Heilung von Psychopharmaka

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Dieses Thema enthält 8 Antworten und 4 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Lightness Lightness vor 1 Woche.

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  • #14124

    Healing from antidepressants

    EDIT: Textübersetzung Video 1 „Healing from antidepressants: The power of neuroplasticity“

    Antidepressiva über Jahre zu nehmen kann zu Abhängigkeit und Nebenwirkungen führen.
    Antidepressiva beeinflussen den ganzen Körper massiv, alle Systeme:
    Nervensystem, Hormonsystem, Kreislauf, Muskelsystem, Verdauungssystem, Atmungssystem, Immunsystem, Harnsystem, Fortpflanzung, das Skelett und die inneren Organe. Am allermeisten Herz, Leber, Gallenblase, Nieren, Gehirn, Lymphe, Milz, Magen, Darm. Es kommt zu Bluthochdruck, einer übermäßigen Konzentration von Cortisol im Blut unter anderem mit erhöhtem Blutzuckerspiegel, Diabetes, spröde Knochen, Herzkrankheiten und Herzinfarkt.

    Irgendwann versucht man vielleicht die Medikamente abzusetzen. Aber da der Körper schwer abhängig ist und seine tägliche Dosis nicht bekommt, springt er in absolutes Chaos und unaussprechliches körperliches und emotionales Leiden.

    Dann kommen alle bekannten Absetzsymptome körperliches, psychischer, kognitiver und emotionaler Natur.
    Diesen Zustand nennt man Entzugssyndrom. Dieser Zustand wird in weiten Fachkreisen nicht anerkannt.

    Wenn man Psychopharmaka über lange Zeit nimmt, versucht der Körper wieder Homöostase herzustellen (Aufrechterhaltung eines Gleichgewichtszustandes eines offenen dynamischen Systems durch einen internen regelnden Prozess) – und das passiert oft in unlogischer und nichtlinearer Form. Die Symptome verändern sich, eines geht in das andere über, wird ein Symptom besser wird das andere schlechter.

    Manchmal dauert es lange zu heilen, aber Verbesserungen – wenn auch manchmal sehr langsam – die passieren.
    Wie funktioniert das?

    Wir wissen nicht so viel über neurologische Reparatur, aber man kann es sich so vorstellen: Damit der Körper sich reparieren kann werden manche Systeme vorübergehend abgestellt. Wenn diese teilweise repariert sind, werden diese wieder angeschaltet und die Reparatur läuft bei einem anderen System im Körper weiter. System für System werden alle Schaltkreise überprüft und Instand gesetzt und bringen Dich näher und näher an den Punkt, wieder komplett zu sein und Wohlbefinden zu haben.

    Beispiel Zauberwürfel

    Was macht das alles möglich? Einer der Gründe ist Neuroplastizität.

    Dann spricht Norman Doige am 29. März 2008 vor der Universität Toronto, kanadischer Psychiater, Psychanalytiker und Autor des Buches „Das Gehirn, dass sich selbst verändert“.

    #14127

    Healing from antidepressants Part 2

    EDIT: Übersetzung Video 2 „Healing from antidepressants. How to speed up the recovery process“
    Die Einsicht, dass da Gehirn sich ein Leben lang verändert und anpassungsfähig ist sei seiner Ansicht nach die wichtigste Erkenntnis im Bezug auf das Gehirn seit 400 Jahren. Es ist revolutionär und da alle menschlichen Aktivitäten aus dem Gehirn entspringen hat dieses neue Verständnis vom Gehirn großen Einfluss, auf alles, was man tut. (Das Gehirn wächst also buchstäblich an seinen Aufgaben. Es verändert sich ein Leben lang mit jeder neuen Erfahrung, wodurch sich auch Persönlichkeit und Verhaltensweisen fortentwickeln.)

    Das Super-Gehirn – was man machen kann, um die Heilung zu unterstützen
    Neuroplastizität definiert er als Fähigkeit des Gehirn, seine Struktur und seine Funktionen zu verändern. Das geschieht in Reaktion auf die Umwelt, wenn wir die Welt fühlen und erleben, und faszinierenderweise auch wenn wir denken und handeln.

    Hinweis: In der Anfangsphase eines schweren Entzugssyndroms, v.a. wenn man ein oder mehrere Psychopharmaka abrupt abgesetzt habe oder diese für viele Jahre genommen habe, dann seien die Aktivitäten, die in diesem Video gleich vorgestellt werden, körperlich und psychisch unmöglich für den Einzelnen, diese nachzumachen. Alle Körpersysteme seien so schwer betroffen, dass man schon große Probleme habe könne, überhaupt zu essen, zu atmen, zu gehen oder zu schlafen. Dann müsse die Heilung erst weiter vorangeschritten sein, bevor man sich damit befassen könne.

    Körperliche Aktivität
    Bewegung kann die graue Substanz/den Cortex (Neuronen) und die weiße Substanz (Verbindung zwischen den Neuronen) beleben/erhöhen. Körperliche Bewegung kann auch helfen, andere Beschwerden, die durch den Entzug ausgelöst werden, abzuwehren. Endorphine wird ausgeschüttet, was wiederum absetzbedingte Depressionen abzuwehren. Vergiss aber bitte nicht, auch leichte Übungen können Entzugssymptome verstärken. Und das nicht nur während der körperlichen Aktivität, sondern auch danach oder Tage später. Finde also heraus, welche Stärke und Häufigkeit Dir gut tut. Fang langsam an und höre auf die Reaktionen Deines Körpers.

    Gehirnjogging
    Das kann helfen, neue Neuronen aufzubauen (Neurogenese“, die Bildung von Nervenzellen im Hippocampus, befähigt das Gehirn, flexibel auf neue Informationen zu reagieren) und verbessert die funktionale Verbindung zwischen Synapsen und Dendriten zwischen den Neuronen.
    Möglichkeiten für Gehirnjogging: Puzzle, Kreuzworträtsel, Sudoku oder einfach indem Du Sachen anderes macht als sonst, z.B. andere Wege gehen als die gewohnten oder die linke Hand nutzen, z.B. beim Zähneputzen (bzw. für Linkshändern die rechte Hand nutzen)

    Meditation
    Sie kann nachhaltig die Gehirnfunktionen verändern, weil neue Gehirnzellen dadurch wachsen, das kann das Schlaffähigkeit und die Qualität des Schlafes verbessern und Stress, Unruhe und Depression verkleinern.

    Omega-3
    Es reduziert Entzündungen und erleichtert Schmerzen (wenn man es verträgt), verbesserte Symptome, die Depressionen zugeordnet werden, es verbessert die Erregungsübertragung zwischen den Nervenzellen, ein wichtiger Prozess für die ordnungsgemäße Koordination von glatten Muskeln, quergestreifter Muskulatur und Herzmuskeln, Körpersekreten und Organfunktionen.

    Irgendwann wirst du anfangen Dich besser zu fühlen und die schönen Emotionen kommen langsam zurück. Nicht aufgeben, niemals.

    #14135

    Danke Lightness, das macht Mut…lg Summer

    #14140

    Gerne @summer
    :-)

    Ich meine, es werden zwar nur ADs angesprochen, aber die Berichte könnten genauso gut für NL sprechen.

    #14143

    Ja da gilt das genauso…hab mir erst heute wieder die Broschüre zum NL und AD absetzen der DGSP (Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie ) durchgelesen. Kannst im Internet runterladen, falls du sie noch nicht kennst. Lg

    #14147

    Danke für den Tipp @summer. Werde ich mal machen.

    #14364

    Man muss nicht Absetzen, um die positiven Wirkungen dieser Dinge zu erfahren. Mir helfen solche Dinge (Meditation, Sport, gesunde Ernährung und Ernährungsergänzung, sinnvolle Beschäftigung statt rumhängen, …) auch wenn ich meine Medikamente nehme, gegen die Nebenwirkungen wie auch die Symptome der Erkrankung.

    Die Medikamente Abzusetzen kommt für mich persönlich derzeit nicht in Frage, weil ich von früheren Versuchen weiss, dass meine Symptome dann übermächtig werden und ich sie irgendwann nicht mehr aushalten kann. Ich kann jedem nur raten vorsichtig zu sein, manche Menschen kommen eine Weile auf ihre Psychose klar, aber für manche Menschen kann die evtl. folgende Psychose richtig (lebens-!)gefährlich werden, ich finde das sollte man bei keiner Diskussion über das Absetzen unerwähnt lassen!

    Man kann aber mit den aufgelisteten Dingen jederzeit aktiv gegen ungünstige Entwicklungen gegensteuern, es braucht nur etwas Selbstüberwindung, Anfangs mehr, später weniger. Die meisten Sachen brauchen aber auch ein wenig Zeit und Geduld, bis man die positiven Auswirkungen spüren kann.

    #14371

    Es kann echt gefährlich sein, seine Medikamente abzusetzen, das letzte Mal habe ich nur durch riesengroßes Glück überlebt.

    Ich glaube es ist nicht für jeden wirklich erreichbar und ich will in meiner Krankheit lieber daran halten Medikamente zu nehmen, bis es eine Möglichkeit gibt es auf sichere risikofreie Möglichkeiten gibt die Medikamente zu lassen.

    Ich habe leider durch die letzte Psychose viel mehr Symptome die gar nicht mehr weggehen, trotz Medikamente.
    Ich glaube daran, dass jede Psychose das Risiko hat die Krankheit chronisch zu verschlechtern.

    Jetzt muss ich es annehmen, es gab damals vermutlich keine Alternative um weiterzukommen.

    #14450

    Ich glaube daran, dass jede Psychose das Risiko hat die Krankheit chronisch zu verschlechtern.

    Das stimmt nicht. Ich habe jahrelang Stimmen gehört und beging dann einen krassen Selbsttötungsversuch, den ich knapp überlebt habe. Und danach waren meine Stimmen verschwunden und sind bis heute weg. Heute würde ich sogar sagen ich bin gesund, weil ich keine Symptome mehr habe.

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