Wieder arbeiten gehen oder nicht?

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  • #69046

    Hallo ihr Lieben,

    ich bin 30 und hatte vor 6 Monaten meine erste Psychose. Die Psychiater glauben es war eine Intoxikationspsychose, weil Drogen mit im Spiel waren, es gibt aber auch die Differenzialdiagnose „paranoide Schizophrenie“. Es könnte also doch Schizophren sein. Die Zeit wird es zeigen.

    Meine Positivsymptome sind die 6 Monate ausgeblieben, allerdings habe ich gerade so die Motivation für die tägliche Körperhygiene.

    Ich beziehe aktuell Geld vom Jobcenter und mein Arzt hat kein Verständnis mehr mir Atteste zu verschreiben. Ist es normal, 6 Monaten nach einer Psychose wieder arbeiten zu gehen? Ich nehme 2mg Risperidon und habe das Gefühl, dass es mir jegliche Motivation und Leistungsfähigkeit raubt. Der Arzt meinte, dass das keine Lösung sei und wir etwas beschließen müssen, da es nicht ewig so weitergehen kann. Er meinte noch, dass ich vielleicht zusätzlich ein Antidepresivum nehmen sollte, damit ich etwas mehr Antrieb habe.

    Meine Psychiaterin meint, dass sie das Medikament reduziert, wenn es mir besser geht. Was ich nicht ganz verstehe, da es mir vielleicht gerade wegen dem Medikament nicht besser geht??? Anscheinend werde ich mir in Zukunft die Atteste bei ihr holen müssen, was schade ist, da sie 50km weiter entfernt liegt. Ich muss dann also alle 2 Wochen 100km fahren, weil mein Arzt anscheinend kein Verständnis hat.

    #69050

    Hi alucard, willkommen erstmal hier im Forum.

    Also nach nur 6 Monaten schon wieder arbeiten gehen, ist schon ziemlich schnell gerade wenn es deine erste Psychose war und du dich erstmal mit allem informieren und einbekommen mußt. Du Medis bekommst die dein Körper nicht gewöhnt ist etc.

    Hoffe du findest einen Arzt der dir verständnisvoller entgegenkommt.

    Ich fände erstmal eine Reha, oder eine Tagesklinik angebracht.

    LgB

    #69058

    Ich würde es mit einer langsamen Wiedereingliederung versuchen. Zu lange würde ich auch nicht warten mit dem Arbeiten. Mir war wichtig gleich wieder was zu tun zu haben, auch wenn ich im Studium erstmal nicht erfolgreich war.

    #69059

    Hi Alucard,

    kannst du das Risperidon nicht ein wenig reduzieren? Vielleicht würde es dir dadurch wirklich besser gehen!
    Und ich finde ob du arbeiten gehen kannst oder nicht, dass hängt ganz individuelle von dir selbst ab. Gibt bestimmt Menschen die nach 6 Monaten wieder im Job sind, aber auch andere die einfach länger brauchen. So wie du beschreibst wie es dir geht scheinst du ja noch nicht bereit dafür zu sein, und das ist doch auch völlig in Ordnung!

    Was hast du denn vor der Psychose gearbeitet? Kannst du dir vorstellen wieder zurück in deinen Job zu gehen?

    Ich wünsch dir jedenfalls auch, dass du eine verständnisvollere Ärztin findest, das geht finde ich garnicht, wenn ÄrztInnen einen nicht unterstützen und da abholen wo man gerade steht!

    #69061

    Ich habe direkt nach der Tagesklinik wieder versucht zu arbeiten. Es hat zwar leider nicht geklappt, ich bereue aber auf keinen Fall es versucht zu haben. Also wenn es dir irgendwie möglich ist, solltest du es meiner Meinung nach mit dem Arbeiten probieren. Über die Medikation kannst du ja nochmal mit deinem Facharzt sprechen. Ich war durch das Risperidon auch ziemlich platt.

    Viel Erfolg und gute Besserung!

    #69063

    @ Alucard, hi…ich hatte meine 1.Psychose mit 35J. 9Monate lang, da keine Einsicht, dann 8Mon. Klinik. Ich hatte allerdings vorher schon mit einer schweren Depr. zutun. Die in der klinik haben mir geholfen eine berufl.-med.-Reha zu organisieren über 2Jahre war ich dabei. Dort wurde dann festgestellt das ich nicht mehr als 3-4 Std. inkl. Pausen arbeiten kann. Hab dann zwei Jahre nichts bekommen und danach 1Jahr befristet und dort festgestellt das ich 3Std. inkl. Pause grade so eben mit zittern zum Schluss hin kriege. Der job war nicht wirklich für mich geeignet und seit dem suche ich.

    Du siehst, es kommt immer auf den Einzelnen an. Es gibt hier einige die arbeiten, wo es gut klappt, einige die arbeiten und merken, ist doch nicht so gut, und einige wo gleich klar war, das wird nichts. Ich würd mich da  mit dem Psychiater zusammentun und gucken ob er Dir hilft so eine med.-berufl.-Reha zu machen. Das hilft ungemein. 2mg Risperidon bekomm ich auch, nebst einiger anderer.

    Ich drück Dir die Daumen, das alles gut läuft. Wichtig ist jetzt auch das Du dir ein Netz aufbaust, mit Leuten wo Du hin kannst falls wieder was passiert, der Psychiater sollte das die 1.Anlaufstelle sein. Vielleicht Familie die ein bissl auf Dich achtet und Rückmeldung geben kann?

    Gute Besserung.

    :bye:

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 months, 2 weeks von BlumenduftBlumenduft.
    #69069

    Danke für die vielen hilfreichen Antworten. Ich werde meine Psychiaterin versuchen zu überreden, dass sie mit meinem Arzt spricht. Ich dachte, dass es da Teamarbeit gibt mit mir als Hauptautor. Anscheinend Quatsch.

    Ich habe studiert und in der Vorphase der Psychose das Studium abgebrochen, weil es durch Paranoia und Konzentrationsstörungen zu viel wurde. Danach habe ich 7 Wochen in der Industrie gearbeitet. Bis ich auf einmal eine Halluzination meines Vorgesetzten sah. Er lachte wie der Teufel und schrie, dass ich gefeuert werde. Da merkte ich, dass etwas nicht stimmt. Später kamen starke Wahnvorstellungen hinzu.

    Ich habe bereits versucht direkt zwei Wochen nach der Psychose anzufangen mit Arbeiten. Hat leider nicht geklappt, da die Anforderungen und die Schichtarbeit zu schwer waren. Schade dass man in der Psychiatrie kaum aufgeklärt wird, dass die Leistungsfähigkeit nach der Psychose sinkt, wahrscheinlich um keinen Negativplacebo auszulösen… ich fühle mich von Ärzten irgendwie missverstanden. Als ob man sich den Arm bricht und mit einem Gips drumrum weiter arbeiten soll. Man bekommt Medikamente die einem drosseln, soll aber auf einmal wieder leistungsfähig sein.

    #69076

    Vielleicht kannst Du auch einen Antrag auf Schwerbehinderung stellen, oder eine berufliche Reha machen?

     

    Schau mal ob es in deinem Ort eine Psychose-Selbsthilfegruppe (z.B. trialogisches Psychoseforum) gibt, das würde auch vielleicht helfen, die Angebote direkt vor Ort zu erfassen?

     

    Ansonsten kenne ich das sehr gut, mit der geistigen Lähmung durch die Medikamente. Wenn man Glück hat, so wie ich, schafft man es einen Arbeitgeber zu finden, der einen trotz Minderleistung weiterbeschäftigt.

    Eine Reduktion der Medikamente hilft auf jeden Fall, aber sie kommt auch mit dem Risiko des Rückfalls. Meine Reduktion wurde erst ca 1.5Jahre nach Beginn der Medikamenteneinnahme vorgenommen. Bis dahin musst ich mich durchkämpfen und durchwursteln und mich einfach damit abfinden, die Menschen die mich bezahlen regelmäßig zu enttäuschen. Das war sehr hart und wenn es nach mir ginge, wäre ich lieber in eine Werkstatt gegangen für Menschen mit Behinderung, aber meine Eltern waren dagegen und meinten ich sollte nciht von mir aus aufgeben, sondern das wenn dann den Arbeitgeber entscheiden lassen, ob er mich weiterbezahlen will/kann oder nicht.

    [quote quote=69069]Als ob man sich den Arm bricht und mit einem Gips drumrum weiter arbeiten soll.[/quote]

    Genauso habe ich mich auch gefühlt. Und dazu das Unverständnis der Ärzte, dass die Medikamente einen so stark einschränken, dass man selbst wenn man wollen würde, es gar nicht schaffen könnte. Und die Motivation ist wie gesagt auch im Eimer.

    Wie gesagt, es ist möglich, normal weiterzumachen, aber es ist hart und man braucht Glück. Ansonsten muss man sich die richtige Hilfe suchen und zwar selber, weil einem das Umfeld das oft nicht abnehmen kann oder will. Versuche es mit aller Kraft!

    #69100

    Hm, ich habe immer so ein Jahr gebraucht, bis ich nach der Psychose wieder einigermaßen leistungsfähig war. Seit 3,5 Jahren arbeite ich und hatte seitdem noch keine Psychose. Weiß nicht ob sie eine so lange Pause dort aktzeptieren würden, falls ich einen Rückfall bekomme. :scratch:

    Generell habe ich gemerkt das mich Beschäftigung rehabilitierte. Wenn man auch nur etwas einfaches tut. Ich war z.B. ein Jahr in einer Tagesstätte.

    Ich spreche natürlich nur für mich – jemand anderem geht es evtl. besser wenn er gar keinen Druck mehr durch Arbeit hat. Das musst du für dich herausfinden ob langfristig Rente oder Arbeiten das richtige für dich ist. Aber auch in Rente kann man sich beschäftigen, je nach Belieben und Kraft.

    Meinen jetzigen Beruf habe ich über eine Umschulung erlernt – evtl. wäre das was für Dich? Ich habe auch mein Studium abgebrochen und dann die Umschulung bekommen.

    Ich war in einem BFW wegen der Umschulung, dort wird man auch psychologisch betreut, falls Bedarf besteht. Ist allerdings schon sehr fordernt, der Tagesablauf dort und die Lernerei.

    Schichtarbeit – also Nachts arbeiten – kann ich überhaupt nicht .

    Die Medikamente können einen schon sehr ausbremsen – ich hatte aber das Glück mich mit der Zeit daran zu gewöhnen und trotzdem leistungsfähig zu sein. Es ist auch wichtig, das individuell passende Medikament zu haben. Ich musste feststellen, dass ich mich nicht mit jedem Medikament rehabilitieren konnte.

    Mein Hausarzt schreibt mich übrigens aus psychischen Gründen überhaupt nicht krank – ich muss da auch 50 km zum Psychiater fahren. Kommt aber sehr selten vor.

    Lass Dir die Zeit, die du brauchst. Du kannst es ja erstmal mit einer einfachen Beschäftigung versuchen wieder reinzukommen und dich austesten.

    #69105

    Hi Alucard,

     

    willkommen im Forum.

     

    wer schreibt Dich krank – dein Arzt (Allgemeinarzt?) oder die Psychiaterin? Eigentlich sollte es möglich sein, dass Dich deine Psychiaterin auch weiterhin krankschreibt, die Diagnose ist ja fürs erste schwerwiegend genug – so wie Du es beschreibst sind es eben die typischen “Negativsymptome”, Antriebsmangel etc. Wie sollst Du da arbeiten, kann mir nicht vorstellen, dass Du bei der Beschreibung Deines Zustandes (“gerade so die Motivation für die tägliche Körperhygiene”) da lange durchhalten würdest…Das ist auch normal nach so einer Psychose (nicht selber fertig machen..), gerade deswegen sollte die Psychiaterin Dich auch weiterhin krankschreiben können.

    Es gibt verschiedene Möglichkeite der Rehabilitation, “Leistungen zur Teilhabe am Erwerbsleben”, Berufliches Training, InRAM, etc. Es sind sehr viele und es ist unübersichtlich.

    Das wird vom Jobcenter bewilligt, du kommst dann in so Trainingsmaßnahmen, wo erstmal versucht wird, Deine Belastbarkeit zu steigern…Kommt da auf den Sachbearbeiter beim Jobcenter an, wie die so drauf sind, denn diese Maßnahmen kosten die natürlich auch etwas…Das kann gehen bis zu einer 2-Jährigen Umschulung, um einen neuen Beruf zu erlernen..

    Wenn Du Dein Studium abbrechen musstest, dann musst Du Dich komplett neu orientieren oder findest Du da, wo Du lebst, auch so eine annehmbare Arbeit?

    Grüße, viel Kraft.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 months, 2 weeks von cochon dindecochon dinde.
    #69121

    Hallo @alucard !

    Du schreibst, dass deine Psychiaterin sehr weit entfernt praktiziert. Gerade wenn es einem psychisch schlecht geht, oder man durch die Nebenwirkungen der Medikamente eingeschränkt ist, fällt einem dann alles sehr schwer.

    Ich lege großen Wert darauf, dass ich schnell und ohne große Umstände bei meinem Arzt sein kann. Ich an deiner Stelle würde mir einen Psychiater suchen, der möglichst nah an meinem Wohnort ist.

    Du solltest dir dann eine Überweisung und sämtliche Berichte von der jetzigen Psychiaterin mitgeben lassen. Einen Termin bei einem neuen Psychiater zu bekommen, kann schon mal ein halbes oder dreiviertel Jahr dauern, insofern man nicht akut ist (Stichwort Notfalltermin). Rufe also möglichst umgehend bei diversen Psychiatern an.

    Lass dich vielleicht mal vom sozialpsychiatrischen Dienst deiner Kreisstadt beraten. Die können dir alles sagen, was in deiner Situation wichtig, und in deinem Wohnumfeld möglich ist, wie zB. Berufsförderungswerk, Wiedereingliederung usw..

    Viel Glück!

    #69135

    Ich war ungefähr 20 als die Psychose ausgebrochen ist, ungefähr 8 Wochen psychatrie und 800mg seroquel am Tag, dann 4 Wochen tagesklinik. Mir ging es von Tag zu Tag unterschiedlich, mal besser mal schlechter, Medikamente von heute auf morgen abgesetzt, und keine Veränderung bemerkt. Ich habe versucht wieder arbeiten zu gehen, leihfirma und Arbeit vom Arbeitsamt habe ich nicht geschafft, kurze Zeit später bekomme ich Rente. Jetzt ungefähr 8 Jahre später, geht es mir besser, ich gehe zumindest 3 Stunden am Tag in eine wfbm. Manche Leute die ich bisher kennengelernt habe, waren nach der Psychose wieder ziemlich fit, und gehen arbeiten, darunter ein älterer Mann der 30 Jahre lang gearbeitet hat nach der Psychose. Es ist bei jedem unterschiedlich, aber das dein Arzt kein Verständnis zeigt kann ich nicht nachvollziehen, so viel ich weiß, muss der Arzt die eine Krankmeldung schreiben wenn es dir schlecht geht, ansonsten den Arzt wechseln wenn etwas in der Nähe ist.

    #69140

    Lass dich vielleicht mal vom sozialpsychiatrischen Dienst deiner Kreisstadt beraten. Die können dir alles sagen, was in deiner Situation wichtig, und in deinem Wohnumfeld möglich ist, wie zB. Berufsförderungswerk, Wiedereingliederung

    :good:

    Genau das!

     

    Und gib Dir Zeit. Es kann schon ein Jahr oder anderthalb Jahre dauern, bis es Dir nach der Psychose wieder besser geht. Am besten wäre es, ohne Drogen und auch ohne Alkohol weiterzuleben. Dein Gehirn wird es Dir danken.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 months, 1 week von cochon dindecochon dinde.
    #69146

    [quote quote=69121]Lass dich vielleicht mal vom sozialpsychiatrischen Dienst deiner Kreisstadt beraten. Die können dir alles sagen, was in deiner Situation wichtig, und in deinem Wohnumfeld möglich ist, wie zB. Berufsförderungswerk, Wiedereingliederung usw..[/quote]

     

    Das würde ich auch empfehlen

    #69166

    Du könntest auch nochmal mit dem Arbeitsamt sprechen und fragen, ob sie nicht dein Restleistungsvermögen begutachten möchten, bevor du dich wieder bewirbst.

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