Begleitung durch ExIn / Integrierte Versorgung

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Dieses Thema enthält 42 Antworten und 14 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Avatar Lightness vor 1 Woche, 6 Tagen.

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  • #58445

    Liebe Foris, liebe Mitlesende,

    lieber Professor. Vielen Dank für das Aufgreifen dieses – wie ich finde – wichtigen Themas!

    Ich werde seit nunmehr drei Jahren durch eine ExIn-Genesungsbegleiterin (https://ex-in-deutschland.info)  begleitet (sowie eine sog. Professionelle Psychologin bzw. Sozialpädagoge).

    Für mich persönlich hat gerade das BEGLEITEN sehr viel gebracht. Es wurde über vieles gesprochen, aber es wurde nicht bewertet oder gar verhandelt. War mehr ein Austausch von Erlebnissen und Erfahrungen auch zu Medikamenten, Nahrungsergänzungsmitteln und Therapie(Optionen), Strategien und Skills und anderen. Hatte sehr oft den Eindruck und durfte erleben, dass gerade MEINE eigenen, ganz persönlichen Erfahrungen ernst genommen wurden, manches mal auch interessant und lehrreich waren für meine Begleiterinnen. Die junge Psychologin hat mir genau dies auch rückgemeldet, als sie im Mai diesen Jahres ging, dass sie „ganz ganz viel bei mir lernen durfte“.

    Diese Begleitung lehnt sich an das Konzept des Open Dialogues (Empfehlung : YouTube Film von Daniel Mackler)!

    Ich wurde teilweise auch zu Arztterminen begleitet und bekam Empfehlungen zum Beispiel zur Körperpsychotherapie und für meinen Psychiater.

    Manchmal war es einfach nur gut einen Ort zu haben, wo ich hin konnte, wenn ich Schwierigkeiten hatte und immer wieder die Einladung (!), dass ich schreiben oder anrufen dürfe – undzwar jederzeit!

    Es gab auch unglaublich tolle „Walking Meetings“, Spaziergänge und auch einige Hausbesuche.

    Nun endet es vrsl. nach drei Jahren. Man kann natürlich sagen: Alles hat seine Zeit. Und es ist vielleicht auch gut, wenn es endet? Wahrscheinlich gibt es – wie überall Vor- und Nachteile der zeitlich begrenzten Begleitung. Wobei ich glaube, dass das ehe ein finanzielles Ding ist und „wir“ haben einen Verlängerungsantrag gestellt. Das wären nochmal sechs Monate. Die Chancen stünden 50 : 50.

    Mal sehen! Ich kann jedenfalls mit Sicherheit sagen, dass mich genau dieses Konzept und auch mehrer Aufenthalte in der Krisenpension vor einem Einchecken in der Psychiatrie bewahrt haben und zudem auch haben reflektierter werden lassen – natürlich nicht das allein. Auch einige wenige sehr, sehr gute Kontakte auch hier, die ich habe knüpfen dürfen.

    Am wichtigsten war jedoch, das ich mich stets kritisch mit meinem Erleben auseinandersetzen UND darüber kommunizieren konnte – vor allem mit jemanden, der ähnliches erlebt hat!

    Bin dankbar, dass es das gibt und wünschte jede(r), der wollte, könnte solch eine Begleitung in Anspruch nehmen, so lange er oder sie es für sich als hilfreich empfindet – nicht unbedingt zeitlich begrenzt auf ein bestimmtes Datum. Denn Genesung braucht Zeit. Dessen bin ich mir sicher.

    Schöne Grüße

    escargot

     

     

    #58472

    Danke für deinen Bericht Escargot.

    Ich möchte ja nächstes Jahr die Ausbildung zum Ex-In machen und es liest sich gut, dass es wohl von Leuten auch so angenommen werden kann.

    Ich hoffe, dass ich den Job dann auch gut ausübe und Klienten auf ihrem steinigen Weg durch Krankheit und Psychiatrie hilfreich zur Seite stehen kann.

    #58478

    Hallo @candykills

    startest du im Frühjahr die Ausbildung? Ich würde sie auch manchmal gern machen und dann weiß ich doch wieder, dass es mich flashen würd‘!

    Erstrecht dann die Arbeit mit den Klienten, die alle „meine“ Probleme auch haben. Meine Begleiterin sagte zwar, man lerne es dort auch sich abzugrenzen und alles. Nur glaube ich, dass das bei mir ein Lebensthema ist. Also eines von mehreren.

    Wenn du magst, lass uns doch gern ein bisschen teilhaben an deiner Ausbildung! Alles Gute dafür!

    escargot

    :rose:

    #58481

    Bei uns gibt es Genesungsbegleiter nur in Kliniken und Einrichtungen, wie Begegnungsstätten. Hast Du es denn für Dich privat, Escargot?

    lg feli

    #58496
    Isa
    Isa

    Ehrlich gesagt hätte ich Angst von einer/m Ex-In begleitet zu werden. Was wenn sie/er instabil wird?

    Ich fühle mich mit meinem Netz aus Soziotherapeutin, Psychotherapeuten, Bezugspflege und Psychiater sehr gut aufgehoben. Alle arbeiten miteinander und mit mir zusammen.

    #58573

    Liebe @felinor

    liebe @isa

    ich nutze das Angebot im Rahmen der integrierten Versorgung.

    und ja es ist auch immer wieder eine gewisse Übung für mich (und für sie glaube ich auch). Mein Ding ist eben auch viel das Nichtabgrenzenkönnen.

    Und sie kennt mich sehr, sehr gut und schafft es Themen anzuticken, wo es schwer emotional wird oder zumindest werden könnte. Natürlich stoßen wir an ‚Grenzen‘. Mich/uns hat ganz viel die Sinnsuche beschäftigt. Ist nicht so leicht.

    Sie begleitet mich ja nicht allein, sondern es gibt auch immer noch einen von den sog. Profis (Psychologin, Sozialarbeiter) – wobei ich sie häufig als viel professioneller empfinde und eben sensibler. Aber dass das mit der Person steht und fällt, ist mir durchaus klar und das ich echt eine Art Sechser im Lotto mit ihr hatte (und noch habe)!

    Liebe Grüße und Dankeschön für euer Interesse!

    escargot

    P.S.: Die ganzen sog. Profis kennen halt dieses äh seltsame Erleben nicht von sozusagen „der anderen Seite der Mauer“…. finde das versperrt ihnen durchaus auch eine andere Sicht.

    #58768

    Ich finde das Konzept voll gut. Dass den schizophren Kranken eine Betreuerrolle zugetraut wird, kann ich kaum glauben irgendwie. Aber es funktioniert ja offensichtlich. Wünsche @escargot dass es ihr hilft.

    #58771

    Najaaa @yuri es ist eben KEINE BETREUERrolle! Es ist Begleitung. Ist ein sehr großer Unterschied.

    nächtliche Grüße

    escargot

    #58773

    Ah so, ich verstehe. Begleitet wird man auch oft lieber als betreut. ;)

    #58782

    Ich war über die TK auch im integrierten Programm, aber bei uns gab es nur Psychologen und Sozialarbeiter keine Genesungsbegleiter. Ich hatte es da nur mit 2 Psychologen zu tun und die hatten keine Erfahrung mit Psychosen, wie sie sagten. Ich hab dann das Programm beendet und kann es auch nicht wieder neu beginnen.

    #58826

    @yuri Es gibt auch praktizierende Psychiater (!) die eine EXIN Ausbildung haben, also Betroffene sind !

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Wochen, 6 Tagen von Freia Freia.

    Liebe Grüße
    Freia

    Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen. --- Astrid Lindgren

    #58830

    @freia Echt? So ein Psychiater ist dann wahrscheinlich der Hauptgewinn.
    Mir scheint, diese ExIn/Begleitung ist überhaupt eine sehr gute Komponente, die Versorgungslücke einigermaßen zu schließen.

    #58831

    Ja, echt @yuri . Der Dr. Jan Schlimme z. B.! Ob das dann der Hauptgewinn ist weiß ich nicht. Ich bin der Meinung zuerst muss die Chemie stimmen zwischen Behandler und Patient – das ist das Wichtigste.

    Liebe Grüße
    Freia

    Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen. --- Astrid Lindgren

    #58848

    @freia So seh ich das auch.

    @escargot Ich wollte noch fragen: Seid Ihr, Du und Deine Genesungsbegleiterin, jetzt befreundet oder ist das rein professionell geblieben? Gibt es da Regeln?

    #59091

    Hallo,
    wir diskutieren bei uns im Krankenhauskonzern gerade die Frage, ob und welche Behandlungsangebote insbesondere auch Online bzw. mit moderner Kommunikation (“Digitalisierung”) einschließlich Tagebuch/Erinnerungsfunktionen und direkter Kontaktmöglichkeit zum Therapeuten/Genesungsbegleiter nach einer stationären Behandlung zu Hause (sogenannt poststationär) sinnvoll und notwendig sind.
    Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie als Betroffene dazu eigene Einschätzungen vornehmen könnten, wie lange nach einer stationären Behandlung, wie oft bzw. mit welcher Kontaktmöglichkeit Sie gerne eine poststationäre Behandlung/Betreuung/Kommunikation/Unterstützung z.B. bei Behördendingen/unerledigte Dinge/arbeitsmarkt aber auch in bezug auf die BElastungen durch die vorhergehende Erkrankung haben würden.
    Über Kommentare würde ich mich freuen.

    Prof. Klimke

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