"Schizophrenie gibt es nicht" – Jim van Os

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  • #68939
    #68954

    Interessanter Artikel. Dass die bisherige Diagnostik auf wackeligen Füßen steht, dafür sprechen ja auch die genetischen Untersuchungen. Demnach kommen viele Faktoren zusammen, was dann eine Anfälligkeit für Psychosen zur Folge hat. Das heist aber noch nicht, das man eine bekommt. Das tritt nur dann ein, wenn bestimmte Umwelteinflüsse dazukommen, die bei jedem Menschen verschieden sein können. Es ist also ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren. So einem Menschen dann das Ettiket “Schizophrenie” zu verpassen, halte ich jedenfalls nicht für gerechtfertigt. Jeder Mensch ist anders.

    Interessant ist auch der letzte Abschnitt. Ich frage mich jedenfalls, ob die Krankheit ausgebrochen wäre, wenn ich im Leben andere Entscheidungen getroffen hätte. Aber ich mache mir damit keinen Kopf. Rückgängig machen kann ich es sowieso nicht.

    #68959

    Danke für den Artikel!

    Die stigmatisierende Diagnose “Schizophrenie” zu vermeiden hilft dem jeweiligen Betroffenen vielleicht im Zusammenhang mit Abwertung durch Laien, die keine Ahnung von der Krankheit haben, aber ich vermute eben, man bekommt dann einfach einen neuen Stempel aufgedrückt der zwar momentan noch nicht so schwerwiegend ist, aber mit der Zeit dieselbe Bedeutung erlangt.

    Den Ärzten ist dann ja jeweils bekannt, was das ist. Eventuell sieht die Behandlung dann nicht viel anderes aus als bisher. Genauer nach diversen Symptomen zu differenzieren finde ich aber sehr gut.

    Hätte man gleich anfangs meine Ängste und Depressionen psychologisch und soziotherapeutisch behandelt, wäre meine Krankheit vielleicht gar nicht chronifiziert.

    #69019

    Danke für den Artikel :good:

    Ich fand auch den letzten Abschnitt des Artikels besonders interessant. Wobei man sich dann natürlich automatisch mal wieder fragt, was man denn so alles falsch gemacht hat :-/

    #69020

    Ich fand den Artikel auch sehr interessant. Und ich finde es gut, dass nicht überall psychopharmaka der goldstandart sind. Ich für meinen Teil, glaube nicht, dass in meinem Fall Psychopharmaka überhaupt indiziert sind. Sondern denke eher, dass es auf einer psychischen Ebene bei mir etwas (und ich weiß such genau was) falsch gelaufen ist. Schade, dass hierzulande alle bis auf die soteria immer sofort die Patienten mit Neuroleptika vollpumpen. Ich bevorzuge auch BBC den Begriff psychoseanfälligkeit. Schizophrenie hört sich so grausam chronisch an. Und ich denke, dass man sich  nicht darauf festhalten darf, dass man eine chronische Krankheit hat. Sonst wird Mann Nicht mehr gesund

    #69022
    AvatarFMS

    Ich finde es für mich nicht “schlimm”, dass die Krankheit als paranoide Schizophrenie bezeichnet wird. Ist für mich nix anderes wie die Bezeichnung Depressionen oder Lungenkrebs.

    Das Problem ist die Stigmatisierung, was aber bei einem anderen Namen genauso wäre. Das liegt einfach daran, dass Schizophrene oder Psychotiker hauptsächlich dann in der Presse erscheinen, wenn sie irgendwas angestellt haben. Deswegen wird diese Stigmatisierung auch mit einem anderen Begriff nicht verschwinden. Zusätzlich führt das dann auch noch zu viel Verwirrung und ich glaube, selbst bei einem neuen Begriff für die Krankheit, würde sich der alte in der Umgangssprache halten.

    Deswegen: für mich kann die Bezeichnung bleiben.

    #69053

    Vor einem Jahr hätte ich noch gesagt, cool wenn meine Krankheit nicht schizoaffektiv mit Depression heißen würde, sondern eben Psychose in Remisssion wie gehabt. Aber mittlerweile ist es mir egal, ich schaue eh wem ich es erzähle und bis jetzt bin ich zumeist gut gefahren. Die Menschen die einen verurteilen wollen tun es eh.

    LgB

    #69066

    Ich denke auch, das dann eben eine andere Bezeichnung das gleiche beschreibt. So oder so ist man krank und bildet sich nichts ein. Wäre ja auch zu schön, wenn einer schreibt gibts nicht und puff alle sind gesund. :wacko: :bye:

    #69075

    Naja, es gibt aber schon extreme Unterschiede in der Ausprägung.

     

    Solche, die im Alltag fast gar nicht beeinträchtigt sind und solche welche permanent mit Stimmen, möglicherweise sogar nicht beleidigenden Stimmen, zu kämpfen haben. Momentan werden beide mit derselben Diagnose bezeichnet und auch genauso behandelt. Ich denke hier geht es darum, eben das Spektrum zu erfassen und weniger schwere Fälle auch weniger intensiv zu behandeln. Dafür gibt es eben noch keine praktikable “Handlungsanleitung”.

    Zuletzt noch: auch ich hatte eben das Gefühl, dass meine Krankheit ausgebrochen ist, weil ich eben selbst falsche Entscheidungen getroffen habe, weil ich mich selbst überlastet habe, weil ich zu hohes Risiko gegangen bin und die Konsequenzen nicht verkraftet habe. Ich denke auch, um zu verhindern dass es wieder dazu kommt, MÜSSEN die Umstände aufgearbeitet werden, einfach dass man in seinem Kopf Lösungen hat für bestimmte Gedanken und Situationen, damit man sich darin nicht wieder verheddert, oder wenn schon, damit man wenigstens nicht wieder da weitermachen muss, wo man das letzte mal angefangen hat, sondern dass man sich weiterentwickelt hat, denn, und so ist meine persönliche Psychoseerfahrung, die Psychosen schreien geradezu nach einer persönlichen Weiterentwicklung und geben einem keine Ruhe, bis man seine Lebensumstände wieder in einen lebbaren Zustand versetzt hat. Einfach Medikamente einschmeißen, aber sich selbst oder die Umstände nicht zu ändern, ist zwar auch eine Lösung, aber auch aufgrund der gesundheitlichen Konsequenzen von Neuroleptika, eben keine optimale.

    #69142

    Danke für den Link.

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