Krankheitsempfinden abhängig von Vergleichen

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Dieses Thema enthält 25 Antworten und 14 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Marcilie Marcilie vor 4 Monate, 1 Woche.

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  • #13077

    Lange habe ich meinen Zustand mit vor der Erkrankung verglichen. Dabei habe ich viel Verlust gesehen und unter der Erkrankung gelitten.

    Inzwischen vergleiche ich meine aktuelle Situation mehr damit, wie es zu Beginn der Erkrankung war. Seitdem habe ich eine gute Entwicklung genommen, mir einiges erarbeitet und viel erreicht.

    Sportlich gibt es auch Veränderungen. Vor der Erkrankung bin ich zum Beispiel mit meinem Freund auf den Kanarischen Inseln stundenlang gewandert. Wir waren zusammen Inlinen und haben gemeinsam längere Radtouren unternommen.
    Mit der Erkrankung kann ich mit ihm nicht mehr mithalten. Wir sind in gemeinsamen Aktivitäten eingeschränkt.

    Im Sommer 2017 war ich in einer Tagesklinik. Da habe ich mit anderen psychisch Kranken Sport gehabt. Im Vergleich mit anderen Kranken bin ich erstaunlich fit.

    Da habe ich für mich entdeckt, dass man zu einer realistischeren und besseren Selbsteinschätzung gelangen kann, wenn man sich mit Seinesgleichen vergleicht.

    Diese Erkenntnisse tun mir gut.

    Vielleicht tut mir deshalb auch dieses Forum gut.

    • Dieses Thema wurde geändert vor 5 Monate, 2 Wochen von Avatar mango.
    #13094
    Avatar
    Anonym

    Sich zu vergleichen ist ein Zeichen mangelnden Selbstvertrauens und ist angesichts der Erkrankung schon okay.
    Besser wäre es, du würdest lernen, deine Schwächen zu akzeptieren.

    #13106

    Man kann sich auch vollkommen in Ordnung finden, wenn man ganz unten in der Hierarchie steht. Braucht man nur die Deutungshoheit über sich und alles haben.
    Wenn man seinen Wert über den Ver-/Abgleich bestimmt, besteht die Gefahr, dass man abrutscht. Das Strampeln um einen guten Platz hört dann nie auf. Außerdem sind immer viele, die aus dieser Sicht viel besser dastehen.
    Dabei ist jedes Individuum gleich viel wert, egal was es leistet, verdient oder besitzt.

    #13111

    @yuri

    Mein Blickwinkel ist ein anderer Vergleicht man sich mit anderen Betroffenen, findet man immer jemand,dem es noch schlechter geht.

    Dadurch relativiert sich das eigene Leid.

    @lightness

    Meinem Selbstvertrauen helfen Vergleiche. Da hat mir die Zeit in der Tagesklinik sehr geholfen. Seitdem leide ich nicht mehr.

    Inzwischen bin ich mit mir zufrieden. Das war ich lange nicht.

    #13113

    Es geht mir nicht um das Selbstwertgefühl.

    #13114

    Ich vergleiche mich auch lieber mit Erkrankten. Würde ich mich mit jemandem vergleichen, der voll im Leben steht und Karriere macht, würde ich wahrscheinlich verzweifeln und das hat auf keinen Fall etwas mit mangelndem Selbstvertrauen zu tun, sondern eher mit einem Mangel an Möglichkeiten.

    #13117

    Ich suche mir lieber eine Nische, die in keinen Wettbewerb eingebunden ist. Da bin ich immer der König. Ich sehe mich auch nicht als Konkurrent zu anderen psychisch Kranken. Denke eher in einem Wir-Gefühl.

    #13127

    @yuri

    Verstehst Du mich absichtlich falsch?
    Krankheit ist für mich kein Wettkampf.
    Auch ich sehe uns als ein Wir.

    #13133

    Ich kann Dich gut verstehen, Mango.

    Mir geht es ähnlich wie Dir.
    Mein bester Freund, mit dem ich täglich telefoniere, ist in einer ähnlich schlechten Situation wie ich, genaugenommen noch schlechter dran als ich. Er ist auch psychisch krank.

    Wir versuchen beide tapfer das Beste aus unserer Situation zu machen, geben uns gegenseitig Halt, wie das Gesunde vermutlich nicht können.

    Mir fällt zudem auf, dass ich mich in meiner neuen Wohnung wohlfühle, in der ich allein lebe, weil mich Keiner mit meinen Defiziten konfrontiert. Ich mache Alles eben in meinem Tempo in der von mir gewählten Priorisierung.
    Wenn ich am Wochenende insgesamt 8h in im weitesten Sinne Hausarbeit investiere, macht mich das zufrieden, auch wenn ich gar nicht so sonderlich viel zustande bringe.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 5 Monate, 2 Wochen von DiBaDu DiBaDu.
    #13146

    “Verstehst Du mich absichtlich falsch? Krankheit ist für mich kein Wettkampf.”
    @mango: Ich finde das Abgleichen einfach nicht gut. Man sucht sich welche, die schwächer sind, um sich selbst aufzuwerten. Jedes hat sein eigenes Tempo, aber niemand ist besser oder schlechter deswegen.
    Um mich selbst einzuschätzen, brauche ich keine anderen Kränkeren für meine Bewertung. Ich stecke einfach meine individuellen Ziele.

    #13150

    Mir bringt das vergleichen mit anderen Menschen, egal ob gesund oder krank, ueberhaupt nichts. Es ruft nur unterschiedliche Emotionen bei mir hervor. Vergleichen tue ich fuer mich immer nur vor und nach der Erkrankung, da ich erst vor fuenf Jahren und damit sehr spaet erkrankt bin und vorher ein reiches und erfuelltes Leben hatte. Das macht mir zu schaffen, sonst nichts !

    #13151

    Ich vergleiche mich nicht mehr mit dem Zustand vor der Erkrankung – 2001 liegt einfach zulange zurück. Ich vergleiche mich mit den Zuständen zwischen den Psychosen – wo es mir gefühlsmäßig schon schlechter, aber auch schon besser ging.
    Wieviele Psychosen hattest Du schon Mango?
    Manchmal vergleich ich auch meine Gefülsrange mit dem Zustand in der Psychose – aber da bin ich nicht normal – der Vergleich hinkt.
    Ich habe meine Erkrankung in mein Leben integriert – fragte mich nie “warum ich?”.
    Bin mit meiner Verfassung jetzt relativ zufrieden.

    Ich glaube es ist normal das man sich mit seinen Mitmenschen auch ganz ohne Wettbewerb- gesund oder krank – vergleicht. Zumindest mach ich das. Zurzeit vergleiche ich mich viel mit gleichaltrigen – die jetzt meist Kinder haben. Stelle mir dann schon vor, dass es bei mir wohl genauso wäre, wenn ich die Erkrankung nicht hätte. Fühle mich aber dadurch nicht kränker – mein Leben ist dieses und das ist gut so.

    Durch dieses Forum beschäftige ich mich jetzt auch mehr mit Betroffenen, was ich vorher nie viel gemacht habe. Natürlich vergleicht man da auch. Mir tut es vorallem gut zu sehen, dass andere auch ähnliche Probleme haben wie ich oder wie ich sie hatte..

    #13156

    Ein Vergleichen muss ja nicht gleich was mit Bewerten und Hirarchie zu tun haben. Ich schau einfach wie es meinen Mitmenschen geht und frage mich dann wie es mir im Vergleich geht. Ob es Gemeinsamkeiten oder Unterschiede gibt. Man muss sich dadurch nicht besser oder schlechter fühlen. Menschen ob krank oder gesund sind alle gleich viel Wert meiner Ansicht nach – auch im Vergleich.

    #13157

    Theoretisch und nach der Lehre sind alle Menschen gleich viel wert. In der Praxis sieht das in unserer leistungsorientierten Fungesellschaft aber leider anders aus. Und fuehrt damit auch indirekt und oftmals auch emotional unweigerlich in ein Bewertungssystem. Hoeher, schneller, weiter, reich, arm, interessant, unscheinbar usw. sind im Denken der meisten Menschen fest verankert. Und das wird auch gelebt, bewusst oder unbewusst. Leider, ist aber so !

    #13179

    Ich finde, es ist doch eigentlich sehr schwer, objektiv zu vergleichen. Zum Beispiel hier im Forum, wenn ich von anderen lese – dann erfahre ich über sie nur das, was sie preisgeben. Ich erfahre nicht, wie es ihnen WIRKLICH geht. Stellen sie alles leichter und besser dar, als es ist oder haben sie eine subjektiv schlechtere Sicht auf etwas, das ich ganz anders empfinden würde? Es taugt meiner Meinung nach nicht für einen echten Vergleich. Und auch in real life ist das so – wer ist da wirklich ehrlich und offen, taugt für einen Vergleich? Was steckt hinter der Maske des Fröhlichen oder Jammernden? Es ist alles sehr komplex und kompliziert aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Jedenfalls kann man sich höchstens an groben Fakten orientieren, wenn man nach außen blickt – hat der andere noch Arbeit zum Beispiel, hat er eine Beziehung? Selbst diese Dinge haben für jeden eine andere Bedeutung. Insofern glaube ich, dass man sich am besten an sich selbst orientieren kann. Was möchte ich selbst, was ist mir wichtig und worauf kann ich verzichten? Bin ich mit mir selbst eins und im Reinen? Ich selbst beziehe meine Zufriedenheit aus der Erfüllung meiner eigenen, höchst individuellen Bedürfnisse. Ich ziehe Kraft aus meiner Selbstfürsorge, aus der Liebe zu mir selbst. Und natürlich aus meiner Liebe zu anderen. Die kann man ohnehin nicht vergleichen.

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