Simulationshypothese

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  • #55398

    [quote quote=55396]reine Zeitverschwendung[/quote]

    Naja, was reine Zeitverschwendung ist und was nicht, liegt schon sehr im Auge des Betrachters. Alle Hypothesen in diesem Bereich und die gesamte Philosophie basiert letztendlich auf Denkmodellen. Soweit ich das verstehe basiert sogar die moderne Physik auf “was-wäre-wenn”-Modellen, unterlegt mit enstprechenden Berechnungen und Beobachtungen. Ob es einem letztendlich was bringt, sich damit zu beschäftigen, und wenn ja, was, so kannst Du diese Frage vielleicht für Dich selbst klar mit “Nein, mir bringts garnix” beantworten, aber nicht allgemein. Ich mag solche Gedankenspielereien durchaus, und wenn sie auch hauptsächlich ein Zeitvertreib sind – man muss ja daraus nicht gleich revolutionäre Erkenntnisse ziehen.

    [quote quote=55396]zweitens durchaus gefährlich für einen Psychotiker.[/quote]

    Naja, das ganze Leben beinhaltet ein gewisses Gefahrenpotential  -“für einen Psychotiker” vielleicht ein wenig mehr wie für nicht-Psychotiker. Klar muss jeder für sich selbst entscheiden, was er sich zumuten kann.

    #55400

    [quote quote=55398]Philosophie basiert letztendlich auf Denkmodellen[/quote]

    Ja ich bin ein Stoiker und lese einmal im Jahr Marc Aurels Selbstbetrachtungen. Das ist für mich gewinnbringend.

    #55401
    AvatarAnonym

    Für Psychotiker ist dann jeder 2. Hollywoodfilm schlecht. Für Psychotiker ist alles schlecht – einmal richtig in der Psychose und du siehst in allem nur noch das Gift…

    Besser man stellt sich dem solange man noch klar ist, und findet seinen logischen Ausweg für sich selbst, dann hat man schonmal ein Gift weniger zu fürchten.

     

    Ein Argument gegen sein Denkmodell ist übrigends, dass es völlig unnötig und sogar sehr unethisch wäre, eine leidbehaftete Simulation mit sich bewussten und real leidenden Wesen durchzuführen, nur um daraus zu lernen und die Wesen hinterher zu verwerfen. Das würde Mengele so machen, aber kein höheres Wesen der Art, dass uns erschaffen könnte. Der Sinn, falls wir in einer Simulation leben, kann also eher keine wissenschaftliche Arbeit der angesprochenen Art sein, die liesse sich nämlich auch genauso ohne das Leid durchführen.

    Ich denke vielmehr, dass die an unserer Welt beteiligten Wesen leiden, weil unser Leben eine Art Lernprogramm ist, das uns Freiheit schenkt, und durch Leid, aber auch durch Glück, lehren soll, welches Verhalten falsch und welches richtig ist. Ergo muss der Sinn unserer Existenz (da wir leiden), auch weiterführend so gestaltet sein, dass wir Akteuere in einer (anderen) Welt sein werden, wo wir zwar hochgradig frei sind, aber auch kein Fehlverhalten ausüben dürfen, und aufgrund unserer intrinsischen Freiheit durch Leid von Fehlverhalten abgehalten werden müssen.

     

    Darüber nachzudenken halte ich keineswegs für Zeitveerschwendung! Durch derartige Gedanken ergeben sich nämlich sehr relevante Vorstellungen von der Sinnhaftigkeit unserer Existenz – und bei richtiger Durchführung können daraus Ideen darum entstehen, wie sich Leid verhindern und Glück mehren lässt. Ergo den Sinn des Lebens besser zu erfüllen zu lernen. Religion ist nichts anderes – der Versuch der Ergründung unserer Existenz aus den Erfahrungen vieler, um Sinn und Wege zu finden, die Leid verhindern und Glück bringen sollen. Solche Denkmodelle können fundamentale Auswirkungen auf unsere Existenz und unser Verhalten haben.

    Ohne derartige Ideen würden wir uns noch gegenseitig fressen und der körperlich stärkere bzw. gewissenlosere hätte immer recht, und wir würden einander nichts achten und in Finsternis und Zerstörung versinken – und nach meiner Vorstellung deswegen ebenso in einer weiterführenden, “realeren” Existenz für nichts erachtet werden, und gleich zurückgeschossen werden in’s Lernprogramm.

     

    Ich denke auch, es macht für uns schlichtweg keinen Unterschied ob unser Universum nun “real” ist (ist es auf jeden Fall und wiederum auch nicht) oder durch Rechentechnik aufrecht erhalten wird. Wir erleben es so oder so täglich, darin sollten wir uns ja einig sein. Ein Ding ist auf jeden Fall real, das ist unser Geist, das weiss ich, weil ich täglich die Wiederspiegelung der Welt in ihm erlebe. Ob diese Welt nun Simulation ist oder nicht, ist dabei irrelevant, sie ist wie sie ist und wie wir sie kennen, das muss ausreichen um sich in ihr zurechtzufinden. Menschen mit ausgeprägtem Materialismus fürchten vielleicht, dass was sie zu “haben” glauben nur Daten in einem Computer sind, und seinen Wert verliert dadurch dass es nicht “echt” ist. Aber Materialismus ist in meinen Augen auch nur ein Weg um zu leiden und daraus irgendwann Loslösung lernen zu müssen. In meinen Augen verliert diese Welt keinerlei Wert dadurch, dass sie evtl. von “Gott” auf einem göttlichen Computer erschaffen wurde. Sie lässt uns erleben, und egal ob wir das Erleben für echt oder als Traum erachten, wir erleben es ja doch, und können das weder verhindern noch dem etwas substantielles eigenes hinzufügen.

    #55413

    Ich sehe gar nicht unbedingt EIN höheres Wesen (wenn die Hypothese wahr wäre) als Simulator. Ich habe das eher so verstanden, dass wir evtl. Simulationen früherer, also “historischer” echter Menschen sein könnten, die die Rechentechnik perfektioniert haben/hatten. Das scheint mir der Text zu meinen. Ein höheres Wesen ist also nicht unbedingt Bedingung für die Hypothese.

    Natürlich ist es nur eine Hypothese und damit ein reines Gedankenexperiment aber die Tatsache, dass sich u.a. auch Physiker damit beschäftigen und zustimmen, zeigt doch, dass es keine reine Metaphysik ist.

    Ich denke, wenn man einigermaßen stabil ist, wird einen der Gedanke an eine Simulation nicht aus der Bahn werfen. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass dieser Gedanke, weitergesponnen, psychotisches Potential hat. Ich behaupte das aus rein emotionalen, persönlichen Empfindungen heraus. Denn dieses Gefühl, in einer irrealen Welt zu existieren, überkommt mich vor allem in instabilen Zeiten, leistet der Theorie also Vorschub.

    Der Film “Matrix” kam heraus, als ich meine Diplomarbeit zur Philosophie des radikalen Konstruktivismus schrieb. Damals sah ich kaum Parallelen. Die Matrix-Theorie kam mir zu abwegig vor. Heute sehe ich das Verbindende, auch zur Simulationshypothese. Letztlich sind es halt alles MÖGLICHKEITEN, keine bewiesenen Realitäten.

    Das bringt mich zu der Frage: Kann man die Realität beweisen?

    #55416

    @Nevermind:

     

    Welche Bedeutung hat in Deiner Simulation das Leid?

     

    Ist es nicht zynisch, zu glauben, dass das Leid, das man erfährt, nur aufgrund der Simulation erfolgt? Fühlt man sich da nicht ohnmächtig und ausgeliefert? Ich sähe das als die Gefahr.

     

    und Ja: Schmerz ist real. Warum sollte jemand Schmerzen simulieren wollen? realer als Schmerz, glaube ich, geht es nicht.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 5 months von NichtraucherNichtraucher.
    #55418
    #55420

    @Nichtraucher: Leid ist etwas Subjektives, nicht Messbares. So, wie ich diese Theorie verstehe, geschieht die Simulation absichtslos. Damit ist dort für Zynismus kein Platz. Wenn niemand absichtlich etwas wie Leid simuliert, ist keinem ein Vorwurf zu machen. Das Leid geschieht dann einfach, ganz wertfrei.

    #55421

    Es ist übrigens nicht MEINE Simulation, lieber @Nichtraucher. Ich habe nur eine Theorie zitiert. Urheber ist Herr Bostrom.

    #55424

    Selbst ohne Simulation wird Leid sich nicht verhindern lassen. Es gehört einfach zum Leben. Ich sehe den Sinn des (simulierten oder nicht simulierten) Lebens auch nicht darin, Leid zu vermeiden und Glück zu mehren. Ich weiß nicht, Leid geschieht ständig. Es scheint Teil des Lebens zu sein. Auch das von nichtmenschlichen Wesen übrigens.

    Ein Tier kann ebenso leiden wie ein Mensch. Das Leid ist einfach Teil unserer Existenz. Vielleicht geht es nur darum, zu lernen, mit dem unvermeidlichen Leid umzugehen? Unter anderem…

    #55425

    Entschuldigung, ich hab mich da wohl in der Wortwahl vergiffen.

    Aber wenn die Simulation absichtslos ist, was zeichnet sie dann als Simulation aus?

     

    Also was bedeutet dann Simulation? Glaubt Herr Bostrom etwa, unser Erleben ist das Ergebnis eines Computers? Was für ein Computer soll das sein der Gefühle erzeugen kann?

     

    Wenn aber die Simulation einfach aus unserer Materie besteht, dann ist es ja auch irgendwie keine Simulation mehr, sondern eher ein Experiment.

     

    Oder handelt es sich um eine Art Solipsismus?

    #55426

    Passend zum Thema empfehle ich noch den film Dark City aus dem jahr 1998.

    Hat durchaus parallelen zu Matrix aber dort wird dem Punkt “Experiment” mehr Beachtung geschenkt.

    #55427

    Ja genau, @Nichtraucher. So, wie ich Bostrom verstehe, könnte es sein, dass die meisten von uns keine realen Menschen sondern nur Simulationen von (einst echten?) Menschen sind. Also Teil eines sich selbst entwickelnden und fortführenden Computerprogramms, das wiederum in der Vergangenheit von Menschen entwickelt wurde. So in der Kürze.

    #55428

    Das Thema scheint die Kunstwelt sehr zu beschäftigen und zu inspirieren. Wundert mich nicht.

    #55431

    [quote quote=55425]Was für ein Computer soll das sein der Gefühle erzeugen kann[/quote]

    Naja, davon ausgehend, dass unser Gehirn Gefühle erzeugt, den man ja auch als eine Art Computer ansehen könnte (allerdings aus rein biologischen Materialien), warum sollte ein extrem hoch entwickelter Computer dazu (und zu vielem mehr) nicht ebenso in der Lage sein – also theoretisch? ;)

    Und wenn man davon ausgeht, dass irgendein Wesen das Universum erschaffen hat (und damit auch uns), wäre das dann nicht ebenso zynisch, selbst wenn es keine “Simulation” wäre ? Das Leid und all das bleibt dadurch ja dasselbe, auch im Schöpfungsmythos beispielsweise. Hätte man uns dann ja auch ersparen können.

    Ob es dahinter eine Absicht gibt oder nicht, und was die denn sein soll, werden wir vermutlich ebensowenig erfahren wie den Ursprung des Ganzen und die “Echtheit” der Realität.

     

    #55434

    Zumal: Wie definiert man Leid? Ich denke, dass vor allem der Buddhismus darauf eine Antwort liefern könnte. Danach ist Leid ja immer auch das, was wir selbst als Leid anerkennen und nichts Feststehendes, klar zu Benennendes.

    Oder ganz platt ausgedrückt: Wat det een sin Uul, is den andern sin Nachtigall.

    Welches spezielle Leid meinst du, @Nichtraucher?

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