es mal raus wenn ich Muße hab.

    Die emotionale Schwingungsfähigkeit ist auch bei mir problematisch. War auch vorher schon so. War immer eher rabiat. Und hab erst mitgekriegt wie grob ich war wenn der andere weint. Auch bei Erwachsenen.

    #42323

    Das ist echt interessant. Ich kann auch nicht mit Kindern, finde sie nur anstrengend. Da ich keine eigenen Kinder habe, kann ich deine Frage nicht beantworten, Ladybird, aber ich denke, wenn die Frage im Raum stünde, käme es sehr auf den Einzelfall an. Ich werde hier im Umfeld für alles mögliche angefragt, Blumen gießen, Tiere füttern… Aber stimmt, auf Kinder habe ich noch nie aufgepasst und möchte das auch nicht. Generell aber gibt es doch so unterschiedliche schizophrene Schweregrade, dass man die Frage nicht klar mit ja oder nein beantworten kann.

    #42360

    Ich hab früher in meiner Jugend viel auf die Kinder von zwei meiner Schwestern aufgepasst, neben der Arbeit und meist Wochenende. Weiss noch das mein Freund das  garnicht lustig fand, weil er in der Woche ja beim Bund war.

    Heute……. trau ich mir das nicht mehr  zu.

    #42364

    Ich hatte immer Probleme, meine Kinder überhaupt jemandem anderen anzuvertrauen, als sie noch klein waren. Jemandem, von dem ich weiß, dass er wie ich psychisch krank ist, wo ich aber nicht genau sagen kann wie er tickt schon gar nicht. Hatte dafür zu viele Traumata in meiner Kindheit und hätte Angst, dass meinen Kindern dann ähnliches passiert. :negative:

    Grüßle von Molly

    #42552

    mir hat mal eine nachbarin ihre 3 Söhne anvertraut auf einem Fest in der nachbarschaft und ging nach Hause. da fühlte ich mich gefordert, aber nicht überfordert.

    Bleib, wie du bist, und ändere dich jeden Tag.

    #44572

    Mein Partner hat damit momentan keine Probleme und kann wunderbar mit seinem Patenkind blödeln, spielen und darauf aufpassen. In der Akutphase wäre er so verwirrt, das keiner ihm etwas anvertraut (selbst mit seinen Kindern habe ich ihn dann nicht alleine gelassen), und in der anschließenden Negativsymptomatik wäre es ihm zu viel. Da es bei ihm keine versteckte Akutphase gibt, da es bei ihm am Schlaf und an der Manie auffällt, lässt sich das gut abwägen.

    Aber mein Bild von einem Schizophrenen, das ich als Nichtbetroffene vorher hatte, hat sich auch über die Erfahrung mit ihm geändert. Nicht jeder ist paranoid oder gewalttätig, wenn er in der Akutphase ist. Und dieses Bild wird einfach in der Öffentlichkeit kommuniziert.

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